Lacrimosa – Testimonium

Lacrimosa
Gesch├Ątzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung

4

Gesamtnote

Bombast und Plattit├╝den

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Nach 27 Jahren ├╝beraus erfolgreicher Bandgeschichte legt der Wahlschweizer Tilo Wolff nun Zeugnis ab. Testimonium hei├čt das neue und dreizehnte Studioalbum von Lacrimosa, das die Band wie folgt ank├╝ndigte:

„ein Requiem in vier Akten im Gedenken an die gro├čen K├╝nstler, die von uns gegangen sind“,

oder wie ich es zusammenfassen w├╝rde:

„als Verneigung ummanteltes, barockes Selbstmitleid“.

Um es kurz und schmerzlos zu machen: Ich habe verschiedene Probleme mit Lacrimosa im Allgemeinen, was sich auch auf Testimonium┬áwieder im Besonderen zeigt. Da sei vor allem die f├╝r die Band typische Pr├Ątention von Tiefgang, die einem an vielen Stellen des Albums f├Ârmlich entgegen springt. Dies beginnt beim Konzept und Aufbau von Testimonium und endet bei Arrangements und Songstrukturen.

Alles versucht mehr zu sein, als es dann tats├Ąchlich ist. Nach dem H├Âren von Testimonium f├╝hlt man sich wie nach einer Mahlzeit aus leeren Kalorien, um seinen versprochenen N├Ąhrwert betrogen. Dazu muss man aber erst einmal aus dem diabetischen Koma ├╝berzogener Trauer-Lyrik, wehleidiger Selbstbeweihr├Ąucherung und ausuferndem Pomp aufwachen.

Texte waren schon immer eine der gro├čen Schw├Ąchen des Schweizer Duos. Leider konnten daran 27 Jahre Erfahrung auch auf dem neuen Album nichts ├Ąndern. Ein weiteres Problem, auch das nichts Neues, ist f├╝r mich Tilo Wolffs Stimme, vor allem bei Sequenzen regul├Ąrer und intensiverer Lautst├Ąrke. Weiterhin sind die Arrangements der Songs in der Mehrzahl (vor allem: Nach dem Sturm, Weltenbrand und Lass Die Nach Nicht ├ťber Mich Fallen) immer etwas, nun ja, „dr├╝ber“. Instrumentierung, sprunghafte Genre- und Stimmungswechsel balancieren nicht immer zielsicher zwischen sinfonisch und hysterisch. Und ├╝berhaupt, seit wann schreibt man Requiems in Akten und wieso f├Ąllt es schon nach dem ersten Song (Wenn Unsere Helden Sterben) so schwer das zugrunde gelegte Thema wiederzufinden? Alles in Allem vier schwerwiegende Argumente, die f├╝r mich das Durchh├Âren von Testimonium zur Geduldsprobe haben werden lassen.

Man merkt schon, besonders viel kann ich mit den Symphonic-Rockern nicht anfangen, die in den vergangenen zweieinhalb Dekaden meiner musikalischen Odyssee immer mal wieder am Rande aufgetaucht sind. Vielen aber, und das sei auch erw├Ąhnt, sind Lacrimosa lange best├Ąndige Weggef├Ąhrten gewesen und haben dem Einen oder Anderen ├╝ber die eine oder andere schwere Zeit hinweg geholfen. Nicht vielen Bands gelingt es, Fans ├╝ber so lange Zeit zu binden, stetig neue dazu zugewinnen und das einmal rings um den Globus. Diese nicht zu untersch├Ątzende Schar findet Trost in den getragenen, wie ausbrechenden Kaskaden zelebrierten Leids und feiert die Virtuosit├Ąt ihrer Kompositionen, durch die tiefgehende Emotionen h├Ârbar gemacht werden.

Deswegen bin ich mir sicher, dass Fans von Lacrimosa auch bei Testimonium alles wiederfinden werden, was sie an den Veteranen der schwarzen Szene so sch├Ątzen. Der Rest, und dazu z├Ąhle ich mich leider auch selbst, wird wieder augenrollend abschalten. Letztendlich wird die Debatte um die Streitbarkeit von Lacrimosa auch mit diesem Album nicht zielf├╝hrend beendet werden.

Testimonium ist am 25.08.2017 bei Hall Of Sermon erschienen.

Tracklist LACRIMOSA – Testimonium

Akt 1
01. Wenn Unsere Helden Sterben
02. Nach Dem Sturm
Akt 2
03. Zwischen Allen St├╝hlen
04. Weltenbrand
05. Lass Die Nacht Nicht ├ťber Mich Fallen
Akt 3
06. Herz Und Verstand
07. Black Wedding Day
08. My Pain
Akt 4
09. Der Leise Tod
10. Testimonium

Weblinks LACRIMOSA:

Official: http://lacrimosa.com
Facebook: https://www.facebook.com/LacrimosaOfficial/

Testimonium

Preis: EUR 10,99

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1 Comment

  • Seppi3423 sagt:

    Warum l├Ąsst man eigentlich jemanden ein Album testen, der ├╝ber den ganzen Artikel nicht m├╝de wird,zu erw├Ąhnen, wie wenig er doch mit der Band oder der Musik anfangen kann? Das macht doch wenig Sinn. Klar, der Autor muss kein ausgesprochener Fan der Band sein, im Gegenteil, aber wie soll bitte so eine ausgewogene Bewertung m├Âglich sein. Jemand, der damit Nichts anfangen kann, wird ja nicht in Betracht ziehen, das Album zu kaufen. W├Ąre das gleiche, wenn ich die n├Ąchste volkst├╝mliche Schlagerplatte bewerten w├╝rde, obwohl ich da so gar keinen Draht dazu habe.

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