M’ERA LUNA FESTIVAL 2016, Tag 2 – Hildesheim, Flughafen Drispenstedt (14.08.2016)

IAMX, © Dietmar Grabs
IAMX, © Dietmar Grabs
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Eine Mütze Schlaf später ging es dann auch schon weiter. Aufgestanden, frisch gemacht, den Kaffee ausgetrunken und es war an der Zeit, wieder den Weg aufs Gelände anzutreten. Das Wetter zeigte sich erneut von seiner besten Seite, in den Gesichtern stand zwar teilweise die Müdigkeit, vor allem aber war die Vorfreude auch auf den zweiten Tag groß.

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Auf der Main Stage eröffneten Essence Of Mind den Tag, für viele eine Überraschung allerdings waren Me The Tiger im Hangar. Schon allein die Tatsache, am Festivalsonntag um 11:20 Uhr den Hangar so gut zu füllen, spricht für sich. Ihn dann auch noch so gut in Bewegung zu bringen, ist indes eine herausragende Leistung. Das schwedische Trio um Tobias Andersson, Jonas Martinsson und Sängerin Gabriella Åström präsentierte eingängig-tanzbaren Elektropop mit einer angenehmen Stimme und konnte auch diejenigen begeistern, die entweder mitgenommen wurden oder einfach aus Neugierde kamen. Wie schade dabei, dass nur 20 Minuten zur Verfügung standen. So war nach dem vierten Stück What Promises Are Worth schon Schluss. Um den Titel aufzugreifen: Wer sich von Me The Tiger einen starken Auftritt versprochen hat, der wurde definitiv nicht enttäuscht.

Setlist ME THE TIGER @ M’era Luna Festival 2016
01. Pocket Sized Edition Ending
02. As We Really Are
03. Ariana
04. What Promises Are Worth

Stand der nicht gerade eben schon auf der Bühne? So in etwa der Gedanke, als Erk Aicrag um 12:05 Uhr die Bühne im Hangar betrat, nachdem draußen gerade Aeverium ihr Set beendet hatten. Diesmal nicht mit Hocico, sondern mit seiner anderen Band Rabia Sorda. Jetzt präsentierte er seine rockige Seite – mit enthaltener elektronischer Prägung – und zeigte, dass auch diese ihm gut zu Gesicht steht. Die halbe Stunde verging folglich wie im Flug, Nummern wie Radio Paranoia und Out Of Control rockten das Publikum gut durch, spätestens jetzt war die letzte Müdigkeit verflogen. Hotel Suicide beendete dann einen kurzweiligen Auftritt.

Setlist RABIA SORDA @ M’era Luna Festival 2016
01. King Of the Wasteland
02. Radio Paranoia
03. Obey Me! (Promises of Monsters)
04. Deaf
05. I’m Tragedy
06. Out of Control
07. Hotel Suicide

Im Hangar war Umbaupause für Heldmaschine, auf der großen Bühne waren bereits Agent Side Grinder im vollen Gange. Die Schweden spielten ihren ur-eigenen Elektro, der Reminiszenzen an frühere Tage des Elektro enthält, aber dennoch zeitgemäß bleibt dabei. New Wave mit unbequemer Note, Synthpop, mal kühler, mal cooler, manchmal auch mit wärmer anmutenden Melodien und dabei immer sehr eingängig. Von vielen bereits im Vorfeld als Geheimtipp gehandelt, wurden sie den Erwartungen hier mehr als gerecht. 35 Minuten bester Unterhaltung waren es, die hoffen lassen, dass man das „Geheim-“ aus dem Geheimtipp bald streichen können wird.

Setlist AGENT SIDE GRINDER @ M’era Luna Festival 2016
01. Into the Wild
02. Look Within
03. Giants Fall
04. Mag 7
05. This is Us
06. Wolf Hour
07. Die to Live

Es folgte ein musikalischer Bruch, es wurde rockig mit klassischen Motiven. Mit Letzte Instanz kam eine Band, die auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann – das zeigt schon allein die Tatsache, dass nur noch ein Mitglied aus der Gründungsbesetzung mit dabei ist. Aber eingespielt ist die Band auch in der jetzigen Besetzung, was Stücke wie Wir sind eins gut zeigen konnten. Klassische Instrumente wie Streicher trafen auf Rock-Besetzung und vereinten sich zu einem hymnischen Ganzen. Mal schneller, mal ruhiger, auch mal mit Mut zum Gitarrensolo gelang es der Band hier, das Publikum mitzuziehen, bei Finsternis wurde beispielsweise auch munter mitgesungen.

