KAUAN – Kaiho

kauan
GeschÀtzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung

10

Gesamtnote

Von klaren Wassern und nebeligen KĂŒsten – Kauan go tenhi

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Manchmal fehlen einem zum Beschreiben von Musik schlicht die passenden Worte. Schon ĂŒber eine Woche schiebe ich diese Rezension schon vor mir her. Kaiho ist schon lĂ€ngst erschienen und bei mir hakt’s an der adĂ€quaten Verbalisierung. Vielleicht helfen auch erst einmal ein paar allgemeine Informationen. Bands wie Kauan sind so selten wie Perlen in der Auster. Deren natĂŒrliche Vorkommen sind so rar, dass sie sich nur dem Suchenden offenbaren. Obendrein bleiben sie zwischen den ganzen kĂŒnstlich gezĂŒchteten, grellen Exemplaren leider meist unsichtbar.

Die Band um Anton Belov wurde 2005 in Chelyabinsk, einer russischen Stadt im Ural, der geographischen Grenze zwischen Europa und Asien, gegrĂŒndet. Mittlerweile ist die Band in die Ukraine umgezogen. Die meisten ihrer Texte sind in finnischer Sprache abgefasst. Musikalisch lassen Kauan Elemente aus Doom Metal, Ambient, Post-Rock etc. in ihre Musik einfließen. Aber diese Beschreibung ist lediglich eine KrĂŒcke, um die Musik von Kauan zu beschreiben. Da sich die Band jeglicher Einordnung entzieht, könnte man könnte auch sagen: Kauan machen ihr Ding, ohne sich um solche Einteilungen zu scheren und dieses Dings ist so außergewöhnlich, wie wundervoll auf jedem ihrer bisher erschienenen Alben.

Aller allerspÀtestens seit Sorni Nai (2015) sind die Russen zu Ikonen des Underground aufgestiegen. Das Konzeptalbum beschÀftigt sich mit den ungeklÀrten Ereignissen am Dyatlov Pass im Winter 1959, bei dem eine Gruppe russischer Studenten im lebensunwirtlichen Ural-Gebirge unter nicht zu klÀrenden UmstÀnden ums Leben kam. Sorni Nai wurde von der Kritik als konkurrenzloses Meisterwerk gefeiert. Nun ist ihr siebtes Studioalbum Kaiho erschienen. War Sorni Nai ein expressives Werk, das die Beklemmung und den Horror, aber auch die Hoffnung und Kameradschaft seiner Protagonisten aufs Vortrefflichste transportieren konnte, richtet sich der Blick auf Kaiho nach innen.

Anton Belov fĂŒhrt uns zurĂŒck in die Kindheit, ihre Orte, die uns Geborgenheit gaben, ihre Euphorie und die unschuldige Idylle. Er fĂŒhrt uns aber auch zu den GefĂŒhlen des Erwachsenseins, das Erwachen der Verantwortung und die Schwere ihres Gewichts. Kaiho ist dabei die Quintessenz des Songwritings, pur, vielschichtig, diffizil und anspruchsvoll. Es wird ruhiger. Die Metal-Anleihen treten zurĂŒck und transformieren zu einzelnen drĂ€ngenden Post-Rock oder flirrenden Shoegaze Schlaglichtern. Ab und an hört sich ein Song an, als wĂŒrde er von einer alten Schellackplatte abgespielt (Poissa). An anderes Mal erklingt ein vielstimmiger Chor aus Balalaikas (Lahja). Dann wieder hört man das Meer, so schlicht und intensiv, dass man seine KĂ€lte und den rauen Wind beinahe auf der Haut spĂŒren kann (Kasvot). Der Titelsong Kaiho ist pure Introspektion, ein Schweben ĂŒber nebelige HĂŒgel, ein Wandeln in taubenetztem Gras.

Die Musik hebt dich sanft auf und pflanzt ein unbĂ€ndiges GefĂŒhl der Sehnsucht und hungriger Euphorie in deine Seele. Anton Belovs Gesang hört sich so unprĂ€tentiös und ruhig an, dass er mit den natĂŒrlich gewachsenen, dichten Texturen der Musik verschmilzt. Die GenialitĂ€t von Kaiho offenbart sich in seiner Ruhe und scheinbaren Einfachheit. TatsĂ€chlich verbirgt sich hinter den Arrangements eine Perfektion, die ich bisher vergleichbar nur bei der finnischen Band tenhi gehört habe. Kaiho ist ein erhabenes, vielschichtiges Kleinod, ein anmutiger, harmonischer Gruß vom zerrissenen, östlichen Rand Europas.

Das Album ist am 22.09.2017 bei Kauanmusic (self-release) erschienen.

Anspieltipps: Lahja, Nainen

Tracklist KAUAN – Kaiho:

01. Lapsenmuisto
02. Kasvot
03. Siiville Nousu
04. Poissa
05. Lahja
06. Nainen
07. Sateen Huuhtoma
08. Kaiho

Weblinks KAUAN:

Official: http://kauanmusic.com/
Facebook: https://www.facebook.com/search/top/?q=kauan
Bandcamp: https://kauan.bandcamp.com/

Kaiho

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