ELLIE GOULDING РOberhausen, König-Pilsener-Arena (26.02.2016)

Ellie Goulding, © Markus Hillgärtner
Ellie Goulding, © Markus Hillgärtner
Geschätzte Lesezeit: 6 Minute(n)

Ellie Goulding ist derzeit eine der Konsenserscheinungen in der Popmusik. Wer sie kennt, der mag sie entweder, oder, was vielleicht noch wichtiger ist, lehnt sie zumindest nicht ab. Nicht so sexualisiert wie Miley Cyrus oder Rihanna, nicht so schwerm√ľtig wie Adele, nicht so perfekt wie Taylor Swift und nicht so speziell wie Lady Gaga, liegt sie irgendwo dazwischen und damit auch genau richtig. Diese Nische hat ihr immerhin erfolgreiche Auftritte zum Beispiel auf dem renommierten Glastonbury 2014 gesichert. Und so h√§tte es mich eigentlich nicht √ľberraschen d√ľrfen, dass in Oberhausen die K√∂nig-Pilsener-Arena gebucht wurde, die immerhin ein Fassungsverm√∂gen von knapp 12.000 bietet. Und viele freie Pl√§tze konnte ich auch nicht ausmachen‚Ķ

Sicher mit R√ľcksicht auf das recht junge Publikum hatte der Veranstalter sich entschieden, den Einlass auf 17.30 Uhr zu legen, so dass um 19 Uhr bereits der Support in Person von Sara Hartman auf der B√ľhne stand. Sara Hartman ist eine junge Amerikanerin die momentan in Berlin lebt und sehr gef√§lligen Pop spielt. Sara hatte 40 Minuten, das Publikum von ihrer Musik zu √ľberzeugen und das funktionierte an diesem Abend in Oberhausen auch recht gut. Mit viel Spielfreude und guter Laune, einem sehr ordentlichen Sound und angenehmen, netten Songs schaffte es die junge Frau, das Publikum nicht nur nicht zu langweilen, sondern durchaus gut zu unterhalten. Eine gute Gelegenheit f√ľr das junge Publikum, schon mal das rhythmische Kopfnicken und H√ľftwackeln zu √ľben. (https://www.facebook.com/sarahartmanmusic)

Jetzt begann also das Warten auf Ellie Goulding, die f√ľr 20 Uhr angek√ľndigt war. Ich hatte also ein paar Minuten, mir das Publikum anzuschauen. Wie schon erw√§hnt, ein Gro√üteil des Publikums bestand aus jungen M√§dels, begleitet von ihren Freunden, zum Teil auch ihren Eltern. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich hier um eine Folgeerscheinung des bereits eingangs erw√§hnten Massenappeals handelt. Die Ticketpreise waren human, Ellie Goulding mag man, da geht man auch gerne mit seiner Freundin, seiner Tochter, seinen Kindern hin. Als der erste Vorhang fiel und ein weiterer Vorhang, diesmal mit Ellies Bild enth√ľllt wurde, ert√∂nte der erste Jubel im Publikum und die Smartphones kamen zum Einsatz. Ungelogen, in der Reihe vor mir wurde der Vorhang nicht nur fotografiert, sondern gefilmt. Man muss schon sehr zynisch sein, um diese Begeisterung als albern wahrzunehmen. Ich hatte mich aber dazu entschlossen, den Abend zu genie√üen und empfand diesen jugendlichen Enthusiasmus als eher charmant. Genau das soll Popmusik doch schaffen, Freude schaffen, Begeisterung wecken, gute Laune machen.

Ebenso p√ľnktlich wie die Vorband begann dann auch die Hauptattraktion des Abends. Um 20 Uhr fiel der n√§chste Vorhang. Verh√ľllt von zwei goldenen Schleiern die von der Saaldecke hingen, untermalt von einem Intro, fuhr eine Hebeb√ľhne aus dem B√ľhnenboden, auf welcher dann die gute Ellie ins Rampenlicht gehoben wurde. Eigentlich ein wenig seltsam, eine Show mit Aftertaste zu beginnen, aber hey, Popmusik darf auch Ironie. Au√üerdem war ich wohl der Einzige im Saal, dem das seltsam erschien, gef√ľhlt hatte das komplette restliche Publikum das Smartphone in der Hand und ein gro√ües Grinsen im Gesicht. Was f√ľr eine Stimmung‚Ķ Ok, die oder der Deutsche an sich ist nicht unbedingt die oder der Lockerste, wenn es darum geht, in Konzerten zu tanzen. Klatschen, rufen, Arm in die Luft, H√ľftwackeln, Kopfnicken und sogar H√ľpfen, das bekommen wir besser hin.

