ARCADE FIRE – Köln, Tanzbrunnen Open Air (16.06.2017)

Arcade Fire, © Michael Gamon
Arcade Fire, © Michael Gamon
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Arcade Fire begeistern Publikum im ausverkauften Tanzbrunnen

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Arcade Fire, die Indie-Rockband aus dem kanadischen Montreal, begeisterte über 8.000 Fans vor der Open-Air-Bühne im Kölner Tanzbrunnen an einem lauwarmen Frühsommerabend. Gespielt wurden viele bekannte Stücke der vorangegangenen Studioalben, sowie einige neue Lieder des im Juli erscheinenden Albums Everything Now.

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Geduldig und in großer Vorfreude erwartete das Publikum den Open-Air-Auftritt der kanadischen Ausnahmeband, die seit 2014 nicht mehr in Deutschland gespielt hatte – weswegen auch das Konzert im Kölner Tanzbrunnen restlos ausverkauft war. Zur Abkürzung der Wartezeit heizte Bomba Estérero, die kolumbianische Power-Band um Sängerin Liliana Saumet, die in pink-glitzerndem Overall die Lebensfreude pur ausstrahlte, das Publikum schon mal vorab ein. Ein überzeugender Auftritt – mit einer Mischung aus traditionellem Cumbia, Electro, Dancehall und Hip-Hop, kamen einige Besucher*innen bereits in Tanzlaune. Angesichts der Tatsache, dass Trump eine Mauer zu Südamerika bauen möchte, war die Wahl der Vorband auch sicherlich politisch und wollte nochmal ein Miteinander statt Gegeneinander betonen. Der Abschlusssong La Fiesta hätte passender, für die anstehende Party mit Arcade Fire, nicht sein können.

Allerdings musste noch einmal Geduld bewiesen werden. In einer zweiten Wartezeit wurde das Publikum durch ausgewählte Songs vom Band weiter unterhalten. In der Songschleife warteten Stücke von David Bowie, Abba sowie den Talking Heads – allesamt musikalische Superstars, mit denen Arcade Fire selbst schon auf der Bühne gestanden haben oder deren Einflüsse eigene Songs inspiriert haben – David Bowie wirkte sogar auf dem Song Reflektor mit.

Um Punkt 20:30 Uhr betrat die sympathische Band um Win Butler und Régine Chassagne die Bühne – die wartende Menschenmenge war bereit für einen Abend voller Highlights, die die Band auch bieten konnte. In großen Lettern erschien auf dem Bühnenbild Everything Now und das Konzert wurde mit der gleichnamigen, neuen Single eingeläutet. Obwohl das Lied nur wenige Tage zuvor veröffentlicht worden war, konnten die Fans sofort einsteigen und mit der Band mitsingen und sich mitreißen lassen.

Anlass des Konzertes war allerdings nicht das am 28. Juli erscheinende Album Everything Now, sondern ein Best-of der bisherigen Top Songs der vier vorangegangenen Studioalben: Funeral (2004), Neon Bible (2007), The Suburbs (2010) und Reflektor (2013). Die Setlist bestand aus etwa drei bis vier Werken jedes Erfolgsalbum, inklusive dreier Songs der neuen Platte. Neben dem Titelsong wurden zudem Signs of Life und Creature Comfort gespielt.

Nach dem Auftakt folgten Rebellion (Lies) und Haïti. In letzterem singt Régine Chassagne über die Flucht ihrer Eltern aus deren karibischen Heimat unter dem Diktator Jean-Claude Duvalier. Auch in dem nächsten Stück Here comes the Night Time wird die Affinität und Verbundenheit zu dem Inselstaat deutlich. Spätestens jetzt, wurden die bis dahin Nicht-Tanzenden durch die karibischen Karnevalsklänge zum Bewegen aufgefordert. Allgemein kann man das Konzert als einen nostalgischen Trip durch die Vergangenheit sehen, den viele Fans mehr als genossen haben. Dies lag wahrscheinlich auch daran, dass das Publikum mehr als gemischt war. Es gab viele junge, aber auch einige ältere Konzertbesucher*innen und man konnte vielen ansehen, dass sie persönliche Geschichten mit der Band verbinden. Besonders Lieder wie Windowsill und The Suburbs wurden vom Publikum gefeiert. Wichtig ist auch anzumerken, dass Win Butler und seine Band immer daran interessiert waren, eine Verbindung mit dem Publikum herzustellen und auch viel mit den Fans reden wollten. Dies alles trug zu einem mehr als erfolgreichen und schönen Abend bei.

Allerdings läuteten die Multiinstrumentalist*innen um Punkt 22 Uhr, nach anderthalb Stunden regen Instrumentenwechseln, Tanzen, Spaß und Emotionen, das Ende der Show mit Wake Up ein. Dies erfolgte allerdings aufgrund der strikten Auflagen der Location, die aber ansonsten eine würdige Kulisse für ein sommerliches Open-Air-Konzert bot. Die Zuschauer*innen schienen für dieses mehr oder weniger abrupte Ende jedoch noch nicht bereit zu sein und sangen in Fußballstadien-Manier minutenlang weiter. Der anhaltende Chor sollte belohnt werden, als sich Win Butler und Régine Chassagne noch einmal auf der Bühne zeigten. Die Menge jubelte, und die Band bewies ein letztes Mal an diesem Abend, wie wichtig ihnen ihre Fans sind. Da das Album Everything Now Ende Juli erscheinen wird, bleibt zu hoffen, dass die Ausnahmeband aus Kanada nicht wieder 3 Jahre auf sich warten lässt, bis sie wieder die deutschen Bühnen betritt.

ARCADE FIRE @ Köln, Tanzbrunnen Open Air (16.06.2017):
  1. Everything Now
  2. Rebellion (Lies)
  3. Haïti
  4. Here Comes the Night Time
  5. No Cars Go
  6. Windowsill
  7. Neon Bible
  8. The Suburbs
  9. The Suburbs (Continued)
  10. Ready to Start
  11. Reflektor
  12. Afterlife
  13. Signs of Life
  14. Creature Comfort
  15. Neighborhood #3 (Power Out)
  16. Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
  17. Wake Up

Fotos: Michael Gamon

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