Interview: NOISEED

Gesch├Ątzte Lesezeit: 7 Minute(n)

Als Musikliebhaber wei├č man: Ausfl├╝ge ins Ausland sind auch immer wieder gut daf├╝r geeignet, seinen eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. So war es beispielsweise im Januar der Fall, als es mich nach Spanien verschlug, um in Barcelona der Show von Project Pitchfork beizuwohnen. Zuvor stand jedoch erst einmal der Support-Act, der direkt ├╝berzeugen konnte. Noiseed aus Teneriffa begeisterten mit elektronischen Sounds und rockigen Einfl├╝ssen, was das Publikum sehr zu sch├Ątzen wusste. Nach der Show fanden viele Besucher den Weg zur Band, um die aktuelle EP Almost Human zu kaufen und mit den Musikern zu sprechen. Schnell war die Idee geboren, ein Interview mit dem Duo zu f├╝hren.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zun├Ąchst gefragt: Unsere Leser kennen Euch vielleicht noch nicht. K├Ânnt Ihr Euch und Eure Musik ein bisschen vorstellen?
Wir sind Noiseed, ein elektronisches Pop-Rock Duo aus dem letzten Winkel, wo man sich eine solche Band vorstellen w├╝rde, n├Ąmlich aus Teneriffa (Kanarische Inseln), bestehend aus Sergio Torres (Synthesizer) und Omar Garc├şa (Vocals). Nachdem wir lange Zeit dar├╝ber gesprochen haben, eine Band zu gr├╝nden, haben wir diese Idee 2014 auf eine neue Stufe gehoben.
Nach dem Sieg bei einem lokalen Contest im vergangenen Jahr, haben wir die EP Almost Human auf El Hombre Bala Records (Teneriffa) ver├Âffentlicht.

Ich habe Euch als Support-Act bei Project Pitchfork in Barcelona kennengelernt. Wie kam es dazu, dass Ihr dort als Support spielt?
Die ÔÇ×Spanish artists societyÔÇť (AIE) w├Ąhlt jedes Jahr einige Bands aus, um ihnen Auftritte au├čerhalb ihrer Region zu erm├Âglichen. Wir waren eine Band davon. Wir haben dann Sergio Lirio, einen guten Freund von uns, gefragt, wo es in Barcelona gute Orte zum Auftreten gibt, da er schon lange Zeit Live-Shows promoted ÔÇô und er kennt sich gut in der Elektro-Szene in Barcelona aus. Er hat uns von der M├Âglichkeit erz├Ąhlt, Project Pitchfork zu supporten und wir haben sofort JA gesagt.

Wie habt Ihr die Show erlebt?
Fantastisch. Nicht nur, weil es eine Ehre ist, eine Band wie Project Pitchfork zu supporten, sondern auch, weil es eine gro├čartige Erfahrung war, in einer der historischen Konzerthallen des Landes zu spielen, vor einem sehr enthusiastischen Publikum.

Wie waren die Reaktionen auf die Show? Habt Ihr auch einige neue Fans und H├Ârer dazugewonnen?
Sicher! Viele haben unsere Platte gekauft und kamen, um sich mit uns zu unterhalten. Einige dachten, wir w├Ąren auch aus Deutschland. Ich denke, es ist nicht ├╝blich, eine neue Band mit einem solchen Sound in Spanien zu finden und sie wussten unsere Musik wirklich zu sch├Ątzen. Sogar Dirk und J├╝rgen von Project Pitchfork kamen, um uns zu gratulieren. Das Feedback war sehr positiv.

W├╝rdet Ihr sagen, dass es in Spanien eine Szene f├╝r diese Art von Musik gibt? Wie w├╝rdet Ihr sie beschreiben?
Es gibt sie, aber es ist leider eine Minderheit. Wie ich schon sagte: Elektronische Rock-Bands wie wir sind nicht angesagt in Spanien. Die gr├Â├čten St├Ądte in Spanien wie Barcelona oder Madrid haben ihre Pubs f├╝r Elektro, Gothic oder Rock-Fans, aber die meisten Leute h├Âren eher oberfl├Ąchlich Musik. Die konsumieren nur das, was im Radio l├Ąuft: Soft Pop, Latin Music, Reggaeton…

Ich habe mir Eure Musik angeh├Ârt und gelesen, was die H├Ârer dazu geschrieben haben. Ein Name, der dort h├Ąufig begegnet, ist Nine Inch Nails. Sind die Nine Inch Nails ein Einfluss f├╝r Euch oder ist das nur ein Zufall?
Es ist definitiv ein Einfluss. Wir lieben die Nine Inch Nails ÔÇô und auch den Rest der Bands, die wir m├Âgen, wird man m├Âglichweise in der einen oder anderen Weise in unserer Musik finden oder daran erinnert werden. Wir lieben auch Bands wie Depeche Mode, IAMX, Nitzer Ebb oder CHVRCHES, aber auch viele nicht elektronische Acts wie PJ Harvey, Johnny Cash, The Cure, Joy Division oder David Bowie… Deren Einfluss ist nicht so offensichtlich, aber auch sie begegnen in irgendeiner Weise.

Wie Ihr schon sagtest, habt Ihr beim Konzert Eure EP verkauft. Ich w├╝rde gerne ein bisschen mehr dar├╝ber erfahren. Warum habt Ihr Euch entschieden, sie Almost Human zu nennen?
Das ist ein Gef├╝hl. Wenn man sich die Nachrichten anschaut und sieht, was in der Welt passiert, mit all den Kriegen, sexuellen ├ťbergriffen, Korruption, Klimaerw├Ąrmung… Man versteht nicht, wie Menschen so etwas tun k├Ânnen, also m├Âchte man kein Teil davon sein. Man f├╝hlt sich, als w├Ąre man ganz und gar nicht menschlich.

