M’ERA LUNA FESTIVAL 2016, Tag 1 – Hildesheim, Flughafen Drispenstedt (13.08.2016)

Besucher M'era Luna, © Dietmar Grabs
Besucher M'era Luna, © Dietmar Grabs
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Es war wieder einmal soweit. Die Vorfreude war bereits bis an den Anschlag gestiegen, die Tasche gepackt, es konnte losgehen Richtung Hildesheim. Bei der Ankunft gab es zunächst Irritationen, da in diesem Jahr das Gelände etwas anders angeordnet war als sonst – verlegte Parkplätze, andere Eingänge… Aber am Ende fand schließlich doch jeder seinen Platz und seine Leute, sodass dem Festivalvergnügen nicht mehr viel im Weg stand.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Nachdem man am Freitag zunächst noch im Regen die Zelte aufbaute und die Zeit intensiv nutzen konnte, Freunde zu treffen, stand mit den Lesungen von Luci van Org, Markus Heitz und Christian von Aster auch bereits erstes Programm an, bevor man am Samstag auch mit den Bands in die Vollen startete.

Die Main Stage startete mit Shaårgshot und Erdling, während auf der Hangar Stage Gothic Rock mit Vlad in Tears und den folgenden A Life Divided auf dem Programm stand. Bei letzeren beeindruckend: Wir befanden uns gerade zwischen 12:10 Uhr und 12:50 Uhr, als der Hangar bereits das erste Mal fast „voll“ meldete. Man merkte eindeutig, dass A Life Divided sich inzwischen etabliert haben. Gothic Rock mit Ecken und Kanten, aber umso mehr Melodie, der dankend angenommen wurde vom Publikum. Stücke wie The most beautiful black und Doesn’t Count konnten überzeugen. Große Überraschung dann bei Perpetual: Das VNV Nation-Cover wurde nicht nur gecovert, zum Ende hin gesellte sich auf einmal Ronan Harris persönlich dazu und sang selbst mit. Ein frühes Highlight, nach dem A Life Divided mit The Last Dance und Heart on Fire unter Applaus die Bühne verließen.

Setlist A LIFE DIVIDED @ M’era Luna Festival 2016
01. Burst
02. The most beautiful black
03. Doesn’t Count
04. Drive
05. The Lost
06. Perpetual (mit Ronan Harris)
07. The Last Dance
08. Heart on Fire

Ging man dann raus in die heiße Mittagssonne, so war auch auf der Hauptbühne aktuell Gothic Rock auf dem Programm – mit leicht metallischem Einschlag. Gothminister gaben sich die Ehre und zeigten erneut, dass es sich lohnt, beim M’era Luna Festival bereits frühzeitig die Zelte zu verlassen und in Richtung Gelände zu steuern. 40 Minuten lang konnten sie für beste dunkle Unterhaltung sorgen, bei der bereits von den ersten Tönen an bereitwillig mitgeklatscht wurde und auch der Unterhaltungsaspekt nicht zu kurz kam. Alles begegnete sehr stimmig und auch im Sonnenschein konnte diese dunkle Art der Unterhaltung überzeugen.

Setlist GOTHMINISTER @ M’era Luna Festival 2016
01. Someone Is After Me
02. Stonehenge
03. Beauty After Midnight
04. Dusk Till Dawn
05. Up
06. Liar
07. Monsters
08. Darkside
09. Utopia

Hart sollte es auch weitergehen auf der großen Bühne – diesmal im Bereich der Neuen Deutschen Härte. Während die Elektro-Freunde „nebenan“ Chrom sahen, brachten sich draußen Stahlmann in Position, die mit Feindflug dann auch gleich zu Beginn in die Vollen gegangen. Harte Gitarrenriffs trafen auf Tempo und einen mitreißenden Chorus. Die zur Verfügung stehenden 40 Minuten füllte man in der Folge mit einem Querschnitt durch die Alben der Band, bei denen Fokus auf die Hits gelegt wurde. Bei überwiegend hartem Tempo begegnete Engel der Dunkelheit in der Mitte als atmosphärischer Kontrastpunkt, das folgende Der Schmied brachte wieder das Tempo zurück. Als mit Süchtig der Schlusspunkt gesetzt war, konnte man in viele zufriedene Gesichter im Publikum schauen.

