WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2017 – Freitag (02.06.2017)

Amanda Palmer & Edward Ka-Spel, © Michael Gamon
Amanda Palmer & Edward Ka-Spel, © Michael Gamon
Geschätzte Lesezeit: 17 Minute(n)
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Los geht es mit unserer ausf√ľhrlichen Berichterstattung vom Wave-Gotik-Treffen 2017. Wie jedes Jahr standen wieder zahlreiche K√ľnstler / Bands auf zahllosen B√ľhnen bereit und bei diesem vielf√§ltigen Programm war wieder f√ľr Liebhaber aller schwarzen Genres etwas passendes dabei.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Der Bericht ist zur besseren √úbersicht, und um etwas im jeweiligen musikalischen Kontext zu bleiben, nach dem jeweiligen Spielort zusammengefasst!

Schnellnavigation: Viktorianisches Picknick | Aeon Sable | Amanda Palmer & Edward Ka-Spel | Angels & Agony | Beyond Obsession | Box And The Twins | Devilment | In Gowan Ring | Ivana | Kite | Null Positiv | Ordo Rosarius Equilibrio | Poupèe Fabrikk | Principia Audiomatica | Tanzwut | The Firm Inc. | Umbra et Imago

Clara-Zetkin-Park

14:00 Uhr Viktorianisches Picknick
Das viktorianische Picknick ist einer der H√∂hepunkte des Wave-Gotik-Treffens in Leipzig und auch der Beginn in das nunmehr 26. Wave ‚Äď Gotik ‚Äď Treffen. Am Freitag zog es alle Wohlgesinnten ab 14 Uhr in den Clara-Zetkin-Park. In diesem Jahr kamen gef√ľhlt noch mehr Besucher als die Jahre davor. Die eingez√§unte Wiese f√ľllte sich rasch mit Picknickern in den unterschiedlichsten Kost√ľmen. Es gab keinen Dresscode, Hauptsache die Kost√ľme sind aufwendig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Farbe schwarz ist zwar trotzdem noch dominant, aber wird auch gerne mit der einen oder anderen auff√§lligen Farbe kombiniert. Somit wirkt es auch irgendwie recht bunt. Die Schattenpl√§tze unter den B√§umen waren recht schnell belegt, denn das Wetter meint es heute richtig gut. Ein strahlend blauer wolkenloser Himmel, dazu eine Sonne, die mit den Menschen auf der Wiese um die Wette strahlt und gute 25 Grad im Schatten, dazu eine leichte Prise Wind, dies l√§dt zum Flanieren und Picknicken unter Gleichgesinnten ein. Aber auch Leipziger oder Besucher der Messestadt nutzten das Viktorianische Picknick, um zu Staunen und dieses besondere Flair zu genie√üen. Die Kost√ľme standen ganz klar im Mittelpunkt. Diese wurden aufwendig in Szene gesetzt. Gr√ľppchen sa√üen an aufwendig dekorierten Tischen mit Kerzenst√§ndern und genossen ihr Picknick. Andere standen in zwanglosen Gruppen zusammen und diskutierten oder sinnierten √ľber die unterschiedlichsten Themen. Auff√§llig viele Familien mit ihren Kindern, ebenfalls gewandet, genossen einen grandiosen Nachmittag und einen wirklich guten Start ins WGT ‚Äď bzw. Pfingstwochenende. (CM)

Hier nur eine kleine Auswahl der Bilder – √ľber 200 Bilder findet ihr hier.

