SOROR DOLOROSA – APOLLO

Apollo
GeschÀtzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung

9

Gesamtnot

Der klassische Goth-Rock zeichnet sich unter anderem durch ganz viel Moll aus. Der Bass wird heruntergestimmt und noch vor den Gitarren zum treibenden, dominierenden Instrument. Diese agieren im Goth-Rock gegenĂŒber anderen Rock- oder Metal-Richtungen deutlich zurĂŒckgenommener und filigraner. Es wird eher auf Akkorde verzichtet und auf Melodien gesetzt. Hinzu kommt der charakteristische dunkle und/oder klagende, in den höheren Lagen leicht brechende, heulende Gesang.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Goth-Rock ist das verfĂŒhrerische Element der DĂŒsternis, voller dunkler Erotik und sehr sexy. Er ist reine Sehnsucht und Verzweiflung, ein zehrender Sog zelebrierten, dekadenten, abgrĂŒndigen Leids. Es fĂ€llt leicht sich in diesen köstlich-schmerzvollen Abyss zu werfen, denn tanzbar sind die meisten StĂŒcke obendrein. Beinahe unweigerlich fĂŒhlt man sich wie eine dieser coolen, ĂŒberirdisch schönen Figuren aus The Crow oder Only Lovers Left Alive und möchte hingebungsvoll den Mond anheulen.

Genau diese Art von Musik machen Soror Dolorosa, die den Schmerz bereits im Namen fĂŒhren und jetzt mit ihrer vierten Veröffentlichung Apollo aufwarten. Damit hĂ€tte man vielleicht auch schon alles gesagt: Die französische Band Soror Dolorosa macht guten, klassischen Goth-Rock und hat ein neues Album mit Namen Apollo. Lasst uns ein Gewand aus schwerem, schwarzen Leder und Spinnweben anlegen und zu Kindern der Nacht werden.

Und das alleine wÀre doch schon fantastisch genug, oder? Nicht nur, dass sich Apollo handwerklich nahezu perfekt, komplex und trotzdem eingÀngig vorstellt und die einzelnen Songs wie eine melancholische Reise durch Schönheit und Trauer, durch Drama und Leichtigkeit perfekt ineinander greifen. Soror Dolorosa schaffen es obendrein durch das Experimentieren mit Post-Rock-, Shoegaze-Elementen dem Goth-Rock die Frischzellenkur zu verpassen, die dieser schon seit beinahe 20 Jahren bitter nötig hat.

Exemplarisch fĂŒr so viel Innovation stehen Songs wie The Night Is Our Hollow, getragen von sanft dröhnenden KeyboardflĂ€chen und vertrĂ€umt, schwebenden Gitarren echot Andy Julias mehrstimmiger, ergreifender Gesang. Nicht weniger herausragend: Another Life, das alles Zeug fĂŒr eine Post-Rock Hymne hat, die alle Clubs erobern könnte.

Apollo (mit einer Basslinie und ein paar Riffs direkt aus dem Goth-Rock Himmel), Everyway (mit seinem infernalen Finale) und The End (Oh welch‘ hoffnungsvoller Schmerz steckt in diesem Text?!) sind waschechte Goth-Rock und Cold-Wave-Songs, fĂŒr die sich The Sisters of Mercy, The Cure oder Fields Of The Nephilim ein Bein herausgerissen hĂ€tten. Melancholie und Ruhe mischen sich mit einem einsamen Klavier und dem entfernten LĂ€rm der Straße bei A Long Way Home. Dieses kurze Ambient-Kleinod weckt Erinnerung an dieses unbestimmt-traurige GefĂŒhl, dass jeden schon nach einer durchfeierten Nacht beschlichen hat. DAS Highlight auf Apollo aber war fĂŒr mich Golden Snake: ein dĂŒsteres, hungriges, animalisches Verlangen von einem Song, das Apollo die Krone aufsetzt.

FĂŒr all das haben sich die vier Jahre Arbeit an Apollo ausnahmslos gelohnt, in denen das Album und die Band am Album Zeit hatten zu reifen.

Apollo erscheint am 15.09.2017 bei Prophecy Productions.

Anspieltipps: Another Life, The End, Golden Snake

Tracklist SOROR DOLOROSA – Apollo:

01. Apollo
02. Locksley Hall
03. That Run
04. Everyway
05. Night is Our Hollow
06. Another Life
07. Breezed & Blue
08. Yata
09. The End
10. Long Way Home
11. A Meeting
12. Deposit Material
13. Golden Snake
14. Epilogue

Weblinks SOROR DOLOROSA:

Bandcamp: https://sorordolorosa.bandcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/sorordolorosaofficial

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