THE BEAUTY OF GEMINA – Minor Sun – Live in Zurich

the_beauty_of_gemina_live_in_zurich
GeschÀtzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Unsere Bewertung

10 Musikalische QualitÀt

9 Visuelle QualitÀt

Gesamtnote

Ach, es ist dieser Tage schon manchmal schwer, „schwarz“ zu sein. Nein, ich gehöre nicht zu den Leuten, fĂŒr die frĂŒher alles besser war – ich weiß dann meist sowieso nie, wann dieses „frĂŒher“ gewesen sein soll, noch was eigentlich mit „besser“ gemeint ist. Mal ganz abgesehen davon stimmt es auch nicht. Was ich aber meine, ist dieses beklommene GefĂŒhl, das einen beschleicht, wenn man sich durch die diffuse Zugehörigkeit zu einer „Szene“ ebenso unfreiwillig wie unwillig auch einer bestimmten Art von Musik zugeordnet sieht. Und das passiert nur deshalb, weil sich deren Protagonisten durch das Tragen eindeutiger Labels ebenfalls eben jener schwer greifbaren – und doch von außen so klar zu umreisbaren – „Szene“ zuordnen. Ich will das jetzt nicht weiter ausfĂŒhren. Ich will auch keine Namen nennen. Bestimmt fallen bei diesen AusfĂŒhrungen jedem selbst so ein paar Kandidaten ein, die er oder sie als Symptom (oder gar als Ursache?) benennen kann, warum es bergab geht mit dem Dunkel (oder warum das Dunkel schon lĂ€ngst unrettbar verloren ist?). Ich will viel lieber ĂŒber dieses andere, viel wichtigere GefĂŒhl schreiben. Und dieses GefĂŒhl lösen bei mir The Beauty Of Gemina aus. Es ist weniger ein „Götter, es ist doch noch nicht alles verloren!“, eher ein „Ja, genau sollte es sein, sich anhören und vor allem anfĂŒhlen – das Dunkel!“.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

The Beauty of Gemina schreiben Songs, die todtraurig, schwarz und abgrundtief elegisch sind, ohne dass es auch nur eine Sekunde aufgesetzt oder auch nur im Ansatz lĂ€cherlich wirkt. Die Band schafft es seit beinahe 12 Jahren wie kaum eine Band, die man der sogenannten schwarzen Szene zuordnet, dunkles LebensgefĂŒhl heraufzubeschwören. Und das gelingt ihnen ganz ohne kilometerlange Bahnen violetten Pannesamt aufzutĂŒrmen, sich falsche VampirzĂ€hne anzukleben um dann mit blutigen amourösen Abenteuern zu prahlen oder sich mit vermeintlich sinn-stiftenden Pseudo-Hymnen (bei den Kindern der Dunkelheit) anzubiedern.

Fast scheint es, als seien The Beauty Of Gemina nur sich selbst verpflichtet, ja, und der QualitĂ€t, einem hohen musikalischen und textlichen Niveau und der AuthentizitĂ€t. Mit ihren Fans teilen sie letztlich vor allem eins: Hingabe. Die Veröffentlichung des Albums Minor Sun im letzten Jahr markierte den Anbruch einer neuen Schaffensperiode von The Beauty Of Gemina, das genau diesen Tenor aufgreift und innovativ auf ein neues Level hebt. Minor Sun beseelt den Hörer, fĂŒhrt ihn an AbgrĂŒnde, lĂ€sst ihn dort aber niemals allein zurĂŒck und schenkt Hoffnung. Das Album wurde von den Kritikern fast ausnahmslos gefeiert: so wurde Komponist und SĂ€nger Michael Sele musikalisch sogar mit David Bowie verglichen, der mit der Minor Sun ĂŒber den Kummer von Black Star hinweghelfe. Seine Stimme brauche sich hinter dem Timbre eines Nick Cave oder der FĂŒlle eines Alexander Veljanov nicht zu verstecken.

An die Veröffentlichung schloss sich eine erfolgreiche Europatournee an, in deren Zusammenhang auch Minor Sun – Live In Zurich entstand. Aufgezeichnet wurde das Doppelalbum wĂ€hrend der spektakulĂ€ren JubilĂ€umsshow vom 19. November 2016 im X-TRA Limmathaus in ZĂŒrich. Der Veranstaltungsort liegt Michael Sele besonders am Herzen, weswegen das Konzert zu einem fĂŒr alle Anwesenden unvergesslichen Highlight wurde.

Konzert und Live-Album sind selbstverstĂ€ndlich von Minor Sun dominiert, fast jeder Titel des Albums schaffte es auch auf die Live-Veröffentlichung. Das Design des Albumcovers wurde ebenfalls an Minor Sun angelehnt. So ist Michael Sele bei der Studio-Version vor dem weißen Hintergrund kaum zu sehen, auf dem Live-Cover scheint er ebenfalls zu verschwinden, jedoch hinter scharf kontrastierenden dunklen Schatten. Im Regal dĂŒrften beide Versionen ein hĂŒbsches, monochromes PĂ€rchen abgeben.

