WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2017 ‚Äď Sonntag (04.06.2017)

Skinny Puppy, © Jana Breternitz
Skinny Puppy, © Jana Breternitz
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Dritter Tag in Leipzig und auch am Sonntag beim Wave-Gotik-Treffen 2017 wurde wieder so Einiges geboten, sowohl was das Wetter angeht, vor allem aber auch auf Seiten des Line-ups, denn mit Skinny Puppy, The Mission oder Peter Heppner auf der bekannten Seite und den (mehr oder minder) Geheimtipps Desperate Journalist, F√Įx8:S√ęd8, She Past Away oder Framheim auf der anderen wurde allerhand kredenzt. Wir haben f√ľr Euch am Sonntag ganze¬†18 Konzerte, die Auftritte von Noctulus sowie die Weinprobe mit Thomas Rainer und Oswald Henke besucht und zusammengefasst. Der Bericht ist zur besseren √úbersicht, und um etwas im jeweiligen musikalischen Kontext zu bleiben, wieder nach dem jeweiligen Spielort zusammengefasst!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Schnellnavigation: Alcest | Black Nail Cabaret | Chrom | Decoded Feedback | Desperate Journalist | F√Įx8:S√ęd8 | Framheim | KimKoi |¬†Peter Heppner | Nachtblut | Noctulus | ¬†S.P.O.C.K. | She Past Away | Skinny Puppy | Soft Kill | The 69 Eyes | The Mission | Tying Tiffany | Vlad in Tears¬†| Weinverkostung

Beginnen möchten wir mit einigen Aufnahmen der Gäste:

agra-Treffenpark

17:20 She Past Away (TR)
Den Abend auf der Agra er√∂ffnen She Past Away, die nach eigenen Angaben einzige t√ľrkische Gothic-Rock Band. Der ‚ÄěExoten-Bonus‚Äú ist hier offensichtlich nicht n√∂tig, es finden sich auch so zahlreiche Fans ein, es ist immerhin der zweite Auftritt, nach 2013, im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens. Nach einem kurzen Tournee-Intermezzo durch Mexico geben sich She Past Away jetzt wieder in Europa die Ehre. Gerne w√ľrde man sich n√§her mit den Texten und Aussagen der dargebotenen Songs besch√§ftigen, leider mangelt es an deutschen Untertiteln – denn es wird ausschlie√ülich in t√ľrkischer Sprache gesungen. Dennoch √ľberzeugen die beiden Musiker, Volkan Caner (Gesang und Gitarre) und Doruk √Ėzt√ľrkcan (Keyboard), das Leipziger Publikum. Es wird getanzt und gefeiert. Beeinflusst von den guten Zeiten des Darkwave verbinden sich eing√§ngige Melodien, gut gesetzte Drums und die wunderbar tiefe Stimme von S√§nger Volkan zu sehr tanzbaren Songs.She Past Away bieten dem Leipziger Publikum einen guten Mix aus ihren bisher ver√∂ffentlichten Alben Belirdi Gece (2013) und Narin Yalnizlik (2015). Lieder wie Sanri, Kasvetli Kurlama, Ruh und Katarsis bringen die Menge in Wallung und die F√ľ√üe zum Tanzen. Da ist es zum Schluss auch nicht mehr so schlimm, das man kein Wort versteht, bis auf das ‚ÄěDankesch√∂n‚Äú der beiden Musiker. Kommt sehr gerne wieder zum WGT! (AZ)

20:40 The 69 Eyes (FIN)
P√ľnktlich um 20:40 Uhr wird es besonders dunkel: Die finnischen Dark-Rock Band beehrt das Wave-Gotik-Treffen mal wieder mit ihrer Anwesenheit. Die 1990 in Helsinki gegr√ľndete Band ist schon fast ein Fossil innerhalb Szene und lockt damit zahlreiche Fans inacn den agra-Halle. Vor der B√ľhne bildet sich ein auf The 69 Eyes neugieriger Pulk. Auf ihrer aktuellen Tour promoten Jyrki69 und seine Bandkollegen ihr aktuelles 2016 erschienenes Album Universal Monsters. Nat√ľrlich darf bei ihren Konzerten aber auch das Gothic Girl nicht fehlen. Es kommt, aber sp√§t! Die Frisuren sitzen, schwarze Lederjacken und die obligatorischen Sonnenbrillen – The 69 Eyes machen optisch schon was her. Und musikalisch scheinen sie auch den Nerv der Leipziger zu treffen. Vor der B√ľhne wird gefeiert und getanzt. Ein sch√∂ner Abend f√ľr alle D√ľsterrock-Fans! Im Anschluss wird als Headliner The Mission erwartet. Wir sind gespannt! (AZ)

