PIXIES & FEWS – Köln, Palladium (24.11.2016)

Pixies, © Michael Gamon
Pixies, © Michael Gamon
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Bekanntermaßen sind die Pixies eine Indieinstitution. Doolittle ist eine der wichtigsten Platten des Indierock. Daran gibt es keine Zweifel! Es ist auch der Höhepunkt der Pixies, der im Nachfolger Bossanova noch gehalten werden konnte. Tromp le Monde hatte noch einen veritablen Hit (Planet of sound), an die Höhen von Dig for fire oder Debaser konnte es jedoch nicht anknüpfen. In den Jahren danach dümpelte die Band so vor sich hin. Black Francis, der sich nun Frank Black nannte machte Solo-Sachen, Kim Deal stieg aus der Band aus. Seit ein paar Jahren touren die Pixies regelmäßiger. Erst mit Kim Deal – Stieg sie zur quasi Reunion 2006 wieder ein, verliess sie vor 3 Jahren erneut die Band. Der Bass ist seitdem der schwierige Arbeitsplatz bei den Pixies. Kim Deal wurde für einen Sommer durch eine andere Kim (Shattuck) ersetzt, die aktuelle Kim heisst Paz Lenchantin und spielt seit den Aufnahmen zum neuen Album Head carrier den Bass. Die Pixies hatten großen Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik in den Folgejahren. Ohne sie kein Alternative, kein Grunge, keine Strokes, kein Indiemainstreamrock. Debaser oder Where is my mind waren mit die ersten Indiehits, die es ins Radioprogramm schafften. Es waren Songs, die jahrelang in der Indiedisco die Tanzfläche füllten und die 2016 die Ü40 Generation immer noch in Ekstase versetzen.

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Doch zunächst war es im Palladium am Opener Fews, das Publikum auf den Hauptact vorzubereiten und das machten sie sehr ordentlich. Gitarrenwälle mit akzentuierten Vocaleinlagen der beiden Sänger sorgten für eine elektrisierende Atmosphäre im Palladium. Motorik-Noise-Pop nennt sich das und die Bezeichnung ist gut getroffen, konnten sie doch so manchen im Publikum bereits ansprechend animieren. Ein starker Auftritt, der Lust auf mehr machte.

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Vor allem wegen der alten Zeiten geht man auch noch 2016 zu einem Pixies Konzert. Da ist es eher nett zu wissen, dass vor zwei Jahren sehr überraschend das Indie Cindy Album mit neuen Songs erschien, und diesem Jahr sogar ein weiterer Longplayer: Head carrier. Ob die Welt das braucht, ich möchte es anzweifeln. Was die Welt jedoch gerne mitnimmt, sind Pixies Livekonzerte. (1990 wie 2016). Pixies Konzerte waren und sind ein großer Spaß! Entsprechend sieht es im Palladium aus. Das Konzert ist der erwartet große Spaß, das Publikum jubelt bei den alten Gassenhauern und hält geduldig inne bei den aktuellen Songs. Die Ü40 Generation – die eindeutig in der Mehrheit ist – geht nicht zu einem Pixies Konzert, um Songs von einem neuen Album zu hören. Sie will die alten Hits noch einmal erleben. Das ist Fakt! Blöd nur, dass Black Francis und Kumpane an diesem Abend gefühlt komplett das neue Album spielen. Dafür fehlen ein paar Reißer im Set: kein Velouria, kein Monkey gone to heaven, kein Here comes your man, kein La la love you. Gut, die Pixies haben 100 Welthits, da fällt das nicht so stark ins Gewicht. Es gibt ja noch Wave of Mutilation, Hey, Caribou, Planet of Sound, Debaser, Tame, etceterapepe. Aber trotzdem. Ein Best-of Konzert ist das hier nicht.

Pünktlich um 21:00 Uhr kommen die Pixies auf die Bühne. Black Francis, David Lovering, Joey Santiago und Paz Lenchantin nehmen sich Zeit, bevor die ersten Töne von Where is my mind aus der verstärkten Akustikgitarre klingen. Aufreizend lässig unterhalten sich zuvor noch Gitarrist Joey Santiago und Black Francis. Wollen sie nicht starten oder fehlt noch etwas? Es ist nicht ersichtlich , scheinbar haben sie Spaß daran, dass Publikum noch ein bisschen zappeln zu lassen. Und es zappelt. Voller Vorfreude und mit großer Aufregung fiebert es dem Konzert entgegen. Wie eine Erleuchtung erscheinen die ersten Textzeilen, die jeder, aber auch jeder kennt:

With your feet in the air and your head on the ground

Try this trick and spin it, yeah

Wäre das Konzert danach vorbei, viele wären glücklich. Aber es folgen noch zwei Stunden mit weiteren Lieblingsliedern und neuen Songs. Mit vielen ahhs und einigen ohhs. Die Masse an neuen Songs wirkt zwischendurch leider oft wie ein kleiner Stimmungskiller. Das erste Mal tritt Reserviertheit nach den Eröffnungskrachern Where is my mind und Gouge away auf. Auch später hat das Konzert diese Momente, in denen der Stimmungsfaden reisst. Doch sind die neuen Songs vom aktuellen Album wirklich so schwach, oder wirken sie im direkten Vergleich mit den großen Hits nur schwach? Also einige sind schwach. Tenement Song ist richtig übel. Classic Masher ist ein netter Popsong. Beide Songs spielen sie nacheinander weg und es ist das dickste Stimmungsloch im gut gefüllten Palladium. Sie machen das zwei, dreimal an diesem Abend. Dann spielen sie mehrere neue Songs hintereinander. Mal singt Paz , mal nuschelt Francis Black ‘rumshakalaka‘ bei Um Chagga Lagga, mal covern sie sich in den Gitarrenparts selbst (All I think about now). Aber nach einer solchen Phase erklingt auf einmal ein leises Hey, und die Pixieskonzertwelt ist für weite Teile des Publikums wieder zurechtgerückt. Leider vermiesen sie aber Debaser. Irgendwas mit der Gitarre ‘Stop, stop it. I’ve lost my guitar‘ kommentiert Black Francis den Abbruch. Aber warum setzen sie nicht noch einmal neu an, oder warum spielen sie Debaser nicht wenigstens später noch einmal? Das Publikum lechzt doch danach.

Nach guten 100 Minuten ist das Konzert regulär vorbei. Die Pixies haben eine lange Latte an Songs gespielt, gesagt hat Frank Black darüber hinaus nichts. Into the light mit viel Bühnennebel bildet ein abruptes Konzertende. Einen richtigen Zugabenblock wollen die Pixies heute Abend nicht spielen. Sie gehen nach mehreren Verneigungen einfach von der Bühne.

Fotos: Michael Gamon

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