RELOAD FESTIVAL 2017, Donnerstag/Freitag – Sulingen (24./25.08.2017)

Heaven Shall Burn, © Markus Hillgärtner
Heaven Shall Burn, © Markus Hillgärtner
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Ich muss zugeben, dass ich Tee erst vor ungef√§hr einem halben Jahr f√ľr mich entdeckt habe. Ich wusste um die Existenz, habe das Getr√§nk aber immer bel√§chelt und mich gefragt, warum ich Tee trinken sollte? Vielleicht weil es den Hals entspannt, einfach lecker und die gesamte Prozedur sehr gem√ľtlich ist. Nicht ganz so lange war mir das Reload schon ein Begriff, allerdings habe ich bisher nie die Zeit gefunden, es mal zu besuchen. Dieses Jahr allerdings war das Line-Up derart delikat, dass es f√ľr ein nach Metal schreiendes Herz definitiv einer S√ľnde gleichgekommen w√§re, dem Festival keinen Besuch abzustatten. Kurzerhand wurden also Klamotten, Fotograf und gute Laune eingepackt und ab ging der Weg nach Sulingen, wo das Festival am 25.08. und 26.08. stattfand.

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F√ľr alle, denen zwei Tage Festival zu wenig waren, gab es am Donnerstag den 24.08. eine Aufw√§rmparty mit While She Sleeps als Headliner. Das konnten wir uns nat√ľrlich nicht entgehen lassen. Leider schafften wir es aber nicht zum Beginn der Party ins prall gef√ľllte Zelt. So fielen einige andere Schmankerl f√ľr uns zwar aus, aber schon der Opener As We Arise aus Stadthagen wurde, wie uns berichtet wurde, ordentlich abgefeiert, sodass schon zur ersten Band nicht alle Konzertw√ľtigen vor die B√ľhne konnten und einige drau√üen warten mussten. Wirklich in Erinnerung blieb allerdings nur der Headliner, welcher die Party an den Rand eines Abrisses f√ľhrte. Mit ihrer energiegeladenen Show lie√üen While She Sleeps den Schwei√ü buchst√§blich von der Decke regnen und nach gut einer Stunde wurde das Publikum in die Party-Nacht entlassen. Ein gelungener Auftakt, der die Lust auf das eigentliche Festival nur noch verst√§rkte und einen in eine entspannte Nacht entlie√ü.

Manch einer w√ľrde sich vielleicht √ľber einen verk√ľrzten Schlaf √§rgern, doch gegen 09:00 Uhr vom Soundcheck des Headliners geweckt zu werden, ist ein durchweg angenehmer Start in den ersten Festivaltag. Zum einen generiert er eine Vorfreude auf das, was noch kommen mag, zum anderen muss man einfach Respekt vor denen haben, die so fr√ľh schon auf der B√ľhne stehen, um abends definitiv voll abliefern zu k√∂nnen. Nach einem Gang √ľber den Zeltplatz realisiert man, dass f√ľr die meisten die vorherige Nacht noch etwas l√§nger dauerte. So war die Stimmung derer, welche man traf, zwar hoch, gleichzeitig waren die meisten Zelte noch belegt und so manches Katerfr√ľhst√ľck noch in der Mache.

Dies spiegelte sich auch gegen 12:10 Uhr wieder, als mit Max Raptor die erste Band die Mainstage er√∂ffnete. Das Quartett spielte ordentlich und die Stimmung unter den wenigen Anwesenden war definitiv gut. An dieser Stelle sollte vielleicht noch erw√§hnt werden, dass der Begriff Mainstage in die Irre f√ľhren k√∂nnte, gab es sonst ja nur das Festivalzelt, wo allerdings kein Alternativprogramm stattfand. Stattdessen gab es dort eine Fortf√ľhrung des Tagesprogrammes in der Nacht, um den Partyw√ľtigen nach der letzten Band noch eine Projektionsfl√§che f√ľr mangelnde Festivalm√ľdigkeit bereitzustellen. Dieses Eine-B√ľhne-Konzept war zwar zum einen sehr angenehm, da man damit die Besucherstr√∂me besser kontrollieren konnte und es logistisch vieles angenehmer machte. Ferner hatte man, im Unterschied zu anderen Festivals die Option, definitiv alle Bands, f√ľr die man bezahlt hatte, auch zu sehen. Gleichzeitig hinterlie√ü es ein kleines Geschm√§ckle, da die teilweise bis zu 30-min√ľtigen Umbaupausen die Stimmung und das Adrenalin deutlich absacken lie√üen. F√ľr einige definitiv ein Pro-, f√ľr andere definitiv ein Kontra-Argument.

