PRINCESS CHELSEA – The Great Cybernetic Depression

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GeschÀtzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Unsere Bewertung

8 Bewertung

9 Bewertung 2

Zugegeben, bis vor kurzem sagte mir der Name Princess Chelsea gar nichts. Das mag sicherlich daran liegen, dass meine alltĂ€glichen Hörgewohnheiten vor allem im Metal liegen und ich mit Synthie Pop darum nicht in jedem Fall etwas anfangen kann. Princess Chelsea jedoch ließ mich aufhorchen und die BeschĂ€ftigung mit ihrer Musik versprach nicht nur ein besonderes Hörerlebnis sondern auch die Chance sich mit einer Musikrichtung zu beschĂ€ftigen, die ich bisher vernachlĂ€ssigt hatte.

Die KĂŒnstlerin
Bekannt wurde die aus dem neuseelĂ€ndischen Auckland stammende Chelsea Nikkel im Jahr 2011, mit dem pointierten The Cigarette Duet, welches sie zusammen mit Jonathan Bree vom Indie-Duo The Brunettes performte. Das dazugehörige Video – vermutlich das einzig Video in dem eine Gitarre im Whirlpool als Tablett fĂŒr Drinks dient – erreichte auf YouTube bis heute ĂŒber 20 Millionen Klicks. Das dazugehörige Album Lil‘ Golden Book bekam ebenfalls gute Kritiken.

Das Album
Anfang Juni erschien nun ihr Zweitwerk The Great Cybernetic Depression. Das CD-Cover mutet romantisch und etwas spacig an. Es zeigt eine mÀdchenhafte Chelsea mit Blumen im Haar vor einem nÀchtlichen Sternenhimmel. Schaut man hinten auf die Songliste, fÀllt sofort auf, dass diese einer Platte nachempfunden und darum in Side A und Side B unterteilt ist. Ein Booklet mit den Songtexten war bei meiner Version leider nicht mit dabei, was schade war, da die Musik der NeuseelÀnderin vor allem auch von ihren Inhalten lebt.
Auf musikalischer Ebene prĂ€sentiert Princess Chelsea Kompositionen in der Schnittmenge von Synthie, Indie und Dream Pop. Der Opener When The World Turns Grey beginnt ganz schlicht mit harmonischen Pianotakten, gefolgt von Chelseas betörend sĂŒĂŸem Gesang, der hier zweifellos im Mittelpunkt steht. Zur Untermalung kommen choralhafte Synthie-KlĂ€nge und eine ausbrechende E-Gitarre gegen Ende des StĂŒcks hinzu. Der melancholische Refrain – „What can you say/When the world turns grey
If you’d ask me baby/ I’d do anything for you“ – ist einfach gehalten, wirkt dabei aber unheimlich intensiv. Allein diese paar Zeilen machen When the World Turns Grey zu einem der ehrlichsten Liebeskummersongs der modernen elektronischen Popmusik.

Das folgende Lied Is It All OK? hat es wirklich in sich und ist ein Duett mit Joe Astle, SĂ€nger der aus Los Angeles stammenden Indie Rock Band Boa Constrictors. Klanglich geht es erneut vertrĂ€umt zu, inhaltlich ist der Song jedoch sehr dĂŒster und es geht um die AbgrĂŒnde des menschlichen Lebens in Form von alltĂ€glicher DepressivitĂ€t. Bereits in den ersten Zeilen wird dies unmissverstĂ€ndlich klar: „Sometimes I feel so sad I wish that I would die/All the people they don’t know they think that I’m all right“.

Multiinstrumentalistin Chelsea steuert in allen Songs nicht nur ihre feenhaften Vocals, sondern auch Ă€therische Synthesizer- und Piano-Sounds, sowie die Glockenspiel Ă€hnlichen KlĂ€nge der Celesta bei. DarĂŒber hinaus setzt sie auf viel Hall und allerlei elektronisches Soundgewirr. Viele StĂŒcke, wie zum Beispiel die im Duett mit Jonathan Bree performte Singleauskopplung Too Many People, wirken durch ihre AtmosphĂ€re als Hommage an die Sounds der Achtziger.

Allerdings sind auch ein paar echte musikalische KuriositÀten auf The Great Cybernetic Depression zu finden. Zum Beispiel ist in Winston Crying On The Bathroom Floor Chelseas Kater der Star des Lieds und in All The Stars, dem letzten Song des Albums, ist das charakteristische Fiepsen eines Analog-Modems zu vernehmen.

Alles in allem ist Princess Chelsea eine Meisterin des musikalischen Understatements und der Kontraste. Sie verpackt traurige, nachdenkliche und gesellschafskritische Texte in vertrÀumte, zum Teil stark reduzierte Songs. Thematisch geht es hier nicht nur um Liebeskummer und Betrug, sondern auch um den prekÀren Zustand der heutigen Gesellschaft (Too Many People) und der Familie (No Church On Sunday).

Fazit
Mit The Great Cybernetic Depression ist Princess Chelsea ein vielschichtiges Werk gelungen, das immer wieder zu ĂŒberraschen vermag. Ihre Songs sind keinesfalls die harmlosen kleinen Synthie Pop Kompositionen, die sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Stattdessen werden in klanglich schönen Bildern die AbgrĂŒnde des menschlichen Lebens nachgezeichnet und somit der Versuch unternommen diese ein StĂŒck weit zu bewĂ€ltigen. Auf Dauer fehlen mir allerdings rauere Töne und so schĂ€tze ich Princess Chelseas Musik durchaus, zu meinen favorisierten Interpretinnen wird sie jedoch wahrscheinlich nie zĂ€hlen.

Tracklist PRINCRSS CHELSEA – The Great Cybernetic Depression:

Side A:
01. When The World Turns Grey
02. Is It All OK?
03. No Church On Sunday
04. Too Many People
05. We Are Very Happy

Side B:
06. We Were Meant 2 B
07. Winston Crying On The Bathroom Floor
08. We Are Strangers
09. We’re so Lost
10. All The Stars


Weblinks:

Princess Chelsea Website: http://princesschelsea.co.nz/
Princess Chelsea Facebook: https://www.facebook.com/wonderfulprincesschelsea
Princess Chelsea Labelseite: http://princesschelsea.lilchiefrecords.com/

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