Setlist STAHLMANN @ M’era Luna Festival 2016
01. Feindflug
02. Stahlmann
03. Schwarz
04. Engel der Dunkelheit
05. Der Schmied
06. Plasma
07. Spring
08. Süchtig

Während es draußen mit Lacrimas Profundere weiterging, spielten im Hangar noch Noisuf-X ihr Set zuende, bevor Cassandra Complex ihre Show um 15:25 Uhr ihr Set eröffneten. Der gut gefüllte Hangar zeigte: Die alten Helden sind immer noch sehr gefragt. Mit den rockigen Klängen, teils punkigem Charme hin und wieder rauem Einschlag, aber auch vielen melodiösen Momenten machten sie hier nichts verkehrt und konnten sich einer dankbaren Menge sicher sein. Eröffnet mit Nightfall spielten sie sich durch Nummern wie Presents und Second Shot, wechselten gekonnt die Dynamiken und setzten bald zum Finale an, das mit Moscow Idaho und One Millionth Happy Customer bestritten wurde.

Setlist CASSANDRA COMPLEX @ M’era Luna Festival 2016
01. Nightfall
02. Too Stupid To Sin
03. Presents
04. Datakill
05. Why
06. Second Shot
07. War Against Sleep
08. Moscow Idaho
09. One Millionth Happy Customer

Danach hieß es direkt: Wieder raus vor die gut gefüllte Hauptbühne, denn mit Oomph! war eine Band da, die inzwischen auch schon zu den Urgesteinen gezählt werden kann. Heute vor allem als Gothic Rock-Band aktiv, was auch hier auf dem Festival mit Stücken wie Niemand, Gott ist ein Popstar und Sandmann klar zu merken war, wagte man dennoch auch einen Ausflug in die frühen Tage. Die EBM-Anklänge in Der neue Gott beispielsweise zeigten, dass auch das frühe Material der Band sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Die Reise durch die Laufbahn funktionierte einwandfrei und harmonierte. Augen auf! als letztes Stück war dabei ein gut gewählter Abschluss, der Publikum und Band gleichermaßen dankbar zurückließ.

Setlist OOMPH! @ M’era Luna Festival 2016
01. Labyrinth
02. Träumst Du
03. Niemand
04. Sandmann
05. Der neue Gott
06. Gekreuzigt
07. Jetzt oder nie
08. Gott ist ein Popstar
09. Augen auf!

Während man aus dem Hangar die Klänge von Hämatom hörte und im Disko-Hangar die M’era Luna Fashion Show [Fotos] stattfand, wurde auf der großen Bühne jetzt der Wechsel von Rock zu Elektro vollzogen. Erneut war es eine Band, die man mit „Urgestein“ bezeichnen kann, denn auch Diary of Dreams sind seit sehr vielen Jahren bereits nicht mehr aus der Szene wegzudenken. Atmosphärischer Elektro, teilweise breitwandig angelegt wie im an zweiter Stelle gespielten Sinferno und immer wieder sehr eingängige Sounds begeisterten hier die Hörer. Vielseitig und gut gemischt durch die bisherige Laufbahn zeigte sich die Band in Hildesheim, beliebte Stücke wie Butterfly: Dance! durften dabei natürlich nicht fehlen. Aber auch die jüngeren Werke wie der Titeltrack vom aktuellen Album Grau im Licht wurden geboten. Eine gute Auswahl, eine gute Show!

