SOUTHSIDE FESTIVAL 2017 ‚Äď Samstag (24.06.2017)

Green Day, © Markus Hillgärtner
Green Day, © Markus Hillgärtner
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Wer nicht gerne morgens um 7 Uhr von Rolf Zuckowski und √§hnlichem geweckt wird, sollte nicht auf Festivals fahren – oder Oropax mitnehmen. Letztere Lektion einmal mehr lernend begann f√ľr uns der Festivaltag etwas fr√ľher als erwartet, was aber effektiv nur ein etwas ausgiebigeres und l√§ngeres Fr√ľhst√ľck zur Folge hatte. Wenn man dann schon so fr√ľh wach ist, kann man auch fr√ľh zum Festivalgel√§nde gehen, sodass wir p√ľnktlich um 12 Uhr den ersten Act des Samstags auf der Green Stage mitbekamen: Leoniden. Die nach einem Meteorsturm benannte Rocktruppe aus dem Norden legte gut los und obschon der fr√ľhen Uhrzeit geschuldet nur wenige Zuschauer vor der B√ľhne aufwarteten, scheute man sich nicht eine furiose und bewegungsreiche Show auf der B√ľhne abzuliefern.

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Falls man den Tag musikalisch etwas ruhiger starten oder sich bei dem guten Wetter einfach entspannen wollte, war dies dann ab 12:30 Uhr bei Leif Vollebeck an der Blue Stage m√∂glich. Der Musiker verzauberte eine halbe Stunde mit seiner Interpretation des Easy Listening das Publikum und sorgte f√ľr eine sommerliche Atmosph√§re. Nach einer 30-min√ľtigen Umbaupause standen dann die beiden MCs von Ho99o9 (ausgesprochen: Horror) auf der B√ľhne. Unterst√ľtzt von einem Schlagzeuger wurde eine an Exorzismus grenzende Party auf der B√ľhne vollzogen, wobei es reichlich schwer f√§llt, die Intensit√§t der Show zu beschreiben.

Wer nach dem Rap-Metal des Trios Lust auf etwas Erholung hatte, konnte sich dann p√ľnktlich um 14:15 Uhr zur Green Stage begeben, um zu Danko Jones zu entspannen, wobei das dort vorhandene Publikum eher in bester Feierlaune zu sein schien. Das Trio um den gleichnamigen S√§nger und Gitarristen lieferte sauber ab, was es konnte: handgemachten, ehrlichen Rock, ohne dass ein Hit ausgelassen wurde. Nach dem Konzert schien f√ľr viele klar zu sein: Dieses Powertrio will man nicht zum letzten Mal auf einer Festivalb√ľhne gesehen haben. 30 Minuten nach Danko Jones betraten dann Gogol Bordello eben jene B√ľhne und lieferten eine intensive Show. Insbesondere das Charisma des Fronters Eugene H√ľtz sticht einmal mehr hervor. Der wilde Mix aus den Musikstilen der Roma und Punk stellt einen wunderbaren Kontrapunkt zum bodenst√§ndigen Rock von Danko Jones dar und ist generell eine erheiternde Abwechslung an diesem Festivaltag.

Zum Ende von Gogol Bordello f√ľhrte uns unser Weg dann zur√ľck zur Blue Stage, wo Clueso gegen 16:15 Uhr die B√ľhne betrat. Er spielte seine Songs mit Charisma und einer Routine, die bei einem schon so lange aktiven Musiker zu erwarten war. Dem Publikum gefiel es. Herausragend war jedoch eine Duett-Version von Chicago, die er mit Klass Heufer-Umlauf sang. F√ľr besagte H√§lfte des Komikerduos Joko und Klass verlie√üen wir dann auch pr√§matur das Konzert um gegen 16:45 Uhr¬†Gloria auf der White Stage sehen zu k√∂nnen. Besonders in Erinnerung blieb dabei eine Anekdote, welche die Band um Klaas und dem ehemaligen Wir Sind Helden-Musiker Mark Tavassol zum Besten gab: 2016 waren sie bereits auf dem Southside und sa√üen neben der B√ľhne, bereit loszuspielen, als das Festival dereinst evakuiert wurde. Seitdem freuten sie sich auf den Auftritt 2017 und dies hat man auch an ihrer Spielfreude gemerkt. Begleitet von Klass gellenden Auszieh-Rufen verlie√ü ich dann allerdings das Konzert fr√ľhzeitig, um mir mal das Campinggel√§nde etwas anzusehen.