22:25 The Mission (GB)
Ein wahres Gothic-Rock Urgestein spielt heute als Headliner in der Agra: The Mission. Nach einem kleinen Intro betritt die Band unter viel Beifall die B√ľhne. Es ist nicht ganz so voll, wie man erwarten k√∂nnte, bei einer Band dieser Kragenweite. Die anwesenden Fans lassen sich von Wayne Hussey aber gleich in den Bann ziehen. Mit seiner wunderbar tiefen Stimme greift er das Publikum gleich frontal an. In √ľber 30 Jahren Bandgeschichte sammeln sich schon ganz sch√∂n viele Klassiker an, doch wird auch das aktuelle Album Another Fall from Grace beworben. So sind der Titelsong Another Fall from Grace, das sehr rockige Met-Amor-Phosis und der mitrei√üende Song Can¬īt See the Ocean for the Rain zu h√∂ren. Das Publikum, welches The Mission schon l√§nger begleitet, wartet allerdings auf die Oldtimer, wie Severina, Deliverance und Tower of Strength und wird auch nicht entt√§uscht. Inzwischen hat sich die Agra doch noch ein bisschen mehr gef√ľhlt und insbesondere am Rand wird sehr ausgiebig getanzt. Ein sch√∂nes Konzert, allerdings ohne gro√üe √úberraschungen! (AZ)

01:00 Skinny Puppy (CDN)
Wie schon der Freitag zuvor, so soll auch der WGT-Sonntag musikalisch mit einem Mitternachtsspecial enden und hier steht der wohl spektakul√§rste Act des diesj√§hrigen Wave-Gotik-Treffens auf dem Programm: Skinny Puppy. Die Kanadier um Nivek Ogre und cEvin Key sind Kult und warum das so ist, wird auch beim heutigen Auftritt, zu dem auch Gitarrist Matthew Setzer mit viel Einsatz beitr√§gt, wieder besonders deutlich. Ihre Live-Shows sind total abgefahren! So zeigt sich Ogre auch heute wieder in extremer Maskerade und steht komplett im Mittelpunkt einer vollkommen abgespaceten Show. Immer wieder wird der maskierte Fronter oder vielmehr sein Alter Ego im Rahmen der Show mit Spritzen maltr√§tiert und muss am Ende dann regungslos von der B√ľhne getragen werden. Dazwischen pr√§sentieren uns die Kanadier zu einem beeindruckenden B√ľhnenbild – wie gro√üartig war denn bitte sch√∂n das pulsierende Dreieck im Zentrum der B√ľhne? – einen √úberblick √ľber ihre bewegende Werkschau und sparen auch nicht an beliebten Klassikern wie Tin Omen, The Choke, Killing Game oder Worlock. H√∂hepunkt der Show ist nat√ľrlich Assimilate am Ende des Main-Sets, bei dem wirklich die ganze Halle mittanzt. Aber auch √ľber das wundervolle Candle, zum Abschluss einer wilden Achterbahnfahrt, freuen sich die Fans und nicht wenige zieht es danach noch in die anderen Hallen der agra um den so kr√§ftig angeregten Bewegungsdrang weiter auszuleben. Was f√ľr eine Show! Das Warten darauf hat sich definitiv gelohnt! (MG)

Noctulus

Seitdem¬†Noctulus 2009 in der Agra spielen durfte hat er Kultstatus auf dem WGT. Jahr f√ľr Jahr spielt er seine Musik am Walk-of-Fame f√ľr Lau. Er singt von¬†rasierten K√∂niginnen und goldenen Br√ľsten. Wobei das Dargebotene eher Kunst als Musik ist. Seine Fans hat er sicher. (DS)

Altes Landratsamt

18:20 Framheim (D)
Kein Wunder, dass heute das Alte Landratsamt schon so fr√ľh fast proppevoll ist, denn das Trio Framheim stammt aus Leipzig. Sie starten p√ľnktlich und mit elektronisch poppigen T√∂nen. Die Musikrichtungen der Band sind vielf√§ltig: Synth, Electronic, Wave und Industrial – wobei diese Aufz√§hlung keinen Anspruch auf Vollst√§ndigkeit erhebt. Framheims Songs bauen sich behutsam mit einer ganz eigenen Dynamik auf, entwickeln sich zu einer Berg- und Talfahrt, spielen mit √ľberraschenden Elementen und Wendungen. Dorians markante, einpr√§gsame Stimme h√§lt diese fragilen, teils kraftvollen Klanglandschaften zusammen. Die Musik verkn√ľpft elektronische Bestandteile mit Instrumenten wie Bass, Percussion und Gitarre, wobei diese schon mal mit einem Geigenbogen gespielt wird. Eine Synthese, die bewegt. Die S√§ngerin, die barfu√ü auf der B√ľhne steht, zeigt viele Seiten ihrer Musik. Das Publikum jubelt nach jedem Lied, die Band wird sehr gut angenommen. (JB)

