ROCK AM RING 2017 – N√ľrburgring (02.-04.06.2017)

Rock am Ring © Jan Focken
Rock am Ring © Jan Focken
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Das Rock am Ring Festival 2017 wird unvergessen bleiben, das war schnell klar! Nicht nur, weil man sich wieder auf der legend√§ren Rennstrecke N√ľrburgring befand, die dem gr√∂√üten deutschen Festival seinen Namen gab und dort vor sage und schreibe 32 Jahren sein Deb√ľt feierte, w√§hrend man nach internen Reibereien zuletzt f√ľr 2 Jahre nach Mendig gezogen war. Auch nicht wegen der tollen Konzerte der unterschiedlichsten musikalischen Genres. Sondern wegen des unglaublichen Publikums und der immer kompetenten und stets freundlichen Security, die mit einer aktuen Gef√§hrdungslage (keiner Terrorwarnung!) gekonnt umging, welche am Freitag den ersten Festivaltag √ľberschattete und fast zur kompletten Absage gef√ľhrt h√§tte.

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Freitag, 02.06.2017:

Aber ehe es soweit war, konnte man sich noch √ľber die Konzerte der deutschen Ska-Punk Helden von der Sondaschule, den Melodic Death Metal K√∂nnern von In Flames aus G√∂teborg oder die spannend arrangierten Streicherversionen von 2Cellos freuen, die mit solchen bekannten Titeln wie The Trooper von Iron Maiden beweisen konnten, dass man auch mit 2 Cellos durchaus rocken kann.

Wer das bereits seit 2005 beherrscht, das sind Five Finger Death Punch aus Kalifornien, die mit ihrem Frontmann Ivan Moody ordentlich Stimmung machten und die auch mit einigen Nummern wie Got your six oder dem Cover von Bad Company, einer erfolgreichen Band der 1970er Jahre zeigten, dass sie ihre Hausaufgaben in Musikgeschichte erledigt haben.

Mit Simple Plan aus Kanada und dem Auftritt des Rag’n’Bone Man bewies der Veranstalter, dass ihm durchaus auch die Charts wichtig sind. Als man dann gerade nach den Auftritten von Red Sun Rising, Mallory Knox und Basement, mit den Broilers eine weitere Party feiern wollte, wurde das Konzert von jetzt auf gleich abgebrochen und Marek Lieberberg stand auf der Hauptb√ľhne und sprach von einer terroristischen Gef√§hrdungslage und dem daraus resultierenden Abbruch des ersten Festivaltages.

Wer jetzt mit Protesten der Fans gerechnet hatte, die sich seit mehreren Monaten auf die Konzerte von Rammstein, Marteria oder Liam Gallagher gefreut hatten, der wurde eines viel besseren belehrt. Ruhig und besonnen und gef√ľhrt von einer couragierten Security verlie√üen knapp 87.000 Menschen das Festivalgel√§nde und sangen ihren Trotz mit der Geier Sturzflug NDW Nummer ‚ÄěEins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben‚Äú oder dem Schlachtruf You’ll never walk alone einfach frei heraus und zeigten damit eine beispielhafte Reaktion, die man gar nicht genug w√ľrdigen kann!

Samstag, 03.06.2017:

Nach einer großangelegten Untersuchung gab der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz am Samstag vormittag das Festivalgelände wieder frei und man gewann schnell den Eindruck als wollten Musiker wie Fans jetzt 110% geben.

Das ging schon mit den Donots los, deren Frontmann Ingo gerne mal markige Worte findet, die aber immer Hand und Fu√ü haben, so wie auch an diesem Tag! Er vermittelte eindringlich, dass man sich nicht von den Terroristen die Angst aufzwingen lassen darf. Richtig und mit We’re not gonna take it von Twisted Sister wird dies entsprechend musikalisch untermalt.

Mit Greywind aus Irland, einem Duo das eher im Pop Rock zu Hause ist, SHVPES (ausgesprochen Shapes) einer Hardrock Band aus Birmingham und den As Lions, die mit ihrem Sound an Bring me the Horizon oder √§hnliche Vertreter erinnern, bewies Rock am Ring erneut, dass es auch auf den kleinen B√ľhnen neue und interessante K√ľnstler zu erleben gibt. Interessant bei Letzteren ist √ľbrigens zudem die Tatsache, dass S√§nger Austin Dickinson der Sohn der Metal Legende Bruce Dickinson (Iron Maiden) ist.

