Interview: WALLIS BIRD

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Dahin zurück, wo alles angefangen hat. So in etwa das Motto der jüngsten Tour von Wallis Bird, die sie durch ausverkaufte kleine Clubs führte, obgleich sie auch größere Hallen locker hätte bespielen können. Aber die Idee war, einem treuen Kreis von Zuhörern das neue Album Home in Gänze vorzustellen und von den anderen Alben nur jeweils ein Stück. So auch in München, wo man im Milla spielte. Eine ungewohnte Situation, denn das Album war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht. Wir haben mit Wallis Bird im Rahmen der Show zwischen Soundcheck und Auftritt ein Gespräch über diese Tour, das neue Album, den Luxus von Auszeiten und mehr geführt.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Vor dieser Show hast Du bereits in Köln und Weinheim gespielt. Jetzt bist Du in München. Wie war es bisher?
Sehr gut. Klar, dass ich das sage. Aber es war sehr erfrischend, heiß, schwitzig, laut, emotional und sehr sehr schön. So gut, wie ich es mir erhofft habe.

Oh ja, ich hab das Schweiß-Bild aus Köln gesehen.
Oh mein Gott. Und gestern war es noch schlimmer. Das war ein Schwitzkasten.

Derzeit spielst Du sehr kleine Clubs, obwohl Du auch größere Hallen ausverkaufen könntest. Warum hast Du Dich diesmal für die kleinen Clubs entschieden?
Es ist schön, das ein bisschen entspannt zu halten, vor allem auch, weil wir das komplette neue Album spielen. Und es ist gut, da wir vor etwa zehn Jahren angefangen haben mit all dem. Da ist es wichtig, zurück zu den Orten zu kommen, wo wir angefangen haben.

Du hast hier also schon einmal gespielt?
Nein, hier bin ich das erste Mal, da die alte Location nicht mehr existiert. Aber es ist immer noch derselbe Promoter. Wir sind also nah dran.

In der Album-Info habe ich gelesen, dass Du in den letzten Jahren um die 600 Shows gespielt hast. Besteht da die Gefahr, dass das zu sehr zur Routine wird?
Absolut. Deshalb hab ich mir auch eine Auszeit von fast zwei Jahren genommen – um den Kopf freizukriegen und zu reflektieren. Das war sehr wichtig. Jetzt fühle ich mich wieder frisch, möchte das hier wieder machen und habe definitiv mehr Energie.

Du spielst diese Tour, aber das Album wurde noch nicht veröffentlicht. Wie fühlt sich das an, die Stücke zu spielen, obwohl das Publikum sie noch nicht kennt?
Das ist aufregend, da es so ist, als würde man seinen Stand-Up zum ersten Mal vor Publikum ausprobieren. Die Leute können sich ihr Urteil bilden. Die erste Emotion ist normalerweise die richtige. Das ist gut, da man ein gutes und realistisches Gespür dafür bekommt, wie das Album bei den Leuten ankommt.

Und wie waren die Reaktionen bisher?
Super. Viele Tränen. Das war überwältigend.

Tränen sind eine starke Emotion…
Ja… „Hör auf zu spielen, das ist scheiße!“ (lacht)

Ich hoffe, das war nicht die Art von Tränen, die Dir begegnete.
Nein, auf keinen Fall. Das war wirklich gut. Die Leute haben super Reaktionen gezeigt.

Wenn Du das Album betrachtest und mit dem vorherigen Studio-Album vergleichst: Was sind die großen Unterschiede? Was ist neu?
Es ist deutlich emotionaler. Ich habe mir mehr Zeit dafür genommen, bereits das macht es besser. Ich habe so lange daran gearbeitet wie zuletzt beim Debüt-Album.

Ich habe gelesen, dass es das erste Mal seit langem ist, dass Du nicht auf Tour geschrieben hast. Wie hat das die Arbeit und den Sound beeinflusst?
Das hat alles beeinflusst! Ich war zu Hause mit all meinem Equipment, hatte Zeit, konnte die Augen schließen und einfach für Stunden spielen. Ich hatte ganze Tage und Monate. Auf Tour hat man hier und da mal eine Stunde, muss sich aber auf die Tour konzentrieren und irgendwie versuchen, dabei normal zu bleiben. Das war diesmal ein Luxus, sich eine Auszeit zu nehmen.

Das Album heißt Home. Was bedeutet Dir der Begriff?
Das bedeutet, ganz bei mir zu sein. Das Gefühl, dass man endlich angekommen ist. Körperlich und geistig – Zeit, runterzukommen. Das ist eine emotionale Angelegenheit.