19:30 Black Nail Cabaret (H)
Nach den elektronischen T√∂nen von Framheim erwartet mich jetzt eine etwas andere Stilrichtung – Black Nail Cabaret machen hochwertigen Dark-Pop, inspiriert vom ‚ÄúGoth‚ÄĚ der 80er, durchmischt von einer Portion von Elektro-Nostalgie. Das Duo aus Emese Arvai-Illes und Krisztian Arvai, das zur Zeit in London beheimatet ist, stammt eigentlich aus Ungarn. Sie sind nicht nur wegen ihrer Musik bekannt, sondern auch und vor allem wegen ihrer theatralischen B√ľhneninszenierungen, was mir auch sofort ins Auge f√§llt, als die S√§ngerin die B√ľhne betritt. Leider musste sich die Band von personellen Ver√§nderungen im letzten Jahr erholen, denn die exzentrische Keyboarderin Tarr Zs√≥fia verlie√ü Black Nail Cabaret. Krisztian ist aber mehr als ein w√ľrdiger Ersatz, er war Mitglied des ungarischen Szene-Kult-Ensembles Esokutur. W√§hrend er am Keyboard und Mischpult eher im Hintergrund steht, mischt Emese das Publikum ganz sch√∂n auf und wird mit gro√üem Applaus belohnt. (JB)

Kohlrabizirkus

16:30 Chrom (D)
Zum heutigen Sonntag stehen Chrom als Opener hier im Kohlrabizirkus auf dem Programm. Bereits am fr√ľhen Nachmittag str√∂men die Massen in die heiligen Hallen. Die Stimmung ist von der ersten Sekunde an einfach nur gro√üartig. Die sympathischen D√ľrener Christian Marquis und Thomas Winters wissen zu √ľberzeugen und ziehen ihre anwesenden Fans in ihren Bann. Mit ihrem knalligen, tanzbaren aber gleichzeitig melodische Electro-Sounds bleibt kein Tanzbein still stehen. Die Band steht f√ľr eine Mischung aus Synthie-Pop, EBM und Club-Electro, soll also hei√üen: satte kr√§ftige Beats und durchdringende B√§sse, die richtig druckvoll aus den Boxen dr√∂hnen. Diese werden garniert mit Ohrwurm-Melodien: Fertig ist das Chrom – Grundrezept. Frontmann Christian animiert seine Fans zum tanzen und Spa√ü haben und diese lassen sich nicht lange bitten. Auch in den letzten Reihen wird ausgiebig getanzt. Im Hintergrund der B√ľhne sieht man auf einer riesigen Leinwand das aktuelle Album Peak & Decay abgebildet. Haupts√§chlich Songs davon werden heute Nachmittag gespielt. Viele Fans singen textsicher mit. Dies spricht f√ľr eine recht gro√üe Fanbase. Nat√ľrlich d√ľrfen die Klassiker Losing Myself, Loneliness und Memories nicht fehlen. Leider ist nach gut einer Stunde der Zauber, der √ľber dem Kohlrabizirkus lag, vorbei. Vielen hier Anwesenden ergeht es √§hnlich. Sie sind nur wegen Chrom in den Kohlrabizirkus gekommen und die Halle leert sich recht schnell. F√ľr mich gibt es hier beide Daumen nach oben, denn f√ľr mich sind Chrom das absolute Highlight hier auf dem WGT. (CM)

19:10 Decoded Feedback (CDN)
Wer bisher noch nicht so richtig in Wallung gekommen ist und die Beine bewegt hat, wird sp√§testens mit dem Auftritt des kanadischen Elektro-Projekts Decoded Feedback so richtig wach ger√ľttelt. S√§nger Marco Biagiotti und Keyboarderin Yone Dudas lassen keine wertvolle Zeit verstreichen und hauen gleich voll in die Tasten. Im Kohlrabizirkus ist schon ordentlich was los und die Fans r√ľcken auf nach vorn an die B√ľhne. Es wird gefeiert und getanzt, da bleibt kein Fu√ü unbewegt! Decoded Feedback, bereits 1995 gegr√ľndet, hauen heute alle ihre EBM-Kracher raus: ‚ÄúAnother loss‚ÄĚ, das rasend schnelle Bio-Vital oder das laute Phoenix. Die beiden Musiker bleiben dem Publikum des Wave-Gotik-Treffen nichts schuldig! Und das bedankt sich mit viel Beifall und schwei√ütreibenden Tanzeinlagen. Bei I’m the Night schleicht sich Clan of Xymox-Frontmann Ronny Moorings durch den Nebel auf die B√ľhne und unterst√ľtzt Marco und Yone mit seiner Gitarre. Eine interessante Kooperation! Nat√ľrlich gibt es mit Waiting for the Storm auch eine H√∂rprobe vom 2016 erschienenen Album Dark Passenger. Hier wird wieder an die Wurzeln von Decoded Feedback angekn√ľpft. F√ľr gro√üartige B√ľhnenshows sind Decoded Feedback ja nicht bekannt und so muss die Pr√§senz Marcos direkt am B√ľhnenrand ausreichen, aber auch Yone kommuniziert auf ihre Weise mit dem Publikum, welches sich von ihr immer wieder zum Mitklatschen animieren l√§sst. Das Motto ‚ÄěHinter jedem starken Mann, steht eine starke Frau‚Äú trifft hier voll zu, und dass die beiden hier in Leipzig auch Spa√ü an ihrer Arbeit haben, merkt man. Ein voller Erfolg! (AZ)

