Interview: EISFABRIK (Der Frost)

GeschÀtzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Diese Woche erscheint ihr neues Album Achtzehnhunderterfroren, mit dem Sie im kommenden FrĂŒhjahr auch auf Tour gehen werden (prĂ€sentiert von Monkeypress) – nach den Support-Touren fĂŒr Project Pitchfork und Mono Inc. ihre erste Headliner-Tour. Wir haben der Band einen Schwung Fragen gemailt, die sich inhaltlich mit dem Album auseinandersetzen und auch die HintergrĂŒnde zur Tour einmal beleuchten. Der Frost von Eisfabrik beantwortete und die Fragen, sodass hier nun viele Antworten zum Album zu finden sind, man erfĂ€hrt, warum gerade jetzt der richtige Moment fĂŒr die erste Headliner-Tour ist, wonach die Support-Acts ausgewĂ€hlt wurden und vieles mehr.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Laut Album-Info ist das neue Album Achtzehnhundertunderfroren bereits seit 200 Jahren fertig. Wieso hat es so lange gedauert, es aufzutauen?
Das liegt daran, dass die Technik damals noch nicht so weit war, um das Bestmögliche aus den Songs herauszuholen. Deshalb haben wir es zunÀchst auf Eis gelegt, um es dann zum richtigen Zeitpunkt auf Hochglanz zu bringen. Ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen.

Wie wĂŒrdet Ihr Unterschiede zum VorgĂ€nger Eisplanet beschreiben? Was ist neu, was ist anders?
Ich wĂŒrde sagen, dass wir uns im Songwriting, der Produktion und gesangstechnisch noch mal verbessern konnten. So sind die StĂŒcke im Vergleich sehr unterschiedlich aber trotzdem eindeutig Eisfabrik.

Das Thema „Jahr ohne Sommer“ war natĂŒrlich fĂŒr dieses Album ein, salopp gesagt, „gefundenes Fressen“. Wie schafft Ihr es generell, der Eis-Thematik immer neue Aspekte abzugewinnen?
Das Thema ist nun mal sehr vielseitig. Das kommt ja prinzipiell ĂŒberall vor, in der Natur generell, aber auch metaphorisch gesehen, ist es sehr gut anwendbar, wenn es um zum Beispiel GefĂŒhlsbeschreibungen geht.

Ich habe vom neuen Album nun einmal einige StĂŒcke ausgewĂ€hlt, ĂŒber die ich gerne sprechen wĂŒrde. Angefangen mit A Murdered Love. Was fĂŒr eine ermordete Liebe ist das hier?
Manchmal wird aus Liebe Hass, doch mit etwas Abstand betrachtet, bleibt wohl jede Liebe ein ewiger Teil von dem, der sie erfahren konnte. Hier geht es also nicht um eine spezielle, persönliche Erfahrung.

In einem anderen StĂŒck werft Ihr die Frage auf: „What if hell is made of ice?“ Hinterfragt: Was wĂ€re denn dann?
Dies ist ein schönes Beispiel fĂŒr die vorhin angesprochenen Metaphern. Es geht hier nicht darum, dass die Hölle aus Eis bestehen könnte und um die Folgen aus dieser Theorie, sondern darum, dass es ja doch sein könnte, obwohl uns beigebracht wurde, dass dort Feuer vorherrscht. Wir glauben stets das, was man uns erzĂ€hlt, was wir lernen und sehen. Da der Mensch aber dazu neigt, vieles zu vergessen, verblassen diese erlernten Wahrheiten auch und man schafft sich eigene.

Ganz anders klingt fĂŒr mich der Love Planet 69. Was fĂŒr ein Planet ist das, den Ihr hier besingt?
Die Nummer ist eher als Funsong zu sehen, als dass man sie ernsthaft durchleuchten sollte. Es geht um den Liebesakt im All… 😉

Auch begegnet The Survival of the Strongest Mind. Was hat Euch hier angetrieben? Darwin umgedeutet oder was steckt hier dahinter?
Der Song hat das Jahr ohne Sommer oder eine andere schwierige Zeit zum Hintergrund. Es geht darum, dass der Mensch in Zeiten von Widrigkeiten dazu gezwungen ist, sich selbst zu entdecken und zu entfalten, um zu ĂŒberleben oder eben sich aus einer misslichen Lage zu befreien. Manche Menschen verfallen in Verzweiflung und werden scheitern, andere wiederum gehen in solch schweren Zeiten regelrecht empor und wachsen ĂŒber sich hinaus.

Ein letztes, das ich herausgepickt habe, ist Rainbow Child. Wer ist dieses „Regenbogenkind“?
Diesen Song hat Dr. Schnee kurz nach dem Tod des Kindes eines engen Freundes von ihm geschrieben. Fragen sind immer noch ungeklĂ€rt und begreifen kann man das immer noch nicht so richtig. Wir sind zurĂŒckgeblieben und warten hier auf Erden darauf, dass wir alle wieder glĂŒcklich vereint sind.

Wenn wir das Album als Ganzes betrachten: Wie ist Eure Erwartungshaltung damit?
Dieses Album ist ein weiteres Tool, um unsere Fangemeinde zu erweitern. Wir hoffen natĂŒrlich, dass dies klappt, damit unsere erste eigene Tour auch ihren Zweck erfĂŒllen kann.