Setlist DIARY OF DREAMS @ M’era Luna Festival 2016
01. Schwarz
02. Sinferno
03. Malum
04. Butterfly: Dance!
05. Soul Stripper
06. Grau im Licht
07. Endless Nights
08. Undividable
09. Kindrom

An dieser Stelle war nun eine leichte Völkerwanderung zu betrachten, denn im Hangar begannen direkt mit dem Ende von Diary of Dreams die ersten Klänge von Diorama – zwei Bands also, die so einiges verbindet. Nicht zuletzt eben auch ein teilweise gemeinsames Publikum. Diese stiegen mit Defcon vom neuen Album Zero Soldier Army direkt tanzbar in ihr Set ein und sorgten für Bewegung. Selbstverständlich waren aber auch bereits bekannte Stücke zu hören, so unter anderem auch Exit The Grey vom 2007er Werk A Different Life und Erase Me von Synthesize Me. So schlug die Band um Torben Wendt eine gute Brücke zwischen bekannten Stücken und dem neuen Album und lieferte einen starken Auftritt dabei ab.

Setlist DIORAMA @ M’era Luna Festival 2016
01. Defcon
02. Hope
03. Off
04. Exit The Grey
05. Smolik
06. Erase Me
07. Advance

Auf der Hauptbühne hatten in der Zwischenzeit bereits Apocalyptica angefangen, die dieser Tage das 20jährige Jubiläum ihres Debüt-Albums Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos feiern. Klar, dass man auch hiervon Stücke mit im Gepäck hatte – beispielsweise das mittig positionierte Master of Puppets, das wieder einmal hohes Tempo und virtuoses Cello-Spiel miteinander kombinierte. Insgesamt war das Set gut gemischt aus Stücken mit und ohne Gesang, den hier der inzwischen als Sänger fest integrierte Franky Perez übernahm. Eine insgesamt solide Performance, jedoch wirkte der Sound mitunter dünn und Franky Perez teilweise etwas unglücklich bei manchen Stücken. Da wäre sicher mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz auch in Hildesheim sehenswert.

Setlist APOCALYPTICA @ M’era Luna Festival 2016
01. Reign of Fear
02. Grace
03. I’m Not Jesus (mit Franky Perez)
04. House of Chains (mit Franky Perez)
05. Master of Puppets (Metallica Cover)
06. Inquisition Symphony (Sepultura Cover)
07. Bittersweet
08. Shadowmaker (mit Franky Perez)
09. I Don’t Care (mit Franky Perez)
10. Seek & Destroy (Metallica Cover)
11. In the Hall of the Mountain King (Edvard Grieg Cover)

Erneut ein Ohr rüber zum Hangar und man hört: [:SITD:] bereiten der Elektro-Fraktion gute Laune. Auf der Mainstage ein Act, der kurzfristig eingesprungen ist – zum Ärger vieler, aber auch zur Freude vieler. Lacrimosa begeisterten daher logischerweise vor allem letztere. Ebenso zu den Alteingesessenen zählend, war die große Zuschauerschar vor der Main Stage kein Wunder. Wer die Band mochte, hat Stücke wie Ich bin der brennende Komet, Stolzes Herz und Der Morgen danach gefeiert. Wer der Band bisher nicht viel abgewinnen konnte, war auch an diesem Tag nicht davon zu überzeugen, obgleich irgendeine Faszination davon ausgehen muss. Handwerklich war all das aber über jeden Zweifel erhaben.

Setlist LACRIMOSA @ M’era Luna Festival 2016
01. Ich bin der brennende Komet
02. Lichtgestalt
03. Schakal
04. Stolzes Herz
05. Apart
06. Der Morgen danach
07. Alleine zu zweit
08. Feuer
09. Irgendein Arsch ist immer unterwegs

Zeit für Co-Headliner. Drinnen: Die Krupps. Draußen: VNV Nation. Voll: bei beiden. VNV Nation zündeten in ihren 75 Minuten ein amtliches Hitfeuerwerk vor einem von Menschen überfluteten Flughafengelände. Eine aufs Festival zugeschnittene Setliste, volles Haus und ein satter Sound – darin Nummern wie Primary, Epicentre, Control… Eine gut aufgelegte Band, ein zufriedenes Publikum, klar, hier sind Profis am Werk. Was jedoch nicht zwingend benötigt würde, sind die teilweise überschwänglichen Aufforderungen und Fragen an das Publikum, um es auch ja zum Mitgehen zu animieren. Denn das sollte auch die Band selbst inzwischen wissen: Sie funktionieren auf der Bühne wunderbar. Mit diesen leichten Abzügen in der B-Note dennoch ein zu weiten Teilen sehr gelungener Auftritt.

