FARSOT – Fail·lure

Farsot-Faillure
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Unsere Bewertung

8 Gesamtnote

Gesamtnote

„Scheitern als finale Synthese…“

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

„Black-Metal für den denkenden Menschen“ – so in etwa könnte man die Musik des Avantgarde-Black-Metal Quintetts aus Thüringen beschreiben. Ziemlich früh entstiegen Farsot dem anfangs noch für sie prägenden Depressive-Black-Metal, indem sie diesen mit Elementen aus Rock und Progressive Sounds zu ihrer eigenen Synthese, einer visionären Interpretation des Genres erhoben.

Schubladen stören und Genre-Orthodoxie ist wenig hilfreich, wenn man dem Drang der Musik, sich innerhalb des Klanggerüsts gleich eines Bedürfnisses zu entfalten, nachgeben möchte. Ebenso wenig haben die Musiker Bedenken aufgrund der langen Schöpfungsphasen  zwischen ihren Veröffentlichungen – seit ihrem letzten Album Insects (2011) sind sechs Jahre vergangen – bei ihrem Publikum in Vergessenheit zu geraten. Nun, wenn’s halt gut werden soll …

Fail·lure heißt das Ergebnis dieses langwierigen, wie ausgeklügelten Schaffungsprozesses. Der Titel ist eine Verschmelzung aus den Worten „fail“ (Versagen) und „allure“ (Verlockung) und bildet auch gleichzeitig den Tenor der Veröffentlichung. Auf dem Album verschmelzen beide Begriffe zu einer Allegorie des Scheiterns, die letztendlich am Ende der Synthese beider Kontrapunkte stehen muss.

Inspiration für diesen schwergewichtigen Überbau zogen die Künstler unter anderem aus Peter Greenaways Film Drowning by Numbers. Dieser nähert sich dem Geplänkel aus Schwäche und Macht, Anziehung und Ekel auf verschiedenen Ebenen der schwarzen Humors, die aufzugreifen Farsot auf Fail·lure jedoch nicht gelingen (möchte?). Das idealisiert verstörend Weibliche und dessen Darstellungen in der Art-Nouveau, unter anderem durch Gustav Klimts Gemälde der Wasserschlangen oder Fernand Khnopffs fotorealistischer, kreidegezeichneter Darstellung der Istar, bildete eine weitere Inspirationsquelle für das Album. Dieser Punkt wird auch durch die Gestaltung des Covers unterstrichen, das eine Skulptur des französischen Künstlers Denis Lavoyer zeigt.

Fail-Lure

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5.0 von 5 Sternen (3 Kundenbewertungen)

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Kurzum: jede Faszination trägt in sich den Keim des Wahnhaften, alles Schöne bereits die Anlage von Verfall und Ekel. Das sind überaus verstörende und beklemmende Erkenntnisse und verstörend und beklemmend hört sich Fail·lure auch bis in die letzte Facette an. Es fällt trotzdem schwer, zumindest mir, diese Elemente der Inspiration transportiert über seine cineastischen und bildlichen Manifestationen auf Fail·lure, sieht man einmal vom allgegenwärtigen Spiel mit den Gegensätzen ab, wieder zu finden. Noch sind sie zwingend notwendig oder unterstützend, das Album zu erfassen. Fast drängt sich der Verdacht auf, dass hier jemand vordergründig zu sehr darauf bedacht war, tiefgründig zu sein. Schade, denn das Album selbst hätte derartig sperrige konzeptionelle Interpretationsanleitungen gar nicht nötig gehabt.

Die Titel auf Fail·lure sind durchweg einfallsreich, anspruchsvoll und dabei wenig verkopft. Durch zahlreiche Wechsel in Tempo, Instrumentierung, Gesang und Struktur ist das Album dynamisch komplex und wirkt von der ersten bis zur letzten Sekunde durchdacht. Letzteres ist dem, wie die Band selbst sagt, konservativen Songwriting geschuldet, das zwar zeitintensiv sei, dem Song dafür aber Raum gibt, einen Reifungsprozess zu durchgehen. Exemplarisch für diese Vielschichtigkeit steht der bereits vorab erschienene Titel The Antagonist, der mit ständig wechselnden Dynamiken spielt und das durch die Lyrics gesetzte Thema noch einmal bedrohlicher und grotesker an den Hörer bringt. Ein weiteres Highlight ist Circular Stains, ein progressives Stück, auf dem sich vor flüsterndem Gesang cleane Gitarrenanschläge mit dreckigen Riffs in für die Band unverkennbarer Art und Weise abwechseln.

Besonders herausfordernd und mein persönlicher Favorit auf Fail·lure ist With Obsidian Hands: ein neuneinhalb minütiges Monster von einem Song: fesselnd, aufrüttelnd, lauernd. Melodische Basslinien greifen in hypnotisierend filigrane Keyboardlinien und werden in hämmernden Drums, barschen Riffs, beschwörendem Gesang und irren Screams und Growls aufgelöst, um ihr Grundthema am Ende des Songs wieder aufzunehmen. Klassischer Black-Metal wird hier virtuos durch progressive Post-Rock Elemente veredelt.

Fail·lure ist am 21. April 2017 bei Lupus Lounge (Prophecy Productions) erschienen.

Anspieltipp: With Odsidian Hands

Tracklist FARSOT – FAIL·LURE:

01. Vitriolic
02. Circular Stains
03. With Obsidian Hands
04. Undercurrents
05. The Antagonist
06. A Hundred To Nothing

Weblinks FARSOT:

Official: http://www.farsot.de
Facebook: http://www.facebook.com/farsot.official
Bandcamp: http://farsot.bandcamp.com

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