Kraftwerk 3D Konzert – K├Âln, Palladium (25.11.2015)

Kraftwerk, (c) Frank G├╝thoff
Kraftwerk, (c) Frank G├╝thoff
Gesch├Ątzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Nachdem die deutsche Kultband Kraftwerk in der Vorwoche bereits in der Essener Lichtburg ihre 3-D Multimediashow zum Besten gegeben hatte, war es nun an der Zeit, die vier Herren in K├Âlner Palladium zu besuchen und es hat sich mal wieder gelohnt. Die Kraftwerker zeigten alle Facetten ihres Gesamtwerkes und schmeichelten allen Sinne mit einer genialen Videoshow, dr├╝ckenden Beats und High-Tech Effekten.

Um genau 20.10 Uhr ert├Ânten die ersten Takte des Intros und die 3D-Beamer projizierten das Kraftwerk Logo auf den schwarzen Vorhang, bis die Spannung schier unendlich stieg. Zehn Minuten sp├Ąter war es dann endlich soweit. Noch hinter verschlossenem Vorhang ert├Ânte die bereits sehns├╝chtig erwartete Roboterstimme, die verk├╝ndete: ÔÇ×Meine Damen und Herren, Ladies and Gentleman. Heute Abend: die Mensch Maschine. Kraftwerk.ÔÇť Der Vorhang l├╝ftete sich und machte den Blick frei auf die vier Herren, die hinter ihren illuminierten Pulten standen: Ralf H├╝tter (Keyboards und Vocals), Fritz Hilpert (Audio Operator), Henning Schmitz (Audio Operator) und Falk Grieffenhagen (Video Operator). Beim ersten St├╝ck Nummern flogen dem Zuschauer die Zahlen in der Videoprojektion ins Gesicht, der Bass dr├╝ckte in den Magen und schon war man gefangen in der phantastischen Welt von Kraftwerk.

Computerwelt offenbart Kraftwerk als Propheten eines hochtechnologischen, doch d├╝steren Zeitalters
Kraftwerk mit hypnotischen 3D-Effekten im Palladium

Kraftwerk mit hypnotischen 3D-Effekten im Palladium

Flie├čend war dann der ├ťbergang zu Computerwelt, das vision├Ąre, fast prophetische Lied aus 1982, in dem bereits die Zukunft vorausgesagt wurde, in der in jedem Eigenheim Computer regieren und die Menschheit ausspioniert werden (siehe NSA Skandal). Computerliebe brachte anschlie├čend mit seinen trancigen Beats das mit 3D-Brillen bewaffnete Publikum endg├╝ltig zum Tanzen. Bei Die Mensch-Maschine des gleichnamigen Albums von 1978 kam der Vocodergesang H├╝tters erstmals voll zur Geltung, w├Ąhrend grafische Elemente auf der Leinwand umher flitzten und die Zuschauer fast zu erschlagen drohten. Gottlob nur rein virtuell. Eine sehr interessante 12″ Version des St├╝ckes Spacelab mit retro-futuristischem Video verz├╝ckte nicht nur Science Fiction Liebhaber, sondern auch die Fans, die sich im Takt der Musik bewegten.

