BRYAN FERRY – DĂŒsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (10.09.2015)

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Mit der Erwartungshaltung ist das ja so eine Sache. Geht man mit den falschen, oder zu hohen, Erwartungen an eine bestimmte Sache ran, dann kann das allzu oft zu EnttĂ€uschungen fĂŒhren. Curb your enthusiasm, so ist das.
Andererseits, wie soll man seine Erwartungen runter schrauben, wenn man die Gelegenheit bekommt, Bryan Ferry auf der BĂŒhne erleben zu dĂŒrfen? Bryan Ferry hatte in den Siebzigern mit Roxy Music Musikgeschichte geschrieben. Da gibt es keine zwei Meinungen. Nebenbei hat er aber im Laufe seiner Karriere auch immer wieder interessante, erfolgreiche (Boys and Girls) und außergewöhnliche (The Jazz-Age) Solo-Alben veröffentlicht. Dass es sich bei Bryan Ferry auch noch um eine Stilikone und fabelhaften SĂ€nger handelt, ist da fast schon nebensĂ€chlich. Bryan Ferry kam an diesem Abend nach DĂŒsseldorf und wurde dort von einem eher gediegenen Publikum, meinen sehr hohen Erwartungen und mir selbst empfangen.

Vor den Auftritt von Bryan Ferry hatte der Veranstalter allerdings noch einen Support Act, nĂ€mlich die deutsche SĂ€ngerin Femme Schmidt platziert. Nicht nur allzu hohe Erwartungen, auch allzu große Vorurteile, können dem Konzertgenuss schaden. Und obwohl ich bis zu jenem Abend noch nichts von Femme Schmidt gehört hatte, der Name verhieß nicht viel Gutes. Diese Mischung aus Verruchtheit und BodenstĂ€ndigkeit, das konnte nur schlimm werden. Um es gleich mal vorweg zu nehmen, es war nicht schlimm. Überhaupt nicht. Bei Femme Schmidt handelt es sich um eine stimmgewaltige, junge, durchaus attraktive, deutsche SĂ€ngerin, deren DebĂŒt von Guy Chambers produziert wurde, der immerhin fĂŒr Robbie Williams beste Schaffensperiode verantwortlich war. Femme Schmidt spielte ein routiniertes Set, versuchte mit dem Publikum zu kommunizieren, hatte es aber mit ihrer gefĂ€lligen Mischung aus Pop, Rock und Jazz nicht leicht. Die Halle war bestuhlt, das Publikum war zum Teil noch im Vorraum unterwegs und schlĂŒrfte dort einen Prosecco und die angesprochene Erwartungshaltung, tja, man wartete halt auf Bryan Ferry. Dass am Ende des kurzen Sets doch mehr als nur Höflichkeitsapplaus gespendet wurde, lag wohl vor allem am sympathischen Auftreten der Dame Schmidt. Femme Schmidt auf einer etwas kleineren BĂŒhne, mit dem richtigen Publikum, da wĂ€re ich wohl dabei. Positiv anzumerken ist auch, dass sich Elisa nach dem Konzert zum Merchandising-Stand begab, um dort selber mit anzupacken, Platten zu signieren und fĂŒr Fotos zu posieren. Der Name ist trotzdem irgendwie… doof. (http://www.femmeschmidt.com/de)

Dann war es also endlich so weit. Mein erstes Bryan Ferry-Konzert und da ich auch Roxy Music nie gesehen habe, mein erstes Konzert mit Bryan Ferry. Der Mann, der in WĂŒrde altert, in dem er scheinbar ĂŒberhaupt nicht altert.
Nach zwei kurzweiligen Songs vom neuen Album Avonmore kamen dann mit Slave to love und Ladytron auch schon zwei richtige, große Hits um die Ecke und ein Großteil des Publikums war ĂŒberzeugt. Grund genug fĂŒr Bryan Ferry, die obligatorischen zwei Dylan-Songs Bob DylanÂŽs Dream und Don’t Think Twice, It’s All Right back to back zu prĂ€sentieren. Im Jahr 2007 hatte Ferry mit Dylanesque ein Album nur mit Dylan-Songs aufgenommen und sein persönlicher Respekt vor dem Meister zeigte sich auch an diesem Abend. Tolle Versionen, die den allgemeinen Konsens, dass viele Dylan-Songs gerade als Cover gut funktionieren, unterstrichen.

