DISCO ENSEMBLE – Afterlife

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GeschÀtzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Unsere Bewertung

5 Gesamtnote

„Mit Beliebigkeits-Pop-Rock in die kĂŒnstlerische Sackgasse“

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2010 war es, als Jussi Ylikoski vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Finnland zu „Finnlands bestem Gitarristen“ gewĂ€hlt wurde. Und 2010 waren Disco Ensemble eine Band, die mit einem Mix aus knackig-agressiven Post-Hardcore, großen Pop-Punk-Hymnen und einigen Electro-Sprengseln vollends ĂŒberzeugte. Sieben Jahre spĂ€ter ist davon kaum noch etwas ĂŒbrig geblieben. Wie der VorgĂ€nger Warriors schon vermuten ließ, haben SĂ€nger Miikka Koivisto und Co. die Lust an harten Tönen gĂ€nzlich verloren. Was außer fĂŒr die „Die Hard“-Fraktion der Fans von Schreigesang eigentlich kein Problem sein sollte, wĂ€re das Songmaterial nur gut genug. Auf dem Afterlife folgt aber leider eine beliebige Pop-Rock-Nummer auf die nĂ€chste. Refrains, die so eingĂ€ngig (lies: stumpf) sind, dass sie beim ersten Hören in den Gehörgang reingehen, aber spĂ€testens beim dritten Hören schon wieder raus wollen. Reality, Fight Forever, Disappear, Nothing More, Hardcore People (was fĂŒr ein irrefĂŒhrender Songtitel), Too Deep… sie alle funktionieren nach dem gleichen langweiligen Schema. Strophe-Refrain-Aufbau, eher gemĂ€ĂŸigtes Tempo, Woohoo-Chöre, deftige BeckenschlĂ€ge und bloß nicht zu wenige Wiederholungen einzelner Textzeilen . Dass Ylikoski seine ĂŒberragenden FĂ€higkeiten am Saiteninstrument dabei kaum noch ausspielen kann, verwundert nicht. Die vom LinkshĂ€nder auf frĂŒheren Hits wie Bay Of Biscay oder White Flag For Peace virtuos dahingeschmetterten Soli wĂŒrden zu diesem SoundgerĂŒst nicht mehr passen.

So verwundert es eigentlich auch nicht, dass der beste Song der Platte ausgerechnet der langsamste ist. Der Titeltrack mit seiner durchgehend schleppend blubbernden Elektronik holt im Refrain zur ganz großen Melodie aus. Starkes Ding. Und auch als Ruhepause auf den gewohnt schweißtreibenden Konzerten der Band absolut brauchbar. Auch das deutsch betitelte Das Boot mit der leicht abgewandelten Melodie des Doldinger-Filmmusik-Klassikers geht gut nach vorne und kann ĂŒberzeugen. Viel mehr bleibt nach 42 Minuten aber nicht auf der Habenseite. Es bleibt die Frage, wen Disco Ensemble mit dieser Platte erreichen wollen. Treue Fans dĂŒrften Afterlife zum schwĂ€chsten Album der Bandgeschichte kĂŒren und hoffen bei der nahenden Tour auf möglichst viele Klassiker. Und um neue Fans zu gewinnen, reicht die QualitĂ€t des Gros der Songs einfach nicht aus.

Tracklist DISCO ENSEMBLE – Afterlife

01. Reality
02. Fight Forever
03. Disappaear
04. Afterlife
05. Nothing More
06. Das Boot
07. Hardcore People
08. Face Down In A Fountain
09. Surround Me
10. Too Deep
11. Midnight

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