Setlist LETZTE INSTANZ @ M’era Luna Festival 2016
01. Flucht ins Glück
02. Wir sind eins
03. Blind
04. Der Garten
05. Tränen aus Stein
06. Komm
07. Finsternis
08. Wir sind allein

Im Hangar begann das Elektro-Brett nun mit Centhron, draußen machte sich eine Band bereit, die man sonst eher als Headliner im Hangar gewohnt war: Andy LaPlegua legte mit Combichrist los wie die Feuerwehr. Eröffnet mit Slakt spielten sie ein sehr Rock-orientiertes Set, bei dem man nicht denken würde, dass die Band ursprünglich sehr elektronisch unterwegs war. Aber auch dieses Gesicht steht der Band sehr gut, was auch Stücke wie Get Your Body Beat gut zeigen konnten. Ein energiegeladenes Set durch und durch, bei dem alle Beteiligten alles gaben, Bewegung auf und vor der Bühne, das konnte sich sehr gut sehen und hören lassen.

Setlist COMBICHRIST @ M’era Luna Festival 2016
01. Slakt
02. Skullcrusher
03. Can’t Control
04. Throat Full of Glass
05. No Redemption
06. Get Your Body Beat
07. Blut Royale
08. My Life My Rules
09. Maggots at the Party

Während Elektro-Freunde weiterhin im Hangar feiern konnten – Beborn Beton waren an der Reihe – gab es draußen einen erneuten musikalischen Kontrast, denn der Pagan Folk von Faun war an der Tagesordnung. Mit allerhand mittelalterlichem Instrumentarium, wie der von Bandkopf Oliver Pade gespielten Nyckelharpa, spielte die Band vor allem bekanntes Material, gab mit der neuen Version von Alba aber auch einen Ausblick auf das Album Midgard, für das das Publikum laut Bandaussage eine Woche zu früh gekommen sei. Gut gelaunt spielte die Band ihre mittelalterlichen Melodien, was man auch in den Ansagen zu den Stücken merken konnte. Faun erzählen eben Geschichten – und haben Humor, wie beispielsweise in einer Ansage, wo es hieß „früher hat man damit Leute gequält, heute nennt man das Kunst“. Ein Highlight des Festival-Tages!

Setlist FAUN @ M’era Luna Festival 2016
01. Wind & Geige
02. Alba
03. Walpurgisnacht
04. Blaue Stunde
05. Pearl
06. Rhiannon
07. Wenn wir uns wiedersehen

Ein ersehntes Comeback folgte direkt im Anschluss im Hangar, denn die Schweden von S.P.O.C.K gaben sich das erste Mal seit 2001 wieder auf dem Festival die Ehre. Synthiepop meets Science Fiction und Star Trek – und wurde dabei vermisst, dann das wurde von den ersten Tönen an deutlich. Selbst hartgesottene EBM-Hörer gehen hier dankbar mit, wenn Geschichten von Dr. McCoy, Astrogirl und co. zum Besten gegeben werden. Ein Set mit hoher Hitdichte, der Feststellung, dass das irgendwie alles schon ganz schön lange her ist und der viel erfreulicheren Feststellung, dass das immer noch eine Menge Spaß bereitet. Elektro-Spaß auf hohem Niveau, der bis zum finalen Hit Never Trust a Klingon nicht abreißen wollte.

Setlist S.P.O.C.K @ M’era Luna Festival 2016
01. Borg
02. E.T. Phone Home
03. Dr. McCoy
04. Astrogirl
05. Not Human
06. Astrogirl’s Secret
07. In Space No One Can Hear You Scream
08. Out There
09. Speed of Light
10. Never Trust a Klingon

Draußen präsentierten Lord Of The Lost mit Ensemble ihre Stücke im anderen Gewand, drinnen im Hangar war es wieder einer dieser „ist das schon wieder lange her“-Momente. Man erinnerte sich zurück an das Jahr 2000, das erste M’era Luna-Festival: Zeromancer eröffneten damals um 11:20 Uhr das Festival im Hangar. Die Frische haben sie sich in ihren Sounds bewahrt. Eröffnet mit Auf Wiedersehen Boy spielten sie sich durch ihre lange Laufbahn und es kam keine Phase zu kurz. Auch die erste Single Clone Your Lover war mit im Gepäck, ruhige Momente waren dank Cupola vertreten, bis hin zu Dr. Online als letztem und auch gefeiertstem Titel gab es keinen Grund zur Klage.