Agra-Treffenpark

19:00 Uhr – Umbra et Imago (D)
Die agra f√ľllte sich recht schnell, denn als Opener waren die Karlsruher Umbra et Imago gebucht. Gleich zu Beginn wurde bekannt gegeben, dass die Badener flei√üig an einem neuen Album basteln, das schon im Oktober diesen Jahres mit dem Namen Das unsterbliche Buch erscheinen wird und welches als Teil einer Triologie produziert wird. Seit 3 Jahren waren Umbra et Imago nicht mehr auf dem WGT und sind einfach nur stolz als Opener in den Freitag zu starten. Gut gelaunt wollen sie heute allen Feierw√ľtigen ihr besonderes Programm pr√§sentieren. Eine besondere Augenweide ist auch dieses Mal wieder Madeleine Le Roy, die sich in wei√üer Spitze geh√ľllt auf der B√ľhne r√§kelt und Mozart bei dem einen oder anderen Duett unterst√ľtzt. Der charismatische Frontmann schafft es dabei m√ľhelos, das Publikum zum Tanzen und Feiern zu animieren. Um der Hitze, die an diesem Tag auch die agra voll im Griff hat, etwas entgegen zu setzen, wirft er die eine oder andere ge√∂ffnete Flasche Wasser zur Abk√ľhlung ins Publikum. Auf einer Videoleinwand werden stimmungsvolle Videosequenzen gezeigt. Nebelschwaden verwandeln die B√ľhne in einen mystischen Ort. Wer die Band wegen ihrer erotischen B√ľhnenshows kennt, wird wohl etwas entt√§uscht sein, denn die dargebotene Show besticht durch reduzierte Darbietungen ohne gro√üe Showelemente. Dies tut der Freude der treuen Fans direkt vor der B√ľhne jedoch keinen Abbruch. Es wird getanzt und geklatscht und der doch noch etwas verhaltene Rest des Publikums startet gut gelaunt in den Freitag. (CM)

20:45 Uhr РPouppée Fabrikk (S)
Sie geh√∂ren zweifelsohne neben Front 242 und Nitzer Ebb zu den gro√üen Drei im Spannungsfeld von EBM und Industrial. Bereits zum vierten Mal sind die Schweden auf einem WGT zu Gast, um zu beweisen, dass sie mit ihrem EKM (Electric Kropp Music) immer noch √ľberzeugen k√∂nnen. Und so ist es wenig √ľberraschend, dass die Elektro-Veteranen gleich von Beginn das Publikum auf ihrer Seite haben. Daf√ľr sorgt fast schon allein Fronter Henrik Bj√∂rkk, der mit seiner brachialen, lauten Stimme und seiner imposanten Erscheinung schnell zum Zentrum der Aufmerksamkeit wird. Mit martialischen, energiegeladen Bewegungen scheint er die ganze B√ľhne in Besitz zu nehmen. Die Fans danken es ihm, die Agra-Halle ist gut gef√ľllt, aber man merkt schon, dass es diese Form von Brachial-Industrial nicht jedermanns Geschmack trifft. (DS)

22:20 Uhr – Devilment (GB) mit Dani Filth (Cradle Of Filth)
Dani Filth, seines Zeichens Kopf der Extreme-Metal Formation Cradle Of Filth und Stage-Vocalist von Devilment, ist schon von Weitem an seiner unverkennbaren, martialischen Stimme zu erkennen. Aber auch mit ihren infernalischen Trash-Metal-Riffs gelingt es den Jungs und M√§dels aus Gro√übritannien die B√ľhne der Agra auf Anhieb zu rocken. Begeisterung macht sich unter den Fans breit – und das nicht nur in den ersten Reihen. In Puncto Performance stehen die √ľbrigen Bandmitglieder ihrem S√§nger dabei in nichts nach, so dass das perfekte Metal-Feeling von Anfang bis Schluss des Auftritts so manche Faust in die H√∂he hebt. Das macht Spa√ü. Die Songauswahl setzt sich ma√ügeblich aus St√ľcken des aktuellen Albums Devilment II: The Mephisto Waltzes zusammen. Die Halle ist zwar nur zur H√§lfte gef√ľllt, aber f√ľr die Anwesenden war Devilment als Abschlu√ü des Freitages sicher eine gute Wahl. (DS)

