DE/VISION / TENEK / SLAVE REPUBLIC – Bochum, Matrix (09.05.2010)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Drei wichtige Ereignisse an nur einem Sonntag: Wahltag, Muttertag und am Abend besteht äußerste POPGEFAHR!

Wer sich die letzten 24 Stunden noch den Kopf über Dinge wie dem richtigen Geschenk für seine Mutter oder das richtige Kreuzchen auf dem Wahlzettel gemacht hat wird am Abend mit sorglosen Melodien und einer elektrisierenden Party belohnt.
Eine der letzten überlebenden deutschen Synthiepop Bands der 90er machen einen Zwischenstopp in Bochum. Mit im Schlepptau haben De/Vision zwei Duos: Slave Republic aus Düsseldorf und die Brightoner Kollegen Tenek.

Mit Gitarre und Bass in der Hand steht das erste Duo Slave Republic auf der Matrix Bühne. Die synthetische Unterlage sowie der schlagende Rhythmus kommen aus der Konserve. Die Songs mit denen Slave Republic das Bochumer Publikum aufwärmen stammen von ihrem zwei Monate alten Silberling ?Electric One?. Die very 80s elektronisch, popigen Indie Melodien verströmen in dem noch licht besiedelten Gefahrengebiet Tanzbarkeit mit angenehmer Stimmung.

Nach kleinen technischen Startschwierigkeiten und leichter Verzögerung können Tenek nun ihren elektronischen Sound dem Publikum in die Ohren jagen. Der Innenraum füllt sich langsam auf, das Volumen zwischen den Reihen wird etwas schmaler. Die Tenek Klänge brutzeln einige Grade härter durch den Raum als der melodieorientierte Slave Republic Pop.

Geoff Pickney, auch Nebenjobber bei Mesh, nimmt mit seinen Tasten die Show in die Hand, für den Gesang ist er ebenfalls weitreichend zuständig. Seinem Bandgesinnten Peter Steer steht an diesem Abend aber für einen Song, auch das Mikrofon ganz alleine zur Benutzung bereit. Steers Haupttätigkeiten bei Tenek sind das klangliche Zufügen der Saiten und das gelegentliche Bedienen des Zweitkeyboards. Mit der umhängenden Gitarre, hinter den Tasteninstrument stehend, gleicht Steer einem Alleinunterhalter.

Die Songs vom Longplayer ?Stateless? bringen mit ihrem synthiegen Geblubber den Bewegungspegel der Zuschauer in Schwung. Die Tenek Kenner im Publikum mischen gesanglich bei ?Higher Ground? und ?Stateless? lautstark mit. Mit jedem Song steigert sich die Zufriedenheit der Anwesenden. Schrittweise driftet der Sound pulsierend zum Höhepunkt, der mit ?No Time For Fighting? endet.

Mit 21 Jahren gehört man zum jungen Gemüse doch De/Vision sind in diesem Alter schon alte Hasen. Im letzten Jahr gab es die Jubiläumstour zum 20jährigen Bandbestehen. 2010 heißt der Grund ?Popgefahr? um des Nachts durch die Städte zu ziehen. Mit ihrem aktuellen Album weisen Steffen Keth und Thomas Adam schon auf die Auswirkung des Verzehrs der zehn neuen Tracks darauf hin, dass es nicht ausbleiben wird, sich von einer gehörigen Portion lebhafter Klänge schutzlos im künstlichen Licht der Dunkelheit zu begeben. Doch die Warnung schreckt keinen Freund der De/Vision Soundmaschinen ab. Im Innenraum der Matrix steht das Publikum noch gesittet nebeneinander. Doch schon die ersten rhythmischen Takte mischen die Ordnung in den Reihen tänzelnd auf. Gut gelaunt steht Frontmann Steffen vor dem Publikum, bewegt sich 20 Songs lang taktvoll zur Popsynthetik. Atempausen kennt der Sänger nicht. In ständiger Bewegung animiert der De/Vision-Blickpunkt die Leute zum gefährlichen Spiel der Gute Laune Melodien. Der komplette Neuling ist in der Setlist versteckt. Klassiker aus zwei Jahrzehnte wie ?Your Hands On My Skin? oder ?I Regret? rutschen zwischen die nagelneuen Dinger. Die Soundverantwortliche Hälfte Thomas Adam bleibt im schimmernden Hintergrund an seinem Arbeitsplatz und sorgt für die richtigen Töne der Strommusik. Ohne seine Geräte würde das unverzichtbare ?Try To Forget? nicht ans Licht der Ohrmuschel kommen und ein pumpendes ?Plastic Heart? als schweißtreibendes Glanzlicht zum tanzenden Strom verkümmern.

Als das druckvolle ?Rage? durch den Raum poltert, geht die Popfröhlichkeit den Weg des Endes im tanzenden Schritt entgegen. Die Zahl 20 der Setlist ist noch nicht erreicht. Das Publikum lässt nach jedem Stück ordentlich Applaus plätschern. Dieses Geräusch erzeugt auf beiden Seiten zufriedene Gesichter. Trotz dieser beidseitigen glücklichen Lage ist das Ende nicht aufzuhalten. Steffen nimmt das Mikrophon für die letzten übriggebliebenen Strophen in die Hand. Mit seiner freien Hand hängt er noch einmal pantomimisch die knisternden, elektronischen Klänge in die Atmosphäre. Mit jedem befestigten Takt fallen im Hintergrund blaue Tropfen aus Licht auf dem Boden. ?Be A Light Of Yourself? begleitet die Leute auf einem sanften Weg, aus der Gefahrenzone hinaus.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:

De/Vision:

Tenek:

Slave Republic:

Autorin: Martina Peitz
Fotos: Michael Gamon

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