DEAD KENNEDYS – Köln, Live Music Hall (21.10.2016)

Dead Kennedys, © Wolfgang Heisel
Dead Kennedys, © Wolfgang Heisel
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Es mag öfters vorkommen, dass jüngere und (vor allem) ältere Fans lauter, schneller Gitarrenmusik sich an einem Ort treffen, um gemeinsam musikalische Helden zu zelebrieren, sich zu betrinken und die „gute, alte Zeit“ wieder neu aufleben zu lassen. Dies kann verschiedene Gründe haben. Der offensichtlichste ist aber, wenn der Gig einer Band ansteht, die zwar lange nichts neues veröffentlicht, aber dennoch über genügend Songmaterial und einen ausreichenden Bekanntheitsgrad verfügt, um einen Abend lang die Punkrockherzen höher schlagen zu lassen – So geschehen am vergangenen Freitagabend: Die Urgesteine des amerikanischen Punkrocks Dead Kennedys gastierten in der Live Music Hall in Köln-Ehrenfeld. Unterstützt wurden die Kalifornier von dem großartigen Quartett Petrol Girls aus London. Auf Grund erschwerter Umstände (Erst ein überfüllter Zug, dann ein unterfüllter Magen!) war es dem Autor ärgerlicherweise aber leider nicht möglich, die Supportband des Abends genauer zu begutachten.

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Die EngländerInnen eröffneten den Abend scheinbar pünktlich um 19:30 Uhr. Im Nachhinein scheint es so, als wenn der Supportact sogar für etwas mehr Begeisterung beim Publikum sorgen konnte, als ihre amerikanischen Kollegen, aber dazu später mehr.

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Als der kalifornische Vierer rund um die Gründungsmitglieder East Bay Ray (Gitarre) und Klaus Flouride (Bass) die Bühne betrat, herrschte bereits eine ausgelassene Stimmung unter den alten und jungen Punks. Mit dem Opener Forward To Death und dem darauf folgendem Klassiker Police Truck wurde die Marschrichtung des Abends von den Dead Kennedys eindrucksvoll vorgegeben und der Moshpit feierlich eröffnet. Es wunderte wohl niemanden, dass die Hälfte des Sets aus Hits des Debütalbums Fresh Fruit For Rotting Vegetables bestand. Neben den beiden eben genannten Liedern durften natürlich auch solche legendären Stücke wie California Über Alles, Kill The Poor oder Nazi Punks Fuck Off nicht fehlen. Letzteres wurde von D.H. Peligro, dem dunkelhäutigen Drummer der Band, der an das Publikum zum Aufstehen gegen den aktuellen Rechtsruck in Europa und im eigenen Land (Stichwort: Trump) appellierte, angekündigt. Eigentlich seltsam, dass eine Punkrockband im Jahr 2016 noch immer stets betonen muss, wie wichtig der Protest gegen Rechts ist.

Zwischendurch wurden die Bandmitglieder einzeln vorgestellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte es auch den Letzten dämmern, dass da vorne am Mikrofon gar nicht Punk-Ikone Jello Biafra, sondern Ron Greer alias „Skip“ aktiv war. Dieser war vorher höchstens dadurch aufgefallen, dass er dem kölschen Publikum schlechte Englischskills attestierte –charmant, charmant. Allerdings machte er dies wieder dadurch wett, dass er den ersten paar Reihen des Publikums oft kurzweilig sein Mikrofon anbot und den Gesang einer anderen Person überließ. Schon eher die feine englische, äh, amerikanische Art.

Nach etwas mehr als einer Stunde verließen die vier erstmals die Bühne, um für Coverversionen von Sweet Home Alabama und Viva Las Vegas wieder aufzutauchen. Als sie im Anschluss erneut kurz verschwanden, um das Publikum in der ersten Reihe persönlich abzuklatschen, rundeten sie ihr Set mit den heiß erwarteten und oft gewünschten Songs Holiday In Cambodia und Chemical Warfare ab.

Eigentlich schien es blödsinnig darüber zu diskutieren, ob der große Mr. Biafra der Band bei ihrem Schaffen nun fehlt oder nicht – bis zu diesem Abend, an dem deutlich wurde, dass er es ja irgendwie tatsächlich schon so ein bisschen tut. Die Dead Kennedys konnten durch alte Hits nach wie vor begeistern. Nichtsdestotrotz scheint es, als ob – so blöd das auch klingen mag – ein Stück des Zaubers der Kalifornier durch den neuen, wenn auch durchaus charismatischen Sänger, verloren ging. Schade. Bleibt die Erkenntnis, sich unbedingt auch stets die Supportband anzuschauen, um vielleicht sogar am Ende des Abends ein bisschen schlauer zu sein.

Setlist DEAD KENNEDYS @ Köln, Live Music Hall (21.10.2016)
  1. Forward to Death
  2. Police Truck
  3. Kill the Poor
  4. Let’s Lynch the Landlord
  5. Too Drunk to Fuck
  6. Get Off The Web
  7. Rawhide
  8. California Über Alles
  9. Nazi Punks Fuck Off
  10. Moon Over Marin
  11. Bleed for Me
  12. Viva Las Vegas (z)
  13. Sweet Home Alabama(z)
  14. Holiday in Cambodia (zz)
  15. Chemical Warfare (zz)

Fotos: Wolfgang Heisel

Weblinks DEAD KENNEDYS:

Homepage: http://www.deadkennedys.com/
Facebook: https://www.facebook.com/deadkennedys

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