LEGEND – Midnight Champion

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GeschÀtzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung

9

„Ein fast perfektes Synthrock-Epos“

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Die Erwartungen waren hoch. Das Wichtigste vorweg: Sie wurden erfĂŒllt. Legend legen fast fĂŒnf Jahre nach dem sensationellen DebĂŒt Fearless mit einem herausragenden Zweitling nach. Midnight Champion kommt nach mehreren Verzögerungen nun endlich auf den Markt, zur eigentlich fĂŒr den Releasezeitraum Mitte Oktober geplanten Deutschland-Tournee kam es leider nicht. Eine Konzertreise fĂŒr 2018 soll aber in Arbeit sein. Hoffen wir es.

Denn zumindest in den ersten 40 von insgesamt 59 Minuten machen SĂ€nger Krummi Björgvinsson und Co. einfach alles richtig. Kein Song geht unter der 4:40-Marke ins Ziel, was den StĂŒcken eine ganz eigene Stimmung, Tiefe und AtmosphĂ€re vermacht. So beginnt Cryptid mit sphĂ€rischen, sich ĂŒber zwei Minuten erstreckenden Tönen, spĂ€ter entwickelt sich der Album-Opener zu einer schleppend-schönen Hymne mit wuchtigen Drums, tollen Harmonien und dem gewohnt ergreifenden Gesang von Björgvinsson. Frostbite und Adrift gehen qualitativ wie musikalisch in eine Ă€hnliche Richtung. Time To Suffer beginnt hingegen EBM-lastig, holt gestĂŒtzt von mĂ€chtigen Riffs spĂ€ter die Fans aus der Zeromancer- und Orgy-Ecke ins Boot. Gerade Fans der beiden letztgenannten Bands kommen auf gesamter AlbumlĂ€nge auf ihre Kosten, Midnight Champion fĂ€llt insgesamt deutlich gitarrenlastiger aus als sein VorgĂ€nger.

Der Titelsong ragt heraus

Im Anschluss an die ersten vier StĂŒcke ist erstmal Durchatmen angesagt. Es folgen die stĂ€rksten 13 Minuten, welche die Genres Synthrock und Industrial Rock in diesem Jahrtausend erlebt haben. Captive beweist eindrucksvoll, dass die Begriffe „KomplexitĂ€t“ und „EingĂ€ngigkeit“ nicht immer zwingend gegensĂ€tzlich sein mĂŒssen. Und als ob das Album bis hierhin nicht schon stark genug wĂ€re, legen Legend dann einen Titeltrack nach, der selbst am Thron von Trent Reznor rĂŒttelt. Schon beim DebĂŒt setzten die IslĂ€nder den besten Song der Platte an sechste Stelle, nun holt Midnight Champion den Runaway Train mindestens ein. Ein fabulöses Siebeneinhalb-Minuten-Epos, das in Kombination mit dem kĂŒrzlich veröffentlichten Video noch ein wenig erhabener, ergreifender, und zerbrechlicher wirkt.

Es sind Kleinigkeiten gegen Ende der Platte, die Midnight Champion von der Höchstpunktzahl trennen. So nervt bei Liquid Rust die zwölfmalige Wiederholung der einzigen Refraintextzeile, das balladeske Gravestone kommt im Albumkontext wie ein Fremdkörper daher und ist Geschmackssache. Mit Children Of The Elements gelingt aber ein Ă€ußerst ĂŒberzeugender Rausschmeißer, der alle StĂ€rken der Band noch einmal auf den Punkt bringt.

Fazit: Was Produktion, Songwriting und Stimme angeht, schielt die Band hier eher in Richtung Stadion als in den Szene-Club. Manch einem mag Midnight Champion schon fast zu pompös produziert sein. Dies Ă€ndert aber objektiv betrachtet nichts daran, dass hier ein mehr als hörenswertes Album einer extrem talentierten Band vorliegt, welche die kleinen Kaschemmen der Republik hoffentlich in BĂ€lde verlassen wird und die großen BĂŒhnen bekommt, die sie verdient. Gerade innerhalb einer Szene, die nun wirklich nicht von einer ĂŒbergroßen Masse an qualitativ hochwertigen Festival-Headlinern verwöhnt ist.

Tracklist LEGEND – Midnight Champion:

01. Cryptid
02. Frostbite
03. Time To Suffer
04. Adrift
05. Captive
06. Midnight Champion
07. Scars
08. Liquid Rust
09. Gravestone
10. Children Of The Elements

Weblink LEGEND:

Facebook: https://www.facebook.com/Legendband/

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