00:30 Uhr – Amanda Palmer & Edward Ka-Spel (USA/NL)
Das erste Mitternachts-Special des Wave-Gotik-Treffens 2017 steht an und viele freuen schon sich auf die au√üergew√∂hnliche Kooperation von The Dresden Dolls Frontfrau Amanda Palmer und The Legendary Pink Dots Mastermind Edward Ka-Spel. Diese startet aber erst einmal mit einem kleinen D√§mpfer, denn das Pedal von Amanda Palmers Piano ist defekt, das Instrument somit nicht nutzbar. Aber welch ein Gl√ľck: Wir haben es hier mit absoluten Profis zu tun und so √ľberspielen die drei Vollblutmusiker das Ganze absolut unterhaltsam. Vorl√§ufig pr√§sentiert uns Geiger Patrick Q. Wright aber noch genau diesen einen von ihm geforderten Ton und bevor dieser dann nach einer ganzen Weile doch zu eint√∂nig wird, f√ľgt er ihm vorsichtshalber noch einen zweiten hinzu. Es folgt ein Song komplett ohne Piano, bei dem Amanda schon einmal ihre tolle Stimme unter Beweis stellen kann. Dann naht auch schon Hilfe. Das deutlich gr√∂√üere Pedal, das eben noch bei Devilment gute Dienste geleistet hat, wird angeschlossen, kurz mit ‚Äěauf die Gr√∂√üe kommt es aber nicht an‚Äú von Amanda kommentiert. Dann entflie√üen dem Instrument endlich erste T√∂ne und die drei k√∂nnen ihre Songs des gerade erschienenen Deb√ľtalbums I Can Spin A Rainbow in seiner vollen Pracht darbieten. Die Songs sind zwar eher ruhig, aber daf√ľr sehr intensiv und damit wahlweise wie gemacht oder v√∂llig fehl am Platz f√ľr diese fortgeschrittene Stunde. Einige der Zuschauer gehen langsam in Richtung Partyhallen (oder ins hoffentlich nahe gelegene Bett), w√§hrend die Interessierten den Rest der Darbietung f√∂rmlich an den Lippen von Amanda und Edward h√§ngen und sich der feinen Klang-Atmosph√§re hingeben. (MG)

Felsenkeller

18:30 Uhr – Aeon Sable (D)
Die aus Essen stammende Band Aeon Sable schwört die anwesende Gemeinde mit einem rituellen Intro auf die kommenden 60 Minuten ein. Es ist zwar erst das zweite Konzert an diesem Nachmittag in den traditionsreichen Gemäuern im Leipziger Westen, aber es herrscht bereits Einlassstopp und die Luft kann man jetzt schon schneiden. Nach dem Eröffnungs-Track Visions ist zumindest eins in dieser stickig-feuchten, dunklen Ursuppe klar: Wer den guten alten Goth-Rock in den letzten Jahren vermisst haben sollte: Hier ist er. Da sind sich auch die Besucher sicher. Kaum einer scheint sich verlaufen zu haben, wie die große Ansammlung an Fields Of The Nephilim-, Garden Of Delight-, und Merciful Nuns-Shirts beweist. Mit Elysium und White Snow werden die seligen Fans, mich eingeschlossen, Richtung Siedepunkt getragen und auch Nino Sable scheint bereit, sich völlig zu verausgaben. Bei Praying Mantis, dem absoluten Höhepunkt und letzten Song des Auftritts, gibt uns der Sänger wortwörtlich sein letztes Hemd, als er die abschließenden Lyrics in gequälter Agonie mit rauer Stimme aus dem mageren Körper schreit. (KS)