Auf der Hauptb√ľhne, die seit wenigen Jahren Volcano Stage hei√üt, gaben sich derweil Sum41 und Daniel Wirtz die Ehre, die beide zu √ľberzeugen wussten, vor allen Dingen Wirtz, den die meisten aus der TV Show „Sing meinen Song“ kennen, der mit Nummern wie Auf die Pl√§tze fertig los oder Frei den Support f√ľr den erneuten Auftritt der Broilers bei Rock am Ring 2017 gab. Die Band aus D√ľsseldorf war √ľber Nacht am Ring geblieben um den Fans f√ľr ihre gro√üartige Arbeit zu danken und ihr abgebrochenes Konzert vom Freitag fortzusetzen. W√§hrend die Broilers spielten, lohnte sich aber auch ein Blick auf die Beck’s Crater Stage wo die Hip-Hop Formationen 187 Strassenbande und Bonez MC und RAF Camorra eindr√ľcklich bewiesen, dass deutscher Rap l√§ngst massentauglich ist.

Motionless in White ist ein Metalcore Projekt aus Pennsylvania, das mit seinem Gothic Anteil und dem verwendeten Make Up ein wenig an Marilyn Manson erinnert. Gemeinsam mit Suicide Silence, einer Deathcore Band aus den USA, die mit Nummern wie Doris oder Run aus dem selbstbetitelten 2017er Album zeigten, dass es auch mit ‚ÄěClean Voices‚Äú gelingt, ordentlich Aggressionen abzubauen und auch Beartooth aus Ohio, brachten sie mit ihrem Hardcore die Engelbert-Strauss Alternastage zum Beben.

Ebenfalls keine Probleme irgendwas zum Beben zu bringen haben die Beatsteaks, die ihre atemberaubenden Livequalit√§ten wie immer unter Beweis stellten und die mittlerweile eine Hitdichte an den Start bringen, die h√∂chst respektabel ist und die von Let me in √ľber Hello Joe bis I don’t care as long as you sing geht und nat√ľrlich gab es von Arnim Teutoburg-Wei√ü auch einige S√§tze, √ľber die es sich nachzudenken lohnt. Das fanden auch die Beginner, die sich die Show ebenfalls ansahen und auch beim Mot√∂rhead Song Ace of Spades zu Ehren von Lemmy laut mitsangen ehe sie selbst ein beeindruckendes Konzert auf der Crater Stage gaben, welches deutlich machte, dass Hip-Hop aus Hamburg auch weit √ľber 20 Jahre nach Gr√ľndung von Jan Delay, Denyo und DJ Mad noch ein Garant f√ľr Party sein kann und Nummern wie Ahnma, Hammerhart, F√ľchse oder Gustav Gans immer f√ľr kollektives Ausrasten gut sind.

Eine Band, die wie nur ganz wenige andere f√ľr Rock am Ring steht, das sind Die Toten Hosen, die mit ihrem Best of Programm ihre eigene Geschichte bilanzierten. Egal ob es sich um alte Klassiker wie Alles aus Liebe, Hier kommt Alex oder neuere Songs wie Tage wie dieser oder Unter den Wolken handelte, solange es Rock am Ring gibt, sind die Herren um Campino ein gern gesehener Gast.

Gleiches gilt auch f√ľr Kraftklub, die mit Songs aus ihrem j√ľngst erschienen Album Keine Nacht f√ľr Niemand und Hits wie Ich will nicht nach Berlin diesen Samstag in der Eifel beendeten und das mit der wohl, lt. Veranstalter Andr√© Lieberberg, h√∂chsten Anzahl an Menschen, die je gemeinsam auf ein und derselben B√ľhne gestanden habt.

Sonntag, 04.06.2017:

Nachdem es sich Samstagabend ausgeregnet hatte, man wei√ü ja schlie√ülich wo man sich befindet, startet der Sonntag wieder mit, f√ľr Rock am Ring Verh√§ltnisse, wirklich gutem Wetter und Code Orange, die sich f√ľr den Support bedankten und die sich mit ihrem Hardcore Punk zahlreiche neue Fans erspielt haben d√ľrften. Das macht Rock am Ring auch aus, dass man neben den etablierten Musikern, immer auch die Neuigkeiten nicht aus dem Auge verliert.

