OPEN SOURCE FESTIVAL 2015 – D├╝sseldorf, Galopprennbahn (27.06.2015)

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Sein zehntes Jubil├Ąum feierte am letzten Juni-Samstag das ausverkaufte Open Source Festival an der D├╝sseldorfer Galopprennbahn. Anwesend waren neben einer hochkar├Ątigen Bandbesetzung auch 5.000 gl├╝ckliche Besucher, die den Tag friedlich miteinander verbrachten. Seine entspannte Atmosph├Ąre verdankte das Festival zum einen der gewollten ├ťberschaubarkeit (es gab definitiv mehr Interessenten als verf├╝gbare Tickets) und zum anderen der durchdachten Planung: So wurden aus den einzelnen B├╝hnen und ihren Umgebungen regelrecht kleine Themenlandschaften. Die Young Talent Stage zum Beispiel wurde gestaltet wie ein Proberaum mit Garagenflair und um die 8 dort zu besetzenden Slots rissen sich in diesem Jahr knapp 3.000 Bands.
Dort er├Âffnete eine Sound Installation von Axel Ganz den Festivaltag um 12:30 Uhr. Eine halbe Stunde sp├Ąter kam auch Leben in Form von Charles Bals auf die in schwarz gehaltene Carhartt WIP Stage und p├╝nktlich zum Ende der Gel├Ąndef├╝hrung der Presseleute um 14:00 Uhr erklommen Marian, Martin, Peter und Johann von Sex in Paris, Texas die Main Stage und stimmten sanfte Kl├Ąnge mit nachdenklichen deutschen Texten an, die auch den Wettergott milde stimmten. So blieb der angek├╝ndigte Regen zum Gl├╝ck aus und die Besucher erfreuten sich am perfekten Festivalwetter.
Auf Sex in Paris, Texas folgten die etwas aufgedrehten Belgier von Robbing Millions, die f├╝r ordentlich Bewegung auf und vor der B├╝hne sorgten. F├╝r die weniger tanzw├╝tigen Musikfreunde bot die Trib├╝ne einen gem├╝tlichen Platz, um sich das Geschehen in Ruhe anzusehen. Fast zeitgleich begeisterten die D├╝sseldorfer von Ivory Clay die Zuschauer mit ruhigen Kl├Ąngen und Saxophon auf der Carhartt WIP Stage. Ein Kontrastprogramm lieferte danach die Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force, die mit etlichen Trommeln, einer S├Ąngerin und einer T├Ąnzerin ein St├╝ck afrikanisches Lebensgef├╝hl nach D├╝sseldorf brachten. Parallel dazu sang sich Lokalmatador Stefan Honig mitsamt seiner Band auf der Main Stage die Seele aus dem Leib und das Publikum dankte es ihnen. Gut eingestimmt ging es um 18:15 Uhr mit Kakkmaddafakka auf der Main Stage weiter. W├Ąhrend ein weniger begeisterter Besucher den Sound der Norweger ziemlich treffend als ÔÇ×IndieschlagerÔÇť betitelte, schien der Gro├čteil der Anwesenden darauf anzuspringen und lie├č den Rasen beben.
Unterdessen ging es mit The Tame And The Wild aus Luxembourg auf der Young Talent Stage eher zahm als wild zu, aber auch dieser musikalische Ruhepol wurde von den Besuchern dankbar angenommen. Unter die Zuschauer mischten sich im Laufe des Abends neben aufblasbaren Fritz Cola-Einh├Ârnern auch interessierte Mitglieder s├Ąmtlicher Bands, was nochmal den entspannten Charakter dieses Festivals unterstreicht. Zudem gab es von frischgebr├╝htem Kaffee im Emaillebecher ├╝ber vegane Sandwiches bis hin zu den obligatorischen Festivalklassikern wie Bier und Currywurst f├╝r jeden die passende Verpflegung.
Nicht mit allzu viel Gl├╝ck gesegnet war Tolouse Low Trax auf der Carhartt WIP Stage, dessen DJ Set von einem Stromausfall unterbrochen wurde und somit ein Song aufgrund der zeitlichen Verschiebung leider ausbleiben musste. In einem zuf├Ąllig mitgeh├Ârten Gespr├Ąch lie├č er zudem verlauten, dass er es nicht gewohnt war, so hoch und weit weg von seinem Publikum zu stehen und noch dazu, wenn es hell ist. Auf ihn folgte die scheu wirkende DJane Laurel Halo aus Michigan. Ihr Sound ist irgendwo zwischen Deep House, Psychedelic und Beats einzuordnen, womit sie nicht nur den Geschmack des Magazins The Wire getroffen hat, welches ihr Deb├╝t Quarantine 2012 zur Nr. 1 seiner Top 50 des Jahres k├╝rte, sondern auch den des Publikums und vor allem den unseres Photographen.
Auf der Main Stage er├Âffneten Death Cab For Cutie um 20:00 Uhr ihr Set mit The New Year vom 2003er Meilenstein Transatlanticism. Die Jungs haben jedoch in der Vergangenheit die Messlatte ziemlich hochgesetzt, sodass die letzten beiden Alben Codes and Keys (2011) und Kintsugi (2015) zwar immer noch ├╝berdurchschnittlich sind, jedoch nicht an Meisterwerke wie e.g. Transatlanticism oder Plans (2005) herankommen und dementsprechend wurden die ├Ąlteren Songs in dem gemischten Set etwas frenetischer entgegengenommen. Kleiner Wehrmutstropfen hier war die noch scheinende Sonne, die nicht so recht zu den schwerm├╝tigen Texten wie z.B. dem von I will follow you into the dark passen wollte. Dennoch schafften sie es, eine einzigartige Stimmung zu vermitteln und stellten mein pers├Ânliches Highlight des Tages dar.
F├╝r einen tanzbaren Festivalausklang sorgten danach die Briten von Metronomy, die mit dem Material von mittlerweile 5 Studioalben und einem Remixalbum die Bretter zum Beben brachten. Das Publikum vorne ging begeistert mit und powerte sich zu den Indietronic/Electro-Pop-Kl├Ąngen nochmal so richtig aus, w├Ąhrend der Funke auf die sitzenden G├Ąste auf der Trib├╝ne nicht so recht ├╝berspringen wollte. Vielleicht waren die aber auch einfach nur schon m├╝de.
So entspannt und problemlos wie sich die Anfahrt gestaltet hatte, verlief auch die Abreise. Beim Verlassen des Gel├Ąndes gab es keine langen Schlangen und kein Gedr├Ąnge und auch der nahegelegene Parkplatz war schnell erreicht.
Gerade bei solchen Kleinigkeiten wurde deutlich, wie vorausschauend hier geplant wurde. Denkt man bei Festivals sonst eher an ├╝berteuerte chaotische Saufgelage, bei denen die Musik eine untergeordnete Rolle spielt, so hat D├╝sseldorf hier erfolgreich bewiesen, dass es auch anders geht. Danke daf├╝r und bis n├Ąchstes Jahr!

Fotos: Andr├ę Techert

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