EISBRECHER – Sturmfahrt

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Unsere Bewertung

7

Sommer 2017 und es wird kalt. Nein, ihr habt euch nicht verlesen. Eisbrecher bringen ihr nunmehr siebtes Album auf den Markt und dĂŒrften mit diesem ihren Status als deutschsprachiger „Stakkato-Metal trifft Elektronik trifft Goth-Rock-Nummer zwei-Act“ hinter Rammstein mĂŒhelos festigen. Sturmfahrt liefert auf 14 Songs genau das, was Eisbrecher-Fans hören wollen, große Experimente bleiben nahezu Fehlanzeige. Die bereits live-erprobte Single Was ist hier los? funktioniert als Opener hervorragend. In der Folge bedient sich die musikalische Kommandozentrale um Noel Pix und Alex Wesselsky nicht selten bei anderen KĂŒnstlern, manchmal bewusst und auffĂ€llig, manchmal weniger. So wird wohl kaum ein AnhĂ€nger bemerken, dass das Zusammenspiel von Gitarren und Drums auf dem an Position zwei stehenden Besser frappierend an den Royal Blood-Song Out Of The Black erinnert. Ebenso weckt die Basslinie in den Strophen von Das Gesetz Erinnerungen an die Hook des ewigen Sisters Of Mercy-Klassikers Temple Of Love.

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Wo diese zwei melodisch-rhythmischen Ähnlichkeiten aber durchaus auch Hirngespinste des Autors sein können, wird es nach dem ordentlich voranpreschenden Titelsong ganz eindeutig. Bei der Ă€ußerst gelungenen, balladesken Hymne In einem Boot verdient sich Komponistenlegende Klaus Doldinger seinen Credit im Album-Booklet. Toll, wie Eisbrecher die ĂŒberall bekannte Melodie von Das Boot in ihren Song einflechten. Ein Lied fĂŒr große GefĂŒhle, auf Live-Konzerten wie auch vor dem heimischen CD-Player, ein wĂŒrdiger Nachfolger fĂŒr Schlachtbank vom letzten Album Schock. Ein wenig spĂ€ter folgt der Moment, den vielleicht schon viele, deren musikalischer Horizont es auch mal zulĂ€sst, einen Blick in die frĂŒhen 80er zu werfen, jahrelang sehnsĂŒchtig erwartet haben. Endlich covert die Band mit dem „Eis“ im Namen und einem EisbĂ€r als Maskottchen den ewigen gleichnamigen Hit von Grauzone. DrĂŒckender Electro-Beat, dezentes, gut in den Sound integriertes Riffing und die charakteristischen Bleeps im Refrain – das Ding könnte Eisbrechers nĂ€chster großer Party-Hit werden. Da gab es in der Vergangenheit schon deutlich schlechtere Cover von bekannten Goth/Wave-Klassikern…

Zwischen Schlager-Goth und knallharten Clubhits

Danach fĂ€llt das Album leider ein wenig ab. Der Wahnsinn, Herz auf und Krieger sind typische FĂŒller nach Schema X und gehören in die Kategorie „Spielen wir vielleicht einmal auf der kommenden Tour und danach nie wieder“. Widmen wir uns also schnell dem letzten, recht abwechslungsreich ausgefallenen Drittel. Dieses beginnt mit einem Lied, welches denjenigen, die Eisbrecher vor allem fĂŒr ihre harten StĂŒcke feiern, Ă€ußerst sauer aufstoßen wird. Wo geht der Teufel hin? ist nĂ€mlich eine lupenreine Schlager-Goth-Nummer im „SpĂ€te Unheilig-Stil“. Ganz böse Zungen mögen sogar behaupten, dass Wesselskys Gesangsstil hier an einen gewissen deutschen Fernsehcomedian erinnert, der in diesem Jahr mit Menschen Leben Tanzen Welt einen großen viralen Hit produzierte. Absolute Geschmackssache – wie auch das folgende Wir sind Rock n’Roll, welches seltsamerweise so gar nicht nach Rock n’Roll klingt, sondern von Pix einen dicken Electro-Unterbau verpasst bekam. An vorletzter Stelle drĂŒcken Eisbrecher dann noch einmal das Gaspedal durch. D-Zug knallt, und zwar mĂ€chtig und „immer geradeaus“, wie es Wesselsky passend dazu im Refrain formuliert. Ein weiterer Song, den DJs fĂŒr ihre nĂ€chste Rammstein/NDH-Party unbedingt in ihren Koffer packen sollten. Dieser wĂ€re zudem ein deutlich besserer Album-Abschluss gewesen als das vor sich hinplĂ€tschernde Das Leben wartet nicht.

Sturmfahrt-Limited Digipack

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Fazit: Sturmfahrt liefert gewohnte Eisbrecher-Texte und gewohnte Eisbrecher-Musik in gewohnt hoher Eisbrecher-ProduktionsqualitÀt. Nur wie schon wie manches VorgÀnger-Album ist Langrille Nummer sieben drei, vier Songs zu lang ausgefallen, um in allerhöchste WertungssphÀren vorzudringen.

Tracklist EISBRECHER – Sturmfahrt

01. Was ist hier los?
02. Besser
03. Sturmfahrt
04. In einem Boot
05. Automat
06. EisbÀr
07. Der Wahnsinn
08. Herz auf
09. Krieger
10. Das Gesetz
11. Wo geht der Teufel hin?
12. Wir sind Rock n‘ Roll
13. D-Zug
14. Das Leben wartet nicht

Weblinks EISBRECHER:

Official: http://www.eis-brecher.com/
Facebook: https://www.facebook.com/eisbrecher/

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