AND ONE & BEYOND OBSESSION – Oberhausen, Kulttempel (24.04.2015)

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Vor nicht allzu langer Zeit noch in der Turbinenhalle, nun im deutlich kleineren Kulttempel. Wer aber nun denkt, dass sich And One in irgendeiner Form Sorgen machen mĂŒssen, liegt gĂ€nzlich falsch. Wie Frontsau Steve Naghavi erklĂ€rte, kam er wĂ€hrend eines DJ-Sets im kleinen aber feinen Club im Herzen Oberhausens auf die Idee, dort einmal ein Konzert zu spielen. So kam es, dass der Gig wenig ĂŒberraschend auf Wochen im Voraus ausverkauft war.

Als Anheizer betraten Beyond Obsession um Punkt halb acht die BĂŒhne. Und schnell zeigte sich, dass das Publikum so einiges mit dem Synthpop der drei jungen Herren aus dem Nordosten Deutschlands anfangen konnte. WĂ€hrend so manch anderer And One-Supportact vergangener Tage alles andere als begeistert aufgenommen wurde (man denke nur an Alexander Marcus), empfing das Trio deutlich mehr als nur den fĂŒr Vorbands oft ĂŒblichen Höflichkeitsapplaus. Die helle Stimme von SĂ€nger Nils ist zwar Geschmackssache, doch Beyond Obsession werden mit ihrem treibenden Sound an diesem Abend einige neue Freunde hinzugewonnen haben und konnten beste Werbung in eigener Sache betreiben. Dies zudem mit dem bestmöglichen Timing, schließlich erschien erst Anfang April der zweite Longplayer der noch kurzen Bandgeschichte mit dem Namen Pieces of machinery.

Setlist BEYOND OBSESSION @ Oberhausen, Kulttempel (24.04.2015):
01. Cold site of bed
02. Nothing like that
03. Pieces of machinery
04. On my way
05. Never turn your back on mother earth (Sparks-Cover)
06. Song for the dead
07. Tokio Underground

20.30 Uhr betraten dann Nico Wieditz, Rick Schah, Joke Jay und Steve Naghavi die BĂŒhne und eröffneten das fast drei Stunden lange And One Set mit An alle Krieger vom Propeller-Album. Schnell wurde klar, dass der Fokus nicht zu sehr auf der noch recht frischen Album-Trilogie liegt. Die von vielen AnhĂ€nger eher verschmĂ€hte Achtung 80 blieb sogar als einziger Longplayer der Bandgeschichte gĂ€nzlich unberĂŒcksichtigt. So folgte ein abwechslungsreiches Potpourri mit frĂŒhen Hits wie Loser oder Life isn’t easy in Germany, gemischt mit den neueren StĂŒcken, von denen besonders die Magnet-Balladen Zeit ohne Zeit und Unter meiner Uniform herausragten. Mit dem sehr energetisch herĂŒbergebrachten KnĂŒppelvierer Metalhammer/MĂ€nnermusik/Deutschmaschine/Take some more verließ das Quartett dann nach 110 Minuten zum ersten Mal die BĂŒhne.

Aber wer And One kennt, der weiß: Unter zweieinhalb Stunden liefern die Berliner nie ab. So auch diesmal: Mit der augenzwinkernden Naghavischen AnkĂŒndigung „Jetzt spielen wir einen richtigen Scheiss-Song“ und dem NDW-inspirierten U-Boot-Krieg in Ost-Berlin begann der zweite Konzertblock, bei dem vor allem das Alphaville-Cover Big in Japan die Besucher zum Mitsingen bewegen konnte. Überhaupt schienen die mehreren hundert Menschen im Kulttempel mit fortschreitender Konzertdauer eher mehr in Fahrt zu kommen als zu erschöpfen. Dass natĂŒrlich noch ein zweiter geplanter Zusatzblock folgen musste, war selbstverstĂ€ndlich. Und in diesem brachten And One mit einigen ihrer grĂ¶ĂŸten Hits den Laden endgĂŒltig zum Beben, bevor dann das heimliche Highlight des Abends folgte. Zumindest fĂŒr den Fall, dass man auf abstrusen Humor steht. Nach den wie immer wundervollen Shouts of Joy prĂ€sentierte das Quartett eine neue „GĂ€nsehaut-Piano-Version“ von…. Richtig! – Pimmelmann.

Das Lied, welches Fans seit seiner Veröffentlichung im Jahre 1999 entweder zum Lachen oder zum Weglaufen verleitet, wurde selten ergreifender performt als an diesem Abend. Und nicht nur den Schreiber dieser Zeilen sollten Mimik und Gestik von Joke Jay an die glorreichen Boygroup-Zeiten der 90er erinnern.

Doch damit nicht genug: Nach seinen „Quit playing games with my heart“-Pathos-GedĂ€chtnis-Moves beglĂŒckte der Drummer die Audienz mit einem A-cappella des Karel Gott-Klassikers Babicka. Was Steve Naghavi natĂŒrlich nicht auf sich sitzen lassen konnte. So folgte auch noch die legendĂ€r dĂ€mliche B-Seite Klaus, welche Joke Jay mit einem sicher nicht ganz ernstgemeinten „Das ist Kultur!“ kommentierte. Nach Klaus endete der Auftritt schließlich unter tosendem Jubel.

Erfreulich: Naghavi kĂŒndigte an, „recht bald wieder in Oberhausen“ zu spielen. Somit darf durchaus mit einer Übernahme der Headliner-Position beim E-Tropolis Festival 2016 gerechnet werden.

Setlist AND ONE @ Oberhausen, Kulttempel (24.04.2015):
01. An alle Krieger
02. Wasted
03. Virgin Superstar
04. Wild Pain
05. Panzermensch
06. The other side
07. Everybody lies at night
08. Krieger
09. Unter meiner Uniform
10. Traumfrau
11, The sun always shines on TV (A-Ha-Cover)
12. FĂŒr
13. Men in uniform
14. Love me
15. Seven
16. Zeit ohne Zeit
17. Keiner fĂŒhlt’s wie wir
18. High
19. Get you closer
20. Life isn’t easy in Germany
21. Loser
22. Spontanverkehr
23. Uns geht’s gut
24. Metalhammer
25. MĂ€nnermusik
26. Deutschmaschine
27. Take some more
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28. U-Boot-Krieg in Ost-Berlin
29. Speicherbar
30. Sternradio (mit Photographic-Exzerpt von Depeche Mode)
31. Big in Japan (Alphaville-Cover)
32. Second Voice
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33. Back Home
34. Techno Man
35. Military Fashion Show
36. Sometimes
37. Shouts of joy
38. Pimmelmann (Z)
39. Babicka Karel Gott-Cover) (Z)
40. Klaus (Z)

And One:

Beyond Obsession:

Fotos: Frank GĂŒthoff

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