Unterst√ľtzt von vier T√§nzern, einer ebenfalls vierk√∂pfigen Band und drei Background-S√§ngerinnen geht es mit Holding on for life und Goodness Gracious weiter, bevor mit Something in the way you move und Outside die ersten wirklichen H√∂hepunkte geboten werden. Man erkannte die H√∂hepunkte √ľbrigens recht gut am lauten Kreischen des begeisterungsf√§higen Publikums und am vermehrten Smartphone-Einsatz. Mit Devotion ging es daraufhin in die erste kurze (verdiente) Pause f√ľr Ellie, ein Video √ľbernahm und so war Gelegenheit f√ľr einen Wechsel des Outfits. Keep on dancin gab das Motto f√ľr den n√§chsten Block an Songs vor, es wurde bunt und die T√§nzer durften wieder unterst√ľtzend mitwirken. Eine kurze Tanznummer gab Ellie Goulding erneut die Gelegenheit, sich in ein wei√ües Brautkleid zu schmei√üen und sich dem Publikum anzun√§hern. Die halbrunde B√ľhne hatte in der Front einen kurzen Laufsteg, auf dem sie sich zu ihrer ‚ÄěArmee‚Äú begeben konnte. Und so war es dann nat√ľrlich Explosions, My Blood und eben Army, die in intimer N√§he zum Publikum geboten wurden. Von meinem Sitzplatz aus betrachtet, sah es so aus, als w√ľrde Ellie im Publikum schweben, ein sch√∂nes, passendes, Bild, das diesen Teil des Konzerts sehr gut beschreibt.

Die jungen Damen in der Reihe vor mir waren inzwischen dazu √ľbergegangen, die Musik auf ihren Smartphones zu l√∂schen, um mehr Platz f√ľr weitere Videos zu schaffen. So wurde Miley und Violetta entsorgt, damit mehr Ellie mit nach Hause genommen werde konnte.
Es folgte der obligatorische akustische Teil des Abends, nat√ľrlich mit Lights, meinem pers√∂nlichen H√∂hepunkt, bevor es dann mit Lost & Found in den letzten Part des regul√§ren Sets ging. Ein erneuter Wechsel des Outfits, jetzt wurde noch mal Energie eingefordert, bevor das Konzert mit I need your love und nat√ľrlich Burn seinen n√§chsten H√∂hepunkt und halt auch das vorl√§ufige Ende erreichte.

Aber kein Ellie Goulding Konzert ohne Love me like you do, dem Hit aus Fifty Shades of Grey und damit hatte dann auch die Lautstärke des Kreischens einen neuen Rekord erreicht… Megakreisch!

Vor dem Konzert hatte mir eine Freundin viel Spa√ü gew√ľnscht und dabei unter anderem Ellie Goulding als so ‚Äěunglaublich authentisch‚Äú beschrieben. Es ist schwer, bei einem Konzert dieser Gr√∂√üenordnung Authentizit√§t zu bieten und es w√§re geradezu dumm, bei einem Konzert dieser Gr√∂√üenordnung diese Authentizit√§t auch zu erwarten. Daf√ľr w√§re dann wohl auch die Produktion und ebenso die Erwartungshaltung der Zuschauer zu gro√ü. Die paar Worte, die Ellie Goulding an diesem Abend an das Oberhausener Publikum richtete waren h√∂flich, zur√ľckhaltend und nett. Laut eigener Aussage k√§mpfe die Arme mit einer Erk√§ltung und wollte sich ihre Stimme f√ľr die Songs bewahren. Fair enough‚Ķ Bei allem, was ich im Vorfeld √ľber Ellie Goulding gelesen hatte, bei den Videos, die ich mir angeschaut hatte, kam mir aber immer ein Gedanke, wow, sympathisch. Und genau das durfte ich auch in Oberhausen erleben… Eine sympathische K√ľnstlerin, die ihrem Publikum einen tollen Abend bereiten wollte und dabei auch noch Spa√ü hatte.

F√ľr viele Zuschauer war dieser Abend mit Ellie Goulding sicher eins der ersten, wenn nicht sogar das erste richtige Konzert. Die Wahl h√§tte sicher schlechter ausfallen k√∂nnte. Eine Floskel wie ‚Äěein gro√üer Spa√ü f√ľr Jung und Alt‚Äú k√∂nnte nicht ehrlicher gemeint sein. Gl√ľckliche und zufriedene Besucher √ľberall sprachen da eine eindeutige Sprache. Ellie Goulding hat sich ihre Stellung als Konsenserscheinung mehr als verdient.

Setlist ELLIE GOULDING РOberhausen, König-Pilsener-Arena (26.02.2016):

01. Intro (Delirium)
02. Aftertaste
03. Holding on for Life
04. Goodness Gracious
05. Something in the Way You Move
06. Outside (Calvin Harris)
07. Around U
08. Devotion
09. I Do What I Love
10. Keep on Dancin‘
11. Don’t Need Nobody
12. Heal (Tänzer)
13. Explosions
14. My Blood
15. Army
16. Lights (Akustik)
17. Lost and Found (Akustik)
18. Figure 8
19. On My Mind
20. Codes
21. Don’t Panic
22. We Can’t Move to This
23. I Need Your Love (Calvin Harris)
24. Burn
25. Anything Could Happen (Z)
26. Love Me Like You Do (Z)

Fotos: Markus Hillgärtner

Kommentar verfassen