Interview: DIORAMA

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Vor wenigen Tagen erhielt Zero Soldier Army, das neue Album von Diorama, in unserer Rezension 10 von 10 möglichen Punkten. Ein Album also, das es in sich hat. Und ein Album, mit dem man sich gerne genauer auseinandersetzt. So nutzten wir die Gelegenheit, mit Diorama-Mastermind Torben Wendt einige Tage vor dem Album einen Schwung Fragen zu stellen, die er uns gerne per Mail beantwortete. Im Mittelpunkt stand dabei natĂŒrlich die Zero Soldier Army – der Weg zum Album, der Sound, die Inhalte… Aber auch das Live-Spielen, die Konzerte mit Diary Of Dreams und weitere Themen fanden dabei BerĂŒcksichtigung. Viel Spaß mit dem vorliegenden Interview!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Das neue Album steht jetzt in den Startlöchern. Über drei Jahre sind seit dem VorgĂ€nger vergangen. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Wir konnten viele Auftritte bei Konzerten und Festivals spielen. Es hat auch eine gewisse Zeit gedauert, bis wir fĂŒr die Produktion des aktuellen Albums einerseits die Ideen, andererseits den roten Faden gefunden hatten.

Wie wĂŒrdest Du die Unterschiede im Sound beschreiben im Gegensatz zu Even The Devil Doesn’t Care? Was ist neu, was ist anders?
Der Sound ist elektronischer, wuchtiger, kommt klarer auf den Punkt. Bei der Produktion des letzten Albums waren die akkustischen Elemente tragender, der Charakter war bandmĂ€ĂŸiger.

Der erste Blick geht oft auf den Titel. So auch diesmal. Warum heißt das Album Zero Soldier Army? Wie hat man sich eine solche vorzustellen?
Der Begriff steht fĂŒr eine Form der Gegenwehr, die nicht schlagkrĂ€ftig und daher eigentlich unbrauchbar ist, aber dennoch eine Gegenwehr, immerhin. FĂŒr uns ein passender Begriff fĂŒr die Machtlosigkeit und gleichzeitig Wut angesichts der zunehmend fanatisierten globalen Gemengelage, andererseits auch ganz persönlich als Symbol fĂŒr die eigene StĂ€rke und SchwĂ€che.

Laut Album-Info ist das Album eine Mischung aus Dark Electro, Indie und Progressive Rock. WĂŒrdest Du diese Elemente auch auf dem Album sehen?
Ich wĂŒrde der Band EinflĂŒsse aus den genannten Richtungen zuschreiben, ja. Generell tue ich mich schwer damit, Diorama einem bestimmten Genre zuzuordnen oder als Cocktail zu definieren. Ich tue es trotzdem manchmal und meist kommt wenig aussagefĂ€higer verbaler Murks dabei heraus.

Ich habe ein paar StĂŒcke vom Album ausgewĂ€hlt, ĂŒber die ich gerne sprechen wĂŒrde. Eines ist Defcon. Worum geht es hier?
Betrug, Selbstbetrug, eine unmögliche Liebe, AbhÀngigkeit, alles eher schemenhaft und in Bildern.

Sehr interessant fand ich auch Polaroids. Worum geht es hier, was fasziniert Dich an Polaroids?
Polaroids sind ein Symbol fĂŒr das Festhalten an Erinnerungen, den unmöglichen Versuch, Momente einzufangen und zu konservieren. Ein Inkaufnehmen und trotzdem ein Aufbegehren gegen die VergĂ€nglichkeit. Das StĂŒck adressiert die Sehnsucht nach einem unwiederbringlichen GefĂŒhl, daher war dieses Bild naheliegend.

Dann ist da Comfort Zone. Wie definiert sich diese? Und sollte jeder so etwas wie eine Comfort Zone haben?
Das Konzept der Comfort Zone dĂŒrfte etwas mit sozial antrainierten Normen, kognitiver Dissonanz und Ängsten zu tun haben. Aber mir geht es nicht um psychologisches Halbwissen, sondern um das Eindringen in die Komfortzone einer anderen Person im Sinne von (zu) nahe kommen, kurzfristig und unberechenbar. Verwirrung stiften, GefĂŒhle wecken und dann nichts wie weg. Leere.

