UNZUCHT & DEATH VALLEY HIGH – Bochum, Matrix (31.01.2015)

2015-01-31_Death_Valley_High_-_Bild_002.jpg
GeschÀtzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Ja, mit der Matrix Bochum ist es so eine Sache. Von vielen geschĂ€tzt als abwechslungsreiche Party-Disco, aber als Konzertlocation auch bisweilen fĂŒr untauglich erklĂ€rt. Zeitweise matschige Akustik und ĂŒbertriebene Enge sind nun einmal zwei Komponenten, die sich kaum ein Besucher beim Anschauen und Anhören der eigenen Lieblingsbands wĂŒnscht. Aber tatsĂ€chlich scheint sich in der jĂŒngeren Vergangenheit zumindest in ersterer Hinsicht etwas getan zu haben. Sowohl die aus San Francisco stammende Vorband Death Valley High als auch die Unzucht ballerten druckvoll und klar aus den Boxen. Eng war es trotzdem. Dies sollte aber keinen verwundern, denn das unzĂŒchtige Quartett aus Hannover klettert die Karriereleiter weiter unaufhaltsam nach oben. Mit dem neuen Album Venus Luzifer erreichten Daniel Schulz (Gesang), Daniel De Clercq (Gitarre, Gesang), Tobias Fuhrmann (Drums) und Alex Blaschke (Bass) wieder einmal neue KĂ€uferschichten, ohne die Fans der ersten Stunde zu enttĂ€uschen.

Doch bevor Unzucht an diesem Samstagabend ab 21.15 Uhr einen –so viel darf man vorwegnehmen– umjubelten Gig hinlegten, waren erst einmal Death Valley High an der Reihe.
Und sorgten durchaus fĂŒr Diskussionen unter den Anwesenden. Die vier Jungs aus Kalifornien passten nicht nur auf dem ersten Ohr vielleicht nicht zu einem Publikum, welches sich den getragenen Bandshirts nach zu urteilen in erster Linie fĂŒr „Neue Deutsche HĂ€rte“- und Mittelalter-angehauchte Musik zu begeistern schien. Der abwechslungsreiche, stimmgewaltige und angenehm komplexe „Doom Pop“ -so bezeichnet die Band ihren Stil auf der eigenen Facebook-PrĂ€senz- ließ gleichermaßen Erinnerungen an die frĂŒhen Marilyn Manson wie auch an tanzbare Indie-Disco-Gruppen wie Franz Ferdinand, The Faint oder Kasabian aufkommen. Dem Schreiber dieser Zeilen kam aber bei mehr als nur einem Song der Gedanke, dass sich diese Band vielleicht doch eher auf einen „normalen“ Rockfestival prĂ€sentierten sollte als vor einer Gothic-Crowd, die sich nicht so recht zu mehr als einem Höflichkeitsapplaus nach einzelnen Liedern hinreißen lassen wollte. Besonders interessant: Die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige gitarrengeprĂ€gte Version des Electroclash-Klassikers Fuck the pain away der Wahl-Berlinerin „Peaches“.

So waren die meisten der mehreren hundert Anwesenden froh, als Unzucht nach einer knapp halbstĂŒndigen Umbaupause mit dem Venus Luzifer-Opener Wir sind das Feuer auf die BĂŒhne kamen. Nach Seelenblind folgte dann die -zum GlĂŒck einzige- große EnttĂ€uschung des Gigs. SĂ€nger Daniel Schulz vergeigte den von vielen Fans immer wieder bedingungslos abgefeierten jungen Klassiker Kleine geile Nonne komplett und sang ĂŒber drei Minuten hinweg konstant jede Textzeile zwei Takte zu frĂŒh. Da Unzucht nach 149 Konzerten -der Matrix-Gig stellte somit ein JubilĂ€um dar- aber routiniert genug sind, sich von so etwas nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, ging es direkt im Anschluss fehlerfrei und mit dem belgischen Inferno vom DebĂŒtalbum TodsĂŒnde 8 weiter. Überhaupt setzten die vier Bandmitglieder den Fokus weg vom Durchbruchsalbum Rosenkreuzer, welches mit nur vier StĂŒcken etwas unterreprĂ€sentiert war.

Eine muntere Mischung aus alten Hits wie Der letzte Tanz oder Unzucht mit den neuen Venus Luzifer-Liedern wie Unendlich oder Neugeboren fand dann nach einer guten Stunde ihr Ende.
Dass es das aber noch nicht gewesen sein konnte, war jedem Anwesenden klar. Das unvermeidliche Deine Zeit lĂ€uft ab, sowie die eher balladesken Schweigen, Mein Grab und Mit dir oder ohne dich begeisterten das Publikum, welches die Band mit einem minutenlangen Chor der vier SchlĂŒsselzeilen von Wir sind das Feuer und einem enthusiastischen „Happy Birthday to you“ zum 150. Konzert der Bandgeschichte gegen 22.50 Uhr glĂŒcklich und zufrieden in Richtung Merchandise-Stand entließ.

Setlist Unzucht:
01. Wir sind das Feuer
02. Seelenblind
03. Kleine geile Nonne
04. Das belgische Inferno
05. Meine Liebe
06. Kind von Traurigkeit
07. Unendlich
08. Der letzte Tanz
09. Der Versuch zu leben
10. Unzucht
11. WĂ€hrend wir uns verlieren
12. Neugeboren
13. Engel der Vernichtung
14. Schweigen (Z)
15. Deine Zeit lÀuft ab (Z)
16. Mein Grab (Z)
17. Mit dir oder ohne dich (Z)
18. Wir sind das Feuer – Reprise (Z)

Unzucht:

Death Valley High:

Fotos: Daniel Beiderwieden

Kommentar verfassen