Heidnisches Dorf

21:30 Uhr – Tanzwut (D)
Kurz vor 22 Uhr betreten Teufel und seine Mannen die B√ľhne im Heidnischen Dorf, etwa 20 Minuten sp√§ter als das eng getaktete WGT-Programm vorgesehen hat. Besser sp√§t als nie, sagt sich da der altgediente Festivalbesucher, von so etwas l√§sst man sich ja nicht die Laune verderben. Nichtsdestotrotz werden die Berliner schon sehns√ľchtig von den mehreren Hundert Fans erwartet. Das h√§ngt zum einen damit zusammen, dass Tanzwut am Er√∂ffnungsabend nat√ľrlich Headliner im Heidnischen Dorf sind, zum anderen haben sich die Jungs in den letzten Jahren auf dem WGT doch etwas rar gemacht, nachdem sie jahrelang praktisch zum Inventar des Treffens geh√∂rt haben. Als Intro hat die Band Freude Sch√∂ner G√∂tterfunken erw√§hlt. Das ruft Erinnerungen wach. Es wird eng auf der kleinen B√ľhne, als die 8-k√∂pfige Besetzung, einer nach dem anderen, heraus in den lauen Sommerabend tritt. Viel Platz f√ľr gro√üe Show und Performances wird die Band wohl nicht haben. Aber das tut der Stimmung vor der B√ľhne keinen Abbruch, denn Tanzwut haben mehr zu bieten als Pyro und Akrobatik: Gemeinschaft, Nostalgie, epische Geschichten und eing√§ngigen mit Dudels√§cken garnierten Rock. Neben den Songs vom aktuellen Album Schreib es mit Blut musste deswegen auch niemand auf die alten Klassiker verzichten. Ein stimmungsvoller H√∂hepunkt am Freitagabend. (DS)

Volkspalast

20:10 Uhr – Ianva (I)
Vorab lese ich √ľber Ianva: ‚ÄúMultiinstrumentales Kammerorchester‚ÄĚ – und das zum WGT? Ianva ist ein Zusammenschluss von klassisch geschulten Instrumentalisten, ‚Äúsph√§rischen Darkwavern‚ÄĚ, hoffnungsfremden ‚ÄúTodesmetallern‚ÄĚ und intellektuellen Chansonniers. Die beiden Frontleute Mercy und Stefania T. geben abwechselnd ihr Repertoire zum Besten. Da h√∂rt man schon die verschiedenen Stilrichtungen ihrer Musik, die sich aber insgesamt nicht so recht festlegen m√∂chte. Die Richtungen bewegen sich zwischen Melodram, Orchestral-Pop, Dark Cabaret und Folk Noir, um nur einige wenige zu nennen. Es kommen neben den sonstigen Instrumenten wie E-Gitarre und Schlagzeug unter anderen auch ein Akkordeon und die Trompete zum Einsatz. Dem Publikum gef√§llt‚Äôs, sie singen mit und tanzen zur Musik. Die Kuppelhalle des Volkspalastes ist ziemlich voll und der Applaus ist den K√ľnstlern sicher. H√∂renswert! (JB)

22:40 Uhr – Ordo Rosarius Equilibrio (S)
Die Kuppelhalle des Volkspalasts war gut gef√ľllt, als gegen 22:45 Uhr das Intro von Ordo Rosarius Equilibrio zum letzten Konzert des Abends einsetzte. Dass die NeoFolk-Band √ľberhaupt spielen konnte war schon ein kleines Wunder, denn ihr Flug wurde am sp√§ten Vorabend gecancelled, so dass man in Stockholm √ľbernachten musste und erst kurz vor dem geplanten Auftritt in Leipzig ankam. Neben Tomas und Rose-Marie standen noch Frederik Leijstr√∂m am Bass und Nicolas van Meirhaghe, welcher zuvor bereits mit seinem Projekt Empusae auftrat, an den Drums auf der B√ľhne. Ein Live-Gitarrist fehlte diesmal.Die Schweden stehen f√ľr ruhige und gef√ľhlvolle T√∂ne und intime Texte und die Zuschauer genossen genau diese Kombination. Tomas‚Äô Beschwerde, dass es nur Wasser auf der B√ľhne g√§be wurde von Frederik erh√∂rt, der im Backstage etwas „Standesgem√§√üeres“ organisierte: Ballantines! Und dieser wurde nat√ľrlich dann br√ľderlich geteilt. Kurz vor Ende des Konzerts begr√ľ√üte Tomas mit den Worten „Here comes the Italian stallion!“ Simone Salvatori von Spiritual Front als Gast auf der B√ľhne. Rose-Marie trat zur√ľck in die zweite Reihe und Simone ebenfalls an die Drums. Gemeinsam brachten sie A Song 4 Hate and Devotion – etwas, das sie vor f√ľnf Jahren bereits schon mal gemacht hatten. Aber das passt, dieser Song ist doch ein echter Klassiker! Es folgte, von viel Drumarbeit begleitet, The Perplexity Of Hybrids, bevor sich Simone wieder verabschiedete. Sein Auftritt war definitiv ein H√∂hepunkt des Konzerts. Kurz darauf war dann leider auch schon Schluss und unter rauschendem Beifall verlie√ü die Band rund 20 Minuten nach Mitternacht die B√ľhne – ein tolles Konzert! (DG)