Das Album endet mit Stay Undecided. Warum sollte man unentschlossen bleiben?
Vielleicht, um sich möglichst lang möglichst viele Wege offen zu halten. Ich weiß es nicht, ich bin was Lebensweisheiten angeht kein besonders belastbares Vorbild.

Wenn Du das Album wieder als Ganzes betrachtest: Wie ist die Erwartungshaltung damit?
Ich freue mich vor allem darauf, die neuen Songs auf der BĂŒhne prĂ€sentieren zu können. Vielleicht kauft das Album ja auch wer.

Nach dem großen Erfolg des vorigen Albums: SpĂŒrt man da irgendwelchen Druck, diesen zu wiederholen?
Nein. Wir entwickeln uns weiter. Ich spĂŒre keinen Druck, irgendetwas zu wiederholen.

Es sind jetzt noch wenige Tage bis zur Veröffentlichung. Wie fĂŒhlt sich das an, wenn man ja eigentlich lĂ€ngst fertig ist mit dem Album, aber die Veröffentlichung noch bevor steht?
Das ist schon witzig. Noch ein paar Tage haben wir die Songs nur fĂŒr uns allein, dann gehören sie allen.

Ihr habt nun teils schon die StĂŒcke live prĂ€sentiert, unter anderem in Hildesheim beim M’era Luna Festival. Wie hat das Publikum bisher auf die StĂŒcke reagiert?
FĂŒr den vorab ausgekoppelten Videosong ZSA und die Pianoversion von Polaroids haben wir viel Anerkennung erfahren. Die Reaktionen zur Live Umsetzung werden sich denke ich bei den nĂ€chsten Konzerten erst richtig zeigen.

Nun wirst Du mit dem Album auch in KĂŒrze auf Tour gehen. Dabei sind drei Konzerte gemeinsam mit Diary of Dreams. Wie kam es dazu, mal wieder gemeinsam auf Tour zu gehen?
Wir wollten das schon lange machen, da das Ganze nicht nur musikalisch sondern auch persönlich gut fĂŒr uns funktioniert, und haben nur auf das richtige Zeitfenster gewartet.

Da dieses Doppel ja recht beliebt ist, fragt man sich natĂŒrlich auf der anderen Seite: Warum sind es nur drei Termine?
Mal sehen, ob im nÀchsten Jahr weitere Termine folgen. Vielleicht ist es ein Grundstein. Ich zumindest kann mir das sehr gut vorstellen.

Zudem sind auch noch zwei Shows in Russland auf dem Plan. Wie gut werden Diorama in Russland angenommen? Was ist dort anders als hier?
Wir spielen liebend gerne in Russland. Wir treffen dort immer wieder auf ein Publikum, welches sehr eng mit unserer Musik und unseren Texten verbunden ist und bei den Konzerten unglaublich viel Energie und Euphorie reflektiert.

Wieso sollte man generell unbedingt kommen, um Euch live zu sehen? Auch, wenn man evtl. sogar schon mal bei einer Show war?
Man sollte abends nicht auf dem Sofa festkleben und Bullshit Fernsehen schauen. Das ist der lebende Tod. Ein Konzert ist immer eine Reise wert und gibt neue Inspiration.

Andersrum betrachtet: Wie muss es fĂŒr Dich laufen, damit Ihr hinterher sagt: „Wow, das war eine tolle Show“?
Im Zusammenspiel mit dem Publikum kann es gelingen, dass der Kampf gegen die inneren WindmĂŒhlenflĂŒgel und DĂ€monen wenigstens fĂŒr kurze Momente pausiert, dass die Musik die Kontrolle ĂŒbernimmt und man einfach glĂŒcklich ist. Das ist toll. Hilfreich ist auch, wenn möglichst wenig schiefgeht, was bei uns bekanntlich nicht immer der Fall ist.

Das war es von mir soweit mit Fragen. Wo wir nun ĂŒber das Album und die Shows gesprochen haben… Gibt es schon PlĂ€ne im Hause Diorama, die darĂŒber hinausgehen?
Jede Menge Wunschziele auf der Landkarte fĂŒr Konzertreisen. Und die Idee einer Akustikproduktion.

Weblink DIORAMA:

Homepage: www.diorama-music.com

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