Sowohl auf dem Albumcover als auch auf dem Tourplakat fĂ€llt auf, dass Ihr diesmal „Gesicht zeigt“, wĂ€hrend Ihr auf der BĂŒhne und auch sonst in der Optik eher recht „getarnt“ aussaht. Wie kommt es, dass Ihr nun quasi „Eure wahren Gesichter“ zeigt?
Das hatte den simplen Grund, dass es nicht zum Thema und zu dem Gesamtlook des Artworks gepasst hĂ€tte, wenn wir mit Neonmasken und LED-Brillen darauf zu sehen gewesen wĂ€ren. Das war bei Eisplanet natĂŒrlich anders.
Wir haben außerdem das GefĂŒhl, dass es den Leuten mittlerweile egal ist, wer wir in unserem wahren Leben sind. FĂŒr unsere Fans sind wir Dr. Schnee, Celsius und Der Frost. Und so sollte man das im Zusammenhang mit Eisfabrik auch sehen.

Wo wir bei der Tour sind: Nach den Support-Touren folgt nun die erste Headliner-Tour. Warum fandet Ihr, war jetzt der richtige Moment, um als Headliner auf Tour zu gehen?
Wir haben nun drei komplette Support-Touren absolviert und auf diversen Festivals gespielt. Man konnte fast von Konzert zu Konzert feststellen, dass das Publikum uns mehr und mehr angenommen hat, sodass sich mittlerweile eine kleine Fangemeinde entwickelte und dies auch immer noch so weitergeht. Wir sind der Meinung, nun da angekommen zu sein, um den Leuten auch eine Fulltime-Show anzubieten.

Schon frĂŒh, als Ihr mit Project Pitchfork auf Tour wart, tauchten nach und nach immer mehr Bart-TrĂ€ger, WintermĂŒtzen und gar ein Yeti auf… Wie habt Ihr das anfangs empfunden?
Es ist natĂŒrlich immer eine tolle Sache, wenn sich Fans solche MĂŒhe machen, um sich als solche zu erkennen geben. Wir finden das sehr schön und wĂ€ren auch super begeistert, wenn es noch mehr werden wĂŒrden.

Nun kommt die Headliner-Tour. Was wird sich – außer vermutlich der Spielzeit – Ă€ndern gegenĂŒber den Support-Gigs? Mehr Yetis, Maschinen und EisbĂ€ren?
Es wird einiges an Bekanntem geben, aber auch viel Neues. Von Fahrenheit, unser Live-Drummer, ist bereits dabei, die BĂŒhnendeko umzugestalten und neues zu bauen. Unsere Crew wird sich vergrĂ¶ĂŸern, weil die ganze Show noch aufwĂ€ndiger wird als bisher.

Wie sind fĂŒr Euch selbst die Erwartungen an die Headliner-Tour?
Wir hoffen eigentlich nur, dass genug Leute kommen, um eine schöne AtmosphĂ€re erreichen zu können. Es wĂ€re doch schade, wenn diese unter leeren Hallen leiden mĂŒsste. Aber der Vorverkauf lĂ€uft bereits ganz gut, sodass wir uns darĂŒber weniger Gedanken machen mĂŒssen.

Was wĂŒrdet Ihr selbst sagen, macht fĂŒr Euch eine gute Show aus?
Wenn wir eine tolle Party mit dem Publikum feiern konnten, bei der alle mitgemacht haben und zufrieden nach Hause gehen.

Ihr habt nun zwei Support-Acts mit dabei. Wonach habt Ihr diese ausgewÀhlt?
Nach der Art der Musik. evo-lution passt ganz gut zu unserem Stil und Scheuber sowieso, da ich ja selbst auch bei seinem Album ein wenig mitwirken durfte. Letzterer ist wohl auch kompatibel zu vielen unserer Fans der ersten Stunde, die uns bei den beiden PP-Touren fĂŒr sich entdeckt haben.

Bei Dirk Scheuber erwÀhntest Du gerade, dass Ihr Euch nicht nur von der Tour kennt, sondern auch am Abmischen seines Albums beteiligt wart. Welchen Anteil hat die Eisfabrik hier am Sound?
Scheubi hat fast alle Soundspuren selbst gemacht, wobei ich dann nach seinen Demo-Drums, neues Schlagwerk arrangiert habe und den Gesamtklang der Songs auf Vordermann gebracht habe.

Was denkt Ihr allgemein, wie die Special Guests vom Publikum aufgenommen werden?
Ich vermute, dass das ganz gut klappen wird. Wie grad schon gesagt, sind viele ja Fans aus dem PP-Lager, die mit Scheuber sicher sehr gut zurechtkommen und evo-lution sollte prinzipiell die gleiche Zielgruppe haben wie wir.

Nun haben wir ĂŒber die Tour und das Album gesprochen. Zum Schluss die Frage nach einem kurzen Ausblick: Wie wird es nach der Tour bei Eisfabrik weitergehen? Gibt es schon PlĂ€ne?
Wir arbeiten stĂ€ndig an neuen Songs und Ideen fĂŒr die Live-Umsetzung verschiedener Gimmicks und Spezialeffekte, sodass wir nie stehen bleiben oder einen Schnitt machen können. Nach der Tour ist vor der Tour…

Weblinks EISFABRIK:

Homepage: www.eismusik.de
Facebook: www.facebook.com/eisfabrikofficial
Twitter: www.twitter.com/EisfabrikMusic

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Bilder: Thomas Buchta