WIZO – KÖLN, LIVE MUSIC HALL (10.11.2016)

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Auch wenn es gerade in den vergangenen Wochen am Anlass zum Feiern mangelte (Stichwort: US-Wahl, gesellschaftspolitische Entwicklungen in Europa o.ä.), lässt sich die wahre rheinische Frohnatur seinen Karneval nicht nehmen – da bleibt sie trotzig. Egal ob Alaaf oder Helau, gefeiert wird ohnehin. Aber horchen wir doch für einen kurzen Moment mal in uns hinein: Wen interessiert in diesem arschkalten November schon Karneval, wenn eine der einflussreichsten deutschen Punkbands seit Menschengedenken durch europäische Lande zieht? Eben!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Im Rahmen ihres kürzlich erschienenen und passend titulierten Albums DER spielte das Sindelfinger Trio WIZO letzten Donnerstag in einer prall gefüllten Kölner Live Music Hall, in der sich sowohl Jung als auch Alt und irgendwo dazwischen zusammenfand. Unterstützung holten sich die Schwaben von ihren französischen Kollegen aus Rennes,  namentlich bekannt als Les 3 Fromages. Letztere eröffneten den Abend gut gelaunt und mit einer großen Menge wunderbar poppig angehauchtem Punk. Die Lieder der Franzosen sorgten praktisch für gute (Trink-)Laune auf Knopfdruck – ist es doch nicht oft der Fall, dass das deutsche Durchschnittsohr französischsprachiger Musik ausgesetzt ist, vor allem nicht in einer solch doch außergewöhnlichen Form. Als offenkundige WIZO-Fans machten sie sich beim Publikum immer beliebter. Dem folgte erst recht dann kein Abbruch, als sie den Klassiker von Joe Dassin Les Champs-Élysées intonierten, den einst schon NOFX coverten. Diese Version kam jedoch in einwandfreiem Französisch daher und wirkte daher umso professioneller – wahrlich ein Ohrenschmaus, der einen tollen Auftritt abrundete.

Gegen 21:10 Uhr MEZ betrat die Hauptband die Bühne, begleitet vom Intro des Openers Adagio – ebenfalls der Opener des neuen Albums. Der Huldigung des Anarchismus und der Begrüßung folgte sogleich ein unbestreitbarer Klassiker deutscher Punkrockgeschichte: Der Raum der Zeit brachte die Menge gleich mal ordentlich zum Ausrasten. Sänger und Gitarrist Axel Kurth schien sichtlich Spaß dabei zu haben, die Leute zu begeistern. Eine Tour von WIZO 2016 bedeutet das, was sich wohl die meisten Fans von einem gelungenen Konzertabend erhoffen: Ein paar neue Songs, ein paar halbwegs neuere Songs, größtenteils aber alte Kracher, die zum lauten Mitgrölen geradezu einladen.

Mit dem Lied Das goldene Stück besingt Kurth einen Preis, den wohl niemand gerne bekommt. Doch muss auch er feststellen, dass, wie viele von seinen Liedern – geschrieben in den 1990er Jahren –, auch dieses in der heutigen Zeit nach wie vor hochaktuell ist. Das Outro der Hymne lud das kölsche Publikum zum allseits bekannten Pogo-Walzer ein: Kein Problem für schunkelerfahrene Kölner.

Im Folgenden wechselten sich ältere und neuere Lieder stets ab. Dadurch wurde es in den nächsten gut zwei Stunden alles andere als langweilig. Nebst Klassikern wie Hey Thomas, Quadrat im Kreis, Kopfschuss oder Gute Freunde gaben die Sindelfinger auch neuere Stücke zum Besten. Die neueren oder brandneuen Lieder wie Ganz klar gegen Nazis oder Antifa ermutigten die Band dazu, an die eingangs erwähnten gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre zu erinnern. Auch wenn sie es selbst kurios und traurig genug fanden, dass eine Punkrockband sich im Jahr 2016 noch scheinbar politisch positionieren muss, so entspricht es wohl leider unserer Realität.

Mit ihrer herrlich ironischen Ballade Die letzte Sau wurde ihr Set vorerst beendet. Doch es war wohl allen klar, dass die Band den Saal nicht verlassen konnte, ohne ihr Meisterwerk Kein Gerede anzustimmen, was sie in der nun folgenden Zugabe auch schließlich tat. „Noch ein Aufruf zur Revolte, noch ein Aufruf zur Gewalt – steinigt diesen Staat!“ – direkter kann Systemkritik wohl nicht ausfallen. Die tragische Geschichte um den Tod einer alten Dame (Alte Frau) war das endgültig letzte Lied. Das 25-Song-starke Set der einzigen deutschen Band, die es auf das international bekannte Punkrocklabel Fat Wreck Chords geschafft hat, stand symbolisch für einen großartigen Abend und die Gewissheit, dass WIZO uns noch lange begeistern können und werden. Gab es die Reunion im Jahr 2009, weil den Mitgliedern so langweilig war? Brauchten sie einfach wieder Kohle? Mir ist das, um ehrlich zu sein, herzlich egal, denn die Freude darüber, dass die Schwaben nun seither wieder aktiv sind, überwiegt eindeutig. Allen, die sich überlegen, die Band anzuschauen, sei gesagt: Tut es! Wird ein starker Abend, garantiert.

Setlist WIZO @ Köln, Live Music Hall (10.11.2016):

  1. Adagio
  2. Raum der Zeit
  3. Diese Welt
  4. Seegurke
  5. Das goldene Stück
  6. Nana
  7. Der Käfer
  8. Hey Thomas
  9. Endzweit
  10. Ganz klar gegen Nazis
  11. Quadrat im Kreis
  12. Klebstoff
  13. Schweinewelt
  14. Verwesung
  15. Egon
  16. Kopfschuss
  17. Antifa
  18. Gute Freunde
  19. Wahlkrampf
  20. Jimmy
  21. Die letzte Sau
  22. Apocalypso (z)
  23. Kein Gerede (z)
  24. Kein Empfang (z)
  25. Alte Frau (z)
Weblinks WIZO:

Homepage: http://www.wizo.de/
Facebook: https://www.facebook.com/wizo.punk/
Twitter: https://twitter.com/wizo_de
Instagram: http://www.imgrum.net/user/der.wizo/1567584703

Foto: Pressefreigabe

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