20:40 S.P.O.C.K. (S)
Noch bevor es losgeht, tritt unerwarteter Weise S√§nger von VNV Nation Ronan Harris auf die B√ľhne. Die anwesenden Fans in der mehr als nur gut gef√ľllten Halle des Kohlrabizirkus waren ziemlich √ľberrascht. Mit einer kurzen Ansage rief er Moderator Elvis auf die B√ľhne, um den n√§chsten Act anzuk√ľndigen, denn die Band S.P.O.C.K. aus Schweden stand auf dem Plan. Wie man schon am Namen erkennen kann, geht es bei S.P.O.C.K. um das riesige Thema Science Fiction und insbesondere um Star Trek. Dies kleiden die Schweden in ein Klang-Gewand aus Synthie-Pop. Doch bevor es auf in eine unbekannte Galaxie geht, werden an die Fans gelbe und blaue Luftballons verteilt. Diese stehen symbolisch f√ľr die Nationalfarben Schwedens. Diese Ballons sollen gleich zu Beginn der Show in die Luft geworfen werden. Welch‚Äô eine gro√üartige Idee! S√§nger Alexander Hofmann und die Keyboarder Valdi Solemo und Johan Malmgren treten nacheinander in wei√üen spacigen Uniformen die B√ľhne und legten gleich ordentlich los. Space-Pop k√∂nnte man es einfacher halber nennen. Die Band war extrem gut gelaunt und vor allem S√§nger Alexander gab sein Bestes, die Fans nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit seiner Performance zufrieden zu stellen. Er nutzte die gesamte Fl√§che der B√ľhne f√ľr seine Tanzdarbietungen alla Android bzw. Roboter. Er inszeniert sich dabei mit einer riesigen Portion Humor selbst. Dies hatte auf alle F√§lle einen extrem hohen Unterhaltungswert. Dadurch herrscht eine ausgelassene Partystimmung bis in die letzten Reihen, das hei√üt: Tanzen bis zum Umfallen. Eine aufwendige Lichtshow und Stroboskoplicht unterstreicht den spacigen Charakter. Bei All E.T. Aren‚Äôt Nice gab es wieder eine Dusche mit dem Wasser-Blaster. Die bekannten Lieder wie beispielsweise Never Trust a Klingon, Astrogirl und Alien Attack d√ľrfen nat√ľrlich nicht fehlen. Der Song Back on Mars wird als √úberraschung f√ľr die anwesenden Fans heute dargeboten, denn diesen spielen die Schweden recht selten auf ihren Konzerten. Als Zugabe d√ľrfen S.P.O.C.K. einen improvisierten Song, angek√ľndigt von Moderator Elvis, darbieten. Es handelt sich dabei um den Song Ice Machine von Depeche Mode. Ein w√ľrdiger Abschluss f√ľr ein gro√üartigen Konzertes. Ganz zum Schluss kommt Moderator Elvis noch einmal auf die B√ľhne und gibt bekannt, dass Keyboarder Valdi heute Geburtstag hat und er sich ein deutsches Geburtstagslied w√ľnscht. Das Publikum stimmt das Lied Weil du heut‚Äô Geburtstag hast an. Ger√ľhrt nimmt Valdi die W√ľnsche der Fans entgegen und bekommt noch einen Kuchen inklusive Kerze √ľberreicht. Sichtlich ger√ľhrt bedankt er sich bei den Fans. Welch eine gro√üartige Show. Zum Abschluss stehen die drei Musiker auf der B√ľhne machen den Vulkanischen Gru√ü und geben die Worte, ‚Äúlive long and prosper‚ÄĚ, auf den Weg. Damit war dann endg√ľltig Schluss. (CM)