Setlist ZEROMANCER @ M’era Luna Festival 2016
01. Auf Wiedersehen Boy
02. Need You Like A Drug
03. Clone Your Lover
04. Sinners International
05. Something For The Pain
06. Neo Geisha
07. Cupola
08. Fade To Black
09. Hate Alphabet
10. Ammonite
11. Dr. Online

Im Hangar wurde nun umgebaut für Suicide Commando, auf der Main Stage waren noch Eisbrecher zugange, bevor auch hier die Umbaupause folgte. In Extremo traten als Co-Headliner an und vor allem die Mittelalter-Fans waren verzückt. Inzwischen seit 20 Jahren dabei und mit dem letzten Album auf der Eins gechartet – das ist schließlich etwas, das als Band erst einmal gelingen muss. Das Set: Eine Stunde lang quer durch das Repertoire, wobei natürlich Nummern wie Vollmond, Küss mich oder auch Spielmannsfluch wie erwartet gefeiert worden. Und eben das war es auch: das Set, das man erwarten konnte. Klar, ein Festival ist sicherlich auch der falsche Platz für Experimente. Wer In Extremo mag, hatte auch an diesem Auftritt große Freude.

Setlist IN EXTREMO @ M’era Luna Festival 2016
01. Rasend Herz
02. Feuertaufe
03. Zigeunerskat
04. Vollmond
05. Störtebeker
06. Nur ihr allein
07. Quid pro Quo
08. Sternhagelvoll
09. Sängerkrieg
10. Frei zu sein
11. Küss mich
12. Spielmannsfluch
13. Liam
14. Moonshiner

Im Hangar war es nun an der Zeit für den Headliner des Abends – Chris Corner hat mit IAMX diesen Job übernommen und zeigte eine Stunde lang, dass er ihn sich durch und durch verdient hat. Schon beim Opener I Come With Knives war der Hangar nicht nur gut gefüllt, sondern auch voller strahlender Gesichter und die Zuschauer gingen ordentlich mit bei dem, was sie geboten bekamen. Mit Videoprojektionen, guter Lichtshow und vor allem Bühnenshow konnte die Band überzeugen. Man war überrascht, wie viele bekannte Stücke inzwischen dabei sind, Titel wie Spit It Out konnten nach wie vor überzeugen. Zum Finale dann noch einmal ein ganz großer Sprung zurück zum Debüt-Album mit dessen titelgebendem Kiss & Swallow, das noch einmal gemeinsam gefeiert wurde.

Setlist IAMX @ M’era Luna Festival 2016
01. I Come With Knives
02. The Alternative
03. Happiness
04. No Maker Made Me
05. Oh Cruel Darkness Embrace Me
06. Spit It Out
07. Nightlife
08. Northstar
09. Aphrodisiac
10. Your Joy Is My Low
11. Kiss & Swallow

Auch draußen war inzwischen der Headliner an der Reihe. Die niederländischen Symphonic Metal-Heroen von Within Temptation zeigten, dass sie sich diese Rolle über die Jahre verdient haben. Schon allein die Tatsache, einen Hit wie Ice Queen als Opener spielen zu können, belegt es. Die 75 Minuten des Sets legten gut Zeugnis davon ab, wie sich die Band über all die Jahre auf konstant hohem Niveau bewegt: Auch Stücke wie Faster und In the Middle of the Night konnten durch und durch überzeugen, das aktuelle Album Hydra hat sich ebenso gut ins Set eingefügt. Zudem bot der Auftritt dann auch noch die eine oder andere Überraschung. Damit soll gar nicht mal nur das Black Sabbath Cover von Black Sabbath gemeint sein, sondern vor allem die Gastauftritte. Zum einen zeigte sich bei Candles Robert Westerholt mal wieder auf der Bühne, vor allem aber überraschte Tarja, die bei Paradise (What About Us?) die Bühne betrat, sodass das Stück wie auf den Alben der beiden als Duett gesungen werden konnte. Ein Gipfeltreffen des Symphonic Metal! Aber auch danach ging es noch gut weiter bei den Niederländern, denn Mother Earth konnte ebenfalls nach wie vor überzeugen, bevor man für zwei Stücke Zugabe noch einmal kam und mit Covered By Roses nicht nur eine sehr starke Show, sondern auch das Festival mit beendete.

Das war es dann auch schon wieder. Nach einem erfüllenden Festival-Wochenende in Hildesheim konnte man zufrieden die Heimreise antreten. Aber nicht, ohne sich schon einmal den 12. und 13. August 2017 zu notieren, denn dann steht die nächste Ausgabe an!

Setlist WITHIN TEMPTATION @ M’era Luna Festival 2016
01. Ice Queen
02. Caged
03. Faster
04. In the Middle of the Night
05. Black Sabbath (Black Sabbath Cover)
06. The Heart of Everything
07. Sinéad
08. Candles (mit Robert Westerholt)
09. Stand My Ground
10. Paradise (What About Us?) (mit Tarja)
11. Mother Earth
12. What Have You Done (Z)
13. Covered By Roses (Z)

Fotos: Dietmar Grabs