RELOAD FESTIVAL 2017, Samstag – Sulingen (26.08.2017)

Amon Amarth, © Markus Hillgärtner
Amon Amarth, © Markus Hillgärtner
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Auch am zweiten Festivaltag wurden wir vom Soundcheck des Headliners geweckt, wenngleich allein die Vorstellung, wie Johan Hegg und Konsorten in Jogginghosen als echte Wikinger vor 10:00 Uhr morgens auf der B√ľhne standen, durchweg f√ľr Erheiterung sorgte. √Ąu√üerst schade, dass wir diesen gedanklichen Erguss nicht visuell verifizieren konnten. Nach einem ausgiebigen Fr√ľhst√ľck begaben wir uns dann p√ľnktlich zur ersten Band Of Colours aufs Festivalgel√§nde. Die Frankfurter Truppe qualifizierte sich √ľber den Sieg eines Bandwettbewerbs f√ľr den Opener-Slot, doch die vermeintliche Unerfahrenheit auf so einer gro√üen B√ľhne merkte man ihr nicht an. M√ľhelos dominierten sie die gesamte Stage, sodass der Funke schnell auf das leider nur sp√§rlich vorhandene Publikum √ľbersprang. Nach gut 35 Minuten wurde man mit der Hoffnung, noch mehr von den f√ľnf Musikern zu h√∂ren, gl√ľcklich zur√ľckgelassen.

Als n√§chstes stand mit The Charm The Fury Metalcore aus den Niederlanden auf dem Programm. Auch diese lieferten 35 Minuten lang eine kompromisslose Show ab, sodass das Infield gut eingeheizt und prall gef√ľllt hinterlassen wurde. Um 14:05 Uhr stand dann mit Bury Tomorrow ein vorl√§ufiger H√∂hepunkt auf dem Tagesprogramm. Das Quintett aus Southampton sorgte f√ľr ordentlich Bewegung in den Zuschauerreihen, sodass der Ackerboden f√ľr die nachfolgenden Acts schon mal ordentlich vorgepfl√ľgt wurde. Als n√§chstes betrat mit Massendefekt wieder eine Band aus Deutschland die B√ľhne, welche einen bunten Mix aus √§lterem sowie neuem Material pr√§sentierte. Man merkte ihr die mehr als 15 Jahre B√ľhnenerfahrung an, sodass niemand entt√§uscht zur√ľckgelassen wurde.

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P√ľnktlich um 16:15 Uhr lief dann das Intro zur erwartungsgem√§√ü eigensinnigsten Band des Tages: Knorkator. Die Truppe, nach eigenen Aussagen „Deutschlands meiste Band der Welt“. bestritt einen f√ľr sie typischen herausragenden Auftritt. Obschon S√§nger Stumpen den Sprung vom Boxenturm diesmal nicht wagte, war seine B√ľhnenpr√§senz einzigartig, sowohl im Tanga als auch im Pl√ľsch-Tarnkost√ľm. Als besonderes Schmankerl durften die Fotografen ausnahmsweise mal die B√ľhne erklimmen, nur um sogleich von dannen zu eilen. Falls jemand vorher noch kein Fan dieser bunten Musikkapelle oder sie ihm gar unbekannt war, wurde dies mit dem Auftritt definitiv ge√§ndert.

In der Umbaupause nach Knorkator gab die Reload-Organisation dann eine Pressekonferenz f√ľr die Vertreter ebenjener. Ohne zu sehr in die Details zu gehen, war die Quintessenz, dass das Reload-Festival 2017 bei √§hnlichen Verkaufszahlen zum Vorjahr so gut lief wie noch keines zuvor. Es gab von Seiten der Veranstalter nichts zu beanstanden und die √úberlegung weiter zu wachsen und an der Sache festzuhalten, wurde best√§tigt. Konkretisieren, was dies genau hei√üen sollte, wollte man noch nichts, allerdings wurde mit Prong, welche dieses Jahr absprangen, der erste Act f√ľr 2018 bereits best√§tigt. Ferner sei man bereits an einigen gro√üen Namen dran, habe aber noch keine definitive Best√§tigung. Wenn eine eingehen w√ľrde, wolle man diese aber schnell √∂ffentlich kommunizieren.

P√ľnktlich zum Ende der Pressekonferenz wurde es dann mit Whitechapel wieder richtig laut. Ich wei√ü nicht, ob es daran liegt, dass ich mittlerweile jenseits der 30 bin, fehlte mir bei dieser Band etwas der Ohrwurmcharakter. Tats√§chlich war ich mir nicht mal sicher, ob die Lieder wirklich Texte hatten, verstanden habe ich zumindest kein Wort. Musste man aber auch nicht, denn der brachiale Ton der Jungs aus Knoxville gen√ľgte, um das h√§rteste Material des Tages auf die B√ľhne zu tragen, welches im Publikum mehr als nur gefeiert wurde.

