The Verve – Forth

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The Verve – ForthThe Verve - Forth

The Verve - Forth

The Verve sind zurück ? mal wieder! Und wie schon bei ihrer ersten Reunion 1997, als ihr Erfolgsalbum ?Urban Hymns? eine Rückkehr mehr als nur rechtfertigte, haben die Nordengländer, knapp 9 Jahre nach ihrem zweiten Split, wieder ein klasse Album im Gepäck, welches auf den Namen ?Forth? hört und Ende August das Licht der Welt erblickte. Vorausgehend war die Band in den letzten 9 Monaten auf Tour, spielte in -in Rekordzeit ausverkauften- Clubs und auf diversen Festivals und testete dort bereits einige der neuen Songs an, die es nun auf Silberling zu hören gibt.

?Forth? ist das vierte offizielle Studioalbum der vier Gründungsmitglieder und macht es dem Hörer leicht, der Band ihre Abstinenz zu verzeihen, zumal die Bandmitglieder in der Zwischenzeit auch nicht untätig waren und auf einige Soloarbeiten zurückblicken können. Trotzdem schien die Zeit reif für ein neues Lebenszeichen des Hauptprojekts.

Zwar drängt sich beim ersten Anhören die Frage auf, ob das Album abwechslungsreich, oder die Band eher noch auf der Suche nach sich selbst ist, doch fügen sich die einzelnen Lieder beim mehrmaligen Hören immer weiter zu einem einheitlichen Ganzen zusammen und die Qualität der einzelnen Songs ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Los geht es mit ?Sit And Wonder?, einem Song in bester Rave- und Northern-Pop Tradition, der einen Brückenschlag zu den Neunziger Jahren darstellt, in denen uns The Verve beim letzten Mal verlassen hatten. Daran knüpft die erste Singleauskopplung ?Love Is Noise? nahtlos an, die auf dem Album durch ein im Vergleich zur Single hinzugekommenen Gitarrenpart von Virtuose Nick McCabe noch epischer daher kommt. Sänger Richard Ashcroft zieht einen hier wie sonst kaum ein anderer mit solch beschwörenden Zeilen wie ?Love Is Noise, Love Is Pain, Love Is This Blues I?m Singing Again? in seinen Bann und je länger der Song andauert, desto eindringlicher geschieht dies. Zudem besitzt der Song durch leicht verfremdete Backgroundgesänge einen hohen Wiedererkennungswert ? wirklich ein toller Song.

Wer angesichts der beiden Starttracks davon ausgeht, dass The Verve das Tempo auf der neuen Platte deutlich angezogen haben und ihr Gespür für den ihnen so innewohnenden eigenen Groove verloren haben, wird in der Folgezeit eines besseren belehrt. Denn nach zwei Songs, die eher auf eine Singleveröffentlichung zielen, kehren nun eben diese Rhythmen zurück, angefangen bei der Midtempo-Nummer ?Rather Be?, die von Piano und Streichern auf Händen getragen wird und den Hörer ins von den Neunzigern bekannte The Verve Universum entführt.

An dieser Stelle drängt sich dann auch gleich ein Vergleich der Songs mit dem Albumcover auf, denn die Songs erzählen quasi die Geschichte zum Cover, bei dem auf der Frontseite bedrohlich wirkende Gewitterwolken zu sehen sind, während die Wolken auf der Rückseite zwar noch immer vorhanden sind, jetzt aber heller und beruhigender wirken. Wirklich ein schönes Konzept was dem Album hier innewohnt.

Langsam und zart beginnt ?Judas?, steigert sich im Laufe der über sechs Minuten Spielzeit aber stetig, wenn Richards Gesang beschwörend und klagend zugleich wirkt und dabei von immer verquereren Gitarrensounds begleitet wird. Sphärisch geht es mit ?Numbness? weiter, bei dem einen das kurze Gitarrensolo in der Mitte des Songs sprichwörtlich in andere Sphären entführt und wieder die hypnotische Wirkung einiger The Verve Stück unterstreicht. Gleiches gilt auch für das folgende ?I See Horses?, bevor die Band mit ?Noise Epic? erneut einen anderen Weg einschlägt. Auch dieser Titel beginnt zunächst sehr ruhig und vorsichtig, steigert sich auf den gut acht Minuten Spielzeit, angetrieben von Simon Jones? Bass, aber immer weiter dem ?bereits vom Titel angedeuteten- noisigen Höhepunkt entgegen, wenn sich Gesang und Instrumente gegen Ende einen Kampf auf Biegen und Brechen liefern und dem Track wahrhaft epische Züge verleihen.

Weniger kämpferisch, dafür leicht verträumt geht es bei ?Valium Skies? zu, einem entspannten Popsong, der die Brücke zum jazzig angehauchten ?Columbo? schlägt, bei dem das psychedelische Element im Verlaufe des Songs mehr und mehr die Überhand gewinnt und erneut hypnotische Wirkung ausstrahlt. Für den Abschluss des neuen Albums sorgt mit ?Appalachian Spring? ein weiterer Popsong, der den Hörer ein letztes Mal mit auf eine siebenminütige Reise nimmt und am Ende glücklich zurück läßt.

?Forth? ist ein wirklich gutes Album geworden, das auch das Zeug hat, für längere Zeit bestehen zu bleiben und nicht als kurzes Lebenszeichen zu erscheinen, das bald vergessen ist. Das Album lebt und bei jedem neuen Hördurchgang gewinnen weitere Passagen an Bedeutung und bleiben im Gedächtnis hängen.


Tracklist:

01. Sit And Wonder
02. Love Is Noise
03. Rather Be
04. Judas
05. Numbness
06. I See Horses
07. Noise Epic
08. Valium Skies
09. Columbo
10. Appalachian Springs

Bewertung : 8 / 10 Punkte


Autor : Michael Gamon

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