Als dann als kleines Geschenk auch noch ein Bild des K├Âlner Doms auf der Leinwand eingeblendet wurde, gab es einen begeisterten Aufschrei im Publikum. Ein weiterer Titel des letztgenannten Albums dr├Âhnte durch die Boxen des gut gef├╝llten Palladiums: der wohl erste richtige Synthiepop Song aller Zeiten: Das Modell. Aufgrund der alten Videosequenzen aus den 50er Jahren gab es zwar keinen 3D Effekt zu bestaunen, es wurde aber verz├╝ckt mitgeklatscht. ÔÇ×KorrektÔÇť! Es ging Schlag auf Schlag und ein Klassiker jagte den anderen. Autobahn zum Beispiel. Der Song, der die D├╝sseldorfer Elektropioniere sogar in den USA bekannt machte. Basierend auf alten Comiczeichnungen des K├╝nstlers Emil Schult sah man eine Art Road Movie auf dem Schirm und bei ├ätherwellen wurde es dann musikalisch ruhiger und viel 70s-Feeling kam auf, bevor ein moderner Rhythmus den Song in die Gegenwart katapultierte. Bei dem genialen St├╝ck Musik namens Radioaktivit├Ąt sang Herr H├╝tter die Strophe in japanischer Sprache und auch die Roboterstimme durfte zeitaktuell ÔÇ×FukushimaÔÇť sprechen, wobei die eine oder andere G├Ąnsehaut ├╝ber die Nacken der Zuschauer wanderte. Als kleines Bonbon erweiterten die vier Herren die Setlist mit dem Song Ohm Sweet Ohm, was mit einem rauschenden Beifall belohnt wurde. Kraftwerk servierten einen guten ├ťberblick ├╝ber das Schaffenswerk der ÔÇ×Godfathers of ElectroÔÇť und auch ÔÇ×neueÔÇť St├╝cke wie Planet der Visionen oder A├ęro Dynamik f├╝gten sich gut in die Setlist ein. ÔÇ×Detroid ÔÇô Germany ÔÇô we┬┤re so Electro!ÔÇť Und eben durch diesen Querschnitt konnte man die oft untersch├Ątzte Bandbreite der Gruppe erkennen, die von New Wave, Electropop, Trance und sogar Industrial (Metall auf Metall) reicht. Am Ende des Hauptsets schloss sich der Vorhang und nach kurzer Wartepause, die die Kraftwerk Anh├Ąnger durch langen Applaus und ÔÇ×ZugabeÔÇť-Rufe ├╝berbr├╝ckten, kamen die Musiker zur├╝ck auf die B├╝hne. Nun ja, nicht ganz: denn statt der menschlichen Wesen standen dort nun die t├Ąuschend echt wirkenden Roboterdummies von Ralf, Fritz, Henning und Falk und wurden im Takt von Die Roboter gesteuert. Konsequenter kann man so etwas nicht machen und nur Kraftwerk d├╝rfen das. Nach diesem Intermezzo kamen anschlie├čend die echten M├Ąnner zur├╝ck auf die Bretter und l├Ąuteten so langsam das Ende des Konzertes ein ÔÇô mit St├╝cken wie Boing Boom Tchak und Techno Pop vom 1986er Album Electric Caf├ę. Bei den ersten Kl├Ąngen von Music Non Stop wusste sofort jeder im Raum, was jetzt folgte: nach und nach verlie├č jeder ÔÇ×OperatorÔÇť nach einem kleinen Solo und einer Verbeugung die B├╝hne, bis nur das einzige Gr├╝ndungsmitglied Ralf H├╝tter ├╝brig blieb, der sich schlussendlich mit der Hand auf seinem Herzen und den Worten: ÔÇ×Gute Nacht! Auf Wiedersehen!ÔÇť unter brausendem Applaus verbeugte und gem├Ąchlich hinter der B├╝hne verschwand. Und die Worte ÔÇ×Musique non stopÔÇť ert├Ânten nach einem repetierenden Muster ganz dem Motto: ÔÇ×Es wird immer weiter gehen, Musik als Tr├Ąger von IdeenÔÇť!

Setlist KRAFTWERK @ K├Âln, Palladium (25.11.2015):
01. Nummern
02. Computerwelt
03. It’s More Fun to Compute / Heimcomputer
04. Computerliebe
05. Die Mensch-Maschine
06. Spacelab
07. Das Modell
08. Neonlicht
09. Autobahn
10. Ätherwellen
11. Geigerz├Ąhler
12. Radioaktivit├Ąt
13. Ohm Sweet Ohm
14. Electric Caf├ę
15. Tour de France 1983
16. Tour de France Étape 2
17. Tour de France 2003
18. Trans Europa Express
19. Metall auf Metall
20. Abzug
21. Die Roboter (Z)
22. A├ęro Dynamik (Z)
23. Planet der Visionen (Z)
24. Boing Boom Tschak (Z)
25. Techno Pop (Z)
26. Music Non Stop (Z)

Fotos: Frank G├╝thoff

Kommentar verfassen