HURRICANE FESTIVAL 2017 – FREITAG (23.06.2017)

Green Day, © Tabea Debora Pringal
Green Day, © Tabea Debora Pringal
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Das Hurricane auf dem Eichenring ist ein Festival, das hauptsächlich für schlechtes Wetter bekannt ist. Doch dieses Jahr vom 23.-25.06. gelang es tatsächlich über das Wetter hinweg zu sehen und die Bands zu genießen. Auch wenn der Anreisetag mit einem Unwetter startet und viele stundenlang warten müssen bis überhaupt das Campinggelände in Sicht ist, erholte sich das Wetter bis Freitagmorgen. Nach einer stürmischen, aber vergleichsweise trockenen Nacht wird das Festival mit einem Auftritt des Hurricane-Swim-Teams eröffnet.

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So in etwa – Mitarbeiter aus dem Büro haben das Lied Am sichersten seid Ihr im Auto – die Hymne, welche letztes Jahr beim großen Unwetter entstanden ist – performt und wider Erwarten ist der Platz  relativ gut gefüllt. Den wirklichen Auftakt für uns bilden Skinny Lister um 15 Uhr auf der Green Stage. Beim Publikum kommt der britische Folk an und der Alkohol, der an die Menge ausgeschenkt wird, tut sein Übriges. Ich meinerseits finde den Auftritt anstrengend, unklar ist nur ob es an dem Mädel auf der Bühne liegt, die wie verrückt von links nach rechts tanzt, oder noch an der Panik von letzter Nacht, ob dieses Jahr das Zelt auf Grund der fehlenden Herringe doch an den Wettergott geopfert werden muss.

„Thank you for having us! We want to come back already“

Danko Jones übernehmen nach eine kleiner Umbaupause dann die Green Stage. Oder doch die Blue? Dieses Jahr war ich mir da nie so sicher, da der Bär für mich alles andere als grün aussah. Ich befürchte erst eine unentdeckte Farbblindheit, als die Verwirrung aber auch bei anderen steigt, entscheide ich mich gegen den Arzttermin und nehme das „grün“ so, wie es ist. Derweil liefern Danko Jones eine gewohnt gute Performance und allmählich kriechen die Leute aus ihren Zelten und begeben sich zum Festival-Gelände. Haftbefehl, dachten wir, könnte man sich auch mal anschauen … dieser ist allerdings gar nicht erst aufgetaucht. Stau, Flug verpasst – man weiß es nicht genau. An der Green Stage gibt es dieses Jahr einen kleinen Steg, der von vielen Künstlern mit respektvollem Abstand begutachtet wird. Frank Turner holt bei seinem Slot um 17:10 Uhr einen Crew-Arbeiter auf die Bühne. Dieser wird anlässlich seines 40. Geburtstages aufgefordert, diesen Steg entlangzurennen und sich auf die Menge zu schmeißen. Nach einigen Versuchen, sich da rauszureden und einigem Zögern, nimmt dieser Anlauf, springt in die Menge … und wird tatsächlich aufgefangen und surft einmal über die Menge und wieder zurück. Auf der White Stage, die wir leider sehr vernachlässigt haben, spielen zeitgleich Gloria und viele Leute müssen draußen bleiben. Das ist jedoch kein Problem, auf Bildschirmen kann man auch außerhalb des Zeltes das Konzert miterleben. Um 17:55 Uhr wird es dann auf der Blue Stage etwas seichter. Boy eröffnen mit We Were Here und der Platz füllt sich, im Vergleich zu den vorhergegangenen Bühnen, binnen weniger Minuten. Langsam scheinen alle aus ihren Löchern zu kriechen. Nach den schlechten Erfahrungen im letzten Jahr hat sich die Sängerin extra Gummistiefel gekauft. Da es Freitags aber tatsächlich relativ trocken ist, verschenkt sie diese kurzerhand.

Queen bringt auch heute noch Menschen zusammen

Bevor Green Day die Bühne betreten, spielen sie Bohemian Rhapsody. Egal, wo man geht oder steht, 99% der Leute, die gerade auf dem Festivalgelände sind, fangen an mit voller Leidenschaft  zu singen. Diese melancholische Stimmung wird dann von einem tanzenden Hasen auf der Bühne abgelöst – die Menge ist nicht weniger begeistert. Man merkt, dass Green Day langsam in ein gewisses Alter kommen, dies hindert die Jungs aber keinsten Falls an einer guten Live-Show. Alle sind voll dabei und eine Pyro-Show ohne Licht, nur mit Knall verwirrt kurz, unterbricht aber nichts. Clueso war für mich persönlich eine absolute Überraschung. Mir war bewusst, dass er einige gute Lieder hat, aber er hat echt überzeugt. Von Klassikern bis zur neusten Single ist alles dabei. Bei Liedern wie Chicago oder Cello war er mit mitsingen und träumen auf der sicheren Seite, doch plötzlich fängt er sogar an zu rappen und zu breakdancen. Zudem begleitet Klaas Heufer-Umlauf ein Stück auf der Bühne. Zum Ende holt er sich noch ein paar Bananen in Pyjamas auf die Bühne. Bei Imagine Dragons gibt es später dann noch richtiges Arena-Feeling. Fast jedes Lied ist einem aus dem Radio bekannt und was dort schon pompös klingt ist live noch viel mächtiger.

Nach ein paar Songs zieht sich der Lead Sänger die Schuhe aus,

denn mittlerweile hat es begonnen, immer mal wieder zu schütten und die Bühne war dann doch etwas rutschig. Doch wie immer auf dem Hurricane: alle sind gut mit Gummistiefeln und Ponchos ausgerüstet und lassen sich so nicht vom Feiern abhalten. Auf dem Weg zu unserem Campingplatz stoppen wir noch zum Abschluss bei Frittenbude und sind so noch Zeugen von „der Show mit dem wenigsten Pyro, aber dem größten Schnapsglas.“

Fotos: Tabea Debora Pringal

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