DEAP VALLY – Femejism

Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Unsere Bewertung

10 Grrrl-Power-Faktor

10 Gesellschaftskritikfaktor

9 Artwork

Gesamteindruck

Nachdem das kalifornische Frauenduo Deap Vally 2013 mit dem Deb├╝talbum Sistronix bereits geh├Ârig f├╝r Furore sorgte, schie├čen sie nun mit Femejism den n├Ąchsten Knaller aus der H├╝fte.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wem die beiden noch kein Begriff sind: Man nehme The Pack A.D., PINS, Honeyblood, The Kills und eine Brise Breeders, gebe alles in eine wummernde Bass-Drum, r├╝hre einmal kr├Ąftig mit der Fender um und – et voil├á! – fertig ist die Deap Vally Quiche. Passend dazu sollten Yeah Yeah Yeahs Jahrgang 2003 gereicht werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Rock’n’Roll, Baby!

War Sistronix noch ein ungeschliffener, aber wegweisender und beeindruckender Rohdiamant, gestaltet sich der Nachfolger etwas weniger scharfkantig, aber daf├╝r deutlich wuchtiger und ausgereifter. Bedrohlich l├Ąutet Royal Jelly den Longplayer ein und klingt dabei wie eine rostige Schaufel, die die Gebeine der Gescheiterten auf Seite schafft:

If you wanna be Queen Bee
Then you better make honey
If you wanna be Miss Thing
Then you better start hustling

Friss (arbeite) oder stirb. Das gepfiffene Outro rundet den Track noch ab und vor dem inneren Auge festigt sich das Bild des ├╝berresteschaufelnden „Hausmeisters“, der unber├╝hrt seine Arbeit verrichtet. Das Video lie├č die Fans bereits seit November letzten Jahres auf das Nachfolgewerk hoffen, welches am 16.09. dann endlich sein Release feierte.

Als weitere Singleauskopplung mit Video wurde Smile More auserkoren, was mit eindeutigen Zeilen die Attit├╝de der beiden sehr sch├Ân auf den Punkt bringt:

And I am not ashamed of my mental state
And I am not ashamed of my body weight
And I am not ashamed of my rage
And I am not ashamed of my age
And I am not ashamed of my sex life
Although I wish it were better
I am not ashamed I am no one’s wife
Although the idea does sound kind of nice

Hier hat man einen musikgewordenen Mittelfinger, der freundlich l├Ąchelnd all denen hingehalten wird, die glauben, Menschen – inbesondere Frauen – sollten ihren festgefahrenen Idealvorstellungen entsprechen; eine Hymne f├╝r all die, die lieber beherzt in ihr Butterbrot bei├čen, weil sie keinen Bock auf Trennkost und Hungern aufgrund des gesellschaftlichen Drucks haben und einen Leitfaden f├╝r junge Frauen, die starke Vorbilder brauchen.

Als weiterer herausragender Track erweist sich Post Funk, das eine extrem tanzbare Unruhe verspr├╝ht und auf der Autobahn das Bed├╝rfnis weckt, das Gaspedal durchzutreten. Je nach Motorisierung kann das mal mehr, mal weniger spektakul├Ąr umgesetzt werden, aber es geht ja schlie├člich um das Gef├╝hl der Freiheit. Nicht minder energiegeladen und mitrei├čend schlie├čt sich Two Seat Bike an, das einem direkt mit einem klassischen „Shooh bee dooh bee dooh, Rama Lama Ding Dong“ in die Geh├Ârg├Ąnge poltert.

W├Ąhrend in Little Baby Beauty Queen die fanatischen M├╝tter ihr Fett webgekommen, die ihre T├Âchter bereits im fr├╝hen Kindesalter mit kiloweise Makeup beladen, um sie bei Sch├Ânheitswettbewerben vorzuf├╝hren, richtet sich Teenage Queen an den Klischee jeder amerikanischen High School: das oberfl├Ąchliche High-Society Alphaweibchen, das sich zur Marionette seines Beliebtheitsgrades macht und dieser Rolle nicht entw├Ąchst. Dabei dienen Snapchat, Sex and Cigarettes als Sinnbilder f├╝r Schnelllebigkeit, die den einzigen Inhalt dieser trostlosen Leben darstellen.

Der Titel Femejism [Kombination aus Feminism und Jizz] vermag ja schon anzudeuten, was Lindsey Troy (Git, Voc) und Julie Edwards (Dr, Voc) auf diesem Album besch├Ąftigt: Die noch immer sehr gegenw├Ąrtige weibliche Resignation, „den eigenen Mann zu stehen“ (├Ąhem) und sich von den altbackenen Geschlechterrollen und den daran gekn├╝pften „Solls“ zu l├Âsen. Es ist eine Kampfansage an eine Kritik, die – mal bewusst, mal unbewusst, aber stets manipulativ und unabl├Ąssig – auf Frauen einstr├Âmt und irgendwelche Utopien wie ewige Jugend und Sch├Ânheit als oberstes Gut verkauft, an dem man seinen „Wert“ misst.

Deap Vally zeigen in guter alter Riot Grrrl-Manier, dass es auch anders geht: Sie sind laut, sie geben keinen Fick┬áund ihre Butterschicht ist dicker als das Brot. Einfach, weil sie es k├Ânnen.

Tracklist DEAP VALLY – Femejism:

01. Royal Jelly
02. Julian
03. Gonnawanna
04. Little Baby Beauty Queen
05. Smile More
06. Critic
07. Post Funk
08. Two Seat Bike
09. Bubble Baby
10. Teenage Queen
11. Grunge Bond
12. Turn It Off
13. Heart Is An Animal

Weblinks DEAP VALLY:

Homepage: www.deapvally.com
Facebook: www.facebook.com/deapvally
Twitter: www.twitter.com/DeapVally

Femejism

Preis: EUR 14,99

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