And One – Bodypop 1 1/2

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And One – Bodypop 1 1/2

And One gehören ganz sicher zur Speerspitze der deutschen Synthie-Unterhaltungsmusik und sind bereits seit ihren Anfangstagen, die mittlerweile immerhin schon zwanzig Jahre zurückliegen, erfolgreich. Gleich ihre erste Single "Metalhammer" schlug damals in der Szene ein wie eine Bombe und And One ließen diesem Hit in schöner Regelmäßigkeit weitere folgen. Dabei haben sie nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von Bands wie Depeche Mode, Erasure und Konsorten stark beeinflusst wurden und zollten diesen bei ihren Konzerten seit jeher mit vereinzelten Coverversionen Tribut. Bereits Ende 2007 kamen erste Stimmen auf, die ein Release eines And One Albums mit lauter Coverversionen aus eben jener Zeit ankündigten, verbunden mit einer entsprechenden Tour durch deutsche Lande. Besagte "Cover-Lover-Tour" fand im April 2008 statt und wir waren bei ihrem Konzert im Duisburger Pulp [Konzertbericht] dabei und konnten uns dort schon ein Bild vom zu Erwartenden machen und uns von der hervorragende Stimmung überzeugen, die die Neuinterpretationen im Live-Kontext erzeugten. Das zugehörige Album verzögerte sich allerdings eine ganze Weile, doch jetzt ist es endlich da und steht unter dem Namen "Bodypop 1 1/2" in den Regalen.

"Bodypop 1 1/2" enthält neun Coverversionen von solch illustren Genrevertretern wie Erasure, New Order, Camouflage oder den Pet Shop Boys, die allesamt auf den verschiedenen Stationen der Tour mitgeschnitten wurden, so dass die Besucher der
Tour hier sicher auch den ein oder anderen Song "ihres" Konzerts zu hören
bekommen. Angereichert wurde das Release darüber hinaus mit fünf eigenen Songs der Berliner, die das Album auch gleich einleiten. Den Anfang macht dabei "Love Is A Drug Abuser", ein Track der sofort die Marschrichtung für die neuen Songs festlegt, denn entgegen den eher tanzbar ausgelegten Songs auf dem Ursprungsalbum "Bodypop", wurde das Tempo hier eher etwas verschleppt und die Songs brauchen daher etwas Zeit, bis sie sich im Ohr des Hörers festsetzen. Diesem Trend folgend kommt auch die vorab ausgekoppelte Single "Peddy Is My DJ" daher, bei der Steve seine Bewunderung für den Plattendreher seines Vertrauens bekundet und irgendwie auch auf die "besseren Zeiten" verweißt, aus denen auch die später folgenden Coverversionen stammen, und in denen die Diskjockeys noch einen weitaus höheren Einfluss auf ihr Publikum hatten, als es im heutigen Internetzeitalter der Fall ist. Das darauf Folgende "Und Wenn" ist nahezu rein instrumental gehalten und schlägt eine Brücke zu den nächsten beiden Songs, die man in anderem Gewand bereits kennt, denn auf Bodypop 1 1/5 sind die Lieder "So Klingt Liebe" und "Love You To The End" in sogenannten 2005er Ur-Versionen zu hören. Diese unterscheiden sich sowohl textlich, als auch vom gesamten Arrangement her deutlich von den Versionen auf "Bodypop". Die Tracks sind nun etwas waviger und klingen älter oder positiv ausgedrückt "reifer", als die Jahreszahl 2005 es ausdrückt. "So Klingt Liebe" hat eine vollkommen andere Stimmung erhalten und wurde seiner klanglichen Bonbonoptik beraubt, was dem Song gut zu Gesicht steht. Und auch "Love You To The End" geht musikalisch und vorallem textlich gar in eine komplett neue Richtung und ist de facto eine Huldigungshymne an And One’s große Vorbilder Depeche Mode geworden. Hier muss man And One wirklich loben, SO müssen Remixe oder Coverversionen (wenn auch hier von eigenen Songs) klingen, nämlich den Songs etwas Eigenes und Neues geben.

Das soll dann auch gleich unser Stichwort zum zweiten "Abschnitt" des Albums sein, denn nach diesen fünf eigenen Tracks stehen nun endlich die Coverversionen im Blickpunkt, die dem Release überhaupt erst seine Grundlage gaben. Nach eigenem Bekunden stellt And One Frontman Steve Naghavi in letzter Zeit vermehrt fest, dass die Clubgänger von heute nicht mehr besonders firm in den richtungsweisenden Hits der Achtziger Jahre sind und wollte diesen seine Lieblingssongs mit Hilfe des Albums und der Cover-Lover-Tour wieder etwas näher bringen. Dies ist And One um es vorweg zu nehmen gelungen, denn auch wenn sie den Tracks keine komplett neue Richtung gegeben haben, so muss man doch konstatieren, dass sie die Songs voll vereinnahmt haben und durch einfache Verifizierungen aus den fremden Songs etwas gemacht haben, das perfekt in den And One Kosmos passt und auch komplett aus ihrer Feder hätte stammen können. Und auch wenn Steve kein absolut begnadeter Sänger im klassischer Hinsicht ist, so schaffen er und seine Mannen es doch immer wieder, den Songs einen eigenen Wiedererkennungswert zu verleihen. Mein persönliches Highlight der Cover ist Pet Shop Boys‘ "It’s A Sin" und das amüsante "Only You", aber auch die anderen Songs stehen diesen in nichts nach. Und so ertappe ich mich nach einigen Hördurchgängen, dass ich zu den Songs meiner Jugend statt der Originalinterpreten nun stets das Stimmorgan Steve Naghavis im Ohr habe.

Positiv anzumerken ist auch, dass man den dreien ihren Spaß auf der Bühne und die mit den Songs verbundene Begeisterung auch tatsächlich anmerkt. Man kann sich Steve genau vorstellen, wie er in bekannter Manier über die Bühne stolziert und natürlich dürfen bei seinen Ansagen auch der ein oder andere Scherz nicht fehlen. Angesichts der hier verarbeitetem Bandauswahl wie Erasure, Bronski Beat oder auch den Fyling Pickets überrascht es dabei kaum, dass diese auch gerne mal in die homoerotische Ecke abdriften, ohne dabei jedoch allzu platt zu wirken.

Ein gutes Album, das vor allem für all jene interessant ist, die Nachhilfeunterricht im Bereich Achtziger Jahre Synthpop benötigen oder diejenigen, die bei der Cover-Lover-Tour begeistert abgefeiert haben. Aber auch wer nicht dabei war, sollte das Album antesten, hier ist eigentlich für jeden etwas dabei.



Tracklist:
01. Love Is A Drug Abuser
02. Paddy Is My DJ
03. Und wenn
04. So klingt Liebe (Ur-Version)
05. Love You To The End (Ur-Version)
06. The Sun Always Shines On TV (live)
07. It’s A Sin (live)
08. Big In Japan (live)
09. The Great Comandment (live)
10. Smalltown Boy (live)
11. Blue Monday (live)
12. True Faith (live)
13. Sometimes (Erasure-Cover live)
14. Only You (live)

Bewertung 8 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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