AMPHI FESTIVAL 2016 TAG 1 – K√ĖLN, TANZBRUNNEN (23.07.2016)

Tarja, © Markus Hillgärtner
Tarja, © Markus Hillgärtner
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)
Weitere Berichte im Festivalbereich: AMPHI Festival

Das Dutzend ist voll ‚Äď und wieder zuhause! Durchaus unerwartet zog das Amphi Festival nach nur einem Jahr in K√∂lns gr√∂√üter Multifunktionshalle zur√ľck an den Tanzbrunnen. Da die altehrw√ľrdige wie damals viel kritisierte Sauna namens Staatenhaus nicht mehr bespielbar war, wurden einige K√ľnstler auf die konzerterprobte MS RheinEnergie verfrachtet. Das Schiff, welches direkt am Gel√§nde anlegte, fungierte somit neben der Mainstage und dem Theater als dritte B√ľhne namens Orbit Stage ‚Äď mit dem besonderen Flair am Oberdeck inklusive tollem Rhein-Panorama. Hier durften vor allem die K√ľnstler ran, die stilistisch stark vom sonstigen ‚ÄěSchwarze-Szene-Festival-Einheitsbrei‚Äú abweichen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

So richtig ging die Post aber wie gewohnt direkt am Brunnen ab. Nach deftigen elektronischen Kl√§ngen von X-RX und Solitary Experiments kamen die Freunde Neuer Deutscher H√§rte in den Genuss zweier bekannter Namen. Nach den wie gewohnt soliden Megaherz sorgte dann die Rammstein-Coverband Stahlzeit f√ľr die ersten lauteren Mitsingch√∂re des Tages. Auch showtechnisch passte sich das Sextett dem weltbekannten Vorbild an, bei Mein Teil landete Keyboarder Thilo Weber stilecht im mit Flammen beschossenen Kochtopf. Schade nur, dass Stahlzeit, die sonst unter dem Namen Maerzfeld auch eigene Songs spielen und ver√∂ffentlichen, fast nur auf Nummer sicher gingen und lediglich die gr√∂√üten Hits der Rammstein-Historie darboten.

Setlist MEGAHERZ @ Amphi Festival 2016
01. Zombieland
02. Fanatisch
03. Glorreiche Zeiten
04. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
05. Mistst√ľck
06. Jagdzeit
07. Einsam
08. Heuchler
09. F√ľr immer
10. Himmelsst√ľrmer

Setlist STAHLZEIT @ Amphi Festival 2016
01. B√ľck dich
02. Du riechst so gut
03. Asche zu Asche
04. Mein Teil
05. Sonne
06. Waidmann’s Heil
07. Feuer frei!
08. Du hast
09. Ich will
10. Engel

Die erste schlechte Nachricht des Tages betraf dann die zweite B√ľhne im Theater, da One I Cinema ihren Auftritt aus Krankheitsgr√ľnden kurzfristig absagen mussten. W√§hrend also drau√üen schon kr√§ftig musiziert und mitgesungen wurde, begann das Indoor-Programm somit erst gegen kurz vor 13 Uhr mit Angels & Agony. Komplett kontr√§r zum Future-Pop-Sound der beiden Niederl√§nder gestaltete sich im Anschluss der Auftritt von Dirk Ivens mit seinem Projekt Dive. Und bereits zu den unterk√ľhlten wie klassischen Belgian-Electro-Industrial-Sounds merkte man, dass das Theater dem Staatenhaus in Sachen W√§rmepotenzial in nichts nachsteht. Ivens selbst zog es dann auch vor, die zweite H√§lfte seines gewohnt energetischen 45 Minuten-Sets mit nacktem Oberk√∂rper zu spielen. Parallel dazu brachten die Bloodsucking Zombies From OuterSpace den Horror in den Punk und setzten damit alte Amphi-Traditionen fort. Schlie√ülich spielt seit Jahren immer genau eine Band dieses Genres in Deutz auf. Deutlich ruhiger wurde es auf der MS RheinEnergie im Anschluss, als Laura Carbone ihren entspannt-tr√§umerischen Auftritt er√∂ffnete und beim Publikum ebenso mit einer intensiven Performance punkten konnte wie die nachfolgenden Lebanon Hanover, die das Schiff in d√ľstere Sph√§ren versetzten, allerdings leider bei hereinscheinendem Tageslicht. Der vielbeachtete Auftritt wusste zu gefallen, man darf aber hoffen, dass sie zuk√ľnftig in eher dunkleren Locations auftreten werden, da eine solche die Wirkung sicher noch weiter unterst√ľtzt h√§tte.

