MINISTRY – Köln, Essigfabrik (06.08.2016)

Ministry, © Michael Gamon
Ministry, © Michael Gamon
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Ein letztes Album. Und noch ein letzteres letztes Album. Und drei Jahre danach noch ein letztereres letzteres letztes Album. Und dann ein Album unter einem anderen Projektnamen, welches aber zur Hälfte genau so klingt wie die Hauptband. Und noch eine letzte Tour. Und noch eine letztere… nein, jetzt mal im Ernst: Solange Al Jourgensen nicht das Zeitliche segnet, geht es mit Ministry sowieso immer weiter. Ganz sicher. Präsentiert sich die Industrial-Metal-Dampframme aus Chicago, Illinois dann auch noch so wie an diesem Samstagabend in der Essigfabrik, darf die so wilde, nunmehr 32-jährige Reise auch gerne noch ein wenig weitergehen.

Doch zunächst blieb es vor den Toren der Deutzer Location voller als in der Halle selbst. Dabei hätten Geist durchaus mehr Publikum verdient gehabt. Der anspruchsvolle Prog-/Alternativ-Rock-Sound der Kölner gefiel durch Abwechslungsreichtum, Dynamik und die prägnante, mit Wiedererkennungswert behangene Stimme von Fares Rahmun. Nur passten Geist stilistisch einfach mal überhaupt nicht zum Publikum, welches vorwiegend mit Ministry-, Fear Factory-, KMFDM- oder Die Krupps-Shirts ausgestattet war und in erster Linie die Matte schwingen lassen wollte. Nach 30 interessanten Minuten und einem Höflichkeitsapplaus machten Rahmun und Band die Bühne frei.

Um kurz nach 21:00 Uhr betrat dann der Hauptact des Abends eben jene Stage. Und dies nun auch mal ohne die vor allem von Fotografen gefürchteten Zaunkonstruktionen der Vergangenheit.

„Big Al“ mag noch immer keine Republikaner

Gefürchtet wird auch von vielen eine Wahl von Donald Trump als künftigem US-Präsident. Kein Wunder also, dass Jourgensen dem 70-Jährigen viel Platz in den Videoprojektionen zum noch recht frischen Opener-Triple Hail To His Majesty, Punch In The Face und PermaWar einräumte, gilt der Ministry-Mastermind doch bekanntlich als einer der größten musikalisch aktiven Republikaner-Hasser.

So richtig überkochen wollte die Stimmung in der nun gut gefüllten Halle aber noch nicht. Dies änderte sich erst mit den älteren Songs, die nun in fast chronologischer Reihenfolge aus den Boxen donnerten. Rio Grande Blood, LiesLiesLies, Just One Fix, N.W.O und dann sogar die seit den frühen 90ern nicht mehr gespielten The Missing, Deity und Stigmata von der The Land Of Rape And Honey-LP – das Quintett feuerte einen altgeliebten Kracher nach dem nächsten heraus. Auch der Frontmann, der sich durch jahrzehntelangen exzessiven Drogenkonsum mehrmals an den Rande des Exitus‘ begab, wirkte fit und sicher in Stimme wie Text.

Das war aber noch nicht alles. Der Titeltrack des 1992er-Durchbruchalbums Psalm 69 folgte auf eine kurze Pause, zum einmal mehr auf fast zehn Minuten gezogenen So What wurde dann noch einmal wild herum gesprungen, bevor das eher atmosphärisch angelegte Khyber Pass das Set nach knapp anderthalb Stunden beendete.

Aber: Einer ging noch – dieser stammte allerdings vom Debütalbum des Nebenprojekts Surgical Meth Machine. Mit Gates Of Steel (im Original von Devo) und einigen weiteren vom Band abgespielten Tracks der experimentell angelegten zweiten Albumhälfte à la I’m Invisible machte Jourgensen noch ein wenig Werbung in eigener Sache. Es soll ihm nach einem derartig mitreißenden Gig vergönnt sein.

Setlist MINISTRY @ Köln, Essigfabrik (06.08.2016):

01. Hail To His Majesty
02. Punch In The Face
03. PermaWar
04. Rio Grande Blood
05. Senor Peligro
06. LiesLiesLies
07. Waiting
08. N.W.O.
09. Just One Fix
10. The Missing
11. Deity
12. Thieves
13. Stigmata
14. Psalm 69 (Z)
15. So What (Z)
16. Khyber Pass (Z)
17. Gates Of Steel (Devo Cover) (ZZ)

Fotos: Michael Gamon

Weblinks MINISTRY:

Homepage: www.alfuckingjourgensen.com
Facebook: www.facebook.com/Ministry

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