NDR 2 SOUNDCHECK FESTIVAL РGöttingen, Freitag (15.09.2017)

Alice Merton © Sonja Berg
Alice Merton © Sonja Berg
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Der zweite Festivaltag in G√∂ttingen fing mit weniger guten Nachrichten an. Die finnische S√§ngerin Alma musste krankheitsbedingt ihren f√ľr den Nachmittag geplanten Auftritt absagen. Ticketinhaber konnten sie entweder zur√ľckgegeben oder gegen ein noch nicht ausverkauftes Konzert tauschen. Immerhin war das Wetter wieder etwas genesen, so dass sich auch mehr Besucher auf den Albaniplatz einfanden, als noch am Donnerstag.

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Mystische Atmosphäre am späten Nachmittag

Wir haben uns an diesem Tag f√ľr drei Konzerte entschieden. Erster Stopp: wieder Stadthalle. Hier treten keine Geringeren als The XX am noch helllichten Nachmittag auf. Auch hier kann sicherlich keine Rede mehr von Newcomer sein. Sie sind l√§ngst √ľber den Geheimtipp f√ľr alle Indie-Liebhaber hinaus. Neu ist aber ihr lang ersehntes drittes Album I See You, das sie Anfang des Jahres herausbrachten. Hiervon¬†haben sie nat√ľrlich einige St√ľcke mitgebracht. Zu Beginn gibt es aber mit Intro und Crystalised zwei Songs ihres Deb√ľtalbums XX. Letzterer war ihre erste Single und 2009 der Durchbruch der Band. Direkt von Beginn an zieht die Band die Zuschauer mit ihrer geheimnisvollen Aura in ihren Bann. Die mystische Atmosph√§re wird zu Beginn nur noch dadurch unterbrochen, dass die Ordner die T√ľren des Saals erst versp√§tet schlie√üen und das Tageslicht von drau√üen hereindr√§ngt. Das zumindest hat mich ziemlich gest√∂rt.

Das Konzert hat alles, was das Herz begehrt: tanzbare Nummern wie Shelter oder die aktuelle Single On Hold, ebenso wie sehr ruhige Momente beim Song Performance. Diesen singt Gitarristin Romy Madley Croft solo und gibt zu, dass ihr das immer wieder Angst einfl√∂√üt. Mit Zerbrechlichkeit in ihrer Stimme ist der Song f√ľr mich pers√∂nlich das Highlight des ganzen Konzerts. Bassist Oliver Sim freut sich hingegen √ľber die N√§he zu den Zuschauern. Denn anders, als bei der sonst so gewohnten Locationgr√∂√üe, trennt sie hier kein riesiger B√ľhnengraben. Mit ihrem bisher gr√∂√üten Song Angels geht eine an Understatement kaum zu schlagende Performance zu Ende. Ich habe selten eine Band gesehen, die mit dem was sie macht und zeigt mehr im mit sich im Reinen zu sein scheint als das britische Trio.

Quirlig aufgedreht ohne Wurzeln

Nach The XX m√ľssen wir uns beeilen, um es rechtzeitig zu Alice Merton in das Junge Theater zu schaffen. No Roots¬†war ihre erste Single, die zur Zeit in allen Radiostationen aus dem Programm nicht wegzudenken ist. Der Titel des Songs ist quasi die Hymne ihres eigenen Lebens. Geboren ist sie in Frankfurt, aufgewachsen in Kanada und Gro√übritannien. Danach hat sie immer mal wieder die Wohnorte gewechselt, bis sie jetzt in Berlin angekommen ist. Dass es da schwer f√§llt seine Wurzeln zu definieren, ist wenig √ľberraschend. Mit Hit The Ground Running steht schon die n√§chste Single in den Startl√∂chern. Der Song ist auch der Auftakt des Abends.

In der Setlist finden sich viele Songs, die zum Tanzen einladen, was sich auch Alice selbst zu Herzen nimmt und oft quirlig aufgedreht auf der B√ľhne umher h√ľpft. Ihre unglaublich ansteckende Art √ľbertr√§gt sich schnell auf das Publikum. Sie versorgt das Publikum immer mal wieder mit der pers√∂nlichen Geschichte hinter dem Song. Warum das unbedingt auf Englisch sein muss, wo sie auch einwandfrei Deutsch spricht, bleibt ihr Geheimnis. In jedem Song zeigt sich ihre Stimmgewalt. Da darf man sich schon sehr auf ihr bald erscheinendes Debutalbum freuen. Von ihr wird man in Zukunft noch einiges h√∂ren, da bin ich mir sicher.

Bevor es f√ľr uns zum letzten Konzert ging, hatten wir etwas Luft. Auf der City Stage gab es das Konzert von Joseph J. Jones, kurz auch JJJ. Der Brite verf√ľgt √ľber eine unglaublich tiefe, raue und einpr√§gsame Soulstimme. Mit Gospel Truth ist gerade auf dem besten Weg, sich in den K√∂pfen der Menschen festzusetzen. Im Deutschen Theater tritt eine Stunde sp√§ter Zak Abel auf. Dieser gab bereits am Nachmittag eine kleine Kostprobe auf der City Stage. Mit seiner Musik zeigt er eine gelungene Mischung aus Soul,Pop, R&B und Electronic. Danach l√§sst das Deutschpop Trio Lupid den Albaniplatz nochmal ordentlich feiern.

Merchverkäufer-Suche via Facebook

Das letzte Konzert des Tages f√ľhrte uns erneut in die Stadthalle. Die amerikanische Band Welshly Arms um S√§ger Sam Getz gab sich die Ehre. Ihre Heimat liegt in Cleveland im Bundesstaat Ohio. Diese Wurzeln bleiben¬†sie auch in ihrer Musik treu. Blueslastiger, handgemachter und ehrlicher Rock ist ihre Handschrift. Bekannt geworden sind sie durch die Single Legendary,¬†die man nicht nur im Radio rauf und runter h√∂rte, sondern auch in Film und Fernsehen gefeatured wurde. Der riesige Erfolg hatte zur Folge, dass die Band von vier auf sechs Mitglieder gewachsen ist. Zwei zus√§tzliche Backrounds√§nger geben dem Sound noch mehr Breite und Tiefe, als ohnehin schon vorhanden ist. Zudem bringen die beiden mit ihrer witzigen Mimik und Gestik auch unheimlich Spa√ü auf die B√ľhne.

Witzig war auch der Facebook Aufruf vor der Show. So suchte die Band noch¬†eine freiwillige Person, die f√ľr sie in G√∂ttingen Merch verkaufte. Als Dank gab es Abh√§ngen mit der Band vor der Show. Ob der Aufruf erfolgreich war ist allerdings nicht √ľbermittelt. Die Band f√ľhlte sich sichtlich wohl und war schwer von der B√ľhne zu bekommen. Mit ihren hervorragenden Live-Qualit√§ten schaffen sie es vielleicht selbst irgendwann in die in ihrer Heimat stehende Rock And Roll Of Fame.

I See You

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4.4 von 5 Sternen (30 Kundenbewertungen)

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Legendary (2-Track)

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