22:20 Peter Heppner (D)
Nach einem kurzen Umbau kam der deutsche ‚ÄěGrandseigneur der Schmuse-Stimme‚Äú als Hauptact des Abends auf die B√ľhne hier im Kohlrabizirkus. Viel braucht es ja nicht f√ľr ein Peter Heppner Konzert. Dazu geh√∂ren ein Schlagzeug f√ľr Achim F√§rber, das Keyboard f√ľr Dirk Riegne, Gitarrist Carsten Klatte und nat√ľrlich das wichtigste Accessoire: Der Notenst√§nder f√ľr den S√§nger, der sich auch wieder auf seine typische Art und Weise zeigte. Und das bedeutet selbstverst√§ndlich ein vollkommen unspektakul√§res Outfit, reichlich Unsicherheit zwischen den Songs und das trotz fast perfekter Stimme. Es folgt ein gelungener Streifzug durch die musikalische Biographie Peter Heppners, nat√ľrlich auch mit alten Wolfsheim-Klassikern, die immer wieder eingestreut und von den Anwesenden frenetisch bejubelt werden. Kein Zur√ľck, K√ľnstliche Welten oder Once in a Lifetime eignen sich aber auch hervorragend zum Mitsingen und zum Abtauchen in eine fremdartige, stressfreie Atmosph√§re, wie als w√§re man in einer heilen Seifenblase ‚Äď trotz der zum Teil ja recht melancholischen Texten. √úber die Performance l√§sst sich sonst nicht viel sagen, au√üer einem gehauchten ‚ÄúDankesch√∂n‚ÄĚ kommt nicht so viel √ľber die Lippen des S√§ngers, aber viel mehr braucht es bei so einem Ausnahmek√ľnstler ja auch nicht. Peter Heppner bietet genau das, was man erwarten kann: Herausragende Stimme und vertr√§umten Elektro-Pop. Begleitet von einer Mannschaft kompetenter Musiker kann man so dem Alltag bestens entfliehen und die Seele baumeln lassen. Die Lichtershow taucht die B√ľhne in bunte Farben und durch eine nahezu perfekte Akustik, kommt bei den anwesenden Fans schnell Kuschelstimmung auf. Auffallend viele Paare sind heute hier im Kohlrabizirkus versammelt. Es wird im Takt geschunkelt und meistens liegen sich alle wie vertr√§umt und verz√ľckt in den Armen. Bei Die Flut wird ausgiebig mitgesungen. Das ist auch schon das spektakul√§rste, was an diesem Abend passiert. Muss ja auch nicht, denn wer Peter Heppners Konzerte kennt, wei√ü, dass allein seine Stimme als Pr√§senz auf der B√ľhne ausreicht, um die Anwesenden in seinen Bann zu ziehen. Ein gro√üartiger und w√ľrdevoller Abschluss f√ľr diesen Pfingstsonntag. (CM)

Stadtbad

17:50 F√Įx8:S√ęd8 (D)
Wer sich heute schon fr√ľhzeitig auf das gro√üe Finale im Rahmen des Mitternachtsspezials in der agra (Skinny Puppy) einstimmen m√∂chte, der schaut um kurz vor 18:00 Uhr im Stadtbad vorbei, wo F√Įx8:S√ęd8 ihre Spuren hinterlassen, und dass nicht nur, weil Fronter Martin Sane wie ein Tiger auf der B√ľhne hin und her l√§uft, sondern auch, weil die Beats des Duos in Mark und Bein gehen. Das Stadtbad ist bestens gef√ľllt und die Anwesenden bekommen feine Synthie-Fl√§chen aber auch wummernde Beats zu sp√ľren, die retro wie futuristisch zugleich anmuten. Der Puppenkopf besetzte Mikrost√§nder ist weitestgehend Zierde. Nur selten sieht man Martin dahinter verweilen, denn auch er selbst ist wie elektrisiert und lebt seine Performance voll aus. So vergeht die Zeit wie im Flug, dabei macht das Set wirklich Lust auf mehr. Hoffen wir, dass wir F√Įx8:S√ęd8 nun √∂fter mal live zu Gesicht bekommen. (MG)

