APOCALYPTICA / LIVINGSTON – Köln, E-Werk (28.10.2010)

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Mit seinem Instrument in der Hand stürmt er über die Bühne, stellt sich gefährlich nah an den Rand ? und nimmt Kontakt auf. Blickkontakt zu den Menschen, die dicht gedrängt an der Absperrung stehen, die seit Stunden auf nichts anderes warten, als endlich die Finnen mit ihren Cellos live zu hören. Und ihre wahnsinnige Show zu erleben.

Als sich die Blicke von Perttu Kivilaakso mit denen des Publikums treffen, bricht ein Begeisterungssturm los. Einige Zuschauer kreischen, andere heben sofort ihre Hände über den Kopf und klatschen den Takt der Musik mit. Musik, die live durch drei Cellos und ein Schlagzeug entsteht ? aber einer Heavy Metal Band alle Ehre macht. Während sie noch langsam mit ?On the rooftop with Quasimodo? losgelegt haben, prescht wenige Minuten später Eica Toppinen nach vorne, begrüßt das Kölner Publikum und verspricht, dass die Party mit ?Grace? nun so richtig beginnen würde. Und sie beginnt tatsächlich. Die Zuschauer headbangen, klatschen und schreien sich die Seele aus dem Leib. Die Musiker stürmen mit ihren Cellos über die Bühne, Drummer Mikko SirĂ©n erhebt sich immer wieder von seinem Hocker, spielt im Stehen weiter. Als die ersten Takte vom Metallica-Cover ?Master of Puppets? erklingen, singen die Fans lauthals mit, ersetzen die Stimme von James Hetfield nahezu komplett.

Als Eica Toppinen nachfragt, wer sich schon das neue Apocalyptica-Album gekauft hätte, heben sich nur wenige Hände in die Luft. Der Cellist schüttelt den Kopf: ?Mensch, Leute, was ist denn mit Euch los? Das ist ein gutes Album, kauft es! Am besten gleich nach der Show am Merchandise-Stand.? Gespannt beobachten die Zuschauer, welcher Gastsänger gleich die Bühne betreten wird ? ?End of me? ist angekündigt, auf dem Album von Gavin Rossdale gesungen. Doch anstatt dem Sänger von Bush betritt Tipe Johnson von den Leningrad Cowboys die Bühne und intoniert mit seiner Rockröhre die ersten Zeilen des Songs. Das erste Mal an diesem Abend ist die Stimmung verhaltener ? vielleicht, weil nur wenige den neuen Song mögen, vielleicht aber auch weil sie den Song mit einer komplett anderen Stimmfarbe in Verbindung bringen. Besser wird das auch nicht bei ?I?m not Jesus?, ein Song der unwillkürlich an die kraftvolle Stimme von Corey Taylor, dem Sänger von Slipknot und Stone Sour, erinnert.

Doch von dem kurzen Stimmungseinbruch lassen sich die vier Finnen von Apocalyptica nicht aus der Ruhe bringen. Sie stimmen mit Refuse/Resist, ein Sepultura-Cover, an. Und wenige Sekunden später haben sie ihr Publikum wieder dort, wo sie es haben wollen: Auf dem absoluten Stimmungshöhepunkt. Klassisch und ruhig wird es schließlich bei ?Beautiful? und ?Sacra? ? die Fans halten inne und lauschen den zarten Klängen, die die Musiker ihren Instrumenten ebenso virtuos entlocken, wie die harten Heavy-Metal-Klänge. Die Coverversion von Metallicas ?Seek and Destroy? bildet gegen Konzertende noch einmal einen wunderbaren Höhepunkt ? wieder singt das Publikum zumindest den Refrain mit. Mit ?Hall of the Mountain King? entlassen Apocalyptica ihrer Zuhörer schließlich zufrieden in die Nacht.

Nicht unerwähnt sollte jedoch auch die Supportband bleiben: Livingston aus London überraschten mit einer grandiosen Rock-Show, viel Spielfreude und großartigen Songs. Bleibt zu hoffen, dass man diese Band noch das ein oder andere Mal in Deutschland begrüßen kann.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos.

Apocalyptica:



Livingston:

Autorin: Esther Mai
Fotos: Michael Gamon

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