Danach wurde es etwas ruhiger, das Konzert kam zu seinem ersten DurchhĂ€nger, obwohl mit BĂȘte Noire ein Solo-Hit und mit Stronger Through the Years, Tara und Take a Chance with Me gleich drei Songs von Roxy Music prĂ€sentiert wurden. Das war nett, aber nett blieb dann halt auch ein paar Meter hinter den hohen Erwartungen im Stau stecken.

Offenbar war Bryan Ferry der Meinung, dass ein deutsches Publikum die Schaffensperiode der Achtziger am meisten schĂ€tzt und dieses bekam noch More than this and Avalon vom gleichnamigen Hitalbum prĂ€sentiert, bevor dann es dann mit Love is the Drug noch mal kraftvoll wurde. Love is the Drug wurde in den letzten Jahren ja gerne mal in Soundtracks verwendet, so geschehen in Baz Luhrmanns „The Great Gatsby“ Verfilmung aus dem Jahr 2013 und dem unsĂ€glich schlechten „Sucker Punch“ von Zakk Snyder aus dem Jahr 2011. Aber das hier war das Original und mit Sicherheit der Höhepunkt des Konzertes, zumindest was die Stimmung im Publikum angeht. Ja, besser als bei Virginia Plain und Do the Strand, eigentlich auch ein veritabler Crowdpleaser von Roxy Music. Als Zugabe gab es noch eine Coverversion, nĂ€mlich Jealous Guy von John Lennon, ein Hit, sowohl fĂŒr Lennon, als auch fĂŒr Ferry, aber halt auch ein ruhiges Ende, fĂŒr ein zuweilen furioses Konzert.

Meine Kollegin stand vor der BĂŒhne und war Ă€ußerst angetan, die Stimmen aus dem Publikum reichten von sehr angetan bis zu sehr laut (das war es wirklich nicht) und meine Erwartungen, na ja, die wurden dann halt doch etwas enttĂ€uscht. Die Lichtshow war in den richtigen Momenten ĂŒppig oder dezent, aber immer stimmungsvoll, Bryan Ferry ist ein begnadeter SĂ€nger und die Songauswahl war solide, um es vorsichtig auszudrĂŒcken. Ein wenig mehr Mut zum Risiko, eine etwas spannendere Setlist und In every Dreamhome a Heartache, das wĂ€re es gewesen. Und vielleicht doch noch etwas lauter


Setlist BRYAN FERRY @ DĂŒsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (10.09.2015):
01. Avonmore
02. Driving Me Wild
03. Slave to Love
04. Ladytron (Roxy Music)
05. Bob Dylan’s Dream (Bob Dylan)
06. Don’t Think Twice, It’s All Right (Bob Dylan)
07. Smoke Gets in Your Eyes (Jerome Kern)
08. BĂȘte Noire
09. Zamba
10. Stronger Through the Years (Roxy Music)
11. Tara (Roxy Music)
12. Take a Chance with Me (Roxy Music)
13. One Night Stand
14. Midnight Train
15. More Than This (Roxy Music)
16. Avalon (Roxy Music)
17. Love Is the Drug (Roxy Music)
18. Virginia Plain (Roxy Music)
19. Do the Strand (Roxy Music)
20. Let’s Stick Together (Wilbert Harrison)
21. Jealous Guy (John Lennon)

Bryan Ferry:

Weitere Fotos des Events gibt es hier
Femme Schmidt:

Fotos: Natalie Kreuter

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