Als n√§chstes im Programm folgte dann mit Caliban neben Heaven Shall Burn wohl einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Metalcore-Szene. Die mittlerweile nicht mehr ganz so junge Truppe spielte ein eher modernes Programm, lie√üen dabei aber Niemanden zur√ľck und ihr Mix aus brettharten Gitarren, aggressiven Shouts und sich in die Ohren einfr√§senden Refrains wurde im Publikum mit viel Bewegung vor der B√ľhne gefeiert. Definitiv sehr Fan-nah zeigte sich insbesondere S√§nger Andreas D√∂rner, welcher nach dem Konzert einige Zeit neben dem B√ľhnenrand verbrachte und sich nicht vor Kontakt mit neuen und alten Fans zierte.

Um 19:40 Uhr startete dann mit Betontod eine Art verfr√ľhtes Kontrastprogramm. Die Band trug fast 30 Jahre B√ľhnenexpertise hinaus ins Publikum und das vorgetragene Repertoire wies entsprechend viel Abwechslung auf, sodass f√ľr viele Geschm√§cker etwas dabei war. Mit Jasta, dem Soloprojekt des Hatebreed-S√§ngers Jamey Jasta, stand abermals ein erfahrener Musiker der √§lteren Generation auf der B√ľhne. Er spielte eine gute Show, welche mit Anleihen an andere Bands wie Carcass garniert wurde. Interessant war dabei, dass der Frontmann selbst beim Reload-Festival anfragte und extra seine Musiker einfliegen lie√ü, um das Konzert spielen zu k√∂nnen. Hut ab vor so viel Engagement und Fan-Liebe, dass man solche Strapazen nur f√ľr ein Konzert auf sich nimmt.

Mit Run To The Hills k√ľndigten dann Trivium ihr Bed√ľrfnis an die B√ľhne zu zerlegen. Trotz eher moderater Lautst√§rke kochte das Publikum bei jedem Song und moderne Klassiker wie In Waves wurde mit jeder Pore des K√∂rpers genossen. Es ist schon faszinierend wie viel K√∂nnen sich in diesem Quartett vereint, wo jeder einzelne Musiker mehr Qualit√§t mitbringt, als so manche andere Band insgesamt.

Dennoch galt der Platz des Headliners zurecht den Wikingern von Amon Amarth. Des N√§chtens mag man die Stra√üenseite wechseln, wenn man f√ľnf langhaarige Recken mit Trinkh√∂rnern vor sich sieht. Im Publikum fiel h√∂chstens auf, dass zunehmend mehr Menschen mit Trinkh√∂rnern und Helmen zugegen waren. Die Schweden machten einige Ansagen auf Deutsch, sodass selbst der letzte Festivalbesucher √ľber die musikalischen Geschichten um Thor, Odin und Valhalla informiert wurde. Neben Showk√§mpfen, gigantischen Trinkh√∂rnern und dem vermehrten Einsatz von Feuer war der H√∂hepunkt der B√ľhnenshow ein vermeintlich Nidh√∂ggr darstellender aufblasbarer Schlangendrachen, welcher zu Twilight of the Thunder God emporstieg. Seinem Bruder im Geiste nacheifernd k√§mpfte S√§nger Johan Hegg, einen gro√üen Hammer schwingend, w√§hrend eines Instrumentalparts theatralisch mit der Schlange. Obschon dies B√ľhne hernach keine Band mehr betrat, schien er die Schlacht f√ľr sich entschieden zu haben, da zumindest meines Wissens nach keiner der Besucher unter Folgesch√§den des Drachenangriffs litt.

F√ľr die nimmersatten Festivalbesucher gab es im Anschluss noch weitere Bespa√üung im Zelt vor dem eigentlichen Gel√§nde, das Gel√§nde selbst wurde jedoch nach dem Konzert ger√§umt, sodass die Aufr√§um- und Abbauarbeiten z√ľgig beginnen konnten. Davon k√∂nnen wir leider nicht mehr berichten, da uns die Festival-M√ľdigkeit langsam √ľberkam, sodass wir uns zur letzten Nacht ins Zelt begaben und den Abend ruhig ausklingen lie√üen.

Was bleibt abschlie√üend noch zum Reload-Festival zu sagen? Zun√§chst m√∂chte ich mich pers√∂nlich bei der wunderbaren Security und dem herrlichen Personal bedanken, welches an keiner Stelle, egal wie stressig es wurde, genervt war oder unprofessionell erschien. √úberhaupt war es das vielleicht entspannteste Festival, welches ich bisher besuchen durfte. Wer also einmal zwei Tage Urlaub mit guter Musik in einer entspannten Atmosph√§re verleben m√∂chte, sollte definitiv das Reload-Festival auf dem Schirm haben. Gratulation an die Veranstalter f√ľr ein tolles Jahr 2017, vielleicht sieht man sich ja 2018 wieder. Lohnen w√ľrde es sich bestimmt und die ersten¬†Early Bird Tickets (79 ‚ā¨ inkl. Geb√ľhren & Camping) f√ľr die 2018er Ausgabe am 25./26. August¬†sind schon erh√§ltlich.

Webseite: reload-festival.de

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