W√§hrend sich einer der S√∂hne Mannheims n√§mlich Henning Wehland als Letzter an der Bar empfahl, konnten Chefboss mit einer Mischung aus Dancehall und Rap und einer au√üergew√∂hnlichen Choreografie √ľberzeugen und schmissen auch Merchandise ins Publikum… kann man mal machen.

Feine Sahne Fischfilet leben bekanntlich ihre Musik sie besitzen einen Freiheitsgedanken, der bei den Jungs aus Meck-Pomm tief verankert ist. Sie fordern, dass man sich positionieren muss und so gehen ‚ÄěMonchi‚Äú und seine Jungs mit ihrem Ska-Punk mit gutem Beispiel voraus.

Eine weitere logistische Meisterleistung gelang Marteria, der sein Konzert vom Freitag am Sonntag nachholte, bevor er schnell zu Rock im Park abd√ľste und dort am gleichen Abend ebenfalls auftrat. Solche musikalischen Helden braucht man viel mehr und erst Recht wenn sie Songs wie Endboss oder Kids (2 Finger an den Kopf) im Repertoire haben.

Airbourne aus Australien spielten derweil ihren ehrlichen Hardock im Stil der gro√üen Vorbilder AC/DC, w√§hrend Schnipo Schranke zeigten, dass am Ring auch Platz f√ľr Elektro-Chansons ist. Alter Bridge spielen seit Jahren auf den gr√∂√üten B√ľhnen der Welt und machen das mit ihrem Post-Grunge auch √ľberragend und man sp√ľrt, dass die Mitglieder schon bei Bands wie Creed und Mayfield Four Erfahrungen gesammelt haben. Ganz anders dagegen Jake Bugg mit seinen gerade mal 22 Lenzen. Er spielt Singer-Songwriter Songs die an Bob Dylan erinnert und sp√§testens seit Lightning Bolt, das seinen Auftritt beendet, kennt und sch√§tzt man ihn auch hierzulande.

Schlechte Zeiten erfordern auch musikalischen Widerstand, dachte sich auch Rage Against The Machine Gitarrist Tom Morello und gr√ľndete mit Cypress Hill Rapper B-Real, Public Enemys Chuck D., DJ Lord und der Rhythmus Sektion von RATM die Band Prophets of Rage. Mit einer Mischung aus alten Nummern wie Take the Power back, Bullet in the Head und der inoffiziellen Rock am Ring Hymne Killing in the name bewiesen Prophets of Rage, dass sich Musik und politisches Gewissen nicht ausschlie√üen m√ľssen und mit Like a stone, bei dem sich auch System of a down S√§nger Serj Tankian einfand, wurde zudem Chris Cornell gew√ľrdigt, der selbst fr√ľher mit Audioslave bzw. solo zu Gast auf dem N√ľrburgring war, aber leider k√ľrzlich verstarb.

Bonaparte, das Schweizer Projekt um Tobias Jundt bot hingegen wieder eine beeindruckende und verr√ľckte Show, w√§hrend Annenmaykantereit mit ihren authentischen Liedern wie Barfuss am Klavier viel Gef√ľhl zeigten.

System of a down sind ein Ph√§nomen, 12 Jahre sind seit dem letzten Album Hypnotize vergangen und trotzdem sind Serj Tankian, Daron Malakian, Shavo Odadijian und John Dolmayan ein Garant f√ľr beste Konzerte voller besonderer Momente wie Aerials, B.Y.O.B. oder Chop Suey und sie konnten nat√ľrlich auch am N√ľrburgring wieder voll √ľberzeugen.

Mit dem Auftritt von Macklemore & Ryan Lewis ging ein Festival zu Ende, das man noch lange im Gedächtnis haben wird und das vor allem bewies, dass man gemeinsam stärker als der Terror ist. Danke!

Fotos Alternastage & Pressekonferenz: Jan Focken (leider hatten wir in diesem Jahr keinen Fotozugang zur Volcano und Beck’s Crater Stage)

Weblinks ROCK AM RING:

Homepage: www.Rock-am-Ring.com
Facebook: https://www.facebook.com/rockamring/

Rock Am Ring Aftermovie von DASDING:

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