CRYSTAL CASTLES РKöln, Luxor (02.11.2016)

Crystal Castles, © André Techert
Crystal Castles, © André Techert
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Rund zwei Jahre ist es her, dass Alice Glass und Ethan Kane entschieden, getrennte Wege zu gehen. Mit Glass verlor Crystal Castles eine von Fans geliebte Ikone, die den Schmerz und Frust einer ganzen Generation widerspiegelte. F√ľr viele stellte sich deshalb die Frage, ob die Electro-Formation aus Kanada √ľberhaupt weiter existieren konnte. Zwar war Ethan Kane immer der Triebmotor der Band, da er die Musik komponiert und auch einen Gro√üteil der Texte schreibt, doch die Band w√§re nur halb so interessant ohne die ekstatischen, leidenden Vocals und Performances der ehemaligen S√§ngerin. Doch f√ľnf Monate nach der Trennung erschien ein neues Lied, Frail, mit der damals noch mysteri√∂s wirkenden Edith ‚Äď eine Ansage, dass die Band auch ohne Glass erfolgreich funktionieren kann. Mittlerweile haben Crystal Castles mit Amnesty (I) ein unglaublich melodisches und besonders w√ľtendes Werk im Sommer 2016 ver√∂ffentlicht, das bewiesen hat, dass Alice Glass ersetzbar ist ‚Äď eigentlich auch gar nicht verwunderlich, wenn man in Betracht zieht, dass viele Vocal-Parts durch verschiedene Effekte verzerrt werden.

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Nach einer Tour in Nordamerika war es im November 2016 endlich Zeit, dass auch Europa in den Genuss kam, das neue Material samt neuer Sängerin live erleben zu können. Es war auch eine Beweisprobe, ob Edith Frances die Energie, die Alice Glass zu jemand Außergewöhnlichem machte, ebenfalls verkörpern konnte.

Eigentlich war das Konzert am 02.11.2016 in K√∂ln f√ľr die Essigfabrik angesetzt gewesen, doch anscheinend war die Nachfrage so gering, dass das Konzert in das kleinere, aber zentralere Luxor verlegt wurde.

Bis zu dem Konzert stand f√ľr viele nicht fest, ob es einen Support geben w√ľrde. Doch anscheinend hatten Crystal Castles eine befreundete Band aus Los Angeles namens Guidance mit auf Tour genommen, die sich den Crystal Castles-Fans kurz vorstellen durften. Obwohl die Band nur gef√ľhlte zwanzig Minuten auf der kleinen B√ľhne des Luxors rumturnte, waren diese zwanzig Minuten gepackt voller Energie und besonderem Elan des Hipster-S√§ngers, der zu Beginn des Auftritts mit einem Bad Taste-Jogginganzug, Sonnenbrille und Beanie-M√ľtze die B√ľhne betrat, um zu demonstrieren, wie postmodern er ist und wie unwichtig ihm Dinge wie √Ąsthetik sind. Musikalisch pr√§sentierte die Band eing√§ngigen Electropop, der zum Mittanzen f√∂rmlich animierte. Besonders die Interaktion des S√§ngers mit dem Publikum machte das kurze Konzert zu einem einmaligen Erlebnis, denn dieser machte sich selbst zum Teil des Publikums und war selten auf der B√ľhne zu sehen, da er st√§ndig am Gitter rumturnte oder auch mal crowdsurfte. Jedoch zeichnete sich schon w√§hrend des Konzerts von Guidance ab, dass der Sound eher schlecht als gut werden w√ľrde ‚Äď denn der Bass war viel zu laut eingestellt, w√§hrend man nur mit viel Fantasie die Vocallines h√∂ren konnte. Doch die Hoffnung bestand, dass dies noch bei Crystal Castles besser werden w√ľrde.

Nach einer knapp vierzigmin√ľtigen Pause, w√§hrend der sich der kleine Club auch rappelvoll gef√ľllt hatte, betraten endlich Crystal Castles unter tosendem Applaus und begleitet von einem k√ľhlen Strobolicht und Mozarts dramatischen Requiem die B√ľhne. Ethan Kane pr√§sentierte sich im l√§ssigen Bomberjackenlook und begab sich rasch zu seinem Pult, um wenig sp√§ter die kleine, zierliche Edith Francers mit schwarz geschminkten Lippen zu den Nintendo-Melodien von Baptism auf die B√ľhne loszulassen, die sofort in sich verschlossen anfing, sich ihre Seele aus dem Leib zu br√ľllen, was leider jedoch nicht so stark r√ľberkam, da das Mikrofon immer noch schlecht eingestellt war.

Es ging weiter mit dem w√ľtenden Concrete, wo Frances gekonnt bewies, dass sie all das, wof√ľr Glass stand, m√ľhelos √ľbernommen hat ‚Äď und dabei auch professioneller r√ľberkam, da sie eben keine Whiskey-Flasche auf der B√ľhne leerte, sondern sich immer wieder an ihrem gro√üen Kontingent an Wasserflaschen bediente, um es sich √ľber den Kopf und in die Menge zu sch√ľtten. Dies war auch die einzige Interaktion, die sie mit dem Publikum betrieb ‚Äď Frances pr√§sentierte sich eher als unantastbare Figur auf der B√ľhne, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat und auch gut zu dem Style und Auftreten von Crystal Castles passte.

Die Energie war so oder so w√§hrend des ganzen Konzertes elektrisierend, jede*r sang mit und sp√ľrte das Gewitter und Chaos des Crystal Castles-Universums bis ins Knochenmark schie√üen. Auch einige Lieder aus der Alice Glass-Phase wurden gespielt, wie Kerosene¬†und Celestica.¬†Und auch, wenn es traurig klingen mag, merkte man kaum einen Unterschied, obwohl die S√§ngerinnen gewechselt worden sind.

Bei Char bewies Frances zudem, dass sie nicht nur ihren Frust ins Mikrofon br√ľllen, sondern auch sanfte T√∂ne anschlagen kann und es war wirklich schade, dass man dies im Luxor nicht geb√ľrtig genie√üen konnte.

Auch instrumentale St√ľcke wie Intimate und Wrath of God integrierten sich nahtlos in das Set und bewiesen, dass Ethan Kane einer der ganz Gro√üen in der harten Electroszene ist ‚Äď es gibt kaum eine andere Band, die Gef√ľhle wie Wut, Trauer und Frustration so gut in elektronische Musik umwandeln kann wie Crystal Castles.

Nach einem relativ kurzen Set beendeten Crystal Castles den Abend mit der Hymne Not in Love, die aufgrund der Zusammenarbeit mit The Cure-S√§nger Robert Smith besonders heraussticht und ich bin sicherlich nicht die Einzige, die sagen kann, dass sie sich nach diesem explosiven Set der besonderen Art befreiter und erleichterter gef√ľhlt haben, dass man eben doch nicht mit allem alleine ist, sondern eine Gemeinschaft bildet. Nur das Soundproblem muss das Luxor dringend in den Griff bekommen, denn das Konzert w√§re noch besser gewesen, wenn man Frances besser h√§tte h√∂ren k√∂nnen.

Setlist CRYSTAL CASTLES РKöln, Luxor (02.11.2016):

01. Baptism
02. Concrete
03. Suffocation
04. Char
05. Kerosene
06. Intimate
07. Enth
08. Crimewave
09. Fleece
10. Frail
11. Telepath / Kept / Untrust Us
12. Celestica
13. Femen (Z)
14. Wrath of God (Z)
15. Not In Love (Platinum Blonde Cover) (Z)

Amnesty (I)

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