Interview: SOLAR FAKE (Sven Friedrich)

GeschÀtzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Solar Fake kennt man bisher vor allem als Elektro-Act, im MĂ€rz werden hingegen andere Saiten aufgezogen: Sven Friedrich und AndrĂ© Feller gehen auf Sedated-Tour und prĂ€sentieren ihre StĂŒcke in erweiterter Bandbesetzung im Akustik-Gewand. An insgesamt acht Terminen werden sie ihre Akustik-Show spielen und wir freuen uns, diese Tour mit prĂ€sentieren zu dĂŒrfen. Zur Einstimmung haben wir Sven Friedrich einen Schwung Fragen zu der Akustik-Tour gestellt, um einmal die HintergrĂŒnde, die Umsetzung und weitere Themen zu hinterfragen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Im MĂ€rz geht Ihr mit Solar Fake auf Akustik-Tour. Grundlegend gefragt: Wie kam der Entschluss dazu?
Die Idee dazu hatte eigentlich unsere Bookerin. Sie meinte, dass das mal was Schönes wÀre, gerade, weil wir im vergangenen November beim Gothic Meets Klassik dabei waren und wir auch schon 2 Fanclub-Shows und einmal auf dem Amphi-Schiff in einer Àhnlichen Besetzung gespielt haben.

Gab es fĂŒr die Tour Vorbilder, die Ihr schon einmal in Sachen „akustischer Umsetzung“ gesehen habt, aber kam das ganz aus Euch heraus?
Nee, ehrlich gesagt hab ich noch kein Acoustic-Konzert von einer eigentlich elektronischen Band gesehen, abgesehen von Deine Lakaien in den 90ern. Aber da wir sowas sowohl mit Solar Fake, als auch mit Zeraphine und Dreadful Shadows schon gemacht haben, hab ich ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie ich die SF Songs in diesem anderen Gewand höre. Ich will das alles nicht sehr bombastisch haben, sondern ganz intim, reduziert auf das Wesentliche. Wir werden auch nicht nur akustische Instrumente verwenden, sondern auch Synthesizer, aber dennoch alles live gespielt.

Ihr tourt unter dem Motto Sedated. Wieso habt Ihr Euch Sedated als Motto dafĂŒr ausgewĂ€hlt?
Sedated ist der Titel der Bonus-CD, die der Fanbox unseres letzten Albums Another Manic Episode beilag. Darauf gab es einige Piano-Versionen von Songs des Albums, arrangiert von Dirk Riegner, der nun auch auf der Tour am Piano sitzt. Erweitert wird das ganze durch M. Stolz (Violine) und Benni Cellini (Cello) von der Letzten Instanz. AndrĂ© spielt Gitarre und ich singe und bediene die Keyboards… Der Album- und Tourtitel bedeutet quasi „ruhiggestellt“. Das trifft es doch irgendwie. 😉

Der Schritt von elektronischen Arrangements hin zu „richtigen Instrumenten“ mutet an sich wie ein großer Schritt an. Wie seid Ihr die StĂŒcke dabei angegangen?
Eigentlich ganz einfach. Dirk hat die Piano-Arrangements geschrieben, daraufhin habe ich den Rest arrangiert, die beiden Streicher und AndrĂ© haben ihre Instrumente grĂ¶ĂŸtenteils selbst arrangiert und dann haben wir zusammen noch daran gefeilt, bis es fĂŒr alle perfekt war. Wir alle kommen ja aus den verschiedensten musikalischen Ecken und sind es gewohnt, mit anderen zusammenzuarbeiten, insofern war es extrem spannend.

Wie wĂŒrdet Ihr denn sagen, haben sich die StĂŒcke durch diese andere Herangehensweise verĂ€ndert?
Nun, vorrangig ist ihre musikalische Wirkung eine ziemlich andere. NatĂŒrlich erkennt man die Songs, aber alles wird sehr intim und irgendwie magisch… keine Ahnung…

Trotz der anstehenden Akustik-Tour wart Ihr in der Zwischenzeit auch noch als Elektro-Act unterwegs. Ich vermute mal, dennoch wird auch fĂŒr die akustische Version geprobt. Wie habt Ihr diese „Doppelrolle“ empfunden?
Um ehrlich zu sein, haben wir bisher fĂŒr die Acoustic Tour noch nicht viel proben können, da bisher alle noch mit ihren Arrangements beschĂ€ftigt waren. Da wir alle in verschiedenen StĂ€dten wohnen, ist es auch logistisch nicht ganz so einfach, sich stĂ€ndig in einem Proberaum zu treffen. Insofern arbeiten wir eher ĂŒbers Internet. Wir schicken uns Dateien und Arrangements zu, diese werden dann bearbeitet und wieder zurĂŒckgeschickt, bis es so halbwegs fertig ist. Danach werden die Parts geĂŒbt und dann erst treffen wir uns zu den gemeinsamen Proben. Eine „Doppelrolle“ ist es also eigentlich nur, weil man sich immer abwechselnd mit verschiedenen Sachen beschĂ€ftigt, aber das sind wir ja gewohnt.