Nach Max Raptor spielten The New Roses, eine deutsche Rockband aus Wiesbaden. Wer bei Roses an gewisse Genregr√∂√üen, denkt wurde nicht entt√§uscht, zudem begann sich das Infield langsam zu f√ľllen. P√ľnktlich zu Mr. Irish Bastard war dann auch ein beachtliches Publikum zu verzeichnen, welches der Stimmung auf und vor der B√ľhne sehr zutr√§glich war. Mit Any Given Day stieg die musikalische H√§rte des Freitags dann auf ein vorl√§ufiges Hoch, welches dem Publikumsgeschmack zu entsprechen schien. Sehr angenehm war, dass die Band ihren urspr√ľnglichen Erfolg, das Rihanna-Cover „Diamonds“, gar nicht spielten, sondern lieber mit komplett eigenem Material punkteten. Schade, dass Trivium erst am Folgetag das Festival besuchte, so wurde „Arise“ ohne Matt Heavy gespielt.

Als n√§chstes stand mit August Burns Red definitiv einer der H√∂hepunkte des Samstags auf der B√ľhne. Seit 2003 spielen die Jungs aus Pennsylvania unerl√§sslich Konzerte, wo sie k√∂nnen, und haben sich mittlerweile zurecht einen Ruf als herausragende Live-Band erarbeitet. So wurde ihre Zeit auf der B√ľhne frenetisch vom Publikum gefeiert und einmal mehr konnten sie auch den letzten Zweifler von ihren Qualit√§ten √ľberzeugen. Nach etwas weniger als einer halben Stunde Umbaupause durften dann Anti-Flag eine politisch klare Linie an die Masse herantragen, garniert mit einer guten Portion Punk und viel Bewegung, auf sowie abseits der B√ľhne. Die Fans der Band wurden erwartungsgem√§√ü nicht entt√§uscht und musikalisch weiter ging es dann mit Terror. Diese lieferten eine dreiviertel Stunde ordentlich ab, sodass keiner entt√§uscht zur√ľckbleiben musste.

P√ľnktlich um 19:25 Uhr vernahm man dann die Melange aus Rock, Metal und Reggae, welche sich hinter dem Label Skindred verbirgt. Das Quartett aus Newport geht einfach immer und so manch einer fragte sich, warum sie so fr√ľh schon spielten. So munkelt man, dass die nachfolgenden Life of Agony mit dem Gef√ľhl, nach dem Headliner spielen zu m√ľssen, die B√ľhne betraten. Vielleicht muss man mit dieser Band gro√ü geworden sein, vielleicht sprach sie mich einfach nicht an, aber Fakt war: Gef√ľhlt war es der schw√§chste Auftritt des Tages. Nat√ľrlich kann man nicht alles m√∂gen, und so war die Stimmung im Publikum mehr als gut, sodass hier wohl der pers√∂nliche Geschmack bei mir stark reinspielt.

Deutlich interessanter wurde, zumindest aus pers√∂nlicher Sicht, der Co-Headliner Bullet For My Valentine. Ich erinnere mich noch daran, wie sehr das Erstlingswerk der vier Jungs damals einschlug und wie gro√ü die Entt√§uschung vieler Fans der ersten Stunde war, als mit dem zweiten Album ein langsamer aber stetiger Stilwechsel hin zum klassischeren Metal begann. F√ľr all diejenigen, welche sich so f√ľhlten, sollte hier der Gang zum Konzert definitiv ermutigt werden, denn die neuen Songs z√ľnden Live deutlich besser als auf Platte. So war das Konzert definitiv seine Zeit wert und die Spielfreude der Band sprang bei jedem Song aufs Publikum √ľber.

Sind wir morgens vom bombastischen Soundcheck Heaven Shall Burns geweckt worden, so wurde schnell klar: Das war nur eine laue Brise. Der wahre Sturm stand noch bevor und mit der ersten Note des Freitags-Headliners war klar: Hier wird gehalten was versprochen wird. Es gibt wenige Bands, die qualitativ √ľber die Jahre eine solche Steigerung hinlegen konnten. Mit ordentlich Pyro, Luftschlangen und einem charismatischen Frontmann bekam das Publikum, worauf es sich den ganzen Tag freuen durfte. Gegen 01:00 Uhr begann sich das Infield dann zu leeren und w√§hrend sich im Zelt Tuxedoo auf ihre Rolle als Late-Night-Special vorbereiteten, begaben wir uns dann zum Zeltplatz, um in Ruhe noch etwas zu Essen und den Abend ausklingen zu lassen.

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