Volkspalast Kuppelhalle

20:20 Soft Kill (USA)
Im Volkspalast treten die Bands in diesem Jahr alternierend auf, da sich bei parallel laufendem Programm durch die r√§umliche N√§he beider B√ľhnen der Sound √ľberlagern w√ľrde. F√ľr die auftretenden K√ľnstler ist das nat√ľrlich sehr komfortabel, da diese so viel mehr Zeit f√ľr den Soundcheck haben. F√ľr das zu fr√ľh angereiste Publikum bietet sich so die Gelegenheit, ihren (zuk√ľnftigen) Idole mal ganz unaufgeregt in Alltagsklamotten beim jammen und proben zuzuschauen. Soft Kill spielen eine Musik, die sich anh√∂rt, als k√§me sie aus einer Zeit, in der sich die noch blutjunge Szene gerade anfing vom Zusammenbruch von Joy Division zu erholen, in der The Cure noch cool und Bauhaus noch keine Legenden waren. F√ľr die Band aus Portland, Oregon, ist ihr Auftritt unter der Kuppel gleichzeitig auch ihre WGT-Premiere. Ich muss zugeben, f√ľr mich auch, denn Soft Kill waren mir bisher noch nicht unter die Ohren gekommen. Allerdings bin ich f√ľr gepflegten, klassischen Post-Punk immer zu haben und so bin ich vom ersten Song an ziemlich angetan von den drei Amerikanern. Die Musik ist dominiert von einer halbakustischen Gitarre, die den typischen, stark an The Cure erinnerten Sound erzeugt, und einen auf Minimal-Punk programmierten Computer (der eigentliche Drummer scheint an diesem Abend nicht mit von der Partie zu sein), wie ihn auch The Sisters of Mercy benutzen. Augenblicklich f√ľhlt man sich in die Anfangszeit der Szene zur√ľckversetzt. Die Stimme des S√§ngers, die sich wirklich wie eine Mischung aus Morrissey und Ian Curtis anh√∂rt, tr√§gt ihr √ľbriges dazu bei. Der Saal unter der Kuppel ist brechend voll, Soft Kill scheinen bei den Besuchern keine Unbekannten zu sein. Der Run auf den Merch-Stand nach dem Konzert l√§sst dar√ľber hinaus vermuten, dass die Band am heutigen Abend noch den einen oder anderen Verehrer hinzu gewonnen hat. Mich jedenfalls haben sie √ľberzeugt. (KS)

22:40 Alcest (F)
Eigentlich ist es kaum zu glauben, aber die meiste Zeit seines bisherigen Lebens verbrachte Neige (St√©phane Paut) mit seiner Band Alcest, die er 2000 mit gerade 15 Jahren gr√ľndete. Das ist insofern am√ľsant, als dass die Beschreibungen der Band, was ihren Werdegang und Stellung innerhalb der Musikszene betrifft, gegens√§tzlicher kaum sein k√∂nnten. So werden Alcest auf der einen Seite immer noch als Geheimtipp und Neige als vielversprechendes Talent gehandelt, auf der anderen Seite als Veteranen des Black-Gaze und Ausnahmek√ľnstler fanatisch verehrt. So in etwa konnte man auch die Verortung der Band im line-up des WGT verstehen: schon irgendwie Headliner an diesem Pfingstsonntag, jedoch an einem der kleineren Veranstaltungsorte, aber wenn schon, dann unter der Kuppel des Pantheons, denn da ist die Akustik ja so gut ‚Äď immerhin. Es verspricht also ziemlich fr√ľh, ziemlich schnell eng zu werden. Und so sind die ersten Fans bereits eine Stunde vor Beginn zugegen, um sich die erste Reihe vor der schmalen B√ľhne, die weit in den Saal hineinreicht, zu sichern. Obwohl die Franzosen bei Sp√∂ttern eher in dem Ruf stehen, eine Art ‚ÄúM√§dchen-Metal‚Äú zu machen, ist der √ľberwiegende Teil der Zuh√∂rer m√§nnlich. Die Stimmung ist gemessen an der fortgeschrittenen Uhrzeit ruhig, erwartungsvoll und beinahe feierlich. Alcest schreiben Symphonien aus Empfindsamkeit. F√ľr zerrissene Seelen, die zwischen den verschiedenen Lebenswelten verzweifeln, sind sie Wundpflaster und Katharsis. Es sind hochkomplexe und aufr√ľttelnde Kompositionen, die zu Tr√§nen r√ľhren und sich als reale Empfindungen im ganzen K√∂rper manifestieren. Kodama vom gleichnamigen aktuellen Album er√∂ffnet das Konzert an diesem Abend. Es wird beinahe unmittelbar deutlich, wie gut die neue exponierte Rolle von Winterhalters (Jean Deflandre) Drums von Kodama auch live funktionieren. Trotzdem scheint sich beinahe alles auf den S√§nger und Komponisten zu konzentrieren. Neige wirkt in den zauberhaften melodischen Episoden von Ecailles Des Lune Pt. 2 so selbstvergessen und zwischen den wuchtig-virtuosen, infernalen Gitarrenw√§nden, wenn er seine eindringlich, qu√§lenden Screams bei Oiseaux De Proie performt, so zerbrechlich, als w√§re er irgendwo w√§hrend den St√ľcken verloren und vollst√§ndig in seiner Musik aufgegangen. Das Publikum l√§sst sich davon gern gefangen nehmen und wirkt zum Teil wie hypnotisiert und genauso entr√ľckt wie die Band. Bei D√©livrance steht ein Gro√üteil der Fans mit geschlossenen Augen da und saugt den Song wie Sonnenstrahlen am ersten Fr√ľhlingstag nach einem langen, langen Winter in sich auf. Als am Ende des 10-min√ľtigen St√ľcks ein K√ľnstler nach dem anderen die B√ľhne verl√§sst, schauen viele noch lange ungl√§ubig auf die Szenerie, bevor frenetischer Jubel ert√∂nt. Es ist schwer, nach einer solchen Erfahrung, den Weg zur√ľck in die reale Welt anzutreten. (KS)