Moritzbastei

20:00 Uhr – Principia Audiomatica (HR)
Zum Start ins WGT-Wochenende bin ich in der Moritzbastei ganz gespannt, was mich erwartet. Der Name der Band hat mich neugierig gemacht. Vorab erfahre ich, dass es sich bei Principia Audiomatica um ein Ein-Mann Projekt handelt und dass der Kopf dahinter Miljenko Rajakovic hei√üt. Dieser d√ľrfte Fans noch vom kroatischen Dark-Ambient Projekt TeH√ĒM ein Begriff sein, das 1997 mit dem Tod von Mastermind Sinisa Ocurscak sein abruptes und tragisches Ende fand. Miljenko lie√ü das Projekt √ľber 15 Jahre ruhen und tastet sich jetzt langsam wieder unter dem Namen Principia Audiomatica an die Musik heran. Auf der B√ľhne steht er mit seinem Laptop und haucht dem Raum elektronische Kl√§nge und eine Lichtshow auf der Leinwand ein. Er spielt zum Teil Klassisches aus TeH√ĒM-Zeiten, aber auch in gr√∂√üerem Umfang neues eigenes Material, wie das k√ľhle futuristische Ambient St√ľck Polar Circle. Etwa zur H√§lfte ist das Tonnengew√∂lbe der Bastei gef√ľllt, was aber nicht an der Musik liegen kann. Die ist durchaus h√∂renswert, auch wenn ich den Eindruck hatte, er f√ľhlt sich auf der B√ľhne allein nicht recht wohl. Augenkontakt zum Publikum gab es leider nicht. (JB)

21:00 Uhr – Beyond Obsession (D)
Hier gibt es nun Synthie Pop vom Feinsten auf die Ohren. Mit Beyond Obsession steht eine noch recht junge Band auf der B√ľhne in der legend√§ren Tonne der Moritzbastei. Erst 2012 gegr√ľndet, konnten sie durch den Support bei And One und anschlie√üend bei Solar Fake ihre Fanbase kontinuierlich aufbauen. Die Tonne in der Moritzbastei war bereits nach kurzer Zeit wegen √úberf√ľllung geschlossen. Glasklare Melodien gepaart mit einer grandiosen Stimme: Das sind Beyond Obsession. Frisch klingende Melodien in Kombination mit der gef√ľhlvollen Stimme des S√§ngers Nils Upahl begeistern und √ľberzeugen restlos alle in der Tonne ausnahmslos bis in die letzten Reihen. Die durchaus schon spannungsgeladene Atmosph√§re wird durch den brillanten Gesang noch mehr aufgeladen. Der eing√§ngige Elektropop-Sound deckt das komplette Spektrum des Synthie Pops ab und verbreitet nicht nur bei mir gute Laune. Die Fans bewegen sich im Takt und es wird gefeiert. Zwischen den Songs wollen die Beifallsbekundungen der Fans nicht enden. Beyond Obsession wissen ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. Nicht nur tanzbare Hymnen sind zu h√∂ren, auch die eine oder ander gef√ľhlvolle Ballade wird zum Besten gegeben. Die Texte der Band regen auch zum Nachdenken an. Von den Jungs werden wir bestimmt noch sehr viel h√∂ren und sehen. Bitte mehr davon. (CM)