Auch beim Gothic Meets Klassik Festival in Leipzig gab es Solar Fake-StĂŒcke in umarrangierter Weise. Hier war ein Orchester dabei. War das Herangehen dennoch Ă€hnlich oder ganz anders?
Das war schon ziemlich anders und fĂŒr mich deutlich weniger Arbeit. Die Arrangements entstanden zusammen mit Conrad Oleak, der einen Wahnsinns-Job abgeliefert hat. Diese Zusammenarbeit war total entspannt, ich habe VorschlĂ€ge geschickt bekommen und meine ÄnderungswĂŒnsche geĂ€ußert und so haben wir uns durch die Songs gearbeitet. Bei „Sedated“ sind die Arrangements mehr oder weniger in meiner Verantwortung, zumindest, was das Gesamtkonzept anbelangt. Da muss man immer schauen, dass alles abwechslungsreich, spannend und auch etwas unvorhersehbar wird


WĂŒrdest Du generell sagen, dass ein gutes StĂŒck in jedem Gewand funktionieren mĂŒsste? Neben den eigenen StĂŒcken hast Du ja auch mit Zeraphine und den Dreadful Shadows schon StĂŒcke in andere Genres â€žĂŒberfĂŒhrt“.
Nein, entgegen der landlĂ€ufigen Meinung glaube ich tatsĂ€chlich nicht, dass ein guter Song in jedem Gewand funktionieren muss. Genauso wenig, wie ein guter Song auch von jedem gesungen werden kann. Es gibt zahllose großartige Songs, die ihre Klasse nicht zuletzt dadurch erreichen, dass sie genau so umgesetzt wurden und nicht anders. Wenn ich mir Illusion von VNV Nation mit ‘ner schrammeligen Wandergitarre am Lagerfeuer vorstellen mĂŒsste, das wĂŒrde dem Song alles nehmen, was er an AtmosphĂ€re besitzt. NatĂŒrlich funktioniert Illusion in mehreren Varianten sehr gut, aber eben nicht in allen und das ist nun wirklich ein großartiges StĂŒck. Ein anderes Beispiel sind Keane. Ich habe bisher noch nicht eine Coverversion von einem Keane-StĂŒck gehört, die auch nur ansatzweise an die QualitĂ€t des Originals herankĂ€me… Ich will nicht so weit gehen zu behaupten, nur belanglose StĂŒcke funktionieren in jedem Gewand, denn es macht keinen Unterschied, wie man sie spielt. Aber es ist vielleicht auch immer eine Frage, was man als gutes StĂŒck definiert, denn das sieht sicher jeder komplett anders.

Nach welchen Kriterien habt Ihr fĂŒr die Sedated-Tour ausgewĂ€hlt, welchen StĂŒcken Ihr das neue Gewand anlegen möchtet?
Eigentlich ging das ausschließlich danach, ob man eine interessante Version draus machen kann. NatĂŒrlich geht es auch nach Beliebtheit der Songs, aber vorrangig, ob wir eine spannende Version hinbekommen.

Plant Ihr, „nur“ bestehendes Material zu spielen oder kann das Publikum auch mit der einen oder anderen Überraschung rechnen?
Wir werden auch einige Coverversionen spielen, denn das macht uns und dem Publikum auch immer viel Spaß. Außerdem gibt es hoffentlich noch die ein oder andere Überraschung, aber da ich noch nicht weiß, ob das klappt, sag ich lieber nix.

Nun ist Euer Herangehen die eine Seite der Medaille, die andere ist die Frage, wie die Fans es aufnehmen werden. Was denkt Ihr, wie die Fans auf die Sedated-Umsetzung reagieren werden?
Wir konnten das wie gesagt bereits 3x testen und die Reaktionen waren ĂŒberwĂ€ltigend, weshalb uns ja auch unsere Bookerin auf die Idee gebracht hat. Ich bin sicher, dass unsere Fans sehr viel Spaß an den Konzerten in diesen tollen Locations haben werden, auch wenn man dieses Mal wahrscheinlich nicht so viel tanzen kann… 😉

Wenn man das generell betrachtet: Wie ist denn eigentlich Eure eigene Erwartungshaltung an die Tour?
Ich hoffe, dass wir den Leuten unsere Songs in einer anderen Art und Weise nĂ€herbringen können, sodass sie vielleicht noch eine ganz neue Seite daran erkennen. Ansonsten bin ich ja eher ein Mensch, der nicht zu viel erwartet, aber der Vorverkauf lĂ€uft super, insofern scheint es schon viele Leute zu interessieren, was natĂŒrlich großartig fĂŒr uns ist!

Wenn wir einen Schritt weiter denken: Ist geplant, nach der Tour etwas zu veröffentlichen? Wird gefilmt oder mitgeschnitten?
DarĂŒber reden wir gerade mit unserer Plattenfirma. Das ist natĂŒrlich eher eine wirtschaftliche Entscheidung… Mal sehen, was dabei herauskommt. Wir hĂ€tten natĂŒrlich nichts dagegen.

Soll die jetzige Tour eine einmalige Geschichte bleiben oder steht auch die Überlegung im Raum, zu einem spĂ€teren Zeitpunkt wieder Sedated-Touren zu machen?
Bisher ist es eine einmalige Sache, was natĂŒrlich nicht ausschließen soll, dass es irgendwann mal eine Fortsetzung geben könnte. Aber nach dieser Tour geht es erstmal ‚normal‘ weiter.

Davon ab zum Abschluss etwas weitergehend gefragt: Gibt es bereits weitere PlĂ€ne fĂŒr das, was nach der Sedated-Tour kommen wird? Gibt es schon weitere Planungen fĂŒr 2017?
Nach der USA-Tour im Januar und Februar und der Sedated-Tour im MĂ€rz wird erstmal an neuem Material fĂŒr das nĂ€chste Album gearbeitet, wir spielen noch einige Festivals und Konzerte, aber der Fokus liegt ab April dann wieder auf dem Schreiben des nĂ€chsten Albums.

Weblinks SOLAR FAKE:

Homepage: www.solarfake.de
Facebook: www.facebook.com/SolarFake
Twitter: www.twitter.com/SolarFake

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