Felsenkeller / Naumanns

16:50 Nachtblut (D)

Als Askeroth, der S√§nger von Nachtblut, die Menge im Felsenkeller/Naumanns begr√ľsst, sieht er ein volles Haus. Das Publikum geht zu den d√ľster-rockigen Kl√§ngen vom ersten Moment an gut mit. Das Licht auf der B√ľhne ist entweder nicht vorhanden, oder aber blendend wei√üe Scheinwerfer leuchten das Publikum von der B√ľhne herab an. Dies tut der Stimmung allerdings √ľberhaupt keinen Abbruch ‚Äď und wer einen Blick auf die rechte Seite der B√ľhne wirft, kann schon an den Reaktionen der dort stehenden Fans erkennen: Hier spielt der Bassist von Stahlmann, der allein durch seine Anwesenheit sicher noch einiges zum Erfolg des Gigs beitr√§gt. Als Rausschmei√üer bringt die Band eine Dark-Metal Version von Alles Nur Geklaut (Die Prinzen) – und alle haben ihren Spa√ü und singen inbr√ľnstig mit. (DG)

Volkspalast Kantine

21:35 Desperate Journalist (UK)
Kommen wir zu der vielleicht hei√üesten Band des diesj√§hrigen Wave-Gotik-Treffens: Desperate Journalist! Die Briten schicken sich gerade an, die dunklere Seite der Indie-Welt im Sturm zu erobern. Post-Punk mit starken Melodien ist ihr Markenzeichen und sie stehen damit in bester Tradition der leider viel zu schnell wieder aufgel√∂sten The Organ. Doch auch an poppigere Bands wie die Cranberries und Co. mag man denken, wird insbesondere live aber von einer derma√üen heftigen Energie √ľbermannt, dass es einen f√∂rmlich mitrei√üt. Die bildh√ľbsche und enorm stimmgewaltige S√§ngerin Jo Bevan, die immer wieder mit dem strahlend-rot leuchtenden Mikrofonkabel spielt und sich dieses um den Hals legt, zieht uns gemeinsam mit der Rhythmus gebenden Soundfraktion in einen wahren Sog und peitscht uns solch druckvolle Songs wie Control oder Why Are You So Boring um die Ohren. Nein, langweilig ist das wahrlich nicht, sondern einfach nur beeindruckend! Stillstehen ist hier nicht m√∂glich, alle im Publikum starren gebannt auf die B√ľhne und tanzen oder wippen im Takt. Eine starke Band mit gro√üartiger Livepr√§senz – Besser geht’s kaum … (MG)

VEID – Bundesverband verwaiste Eltern

12:50 KimKoi 

Schon fr√ľh morgens bekomme ich nach langer Nacht und wenig Schlaf einen Anruf einer guten Freundin: ‚ÄěKimKoi spielen gleich. Kommste?‚Äú. Wer war nochmal KimKoi? – Ach ja, die Nachfolgeband von Schock ‚Ķ So mache ich mich flux auf in die Leipziger Innenstadt. Gerade noch p√ľnktlich komme ich dort an ‚Äď nur um zu erfahren, dass sich der Anfang des Konzerts um eine halbe Stunde verz√∂gere: Frau Benecke h√§tte ihren Termin entsprechend sp√§ter wahrgenommen ‚Ķ
Der Eingang zum VEID, dem Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. , liegt ein wenig versteckt in einer Seitenstra√üe. Das Konzert selbst findet im ersten Obergeschoss statt ‚Äď in einem bestuhlten Raum, der Platz f√ľr grad mal 50 Leute bereit h√§lt. Umso intimer ist die Atmosph√§re, was dem Ganzen wirklich einen besonderen Rahmen gibt. Schlie√ülich spielt die Band ‚Äěunplugged‚Äú und l√§sst den einen oder anderen mit geschlossenen Augen das Konzert genie√üen. Aufgrund des engen Zeitkorridors kann die Band leider nicht ihr komplettes Set spielen. Dennoch: Dies war ein √ľberraschender und gelungener Start in den letzten WGT-Tag. (DG)