22:00 Uhr – The Firm Inc. (D)
Das gut gef√ľllte Kellergew√∂lbe der Moritzbastei wird von der Hamburger Band The Firm Inc. mit einem EBM-Donnerwetter ersch√ľttert.Die 2014 gegr√ľndete Formation liefert eine Fulltime Show f√ľr die tanzw√ľtigen Electro-Fans. Der Ex-Frontmann und Gr√ľnder von Funker Vogt Jens K√§stel und seine beiden Bandkollegen Guido Henning & Jan Abraham (beide E-Craft) bringen schon beim zweiten Song Schluss mit lustig die vorderen Reihen zum Ausrasten und Pogen ohne R√ľcksicht auf Verluste. Wer¬īs gem√ľtlich mag, ist hier eindeutig fehl am Platz! So lichten sich die vorderen Reihen auch recht schnell. Auch ein kleiner Tonausfall mittendrin kann die Stimmung direkt vor der B√ľhne nicht wirklich tr√ľben. Einfach nochmal neu starten und weiter gehts. Doch die harten Kerle k√∂nnen auch ganz anders! Bei Frei, dem letzten Titel vom 2016 erschienenen Deb√ľtalbum Veritas, zeigt die Band das sie auch sanftere T√∂ne anschlagen kann. Aber schon beim n√§chsten Song geht es wieder in die Vollen. BUTF bringt die Massen gleich wieder in Bewegung. Die Texte √ľber Mut, Entt√§uschung und Freundschaft sind mit harten Beats verpackt und gehen sofort in die Beine. Mit Geschichten ohne Wert werden die Missst√§nde im Umgang der Menschen untereinander angeprangert. √úberhaupt ziehen sich die Themen St√§rke, Familien und Br√ľderlichkeit wie ein roter Faden durch die Texte. Die Luft im Gew√∂lbe ist schon jetzt zum Schneiden dick und viel Platz f√ľr die zappelwilligen F√ľ√üe ist auch nicht. The Firm Inc. verabschieden sich mit ihrer ersten ver√∂ffentlichten Single Abgebrannt vom Publikum, aber die Funken scheinen immer noch nicht ganz bis in die letzte Reihe √ľbergesprungen zu sein. Die wenigen Rufe nach Zugabe werden nicht erh√∂rt und werden auch schnell leiser. Wahrscheinlich warten die meisten schon gespannt auf den folgenden und letzten Act des Abends: Angels & Agony. (AZ)

23:00Uhr – Angels & Agony (NL)
Und schon wieder ist das Gew√∂lbe wegen √úberf√ľllung geschlossen!
Wer sich einen -wenn auch kleinen- Platz ergattern kann, darf eine gute Stunde Futurepop vom Feinsten genie√üen. Die 1995 gegr√ľndete niederl√§ndische Band Angels & Agony haben nach zehnj√§hriger Pause wieder mal die Reihen der Electro-Bands beim Wave-Gotik-Treffen gest√§rkt und beschlie√üen als heutiger Headliner den Abend in der Moritzbastei. Reinier Kahle und Marco van Belle haben die l√§ngere Pause genutzt, um sich zu sortieren und neu aufzustellen. Da wundert es wohl auch nicht, das es so brechend voll ist! Die Ohrwurm-Schreiber locken mit Songs wie Shine, Wreckage und Monument die Menge zum tanzen. Leider ist der Platz nur begrenzt und es bleibt vor allem in den hinteren Reihen beim Mitnicken-und wippen. Ihre Texte √ľber Leben & Sterben, religi√∂se Themen und philosophische Komponenten sollen den Zuh√∂rer ansprechen und mitnehmen. Mit wunderbaren W√ľstenlandschaften auf der Leinwand wird man direkt zum Abdriften eingeladen. Manchmal dunkel und auch melancholisch, dann wieder mit einer positiven Message – dabei immer tanzbar. Ein sch√∂ner Abschluss f√ľr den ersten Abend! (AZ)

