WARPAINT РKöln, Live Music Hall (30.10.2016)

Warpaint, © Ant Palmer
Warpaint, © Ant Palmer
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Immer wieder sonntags…! Nachdem Jennylee vor rund einem halben Jahr im Luxor das Wochenende im Alleingang ausklingen lie√ü, tat sie es Ende Oktober erneut. Diesmal allerdings mitsamt ihrer Kolleginnen von Warpaint, die in der Live Music Hall ihr neues Album Heads Up vorstellten. Eine weitere Parallele zu Jennys Soloauftritt war die Kuriosit√§t des Support-Acts: War es im Fr√ľhling Lawrence Rothman, der f√ľr Stirnrunzeln sorgte, l√§uteten diesmal Aldous RH und sein Gefolge in Jumpsuits, orientalischen Schlangenbeschw√∂reroutfits und Siebzigerjahredresses 2 Wochen zu fr√ľh die f√ľnfte Jahreszeit ein.

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Abgesehen von einem bemerkenswerten Drummer und einem √ľberaus talentierten Bassisten war der Band aber nichts gutzuschreiben: Der welke aber immerhin sauber gespielte Funk der aus den Boxen groovte traf die Wenigsten und die z√§he Gesangsleistung des Namensgebers tat ihr √úbriges, sodass das anfangs belustigte L√§cheln der Zuschauer bald zu einer leicht gequ√§lten Maske wurde. Irgendwie schien der DeLorean auf dem Weg in die Siebziger liegen geblieben zu sein. Etwas seltsam war au√üerdem, dass der S√§nger im Laufe des Auftritts dreimal fragte, ob jemand aus dem Publikum die sechs Musiker √ľber Nacht bei sich aufnehmen k√∂nne. Ob das nun ein lahmer Witz war oder sein Ernst, blieb offen. Ein bisschen traurig war es allemal.

Nun gut, kommen wir zu dem vermeintlich angenehmeren Teil des Abends, dem Hauptact. Warpaint nahmen zwar das Tempo raus, aber brachten mit ihren gem√§chlichen Soundlandschaften dennoch mehr Bewegung in die gut gef√ľllte Live Music Hall. Den Anwesenden kredenzten die Vier ein Best-Of ihrer drei Alben, das nebst den zw√∂lf Songs des Mainsets satte vier Zugaben beinhaltete. Dabei durften nat√ľrlich Klassiker wie Undertow, Love Is To Die sowie Disco//Very und die aktuelle Single New Song nicht fehlen.

Die Damen aus Los Angeles lieferten eine solide Livedarbietung ohne jedwede √úberraschung ab. Zwischenzeitlich √ľberkam mich deshalb das Gef√ľhl, in einem √ľberf√ľllten Aufzug zu stehen, der zwischen zwei Stockwerken h√§ngt. Die Musik kratzte hier und da am Sph√§rischen, blieb aber ansonsten eher auf einem (Achtung, subjektive Wahrnehmung!) belanglosen Level… Dadurch zog sich der Abend stellenweise etwas in die L√§nge und es fiel mir schwer, ein G√§hnen zu unterdr√ľcken. Zu meiner Verteidigung: Ich werde mit der Band trotz aller Versuche nicht wirklich warm. Die bisherigen Releases Exquisite Corpse (EP, 2008), The Fool (2010), Warpaint (2014) und Heads Up (2016) stehen allesamt angestaubt in meinem Plattenregal, und es war nicht das erste Konzert, das ich von dieser Band besuchte. In M√ľnster (Skater’s Palace) fand ich sie „damals“ (2014) spannender. M√∂glicherweise lag das auch ein bisschen an der Location, wobei sie in K√∂ln mit einigen Gr√ľnpflanzen f√ľr einen gewissen Gartenschauflair sorgten, was irgendwie s√ľ√ü war. Zudem wirkten Emily und Co keineswegs unsympathisch, wenn auch etwas distanziert. Trotzdem wollte der Funke einfach nicht √ľberspringen. Insgesamt¬†war der Abend also okay, aber mehr auch leider nicht und irgendwie blieb mir der Support Act besser im Ged√§chtnis, was nicht unbedingt f√ľr den Headliner spricht. Mit dieser Meinung stand ich in meinem Freundeskreis zwar nicht v√∂llig allein da, aber der √ľberwiegende Teil fand das Konzert super und w√ľrde sich die Band vermutlich nochmal anschauen.

Zusammenfassend l√§sst sich wohl Folgendes sagen: Wer mit wenig Erwartungen hingeht, wird positiv √ľberrascht. Wer die Band kennt, wei√ü, auf sie ist Verlass. Und wer Action und Spektakel erwartet, sollte sich lieber einen Michael-Bay-Film ausleihen.

Setlist WARPAINT @ Köln, Live Music Hall (30.10.2016)

01. Bees
02. Heads Up
03. Undertow
04. Hi
05. The Stall
06. No Way Out
07. Whiteout
08. Beetles
09. Elephants
10. Love Is To Die
11. New Song
12. Disco//Very
13. Intro (Z)
14. Keep It Healthy (Z)
15. So Good (Z)
16. Krimson (Z)

Fotos: Ant Palmer

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