Setlist VNV NATION @ M’era Luna Festival 2016
01. Intro
02. Space & Time
03. Tomorrow Never Comes
04. Legion
05. Primary
06. Illusion
07. Epicentre
08. Standing
09. Everything
10. The Farthest Star
11. Control
12. Nova
13. Resolution
14. Electronaut

Wer den Elektro in der Folge eine Spur härter haben wollte, ging in den Hangar, wo Hocico den Headliner gaben. Mit Live-Trommlern und Racso an der Elektronik derwischte Sänger Erk Aicrag über die Bühne und sorgte für ordentlich Stimmung im gut ausgelasteten Hangar. Eine statische Performance kann man der Band keineswegs bescheinigen, untermauert wurde alles noch durch Videoprojektionen hinter der Bühne. Eine Stunde lang sorgten sie für gute Unterhaltung und begeisterten mit Stücken wie Sex Sick, Bite Me! oder auch Poltergeist. Dass Erk Aicrag tags drauf noch einmal auf der Bühne stehen würde: geschenkt! Hier wurde alles gegeben. Wer zur Headliner-Zeit den Hangar besuchte, hat eine gute Entscheidung gefällt.

Setlist HOCICO @ M’era Luna Festival 2016
01. Déjà-Vu Siniestro (Intro)
02. I Will Be Murdered
03. Sex Sick
04. Dead Trust
05. In the Name of Violence
06. Bite Me!
07. T.O.S of Reality
08. Heart Attack
09. Poltergeist
10. Auf der Flucht
11. Forgotten Tears
12. Bienvenido a la Maldad

Erneut draußen headlineten bereits The Sisters Of Mercy den Samstag. Man fragt sich dabei: Ist es Zufall, dass der Auftritt parallel zu den Olympischen Spielen in Rio stattfindet? Regelmäßig wieder hat man bei den Sisters den Eindruck, dass für das Publikum das olympische Motto „dabei sein ist alles“ gilt. Klar, es sind die Hits im Gepäck, es gibt viel Nebel, es gibt alles, was zu erwarten ist. Leider ist dies für viele bei den Sisters Of Mercy inzwischen nicht mehr so viel. So gab es hier eine gute Songauswahl, eine routinierte Show und… ja, was eigentlich? Gut, es war solide. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Beinharte Sisters-Fans werden auch hier begeistert gewesen sein, der Gesamteindruck schien durchwachsen.

Weniger durchwachsen war aber der Eindruck des ersten Tages. Der war insgesamt ein ziemlich guter. Ein jeder hatte für sich spannende Bands gefunden, Auftritte genossen, Freunde und Bekannte getroffen, sich am super Wetter erfreut… So macht Festival Spaß. Nun war es an der Zeit, wahlweise Zelt/Unterkunft aufzusuchen, gemeinsam den Tag Revue passieren zu lassen oder in die Hangar Disco zu gehen.

Setlist THE SISTERS OF MERCY @ M’era Luna Festival 2016
01. More
02. Ribbons
03. Doctor Jeep / Detonation Boulevard
04. Amphetamine Logic
05. Body Electric
06. Alice
07. Marian
08. Crash and Burn
09. Arms
10. Dominion/Mother Russia
11. Summer
12. First and Last and Always
13. Jihad (The Sisterhood Cover)
14. Flood II
15. Roadrunner/Sister Ray/Walking The Dog/Louie Louie
16. Lucretia My Reflection
17. Vision Thing
18. Temple of Love
19. This Corrosion

Fotos: Dietmar Grabs