Schauspielhaus

20:40 Uhr – In Gowan Ring (USA)
Die B√ľhne ist in tief-goldenes Licht getaucht als B‚Äôee (Bobin Eirth) an diesem Freitagabend vor sein erwartungsvolles und and√§chtig schweigendes Publikum tritt. Kurz vorher haben noch zwei in lange wallende Gew√§nder gekleidete Darsteller (die man vorher noch am Merch-Stand bewundern konnte) Bl√ľtenbl√§tter verstreut, als ob sie den Boden f√ľr das eintretende K√ľnstlerkollektiv weihen m√∂chten. Das sechsk√∂pfige Kammerensemble nimmt bald darauf (selbstverst√§ndlich barfu√ü und entr√ľckt l√§chelnd) hinter ihren zahlreichen Instrumenten auf Kissen und blumen-umrankten Rattan-St√ľhlen Platz. Die Szenerie erinnert eher an ein Sit-in, als ein Folk-Konzert. Der Amerikaner, der seit einiger Zeit in Leipzig lebt, hat neben einer Laute, einer Zither und seiner Akustikgitarre jede Menge neuen Liedguts und viele am√ľsante Anekdoten aus der Neo-Folk Szene – in den meisten scheinen eine Menge bewusstseinserweiternde Drogen eine Rolle zu spielen – im Gep√§ck. Und so nimmt es nicht Wunder, dass jade-farbige Weiden mit Namen Julia aus dem nahegelegenen Taucha (ca. 15 km nord√∂stlich von Leipzig) zum Protagonisten seiner musikalischen Traumt√§nzerei werden. In Gowan Ring sehen sich in der Tradition reisender mittelalterlicher Troubadoure und bezeichnen ihre Musik als ‚ÄěSymbolic Folk Music‚Äú. B‚Äôee spielt an diesem Abend haupts√§chlich St√ľcke seiner beiden aktuellsten Ver√∂ffentlichungen Vision Of Shadows That Shine und The Serpent And The Dove. Das Schauspielhaus ist nahezu bis auf den letzten Sitzplatz besetzt, die Fans wirken sehr konzentriert und machen einen seltsam erleuchteten Eindruck. Uns f√§llt es schwer zwischen all dem Bl√ľtenstaub, den tiefroten √ľberreifen Beeren und dem honig-s√ľ√üen Cider zu einem abschlie√üenden Fazit zu kommen. (KS)

Stadtbad

18:20 Uhr – Box And The Twins (D)
Nachdem Echo West das WGT-Programm im Stadtbad er√∂ffnet haben, steht ein erstes, pers√∂nliches Highlight auf dem Programm. Die K√∂lner Box And The Twins geh√∂ren zu den spannendsten Neulingen der Szene und dem Trio gelingt es immer wieder, ihre H√∂rer mit atmosph√§rischen St√ľcken in ihren Klangkosmos zu entf√ľhren. Schon fr√ľh begl√ľcken sie uns mit dem wundervollen Perfume Well. So versinken wir ganz tief in den vertr√§umten Kl√§ngen von Bassist Mike und Gitarrist Marc, w√§hrend S√§ngerin Box ihre Stimme fast wie ein zus√§tzliches Instrument einsetzt. Sie unterstreicht die Musik, indem sie mal ruhige Bewegungen einflie√üen l√§sst, mal in Form eines Ausdruckstanzes bekr√§ftigt oder sich wie in Trance auf dem Boden w√§lzt. Die Zeit vergeht wie im Flug w√§hrend wir der Performance gebannt folgen und uns zu Songs wie This Place Called Nowhere oder dem The Sound Cover Total Recall im Rhythmus wiegen. Wer die Show beim WGT verpasst hat, sollte sich ihren Auftritt beim Amphi Festival Ende Juli unbedingt vormerken! (MG)

