IN EXTREMO РKöln, Palladium (30.09.2016)

In Extremo, © Wolfgang Heisel
In Extremo, © Wolfgang Heisel
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Als ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Konzert von In Extremo war, spielten sie in einer winzigen Turnhalle, in einem winzigen √Ėrtchen im Hunsr√ľck. Die Karten haben damals 11 Mark gekostet und CDs wurden unter der Schulbank von Freund zu Freund gereicht. Heute f√ľllen In Extremo Hallen, die mindestens zehn Mal so gro√ü sind und geh√∂ren zu den kommerziell erfolgreichsten Bands Deutschlands. Es ist wie ein Treffen mit der Jugendliebe, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.

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Als ich die Halle betrete, wummern mir B√§sse von H√§matom schon entgegen. Die B√ľhne ist d√ľster, die Bandmitglieder sind maskiert und machen einen auf Scarecrow. Inhaltlich geht es bei H√§matom ganz sch√∂n politisch zu, nicht so richtig meine Welt, muss ich zugeben, aber eins wird ziemlich schnell klar: die alten Scheiben des Palladium werden heute Abend ganz sch√∂n scheppern. Der Sound ist laut und die B√§sse f√∂hnen die ersten Reihen ordentlich durch.

In Extremo, © Wolfgang Heisel

Gute Stimmung ist bei In Extremo garantiert

Eine Stunde sp√§ter gehen In Extremo auf die B√ľhne. Gleich zu Beginn fackeln sie den Titelsong ihres aktuellen Albums, Quid pro quo, raus. Damit scheinen sie quasi perfekt die Br√ľcke zu den Texten von H√§matom zu schlagen, was mich eher irritiert. In Extremo hatte ich nicht f√ľr ihre politischen √Ąu√üerungen in Erinnerung gehalten, aber vielleicht verschiebt sich meine Perspektive auch durch die Moritaten auf den deutschen Staat, die H√§matom eben noch rausgehauen hat. Vielleicht hat sich die alte Liebe in der Zwischenzeit auch ein paar Freunde angelacht, mit denen ich einfach nicht so viel anfangen kann.

Mit In Extremo ist es bei mir wie mit der Jugendliebe

Texte und Botschaften gehen an diesem Abend aber eher unter. Der Sound bleibt laut und bassl√§stig, der Gesang verschwindet oft und die Show von In Extremo tut das ihre, das ich nicht auf W√∂rter und Texte h√∂re. Bis der erste Song angestimmt wird, den ich noch aus dem letzten Jahrtausend kenne, dauert es nicht lange. Gleich als viertes hauen In Extremo Vollmond raus. Damals l√§utete Vollmond f√ľr mich den Ausstieg aus meiner In Extremo-Phase ein. Heute zieht mich der Song rein, ich vergesse meine √úberlegungen zu damals und heute und fange an die Show zu genie√üen, die, das muss man sagen, alles bietet, was man von In Extremo erwartet. Allem voran reichlich Pyro, die gerne auch, wie bei Roter Stern, die B√ľhne in das rote Licht von Signalfackeln taucht.

Gute eineinhalb Stunden und eine Zugabe sp√§ter ist die Show vor√ľber und die Fans zufrieden. Auf dem Heimweg denke ich noch einmal dar√ľber nach, wie das so ist mit den Jugendlieben. Es war ein sch√∂ner Abend. In Extremo und ich hatten Spa√ü. Ich habe viel von dem wiedererkannt, was ich fr√ľher an ihnen geliebt habe. Aber In Extremo ist nicht mehr die Band, die sie Ende der Neunziger waren. Das ist gut so. Ihre Fans lieben sie f√ľr all das, was sie seit dem geschrieben haben und ich finde vieles davon auch gut. Aber so richtig gut sind f√ľr mich, nach wie vor die ‚Äěguten alten Songs‚Äú wie Spielmannsfluch oder Ai Vis Lo Lop. Und eigentlich sollte es nicht verwundern, dass Titel √§lter als zehn Jahre in der aktuellen Setlist eher selten sind. Es ist eben wie bei der Jugendliebe, die man nach Jahren wieder trifft: So richtig gut sind die Gespr√§che vor allem, wenn es um die guten alten Zeiten geht.

Setlist IN EXTREMO @ Köln, Palladium (30.09.2016):
  1. Quid pro Quo
  2. Feuertaufe
  3. Zigeunerskat
  4. Vollmond
  5. Störtebeker
  6. Gaukler
  7. Unsichtbar
  8. Sängerkrieg
  9. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
  10. Rasend Herz
  11. Roter Stern
  12. Frei zu sein
  13. Spielmannsfluch
  14. Rotes Haar
  15. Ai Vis Lo Lop
  16. Sternhagelvoll
  17. K√ľss mich
  18. Black Raven
  19. Moonshiner
  20. Himmel und Hölle (Z)
  21. Erdbeermund (Z)
  22. Liam (Z)
  23. Belladonna (Z)
  24. Pikse Palve (Z)

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