HIGHFIELD FESTIVAL 2017 – Großpösna, Störmthaler See (18.-20.08.2017)

Casper © Alexander Jung
Casper © Alexander Jung
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Hinter uns liegt ein stürmisches 20tes Highfield Festival. Wenn man auf das Sommerfestivalwetter der letzten beiden Jahre zurückschaut, reiht sich dieses Spät-August Wochenende nahtlos in die Tradition der von Unwetter gebeutelten Open Airs ein. Schade, denn selbst das 20-jährige Festivaljubiläum vermochte die Wettergötter nicht zu besänftigen.

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Freitag, den 18.08.2017

Für uns startete der Freitag noch trocken zu den Klängen von Montreal auf der großen Green Stage. Getreu dem Motto die „Die Mischung macht es“ sollte die kleinere Blue Stage vor allem von Hip Hop Acts, wie zum Beispiel RAF Camora und Bonez MC, bespielt werden. Richtig zur Sache auf großen Green Stage ging es bei den alten Bekannten von IRIE RÉVOLTÉS. Hatte das Reggae-Punk Ensemble 2015 die kleine Bühne zum Beben gebracht, rockten sie diesmal das große Auditorium. Im Herbst tritt die Band leider ihre Abschieds-Tournee an.

Auch das Essener Hip Hop Trio 257er gehört zum Inventar beim Highfield und sollte die Prime Time auf der kleinen Stage einläuten. Jedoch inmitten der Show kam die ernsthafte Warnung vor dem nahenden Unwetter. Ruhig und professionell wurde das gesamte Gelände geräumt und die Besucher gebeten sich in ihre Fahrzeuge zu begeben. Als dann der Himmel für eine relativ kurze Zeit seine Schleusen öffnete, ist uns schnell klar gewesen, dass dies seine Spuren auf dem Infield hinterlassen würde. Aus der für eine Stunde geplanten Unterbrechung sind dann drei geworden, was die Besucher überwiegend gelassen hinnahmen. Leider waren die Schäden vor der Green Stage zu gravierend, sodass die herbeigesehnten Shows von Bosse, Alligatoah und dem Freitags-Headliner Billy Talent leider abgesagt werden mussten.

Ebenso sollte die Show des Erfurter Frauenschwarms Clueso dem Rotstift zum Opfer fallen. Doch der dachte sich: ‚Wenn ich schon mal da bin, kann ich doch just das Publikum mit ein paar Songs Unplugged erfreuen‘. Mit dieser Aktion überraschte der Sympathieträger selbst die Veranstalter und so präsentierte er gemeinsam mit seinem Gitarristen und Saxofonisten ein wirklich emotionales und wundervolles Set.

Mit „Rap & fetten Bässen“ läuteten die Beginner das kurzweilige Finale des ersten Festivaltages ein. Und bei Hits wie Hammerhart fühlten selbst wir uns zurück in die 90er versetzt. Die Kult Deutsch-Rapper hatten ihre Fans auf dem Platz und überzeugten auf ganzer Linie.

Samstag, den 19.08.2017

Der Heimschläfer-Vorteil erlaubte uns eine ruhige und trockene Nacht. In der Zwischenzeit machten sich der Veranstalter daran, das Gelände zu stabilisieren und die große Green Stage wieder bespielbar zu machen. Als großzügige Entschädigung für den reduzierten Freitag boten die Organisatoren allen Tagesticket-Inhabern des Freitags einen kostenlosen zusätzlichen Tag (Samstag oder Sonntag) an.

Unser Samstag begann unter strahlend blauem Himmel mit den Flensburger Jungs von Turbostaat auf der Green Stage. Die Blue Stage gehörte am frühen Nachmittag ein weiteres Mal den Hip Hop Größen wie SXTN und Fatoni. Da die Antilopen Gang krankheitsbedingt absagen musste, sprang kurzer Hand die quirlige Sookee mit ihren intelligenten Rhymes ein.