Ich habe mich auch ├╝ber das Cover der EP gewundert. Die Person darauf sieht recht seltsam aus. Welche Bedeutung steckt hinter dem Cover?
Das ist ein Foto von Omar, der auch Fotograf ist. Es gibt verschiedene Bedeutungen dahinter. Am Anfang stand die Idee, ein menschliches Wesen ohne Geschlecht zu zeigen, das zu etwas K├╝nstlichem geworden ist, mit nichts als Kabeln in sich. Aber man kann auch etwas friedliches und sch├Ânes Androgynes sehen, das raus l├Ąsst, was er/sie in sich tr├Ągt. Das ist im Grunde das, was wir auch mit unserer Musik machen.

Ihr er├Âffnet die EP mit C.I.S. (Collective Intellectual Suicide). Worum geht es hier? W├╝rdet Ihr sagen, dass diese Art von Suizid heutzutage vorzufinden ist?
Es ist eine Art Absichtserkl├Ąrung. Verf├╝hrt von TV Shows und dem MTV-Stil ist es wie ein schleichender Selbstmord. Teneriffa ist ein fantastischer Ort, aber f├╝r gew├Âhnlich assozieren die Leute damit Sonne, Strand, Ferien, Latin Music… Aber da ist so viel mehr als das. Es ist eine Art von: ÔÇ×Hey, Du f├╝hlst Dich anders? Wir sind hier, Du bist nicht allein.ÔÇť

Zudem ist da Double Edged Pleasure. Um welches Vergn├╝gen geht es hier?
Alle streben nach Vergn├╝gen, aber manchmal finden wir dies an Orten oder bei Leuten, die nicht zu uns passen. Die Grenze zwischen Schmerz und Vergn├╝gen kann sehr d├╝nn sein und dann muss man sich entscheiden, ob der Schmerz das Vergn├╝gen wert ist. Ich denke, es ist genug Schmerz f├╝r den Charakter in diesem St├╝ck.
Wenn wir noch einmal zu der Frage nach unseren Einfl├╝ssen zur├╝ckgehen: Man h├Ârt ÔÇ×Swallow my prideÔÇť im Chorus. Das ist der Name eines Ramones-Songs. Und das ist kein Zufall!

Zu A Place In The Sun habt Ihr auch einen Videoclip gedreht. K├Ânnt Ihr ein bisschen ├╝ber die Story davon erz├Ąhlen?
Klar, es ist eigentlich der zweite Videoclip, der erste war f├╝r Action/Reaction. Der zweite Videoclip f├╝r A Place In The Sun wurde von Zuri Medina gefilmt. Er handelt von einer Person, die versucht, sich etwas Unbekanntem zu stellen, etwas, das drau├čen spielt und wie das Ende der Welt aussieht. Er war f├╝r lange Zeit alleine in diesem Raum und denkt sich jetzt, es w├Ąre besser, das Risiko einzugehen, und rauszukommen, weil er seine letzten Minuten nicht dort verbringen will.

Ich hatte mich gewundert, dass Ihr das St├╝ck nicht live gespielt habt. Ist es f├╝r Euch kein guter Live-Song?
Das war nur, weil wir 45 Minuten f├╝r die Show hatten und uns daher entschlossen, die h├Ąrteren St├╝cke zu spielen, oder die tanzbarsten. Wenn man vor einem neuen Publikum steht, ist eine kurze und effektive Show besser ÔÇô wie ein Schlag ins Gesicht. Daher war A Place In The Sun nicht in der Liste. Aber wir sind sehr stolz auf das St├╝ck.

Almost Human ist eine EP. Ist auch ein Album in Planung?
Ja, wir arbeiten aktuell an zehn St├╝cken f├╝r ein neues Album namens Dark Matter. Wir nehmen aktuell den Gesang auf. Wenn die Produktion nicht zu viel Zeit beansprucht, hoffen wir, es im September oder Oktober zu ver├Âffentlichen.

Nun ist es so, dass ich Euch in Barcelona gesehen habe, aber in Deutschland lebe. Sind weitere Konzerte geplant? Plant Ihr eventuell sogar, nach Deutschland zu kommen und ein paar Shows zu spielen?
Nein, wir haben f├╝nf Shows im Mai und Juni, dazu kommen einige in der zweiten Jahresh├Ąlfte. Wir arbeiten am Album, daher mussten wir uns mit Touren etwas zur├╝ckhalten, um das Album aufzunehmen, das Artwork zu erstellen und die ganzen Sachen.
Wir w├╝rden sehr gerne in Deutschland spielen! Wir sind uns sicher, dass uns dort eine Menge von Leuten verstehen und Gefallen an unserer Musik finden w├╝rden.

Am Ende w├╝rde ich gerne rein spekulativ wissen: Wo seht Ihr Euch und Eure Musik in f├╝nf Jahren?
Die Musikindustrie ist echt hart… Vor allem, wenn man tut, was man wirklich tun will und nicht das, was die meisten Leute wollen. Aber wir machen uns da keine Gedanken dr├╝ber, oder ├╝ber das, was in f├╝nf Jahren sein wird. Das wichtigste f├╝r uns ist, weiterhin die beste Musik zu machen, die wir k├Ânnen, hart zu arbeiten, um damit m├Âglichst viele Leute zu erreichen und eine gute Zeit dabei zu haben, St├╝cke zu schreiben und sie live zu spielen.

Weblinks NOISEED:

Bandcamp: www.noiseed.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/noiseedmusic
Twitter: www.twitter.com/Noiseedmusic

Almost Human [Explicit]

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