Ich habe mal Stücke aus dem Album ausgesucht. Eines ist Oh Dreams Oh Memories. Worum geht es hier?
Das ist über mich, wie ich jemanden darum bitte, mir eine Chance zu geben. Ich möchte Träume und Erinnerungen in ihren Kopf bringen. Ein verlorenes Gefühl, bei dem man gern den Mond anheulen würde.

Da ist auch Pass The Darkness. Ist da eine Dunkelheit, die Du durchlaufen hast? Ist es in irgendeiner Weise autobiographisch?
Es gibt viel Dunkelheit. Daher braucht man oft eine Menge Text, um das auszudrücken. Es geht um etwas Tiefes – auch darum, nicht zu reden, sondern auch Stille miteinander zu teilen.

Würdest Du generell sagen, dass es ein autobiographisches Album ist?
Durch und durch. Das sind ausschließlich Dinge, von denen ich weiß.

Dann ist da noch I Want It I Need It. Was ist es, das Du möchtest und brauchst?
Was denkst denn Du? Da geht es um Sex. Um all die schmutzigen Dinge. (lacht)

Wenn Du das Album wieder als Ganzes siehst: Wie sind Deine Erwartungen damit? Gibt es welche?
Einige Erwartungen habe ich bereits erreicht. Ich wollte mit dem Album zufrieden sein. Ich habe auch schon einige coole Reviews erhalten. Solche Sachen. Das habe ich mir gewünscht. Die Leute sollen es sich anhören und mögen.

Jetzt spielst Du die Tour vor dem Album, die große Tour folgt dann in 2017. Warum hast Du Dich entschieden, da so eine lange Zeit zwischenzulassen?
Da liegen noch andere Dinge zwischen. Ich bin eigentlich die ganze Zeit zwischen jetzt und Januar auf Tour. England, Irland, Australien… Eine Pause ist das also nicht wirklich.

Hast Du zwischendurch denn Zeit zur Erholung?
Zwei Tage… (lacht)

Was für ein Luxus…
Das ist schon recht heavy, aber ich bin bereit.

Wie ich gesehen habe, ist die nächste München-Show schon in fünf Monaten.
Zu dem Zeitpunkt haben hoffentlich auch mehr Leute das Album für sich entdeckt oder es Freunden vorgespielt. Die Leute sollen etwas Zeit haben. Ich denke, das ist wichtig.

Die Locations sind bei der Tour dann größer. Warum würdest Du sagen, sollte man definitiv kommen und Dich live anschauen?
Wenn Du gute Unterhaltung haben möchtest, kannst Du die ganze Familie einpacken und zur Show kommen.

Es ist also in Deinen Augen eine Show für die ganze Familie?
Ja, bei den letzten Shows habe ich Vierjährige und 94-Jährige gesehen. Es ist eine Show, die von Liebe handelt.

Würdest Du sagen, dass es so etwas wie ein spezifisches Wallis Bird-Publikum gibt?
Nein. Wenn es das gäbe, wäre das spezifische Publikum jeder. Wir haben Metalheads, Elektros, Kinder, Musikkritiker… Alle möglichen Leute sind hier und haben alle zusammen eine gute Zeit.

Hat sich das in Deinen Augen in den letzten Jahren verändert?
Nein, das war eigentlich immer so. Was ich auch überraschend finde.

Das war nur mein Eindruck. Als ich Dich zuletzt live sah, war es einige Monate nach der Tour mit Ina Müller. Da schien mir das Publikum breiter gefächert als zuvor.
Ja, Ina hat mir auch definitiv geholfen. Ich habe viel von ihr gelernt, wie man auf der Bühne so sein sollte.

Seid Ihr noch in Kontakt?
Hin und wieder schreiben wir mal eine E-Mail. Die Zeit vergeht so schnell…

Stimmt, ich glaube, das ist jetzt auch schon wieder vier Jahre her.
Das ist eine beängstigende Vorstellung, dass das schon vier Jahre her ist…

Das waren dann auch schon fast alle meine Fragen. Am Ende würde ich nur gerne wissen: Wir haben über das Album und die Tour gesprochen… Gibt es schon Pläne für das, was danach kommt?
Nein, da habe ich bisher keine Pläne. Ich bin erst einmal für ein Jahr auf Tour, vielleicht sogar das gesamte Jahr 2017. Danach hab ich bisher noch keine Pläne.

Weblinks WALLIS BIRD:

Homepage: www.wallisbird.com
Facebook: www.facebook.com/wallisbird
Twitter: www.twitter.com/wallisbird

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