Auf der Main Stage ging es derweil mit den gut gelaunten Ska Punks von Mad Caddies weiter, bevor bei den Nordlichtern von Feine Sahne Fischfilet das erste mal richtig Action angesagt war. Die Band ist bekannt für ihre provokante Art und zeigte sich am Störmthaler See in bester Feierlaune. Danach erwartete die Festivalbesucher Thees Uhlmann & Band, die mit deutschem Liedgut par excellence sich behaupteten. Gute Laune-Pop und Radio-Ohrwürmern lieferten im Anschluss Milky Chance auf der Blue Stage. Die große Bühne gehörte dann den Wiederholungstätern von SDP, die es schafften, ein beachtliches Publikum zur besten Spielzeit zu mobilisieren. Hier war dann Party pur angesagt. Wie zuletzt in 2015 begeisterten Frittenbude mit ihren elektronischen Klängen in der Co-Headliner Position auf der blauen Bühne.

Mit Biffy Clyro konnte man in diesem Jahr wieder einen brandaktuellen und sehr begehrten Act für die Main Stage verpflichten. Spätestens mit ihrer Ballade Re-arrange, welche irgendwie so gar nicht in das Gesamtbild der Band passen will, waren die Schotten in aller Ohren. Die Lokalmatadoren von Kraftklub brachten schließlich den Platz vor der Blue Stage an seine Kapazitätsgrenze. Kein Wunder – schließlich gehören die Chemnitzer unlängst zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands. Passend zu ihrem aktuellen Cover Design wurde die Bühne in rot getaucht. Selbst Tänzer waren zeitweise von der Partie. Kraftklub machten ihrem Ruf als hervorragende Live-Band definitiv alle Ehre.

Den spektakulärsten Auftritt des Festivals lieferte zweifelsfrei der gefeierte Casper auf der grünen Bühne ab. Gut zwei Wochen vor Veröffentlichung seines neuen Long Players Lang lebe der Tod zeigte Casper ganz großes Kino. Er fegte höchst agil über die sich transformierende Bühne. Für Caspers Show bleibt nur zu sagen: So Perfekt – Lang lebe Casper.

Sonntag, den 20.08.2017

Während Von Wegen Lisbeth auf der Blue Stage performten, bereiteten wir uns auf den Finaltag vor. Klassischen Ska-Punk lieferten die Jungs von Less Than Jake auf der Main Stage. Intellektuellen Deutsch Pop konnte man bei Von Brücken auf der kleinen Bühne genießen, bevor die hochmotivierten Punks von Zebrahead die Hauptbühne enterten. Zum letzten Mal Hip Hop in Jogginganzug und mit Gürteltasche gab es dann bei SSIO.Immer wieder ein Highlight sind Live Auftritte der Donots. Die Ibbenbürener Punkfamilie zeigt seit über 20 Jahren wo der „Frosch die Locken hat“. Und wenn Ingo Ikonen wie We’re Not Gonna Take It anstimmt, gibt es kein Halten mehr. Sympathisch wie eh und je zeigten sich die zu Recht erfolgsverwöhnten Bautzner von Silbermond. Mit „leichtem Gepäck“ angereist, verstand es die charismatische Fronterin Stefanie schnell das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Gegen Ende des Konzertes strömten dann bereits die ersten Placebo Fans in den Front Of Stage Bereich, die noch nichts von der folgenden Hiobsbotschaft ahnten. Nachdem das Bühnenbild bereits stand, musste die Show der Briten aufgrund von ernsthaften gesundheitlichen Problemen abgesagt werden. Die Enttäuschung stand vielen Fans ins Gesicht geschrieben. „Why Don’t You Get a Job?“ könnte man auch die Co-Headliner The Offspring selbst fragen, da sie mit ihrem Best Of Set seit Jahren durch die Welt tingeln. Dennoch war das Publikum so begeistert, dass reichlich Fans mit Beklemmungen aus den ersten Reihen getragen wurden.

Zum 20ten Jubiläum hatten sich die Veranstalter natürlich einen besonderen Headliner aufgehoben. Schon allein wegen des Konzerts der Toten Hosen reisten zahlreiche Tagesgäste an. Und als das Placebo-Desaster bekannt war, ließ sich Campino mit seinen Jungs nicht lumpen und starteten eher in ein viel längeres Full Time Set.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass es den Veranstaltern auch dank der Kooperation der Fans und Bands gelungen ist, trotz der extremen Umstände ein unvergessliches Festival zu zaubern. Highfield 2018 – Wir sind gern wieder dabei.

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