S√ďLSTAFIR – Berdreyminn

solstafir
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Unsere Bewertung

9

Gesamtnote

„Unwiderstehlich …“

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Generell hat man in Island ein gro√ües Interesse an Musik. Das steht genauso sogar bei Wikipedia. Es w√§re mal interessant f√ľr die kleine Insel, ein Musiker-Einwohner-Verh√§ltnis auszurechnen und mit anderen europ√§ischen L√§ndern zu vergleichen. Isl√§ndische Musik der unterschiedlichsten Genres ist weltbekannt. Zu diesen musikalischen Export-Schlagern z√§hlen inzwischen auch S√≥lstafir.

Und schon hat man den Knackpunkt der Diskussionen √ľber die Band auf den Punkt gebracht: S√≥lstafir haben es sich erlaubt, sich in immerhin 22-j√§hriger Bandgeschichte musikalisch weiterzuentwickeln und personell zu ver√§ndern und sie sind kommerziell einigerma√üen erfolgreich. Damit sind folgende Dinge klar: Die K√ľnstler sind satt und fett vom Erfolg. Das verdirbt selbstverst√§ndlich Charakter, Haltung und Musik und man will noch satter und fetter werden. Dazu ist es n√∂tig, sich immer mehr dem Mainstream anzubiedern, was den Sound dann breiiger, seichter und belangloser werden l√§sst. Klar, denn jenseits des Metals geht es ja bekanntlich nicht anders. Jeder, der was Anderes behauptet, Kritiker zum Bespiel, hat nur Schiss, keine Promos mehr zu bekommen von dem m√§chtigen Major-Label (Season Of Mist, seriously?). Genau.

Was das alles mit Berdreyminn, dem neuen, sechsten Album oder anders ausgedr√ľckt: dem ersten Album der Band nach √ďtta zu tun hat? Ich habe keine Ahnung. Irgendjemand stimmt dieses Lied ja immer an.

S√≥lstafir sind nun mal keine Band f√ľr Genre-Fundamentalisten. Und sind wir doch mal ehrlich: die Querk√∂pfe aus dem hohen Norden waren auch nie die Viking-Metal Band, von der wir behaupten, dass sie die heute nicht mehr sind. √ďtta machte den f√ľr alle sichtbaren Anfang. Berdreyminn kn√ľpft genau dort an und setzt den Weg fort, von dem nur A√įalbj√∂rn Tryggvason und Kollegen wissen, wo er hingehen soll. Auch Berdreyminn hat diese Momente, f√ľr die man den G√∂ttern danken m√∂chte, dass sie einem Ohren geschenkt haben ‚Äď nur noch mutiger, tiefer und eine Spur wandlungsf√§higer.

Los geht es mit Silfur-Refur, dessen Intro mit gespenstischer Orgel und gedehnten, klagenden Verzerrern eine atmosph√§rische, an Enrico Morricone erinnernde Stimmung verbreitet, die den ruppigen, dr√∂hnenden, doch sehr klassisch f√ľr die Band stehende Song wie eine lose Spange bis zum Ende umspannt. Ganz stark werden bereits hier die musikalischen und stilistischen Br√ľche angek√ľndigt, die den weiteren Verlauf des Albums pr√§gen werden.

Lange muss man darauf auch nicht warten, denn √ćsafold ist echt ‚Ķ nun ‚Ķ groovy. 70er Jahre Gitarren, die beinahe poppig melodisch, direkt von Thin Lizzy zu kommen scheinen, treffen auf ein Bass-Solo, das von Fields Of The Nephilim zu ihren besten Elysium-Zeiten stammen k√∂nnte. Diese und √§hnliche staubige Entlehnungen aus dem Goth-Rock finden sich an einigen Stellen auf Berdreyminn wieder. Wer auf die Suche gehen m√∂chte, der wird bei Hv√≠t S√¶ng oder bei Bl√°fjall f√ľndig werden. W√ľrde nicht A√įalbj√∂rn Tryggvason diese ungew√∂hnliche, wie einfallsreiche Soundlandschaft mit seiner exzentrischen, immer etwas gequ√§lten Stimme dominieren, ein r√ľckversichernder Blick auf die Plattenh√ľlle w√§re fast notwendig gewesen. √ćsafold, so die Band, sei aus einer spontanen Eingebung heraus entstanden. Es f√§llt nicht schwer, das zu glauben.

Weit flie√üend und magisch ist D√Ĺrafj√∂r√įur, wie das landschaftliche Vorbild, das f√ľr diesen unglaublich sch√∂nen Song offenbar Pate stand. Es ist eins von den St√ľcken, das beweist, wie eindringlich und bewegend eine ganz einfache Melodie sein kann. Ein Klavier intoniert diese Passage: glasklar, perlend und k√ľhl, wie das Wasser des D√Ĺrafj√∂r√įur. Wie Morgennebel h√§ngen diffuse Keyboardsequenzen dar√ľber, bevor sie von schroffen Gitarren und tiefsch√ľrfendem Gesang gehoben werden und den Blick auf ein Szenario von so unbeschreibbarer Erhabenheit und Sehnsucht er√∂ffnen, dass einem beim H√∂ren schlicht die Luft wegbleibt.

Bl√°fjall ist f√ľr mich der absolute H√∂hepunkt auf Berdreyminn – der Berg, der D√§mon in uns. Auch hier √ľbersetzen S√≥lstafir Bilder majest√§tischer, landschaftlicher Ph√§nomene ihrer Heimat in Bilder menschlicher Innenschau. Im Song √ľberformt sich getragenes Orgelspiel mit rasendem Metal und verdichtet sich zur Virtuosit√§t, der Quintessenz von dem, f√ľr das die Band steht: Epic Rock‚Äôn Roll.

Absolut empfehlenswert!

Berdreyminn ist am 26.05.2017 bei Season Of Mist erschienen.

Anspieltipps: Bl√°fjall, D√Ĺrafj√∂r√įur

Tracklist S√ďLSTAFIR ‚Äď Berdreyminn:

01. Silfur-Refur
02. √ćsafold
03. Hula
04. Nárós
05. Hvít Sæng
06. D√Ĺrafj√∂r√įur
07. Amb√°tt
08. Bl√°fjall
09. Svart Bl√≥√į (bonus track)
10. Samband i Berlin (bonus track)

Weblinks Sólstafir:

Official: http://www.solstafir.net
Facebook: https://www.facebook.com/solstafirice
Bandcamp: https://solstafir.bandcamp.com

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