Minor Sun – Live In Zurich beginnt klassisch: Das Intro wird gefĂŒllt mit Eingangstakten des Kyrie aus der Großen Messe in C-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, das langsam von The End ersetzt wird. Auf dem Videomitschnitt sind lichte Projektionen des Minor Sun Artworks zu sehen, bevor die Band dahinter selbst zum Vorschein kommt. Neben Michael Sele, der wie immer den Gesang allein bestreitet und darĂŒber hinaus an Gitarre und Klavier zu sehen ist, sind GrĂŒndungsmitglied Mac Vinzens (selbstverstĂ€ndlich an den Drums), Andi Zuber (am Bass) und Ariel Rossi (Gitarre) mit dabei. ZusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung erhielt die Band durch den Cellisten Raphael J. Zweifel.

Die Aufzeichnung des Live-Acts ist von der Konzeption bis zum Schnitt durchdacht. So werden die KĂŒnstler aus verschiedenen Kameraperspektiven aufgenommen, die fĂŒr das Video den einzelnen Songs perfekt auf den Leib geschneidert werden (sehr schön zu sehen, vor allem bei Another Death). Auch das Publikum wird immer wieder stimmungsvoll durch Kamerafahrten und Einzelperspektiven eingefangen. The Beauty Of Gemina sind eine exzellente Live-Band. Das liegt mehr an der dargebotenen musikalischen QualitĂ€t, als an einer ausgefeilten Performance, knalligen KostĂŒmen oder Effekten. Hier setzt die Band eher auf Understatement. Die KĂŒnstler wirken verinnerlicht und scheinen völlig in dem aufzugehen, was sie tun. Nur Michael Sele hĂ€lt Kontakt zum Publikum und wirkt dabei mal Ă€therisch unnahbar, mal zurĂŒckhaltend, schĂŒchtern und beinahe linkisch, wenn er versucht aus sich herauszugehen. Musik bleibt bei The Beauty Of Gemina stets Mittelpunkt, weswegen auch Fans, die sich „nur“ fĂŒr die Doppel-CD entscheiden, ebenfalls mehr als auf ihre Kosten kommen.

Krönende Highlights auf der Live-Aufnahme gibt es viele: Another Death gehört hier zu meinen besonderen LieblingsstĂŒcken. Zum treibenden Schlagwerk drĂ€ngt sich Seles dunkle Stimme und jagt Schauer ĂŒber den RĂŒcken. Bald darauf rĂŒhrt eine zerbrechliche Piano-Version von Darkness zu TrĂ€nen und fĂŒhrt den Zuhörer durch die ausgefeilten Arrangements von tiefer Verzweiflung, herzbrechender Traurigkeit zu leiser Hoffnung. NatĂŒrlich darf auch Suicide Landscapes nicht fehlen, das ich dank der instrumentellen UnterstĂŒtzung von Raphael Zweifel noch nie besser gehört habe. Allein dafĂŒr lohnt sich die Anschaffung der Live-Aufnahme bereits. Crossroads beweist, wie unaufgeregt sich The Beauty Of Gemina nicht durch musikalische Grenzen einengen lassen. The Lonsesome Death Of A Goth DJ zeigt, mit welcher Leichtigkeit die Band einen Saal zu kochen bringen kann. Sechs Songs als Zugabe machen deutlich, wie sehr The Beauty Of Gemina ihre Fans schĂ€tzen. „All this time all I feel is love”.

Minor Sun – Live in Zurich erscheint am 17. MĂ€rz auf dem band-eigenen Label tBoG Music. Man hat die Qual der Wahl zwischen einer 2-CD Audio-Version, dem Videomitschnitt auf DVD oder ganz brillant auf BluRay. DVD und BluRay beinhalten zusĂ€tzlich ein 10-minĂŒtiges Behind The Scenes, welches alle am Konzert Beteiligten speziell wĂŒrdigt und Impressionen des Konzertabends vom Aufbau, ĂŒber den Soundcheck, bis hin zur Autogrammstunde nach dem Konzert zeigt.

Anspieltipp: Another Death

Tracklist THE BEAUTY OF GEMINA – Minor Sun – Live in Zurich:

01. End
02. Bitter Sweet Good-bye
03. Haddon Hall
04. Another Death
05. King’s Men Come
06. Hunters
07. Darkness
08. Suicide Landscape
09. Kingdoms Of Cancer
10. Crossroads
11. Wonders
12. A Thousand Lakes
13. Rumours
14. Seven-Day Wonder
15. Dark Rain
16. Endless Time To See
17. Waiting In The Forest (Z)
18. All Those Days (Z)
19. This Time (Z)
20. The Lonesome Death Of A Goth DJ (Z)
21. Close To The Fire (Z)
22. Down On The Lane (Z)
Behind the Scenes-Feature (DVD/BluRay)

Weblinks THE BEAUTY OF GEMINA:

Homepage: www.thebeautyofgemina.com
Facebook: www.facebook.com/TheBeautyOfGemina

Minor Sun – Live In Zurich

Preis: EUR 16,99

1.0 von 5 Sternen (1 Kundenbewertungen)

56 neu & gebraucht ab EUR 6,55

The Beauty Of Gemina: Minor Sun – Live in Zurich (Blu-Ray)

Preis: EUR 20,02

5.0 von 5 Sternen (4 Kundenbewertungen)

48 neu & gebraucht ab EUR 15,67

Kommentar verfassen