NonTox

15:30 Tying Tiffany (I)
Mit dem Zeitplan nimmt man es in der Outdoor-Location Non Tox wohl nicht so genau, denn Tying Tiffany startet mit gut 20 Minuten Versp√§tung in ihren Auftritt. Von Anfang an gibt es offensichtlich Probleme mit der Technik und man gibt sich alle M√ľhe diese auch w√§hrend des Konzerts zu beheben. Zufrieden sieht der Mann an der Gitarre, den S√§ngerin aus Italien zur Unterst√ľtzung mitgebracht hat, dennoch nicht aus. Das 2004 gegr√ľndete Eine-Frau-Electronic Projekt bringt ordentlich Glanz auf die kleine B√ľhne, ein optisches Highlight und auf jeden Fall stimmlich √ľberzeugend. Auch die Wassertropfen, die vom B√ľhnendach nat√ľrlich genau auf die zarte K√ľnstlerin fallen, k√∂nnen der Performance von Tying Tiffany nicht wirklich schaden. Mit richtig viel Gef√ľhl und K√∂rpereinsatz -man leidet f√∂rmlich mit- bringt sie den Ohrwurm One Second auf die B√ľhne. Lost Way geht dann richtig nach vorn, auch der Gitarrist gibt Gas und greift in die Saiten, Borderline bietet dann wieder einen etwas ruhigeren Sound. Trotz aller Widrigkeiten bietet Tying Tiffany dem Publikum eine √ľberzeugende Show, bei der man sehr gut erkennen kann, dass in ihr auch eine Schauspielerin steckt. Tying Tiffany ist tats√§chlich ein Multitalent- S√§ngerin, Songwriterin, DJane, Model und eben Schauspielerin. Damit nimmt sie das Publikum vor der Non Tox-B√ľhne auch f√ľr sich ein, welches tanzt und auch ein bisschen mitleidet. (AZ)

18:10 Vlad in Tears (D)
Die aus Italien stammende Band Vlad in Tears wurde 2007 gegr√ľndet. Zu Beginn ihrer Karriere probierten sie sich zun√§chst an einigen Coversongs aus, gingen jedoch schnell dazu √ľber, ihren ganz eigenen, d√ľsteren Sound zu kreieren. Diese Entscheidung wurde begeistert von ihrer rasch wachsenden Fangemeinde aufgenommen. Bisher sind sie eher als Support f√ľr Mono Inc, Stahlmann oder Unzucht bekannt. Wenn man die Jungs mit drei Worten beschreiben w√ľrde, dann mit: laut, hart und fesselnd. Ihre musikalischen Wurzeln liegen im Dark Rock. Mit ihrer Show hier im √ľberschaubaren Non Tox unter freiem Himmel haben sie jeden Anwesenden von sich √ľberzeugt. Irgendwie habe ich den Eindruck, die Jungs geh√∂ren eigentlich auf eine gr√∂√üere B√ľhne. Jedenfalls ziehen sie hier ihr Programm so durch, als w√ľrde ihnen eine riesige Halle mit dem dazu passenden Publikum zur Verf√ľgung stehen. Sehr sympathisch mit einer riesigen Portion Humor haben sie auch einen gewissenen Unterhaltungswert und verspr√ľhen damit auch gute Laune. Ob es die einzigartige Stimme und Ausstrahlung des Frontmanns Kris Vlad ist, die die Leute vor der B√ľhne in ihren Bann zieht oder die Energie, die die gesamte Band mit ihren harten Riffs und treibenden Drums auf ihr Publikum √ľbertr√§gt und demselben damit f√∂rmlich die Schuhe auszieht. Von diesem Jungs werden wir in naher Zukunft bestimmt noch mehr h√∂ren. (CM)

Grassi Museum

Bereits zum 3. Mal riefen Thomas Rainer (Nachtmahr) und Oswald Henke (Goethes Erben) zur Weinverkostung. Getroffen wird sich auf dem Vorplatz des Grassi-Museums. Das Konzept ist einfach: Jeder der teilnehmen möchte, kommt zum Treffpunkt und bringt ein bis zwei Flaschen seines Lieblingsweines, sowie ein Glas, mit. Die Idee besteht darin, den teilnehmenden Weinliebhabern die eigenen Lieblingströpfchen vorzustellen. Eine gute Gelegenheit neue, gute Weine zu entdecken und eben mit den beiden Gastgebern ins Gespräch zu kommen. (DS)

Foto / Author: Anita Zeidler (AZ), Claudia Marquardt (CM), Danny Sotzny (DS), Dietmar Grabs (DG), Jana Breternitz (JB), Katja Spanier (KS), Michael Gamon (GM), Thomas Papenbreer (TP)

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