KIEFER SUTHERLAND РKöln, Gloria Theater (12.06.2017)

Kiefer Sutherland, © Michael Gamon
Kiefer Sutherland, © Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Als die Vorband Kids Of Adelaide die ersten Akkorde ihrer folk-popigen Songs zum Erklingen bringen, stehen viele der G√§ste noch vor dem Gloria in K√∂ln und warten auf den Einlass. Davon lie√ü sich das sympathische Duo aus Stuttgart aber nicht beeintr√§chtigen und bot dem bereits eingelassenen und gut gelaunten Publikum eine Mischung aus eigenen sowie Cover-Songs bzw. Interpretationen bekannter Songs. Die Stimmung war ausgezeichnet und das Publikum – f√ľr die sonst oft satten und schwer zu beeindruckenden K√∂lner – √§u√üerst dankbar. Mit Akustik-Gitarre, Mandoline, Mundharmonika und Percussion (Kick Drum und Schellenring) sowie zweistimmigem Gesang sorgten die beiden jungen M√§nner f√ľr Abwechslung und ebneten den Weg f√ľr den Star des Abends.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Kiefer Sutherland (u.a. bekannt aus den Filmen „Lost Boys“ und „Flatliners“ sowie den Serien „24“ und „Designated Survivor“) lie√ü seiner tighten Band den Vortritt und kam zuletzt auf die B√ľhne. Mit Cowboy-Hut und Hemd war die Marschrichtung auf Anhieb klar: der Kanadier hat sich dem Country-Pop mit bluesigen Einfl√ľssen verschrieben. Sutherland r√ľckte die Musik in den Vordergrund und kam erfrischend wie √ľberraschend pers√∂nlich r√ľber – vielleicht verzichtete er auch deshalb auf ein Backdrop mit seinem Namen. Auch zwischen seinen Liedern gibt er erstaunlich viel von seinem Leben preis und bringt das so authentisch wie sympathisch r√ľber ‚Äď Star-All√ľren? Fehlanzeige. Auch wenn er sich das ein oder andere Mal zu sehr in Standard-Rocker-Posen gef√§llt und damit die Aufmerksamkeit von seinem Leadgitarristen, der gerade ein Solo shreddert wegnimmt. Es sei ihm geg√∂nnt, die Songs kommen aus Bauch und Herz und treffen die Zuh√∂rer auch genau dort wieder rein. Hier ist nichts (wie sonst in seinem Hauptberuf) gespielt, auf der Passion f√ľr die Musik und seinen einf√ľhlsamen Texten liegt der Fokus. Und das passte jederzeit.

Der Einfluss der Country/Songwriter-Legende Johnny Cash war omnipr√§sent. So verwunderte auch nicht, dass Sutherland dem 2003 verstorbenen „Man in Black“ einen Song widmete. In dem geht es thematisch passend um die letzte Nacht eines Gefangenen vor seiner Exekution. Zwischen seinen gef√ľhlvollen und ehrlichen Songs erz√§hlt Sutherland, was ihn zum Schreiben der St√ľcke veranlasst/motiviert hat. Es sind Lieder √ľber (verlorene) Liebe, Trauer, Einsamkeit und Alkohol. Es habe ihn bei den Vorbereitungen zu den Albumaufnahmen selbst schockiert, wie viele Songs er √ľbers Trinken geschrieben habe, erkl√§rte der 50-J√§hrige.

Down in a Hole

Preis: EUR 10,99

4.9 von 5 Sternen (9 Kundenbewertungen)

1 neu & gebraucht ab EUR 10,99

Poppige Country-Balladen dominierten das Set, aber wechselten sich ab und an mit bluesigen Songstrukturen und groovigeren St√ľcken mit Bottle-Neck-Soli ab. Die Band ist solide, der Bass treibt untenrum gut an und die Drums sind wuchtig. Das Publikum war gut gelaunt und belohnt jede Geste Sutherlands mit Jubel und Applaus. Der ehemalige ‚ÄěJack Bauer‚Äú genoss das sichtlich und zeigte sich gl√ľcklich wie dankbar. Die Stimmung war durchweg positiv, auch wenn die meisten Songs doch sehr melancholisch sind. Doch das steht Kiefer Sutherland (und seiner Band) au√üerordentlich gut.

Die etwas rockigeren Uptempo-Nummern gegen Ende des Sets stehen ihnen sogar noch besser und bilden einen runden Abschluss, bis zur Zugabe. F√ľr ein paar Songs traten der Star des Abends und seine Mitmusiker noch einmal hinter dem Vorhang hervor. Hier erhielten vor allem Leadgitarrist und Drummer nochmal die Chance zu zeigen, welch musikalische Urgewalt in ihnen steckt. Einzig das Cover von Bob Dylans Knocking on Heaven’s Door h√§tte sich Sutherland wohl sparen k√∂nnen. Das ist eher Schulbands vorbehalten, oder solchen Gr√∂√üen wie Eric Clapton oder auch noch Guns’n’Roses. Ein Crowdpleaser war es allemal – tosenden Applaus gab es von den K√∂lnern, die bis zur letzten Note begeisterungsf√§hig waren. So macht das Spa√ü. Alerdings nervten auch bei diesem sch√∂nen Konzert wie so oft die Hobbyfilmer. Schon Olli Schulz wusste: „Man kann einen magischen Moment nicht auf einem Chip festhalten.“ Au√üerdem gibt es Presse-Fotografen, die eh bessere Bilder einfangen, anstatt dieser verwackelten, komprimierten Amateur-Aufnahmen, die sich sp√§ter keiner mehr anschaut. Deshalb zum Schluss mein ganz pers√∂nliches Pl√§doyer: Runter mit den Smartphones, hoch mit den H√§nden und den Gl√§sern. F√ľr mehr Rock’n’Roll auf der B√ľhne – Kiefer Sutherland hat es schon mal vorgemacht.

Fotos: Michael Gamon

Kommentar verfassen