GRAVE PLEASURES, JESSICA93 & KONTINUUM – Köln, Luxor (25.09.2015)

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Im einige hundert Menschen fassenden Luxor im Kölner SĂŒden gefiel es Beastmilk im Rahmen ihrer Supportslots bei frĂŒheren Deutschland-Touren anscheinend so gut, dass sie sich – nun unter den Namen Grave Pleasures und mit neuem Album Dreamcrash – dort zu ihrer einzigen NRW-Clubshow im Kalenderjahr 2015 niedergelassen haben. FĂŒr die AtmosphĂ€re war dies eine Fehlentscheidung, wie sich spĂ€ter herausstellen sollte. Selbst am eigentlich zuschauertrĂ€chtigen Freitagabend konnten die Finnen das Luxor nur knapp zur HĂ€lfte fĂŒllen. Bevor sich die Band um SĂ€nger Mat McNerney durch ihr technisch und gesanglich einwandfreies, allerdings eindeutig zu kurzes Set rockte, durfte sich eine noch kleinere Besucheranzahl mit gleich zwei Supportacts auseinandersetzen. WĂ€hrend die IslĂ€nder von Kontinuum mit atmosphĂ€rischen (wie könnte es bei IslĂ€ndern auch anders sein, möchte man meinen) und angenehmen komplexen Songs das Gros der Anwesenden noch durchaus ĂŒberzeugen konnten und nach ihrem Gig auch am Merch fĂŒr ein nettes PlĂ€uschchen zur VerfĂŒgung standen, war der Shoegaze-angehauchte Sound vom SolokĂŒnstler Jessica93 wirklich nur etwas fĂŒr Spezialisten. Zu stoisch-monotonen polternden Drums vom Band schrammelte der Pariser auf seiner Gitarre ebenso stoisch-monoton herum und garnierte diesen auf Dauer Ă€ußerst abwechslungsarmen Sound mit seiner eher drögen Stimme.

Wenig verwunderlich also, dass es sich erst gegen 21 Uhr vor der BĂŒhne fĂŒllte, als das Changeover fĂŒr Grave Pleasures vonstattenging. Mit dem Dreamcrash-Opener Utopian Scream, gefolgt vom zackigen Taste The Void ging es dann los und schnell kam der Eindruck auf, dass das Kölner Publikum mit den neuen Songs noch nicht recht warm geworden ist. In die Luft gereckte FĂ€uste, tanzende und lautstarke mitgrölende Fans sah und hörte man fast nur bei den Songs von Climax. Dies mag vielleicht auch an der noch kurzen Lebensdauer der neuen Songs liegen, aber nĂŒchtern betrachtet haben die Finnen bei ihrem Zweitling den Schwerpunkt auch nicht unbedingt auf Tempo, Tanzbarkeit und „Sing-along-QualitĂ€ten“ gelegt. FĂŒr eine Live-Darbietung erscheinen einem Songs wie Death Reflects Us, You Are Now Under Our Control und natĂŒrlich allen voran Love In A Cold World einfach geeigneter als pathosgeschwĂ€ngerte Sechs-Minuten-Balladen wie Crooked Vein.

Weswegen es dem ein oder anderen sicher auch etwas sĂ€uerlich aufstieß, dass einige der alten StĂŒcke – man denke nur an Fear Your Mind, Void Mother oder Surf The Apocalypse – keinen Platz mehr in der Setlist fanden. Ebenfalls ĂŒberraschend war die Absenz von Lipstick On Your Tombstone, einem der wenigen klanglich an Climax angelehnten neuen Songs. Was aber wohl auch denen sĂ€uerlich aufstieß, die beide Platten mögen, war die viel zu kurze Spieldauer von lediglich 55 Minuten. Bei zwei Alben, einer EP und derart vielen tollen Songs ist dies objektiv betrachtet einfach zu wenig. So verbleibt die Hoffnung auf weitere, lĂ€ngere und etwas energiegeladenere Grave Pleasures-Gigs in der Zukunft. Denn handwerklich und stimmlich gab es absolut nichts zu meckern.

Setlist GRAVE PLEASURES @ Köln, Luxor (25.09.2015):
01. Utopian Scream
02. Taste The Void
03. You Are Now Under Control
04. Crying Wolves
05. Futureshock
06. Nuclear Winter
07. Worm Threads
08. Crisis
09. Genocidal Crush
10. Death Reflects Us
11. New Hip Moon
12. Love In A Cold World
13. Crooked Vein (Z)
14. The Wind Blows Through Their Skulls (Z)

Grave Pleasures:

Jessica93:

Kontinuum:

Fotos: André Techert (aufgenommen in Frankfurt, Das Bett am 01.10.2015)

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