Vergleichsweise fr√ľh auf die B√ľhne ging es dann f√ľr den vielleicht gr√∂√üten Aufsteiger der letzten Jahre in Goth-Deutschland. Denn ebenfalls bereits in den Nachmittagsstunden begannen Mono Inc. auf der Mainstage ihr Set und spielten sich bei gewohnt gro√üem Fan-Zuspruch durch ihr umfangreiches Hitprogramm. Arabia, Symphony Of Pain, Gothic Queen, Voices Of Doom ‚Äď allesamt eine sichere Bank.

Ein seltener Gast auf deutschen Festivals ist hingegen Tarja Turunen. Die fr√ľhere Nightwish-Vokalistin legte den Fokus vor allem auf ihre eigenen St√ľcke und weniger auf Coversongs. Herausragend dabei: Die Version von Muses The 2nd Law-Opener Supremacy, bei der Tarjas hoher Sopran fast schon bedenklich nah an die ber√ľhmt-ber√ľchtigte Kopfstimme von Matthew Bellamy herankam.

Setlist TARJA @ Amphi Festival 2016
01. Intro
02. No Bitter End
03. Never Enough
04. Demons In You
05. Calling From The Wild
06. Supremacy (Muse Cover)
07. Nightwish Medley
08. Innocence
09. Victim Of Ritual
10. Die Alive
11. Until My Last Breath
Einlassstopps sorgen f√ľr Entt√§uschung und Wut

Wenige Meter weiter war die Stimmung aber mittlerweile als eher niedergeschlagen bis w√ľtend zu bewerten. Und damit ist nicht der aggressive Gig von Pontus Stahlberg und Stefan ‚ÄěThe Perfect Body‚Äú Nilsson alias Spetsnaz gemeint, die Oldschool-EBM-Institution aus dem schwedischen √Ėrebro produzierte den wohl gr√∂√üten Pit des gesamten Festivals. Aber: Im Theater kam es kurz vor dem Auftritt von Aesthetic Perfection zum ersten Einlassstopp. Eine Situation, die zu bef√ľrchten war, fasst das Venue doch deutlich weniger Zuseher als das Staatenhaus. Und wirklich entspannen sollte sich die Lage bis zum Headliner Front Line Assembly kaum. Manche verlie√üen die immer l√§nger werdende Schlange irgendwann wutentbrannt und hinterlie√üen nicht unbedingt freundliche Kommentare auf der Facebook-Seite des Festivals, andere warteten bei schw√ľl-warmen Temperaturen teilweise bis zu einer Stunde, um die beiden gr√∂√üten Electro-Acts des Tages aus Bochum und Vancouver sehen zu k√∂nnen. Eins vorweg: Wer so lange ausharrte, wurde belohnt.

