Nick Cave and The Bad Seeds – Dig, Lazarus, Dig!!!

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Nick Cave and The Bad Seeds – Dig, Lazarus, Dig!!!

Nick Cave ist aus der Rockmusik nicht mehr wegzudenken. Nach seinen avantgardistischen Anfängen mit "The Birthday Party" hat es Nick Cave solo, aber vorallem mit seiner Band "The Bad Seeds", stets geschafft, sich zu verändern, sich neu zu entwickeln. Ein weiterer Beweis hierzu gelang ihm im Vorjahr mit dem in Zusammenarbeit mit Warren Ellis veröffentlichten Soundtrack zum Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", in dem Nick Cave sogar eine Gastrolle hatte und dem Debutalbum seines neuesten Projekts "Grinderman".

Und auch das jetzt erscheinende vierzehnte Studioalbum "Dig, Lazarus, Dig!!!" stellt wieder eine Abkehr von den betretenden Pfaden der letzten Alben dar, auf denen er sich gerne von weitgefächerten Instrumentierungen begleiten lies, die diesmal weitestgehend außen vor blieben. Auf "Dig, Lazarus, Dig!!!" wird im ursprünglichen Sinne gerockt, für die Melancholie vergangener Tage bleibt nur ganz selten Platz. Man merkt der Band ihre Spielfreude förmlich an und auch textlich hat der eh schon lyrisch stark veranlagte Cave -der mit "Und die Eselin sah den Engel" auch ein vielbeachteten Roman veröffentlicht hat- nochmal etwas zugelegt und erschafft wiedermal ausdrucksstarke Geschichten – düstere Geschichten!

Der Titel des neuen Albums bezieht sich auf ein biblisches Ereignis in dem Jesus den Lazarus von den Toten zurück ins Leben holt. Das Album beginnt gleich mit dem Titeltrack und gleichzeitig ersten Single "Dig, Lazarus, Dig!!!" energisch und mit einer Retro-Rhythmik. Während die Bad Seeds beschwörend den musikalischen und gesanglichen Hintergrund bilden, agiert Nick Cave wie eh und je als Geschichtenerzählerpar excellence und schick Lazarus thematisch ins New York der 70er Jahre. "Today’s Lesson" kommt im Anschluß musikalisch beschwingter daher, bewegt sich thematisch aber wie das gesamte Album eher in ernsteren und dunkleren Gefilden, wie der Heuchelei, die ihren Ausdruck in dem Refrain "We’re gonna have a real good time" findet.

Predigerartig erklingen Nick’s Vocals in "Moonland" zu einem eher getragenen Beat und einer leicht jaulenden Gitarre im Hauptteil. Noch ein Stück düsterer und leicht wavig geht es mit "Night Of The Lotus Eaters" weiter. Ein monotoner Bass bildet hier das Grundgerüst und bekommt nur dezente Unterstützung von Gitarre, Schlagzeug und Nicks beschwörendem Gesang. Weitaus energischer gehts dann wieder bei "Albert Goes West" zu. Hier wird gerockt und Nick Cave singt sich förmlich in Ekstase. Die Rockattitude bleibt auch beim Folgetrack "We Call Upon The Author" erhalten, bevor es bei "Hold On To Yourself" ruhiger zugeht und der Meister auch wieder etwas persönlicher wird und religiöse Motive behandelt.

Fast schon poppig geht es mit "Lie Down Here (And be my Girl)" weiter, ein purer Pop/Rocksong mit eingängigem Refrain. "Jesus Of The Moon" entwickelt sich wieder in eine andere Richtung. Die Melodie ist fast süßlich und hier wird auch wieder mit einer feineren Instrumentierung jenseits des Rock’n Rolls gearbeitet, was den Song zu einer wunderschönen Ballade macht. "Midnight man" entwickelt sich nach und nach zu einem verstörenden Song in dem Orgelklänge das Soundbild bestimmen und am Ende unheilvoll ineinander zusammenbrechen.

Den Abschluß bildet "More News From Nowhere", das durch den sich vielfach wiederholenden Refrain und seinen intensiven Text für Aufsehen sorgt. Und in eben diesem Text begegnen wir wieder einer alten Bekannten: Deanna! Genau an diesen Caveschen Song von 1988 erinnert dann auch der Gospelchor-Refrain dieses Schlusstracks, wodurch der Kreis mit der Vergangenheit endgültig geschlossen wäre.

Nick Cave und seinen Bad Seeds gelingt es auch auf "Dig, Lazarus, Dig!!!" wieder einmal sich weiterzuentwickeln, ohne dass man auch nur für den Bruchteil einer Sekunde vergessen könnte, wessen Werk man hier sein Gehör schenkt. Zu eigenständig war und ist der Australier in dieser Musikwelt und bewahrt sich auch weiterhin seinen hohen Wiedererkennungswert. Ein Album, das seine Qualitäten mehr und mehr entfaltet und sich dem Hörer erst nach mehrfachem Genuss endgültig erschließt. Nick Cave wird nicht müde Musik zu machen und solange er dies mit dieser Leidenschaft hinbekommt, wird auch die Fangemeinde nicht müde ihm zuzuhören.


Tracklist:
01. DIG, LAZARUS, DIG!!!
02. Today’s Lesson
03. Moonland
04. Night Of The Lotus Eaters
05. Albert Goes West
06. We Call Upon The Author

07. Hold Onto Yourself
08. Lie Down Here (And Be My Girl)
09. Jesus Of The Moon
10. Midnight Man
11. More News From Nowhere

Autor : Michael Gamon

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