Weto – Schattenspieler

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8

Weto – Schattenspieler

Weto – auch wenn bei dem Namen nicht jeder sofort weiß, wer sich dahinter verbirgt, so sind mindestens 4 der 5 Bandmitglieder fĂŒr viele von uns keine Unbekannten. Hinter Weto verbirgt sich ein Nebenprojekt von Schandmaul Frontmann Thomas Lindner, welches er mit drei weiteren SchandmĂ€ulern (Matthias Richter, Martin Duckstein, Stefan Brunner) und Heiner Jaspers von Regicide betreibt. Das Wort „Nebenprojekt“ trifft es hier jedoch nicht ganz, denn genau genommen war Weto bereits 1993 geboren – damals noch in einer etwas anderen Besetzung. Nach 2 TontrĂ€gern im Eigenvertrieb musste Weto hinter dem immer grĂ¶ĂŸer werdenden Erfolg von Schandmaul zurĂŒckbleiben, wurde sogar regelrecht von diesem Folk- Rock- Riesen ĂŒberrollt. Doch Totgeglaubte leben lĂ€nger und so erfuhr die Band 2005 ein Revival und schmettert 2011 das zweite Album aus dem Hause F.A.M.E. Recordings in die gespannten und hungrigen Massen.

„Schattenspieler“ nennt sich das neueste Machwerk und ein erster Blick auf die Tracklist lĂ€sst erahnen, dass man sich hier einem Kontrastspiel auf hohem Niveau hingeben wird. Musikalisch wird im Vergleich zu Schandmaul eine Schippe mehr HĂ€rte, mehr Gitarren und kein mittelalterlich beschwingendes Instrumentarium an den Tag gelegt. Die Stimme Lindners lĂ€sst zwar hier und da immer mal wieder an Schandmaul erinnern, aber auch er hat mehr Bestimmung, mehr Ernsthaftigkeit in seiner Stimme und weniger Liebelei und Gedankenlosigkeit.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass inhaltlich fernab von MĂ€rchen und Sagen in den Wunden unserer Zeit gebohrt wird. Neben dem obligatorischen Zwischenmenschlichen, das wir immer wieder in Frage stellen, auf Mark und Nieren prĂŒfen und dann bejahen oder aus Selbstschutz verwerfen („In Das Licht“, „Zwei Raben“) halten aber auch ganz andere Themen Einzug auf der Weto- Tagesordnung. So werden wir beim Titelsong „Schattenspieler“ direkt in eine Depression gefĂŒhrt und lassen uns von Lindners Stimme mitreißen. Eine weitere Folge unseres viel zu schnellen, viel zu modernen Lebens, in dem wir alles nur noch elektronisch abwickeln, erwartet uns bei „Ausgebrannt“. Und immer wieder schreit uns ein mahnender Thomas „Dann brennst du aus!“ ins Ohr. Authentisch gehastet wird auch beim Sound und Inhalt und Musik passen wie die Faust aufs Auge. Immer wieder werden nicht nur Problemchen der Gesellschaft aufgegriffen, sondern selbst richtige Gesellschaftstumore werden thematisiert. So erzĂ€hlt „Krank“ von dem unauffĂ€lligen, unter uns lebenden Individuum, das in unserer Zeit seine kriminelle Energie entwickeln kann, ohne bemerkt zu werden. Und immer wieder klingt der Zusammenhang von individueller Anomalie und Missentwicklung der Gesellschaft an. Raum zum eigenen Denken liefern uns Weto genug, auch wenn sie ihrerseits klare Statements geschickt in intelligente Texte verpacken. Eine ganz andere Problematik wird in „Orient Und Okzident“ zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, ist es doch geprĂ€gt von einem Aufruf zur verstĂ€rkten AuslĂ€nderfreundlichkeit und dem erweiterten VerstĂ€ndnis, dass wir Menschen doch in erster Linie Menschen sind, gleich wo wir leben und was wir erlebt haben.

Weto nehmen sich in ihren Songs tatsĂ€chlich einem Großteil der Schattenseiten des menschlichen Daseins an und schmĂŒcken mal mit etwas mehr, mal mit etwas weniger Keyboard, mal mit harten, mal mit melodischen GitarrenklĂ€ngen ihre Gedanken so aus, dass sie dem Hörer gefallen. Wer genau hinhört, kommt hier und da ins GrĂŒbeln und spĂŒrt die Ernsthaftigkeit, die dem Ganzen inne wohnt. Und auch wenn Lindners Stimme an manchen Stellen einem leichten Einschlag in Richtung Schlager unterliegt, so schaffen es ein sattes Gitarrenriff oder bebende Drums immer wieder, das Gesamtwerk zu retten.

Der aktuelle Silberling „Schattenspieler“ hat mich positiv ĂŒberrascht und scheint mehr als nur ein Spielplatz zum Austoben zu sein. Eine starke Scheibe, die nicht nur einem Schandmaul- Fan, sondern auch mit Sicherheit einem Deutschrock- Interessierten gefallen wird!

Tracklist:
01. Eiszeit
02. Feuertanz
03. Was bleibt
04. In das Licht
05. Orient und Okzident
06. Glaubst du noch
07. Krank
08. Schattenspieler
09. Reise
10. Ausgebrannt
11. Zwei Raben
12. In das Licht (Radio edit)

Autorin: Tanja Pannwitz


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