22:30 Uhr – Kite (S)
Mit leichter Versp√§tung betreten die Schweden um 22:40 Uhr die B√ľhne der grandiosen Location im alt-ehrw√ľrdigen Stadtbad zu Leipzig. Diese Location ist mehr als nur gut gef√ľllt. Fast k√∂nnte man meinen, wegen √úberf√ľllung geschlossen, aber immer mehr Fans der Schweden str√∂men in die Halle. Die spezielle Atmosph√§re hier im Stadtbad ist einfach nur gro√üartig. Auf der B√ľhne sind mehrere Keyboards und Synthesizer aufgebaut und versprechen deshalb ein elektronisches Highlight der besonderen Art. Kite hei√üt das Zauberwort der elektronischen Kl√§nge – eine Synthie-Band aus Schweden, die schon eine beachtliche internationale Fanbase aufbauen konnten. Diese elektronischen Kl√§nge wollen uns die Jungs aus dem Norden Europas heute Abend mal so richtig auf die Ohren dr√ľcken. Im Hintergrund der B√ľhne h√§ngen drei Kreise auf denen Videosequenzen gezeigt werden. Laserlicht und eine aufwendige Lichtshow inklusive Stroboskop tauchen die B√ľhne und die Location in buntes Licht. Besonders erw√§hnenswert ist die doch ungew√∂hnlich hohe Stimme des charismatischen S√§ngers Nicklas Stenemo. Diese und die analogen melancholischen Synthie-Sounds ziehen das Publikum unmittelbar mit den ersten Kl√§ngen in ihren Bann. Das Publikum ist ziemlich bunt gemischt und unterschiedliche Sprachen sind zu vernehmen. Gleich zu Beginn und auch √ľber die ganze Show wird der B√ľhnenbereich immer wieder in grelles Neonlicht getaucht. Frontmann Nicklas Stenemo und Keyboarder Christian Berg haben ein d√ľsteres Wunderland aus dr√∂hnenden Synthesizern und stampfenden Beats geschaffen, voll von majest√§tischen schon hymnenartigen Melodien. Die melancholischen Synthie-Sounds gepaart mit der eindringlichen und einzigartigen Stimme von Nicklas Stenemo setzen sich unweigerlich in den Geh√∂rg√§ngen fest und wirken hypnotisierend. Um mich herum wiegen sich alle Anwesenden wie von Zauberhand gesteuert im Takt und viele Fans singen textsicher mit. Nach jedem Song werden die Schweden von ihren Fans frenetisch mit Beifall belohnt. (CM)

DarkFlower

19:00 Uhr – Null Positiv (D)
Einen schnellen Abstecher machen wir auch noch ins DarkFlower, wo Null Positiv auf dem inoffiziellen WGT-Programm stehen. Sie haben im letzten Jahr das Album Koma ver√∂ffentlicht und als wir den Club – wortw√∂rtlich unter der Innenstadt von Leipzig – betreten, ist der Auftritt bereits in vollem Gange. Und auch wenn der relativ kleine Raum nur zu vielleicht 70 % gef√ľllt ist, brennt hier der Baum, denn mit harten ‚ÄěNeuem Deutschen Metal‚Äú-Kl√§ngen geht es vor allem eins ‚Ķ nach vorne! Frontfrau Elli gibt im Zentrum alles und die begeisterten Fans tanzen vor ihr und immer wieder werden die Arme begeistert gen Hallendecke gereckt. F√ľr das Album hatte man sich Verst√§rkung in Gestalt von Oliver Pinelli (Unheilig, Wolfsheim) und John Seymour (U2, Architects) ins Boot geholt, beim WGT setzt man hingegen voll auf die entwickelte Energie und das Konzept geht auf. Die anwesenden Fans haben jedenfalls einen Heidenspa√ü und werden bei n√§chster Gelegenheit sicher wiederkommen. (MG)

Foto / Author: Anita Zeidler (AZ), Claudia Marquardt (CM), Danny Sotzny (DS), Dietmar Grabs (DG), Jana Breternitz (JB), Katja Spanier (KS), Michael Gamon (GM), Thomas Papenbreer (TP)

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