Dort waren zu diesem Zeitpunkt all jene versammelt, welche keine Lust auf Musik hatten oder sich geschafft vom harten Tag und dem vielen Alkohol einen Mittagsschlaf g√∂nnten. Immer wieder ist es auf Festivals ein herrlicher Zeitvertreib sich die Skurrilit√§t einzelner Besucher anzusehen und dabei die Seele etwas baumeln zu lassen. P√ľnktlich um 17:45 Uhr f√ľhrte der Weg dann zur√ľck zur Blue Stage um Haftbefehl dabei zuzusehen, wie er die Affen aus dem Zoo lie√ü. Der Deutsch-Rapper lie√ü mit seinen Sidekicks die W√∂rter auf die Massen niederrasseln und wenngleich nicht ganz unsere Musik, so war es eine durchweg beeindruckende Darbietung auf der B√ľhne. Dennoch f√ľhrte gegen 18:15 Uhr kein Weg an Flogging Molly auf der Green Stage vorbei. Die Band, welche letztes Jahr bereits auf derselben B√ľhne stand, als die Evakuierung begann, erfreute sich dieses Jahr bester Spiellaune und wurde diesmal mit einem f√ľr Iren fast schon gnadenlos gutem Wetter belohnt. Guinness-Dosen in die Menge werfend sorgte die Truppe daf√ľr, dass kein Zuschauer still stehen blieb.

Nach einer weiteren halbst√ľndigen Umbaupause wurde es mit Rancid dann deutlich punkiger auf der Green Stage und trotz einiger Gitarrenprobleme wusste das Quartett die Masse gut auf Green Day einzustimmen. Letztere lie√üen p√ľnktlich um 22:00 Uhr Queens Bohemian Rhapsody vom Band laufen und auch 42 Jahre nach der Erstver√∂ffentlichung sind erstaunlich viele Menschen bei diesem Lied textsicher. Nach einer weiteren Tanzeinlage mit kost√ľmierten H√§schen auf der B√ľhne betrat dann auch der Headliner des Samstags ebenjene und es folgte eine abwechslungsreiche Show inklusive Kost√ľmwechsel und Pyrotechnik. Eines der sicherlich vielen Highlights war als ein Fan, der von Billy Joe Armstrong, seines Zeichens S√§nger und Gitarrist bei Green Day, auf die B√ľhne geholt wurde, seine Gitarre bekam und mit ihr das Lied zu Ende spielen durfte. Dies war anscheinend reichlich √ľberzeugend, denn als besonderes Dankesch√∂n durfte die junge Frau die Gitarre behalten.

Leider unterbrach ein Stromausfall nach etwa zwei Dritteln das Konzert und nach einer kurzen Zeit war klar, dass der Defekt wohl gr√∂√üerer Natur und der Strom zumindest f√ľr diesem Abend weg war. Zum Abschied spielte Mr. Armstrong dann American Idiot nur auf der Gitarre, begleitet vom Gesang des Publikums. Schon schade, dennoch wurde die Band definitiv ihrer Headliner-Rolle gerecht. Zum Abschied des Abends spielten dann ab 0:30 Uhr¬†Imagine Dragons auf der Blue Stage, wobei wir uns das Konzert vom Campingplatz aus g√∂nnten. Es klang zumindest sehr gut – eine Beschreibung, die im Allgemeinen auf den Samstag gut zutraf.

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