Setlist SPETSNAZ @ Amphi Festival 2016
01. Nothing but black
02. Onwards
03. Degenerate ones
04. Allegiance
05. Freefall
06. Faustpakt
07. Kindred
08. ManGod
09. Apathy
10. Reign of Wolves
11. That perfect body

Auf der MS RheinEnergie blieb es derweil d√ľster, denn Whispers In The Shadow feuerten die Atmosph√§re mit ihrem Endzeit-Wave-Rock weiter an. Und auch Der Fluch gaben nat√ľrlich wieder alles um ihren Fans das F√ľrchten und Tanzen zu lehren. Mit einer energiegeladenen Show bereiteten sie das Parkett bestens f√ľr den Schiffs-Tagesheadliner Nosferatu vor, bevor das Schiff nach einem √ľberzeugenden Goth-Rock-Auftritt weiterzog.

Sascha Mario Klein und Henning Verlage, besser bekannt als Neuroticfish, sorgten hingegen bis in die hinteren Reihen des proppevollen Theaters f√ľr beste Stimmung. Wake Me Up, Is It Dead, Suffocating Right, Agony ‚Äď alte wie neue Songs der Future-Popper wurden lautstark mitgesungen und abgefeiert. Auch Front Line Assembly setzten im Anschluss voll auf Synthesizer und Drums, die gitarrenlastigen St√ľcke der Millenium-√Ąra schafften es allerdings nicht ins Set. Daf√ľr aber die kein bisschen angestaubten Klassiker Resist, Mental Distortion, Neologic Spasm und nat√ľrlich auch viele Songs der letzten LP Echogenetic. Ein lauter, aber auch verdammt starker Abschluss im Theater!

Setlist FRONT LINE ASSEMBLY @ Amphi Festival 2016
01. Neologic Spasm
02. Killing Grounds
03. Blood
04. Resist
05. Plasticity
06. Deadened
07. Exhale
08. Mental Distortion
09. Ghosts
10. Mindphaser

Auf der Mainstage konnte man zum Tagesabschluss dann noch zwei echte Amphi-Urgesteine begr√ľ√üen und so fanden sich viele Zuschauer an der Open-Air-Stage ein um bei ausreichender Sicht auf das B√ľhnengeschehen Peter Heppner und Blutengel zu begr√ľ√üen. Sowohl Kultorgan Peter Heppner, der mit seiner Band neben pers√∂nlichen Solosongs auch insgesamt vier Wolfsheim-Titel im Programm hatte, als auch Chris Pohls Vorzeige-Projekt Blutengel in der Headliner-Position trafen mal wieder den Nerv der breiteren Masse, lie√üen diese abwechselnd schwelgen und tanzen und beim Auftritt der Berliner gab es passend zum gro√üen Finale nat√ľrlich auch wieder einiges f√ľrs Auge.

Setlist PETER HEPPNER @ Amphi Festival 2016
01. I Won’t Give Up
02. Alleinesein
03. Meine Welt
04. Vielleicht?
05. Being Me
06. Once In A Wolfsheim
07. K√ľnstliche Welten
08. God Smoked
09. The Sparrows And The Nightingales
10. Leben… I Feel You
11. Wir sind wir
12. Kein Zur√ľck
13. Das geht vorbei

Wer noch Lust auf ein Event der besonderen Art hatte, konnte dann selbst noch ein wenig Musik machen. Das im letzten Jahr aufgrund der Witterung abgesagte ‚ÄěSongwriting Interaktiv‚Äú mit Welle:Erdball-S√§nger Honey und S√§ngerin Lady Lila sorgte auf der MS RheinEnergie f√ľr m√§chtig Spa√ü bei K√ľnstlern und Zuschauern. Das nachvollziehbarerweise noch etwas unfertig klingende St√ľck mit dem Namen Stirb mir nicht weg wurde dann am Sonntagmittag an Ort und Stelle ‚Äěuraufgef√ľhrt‚Äú. Wem dann immer noch nicht die F√ľ√üe qualmten, konnte bis 4 Uhr in der Fr√ľh auf der Aftershow-Party abzappeln.

Fotos Front Line Assembly: Daniela Vorndran
Fotos Whispers In The Shadow: Michael Gamon
Alle anderen Fotos: Markus Hillgärtner

Kommentar verfassen